Corona
Die Hälfte aller Vorschläge von Google News hat Corona in der Überschrift, Nach­richten­sen­dungen stehen dem kaum nach. Ich will nicht sagen, die Angst sei völlig unange­messen, weil die Infek­tion vergeht wie viele zuvor und wir nach ein paar tausend Toten wieder zur Tages­ord­nung übergehen, vermag aber nicht daran zu glauben. [1] Andere drama­tisieren und reden von einer exponen­tiellen Entwicklung. Tatsäch­lich ist die derzeit außer­halb Chinas durchaus zu sehen: In den nun andert­halb Monaten mit Daten hat sich die Gesamt­zahl der Infek­tionen tatsäch­lich Woche für Woche verdrei­facht. Jede Woche kommen doppelt soviele Neuinfi­zierte hinzu als es Erkrankte zu Beginn der Woche insge­samt gibt und gegeben hat. Geht es so weiter, wird Anfang Mai eine Milli­arde Menschen betroffen sein.

Doch so schlimm wird es nicht kommen. In China ist diese exponen­tielle Entwick­lung gestoppt, die Zahl der Neuinfek­tionen soll sogar abnehmen. So rigoros die drasti­schen Maßnahmen eines undemo­krati­schen Regimes auch sein mögen, sie haben wohl gewirkt. Der größte Teil Chinas blieb bisher verschont. In die Welt getragen wurde Corona wie Aids durch die Jet­setter. [2] Corona wird es wohl nicht einmal zu einem Fliegen­schiß in der Geschichte bringen. Wahr­schein­lich wird die Krankheit weniger als 100.000 Tote fordern. Das überbietet so mancher Krieg und so manche Grippewelle. [3] Und wenn ich einmal unterstelle, daß man nicht mehrfach erkrankt und das Virus nicht vor Herstellung eines Impfstoffes mutiert, dann würde die Menschheit schlimm­sten­falls um keine 5 Prozent schrumpfen.

Wesentlicher als die spekulativen Zahlen über Krankheit und Tod, sind die schon jetzt sichtbaren, von Hysterie getriebenen Folgen für das tägliche Leben, auch außerhalb der Quaran­täne­gebiete. Sie sind nicht alle negativ zu bewerten, vor allem nicht für mich und meine Misanthropie. Wer Nudeln und Konserven hamstert [4], hat hoffent­lich einen hohen Preis gezahlt, daß nach der Epidemie die Nachfrage einbricht und ich sie billig kaufen kann. Für Aktien fehlt mir leider das Geld. [5] Und schlag­artig wird nicht nur sichtbar, über welche Zwangs­mittel der vielge­scholtene National­staat im Notfalle verfügt. Auch die Sinnlo­sigkeit von Flugreisen und Kreuz­fahrten setzt sich dank Corona hoffentlich stärker in den Hirnen fest als die sog. Klima­debatte es je vermochte.

Außerdem wird mit Corona sichtbar, was ein ordent­liches Gesund­heits­system und zivili­sierte Umgangs­formen wert sind. Auf einmal geht es um Volks­gesundheit, nicht mehr um exotische Krank­heiten. Wer nach franzö­sischer Sitte jeden küßt, ist nicht mehr nett, sondern dumm. Wer auf den Boden rotzt, ist wieder eine Drecksau. Und Deutsch­land ist hoffentlich nicht schon soweit globa­lisiert, daß inter­nationale Sterbe­raten erreicht werden. Gestern mußte man schon einen Deutschen in Ägypten bemühen, heute gibt es auch zwei Tote in der Heimat.

[1] Mit Annegret Kramp-Karrenbauer hat meine prophe­tische Kunst einen Tiefpunkt erreicht. Ich dachte, sie würde mit ihrem Hang, ähnlich Donald Trump ihre Meinung zu sagen, sich von den Wort­hülsen anderer abheben und sich nicht nur in Thüringen durch­setzen. Wenige Tage später hat sie ermürbt aufgegeben.

[2] Warum wurden die Aids-Kranken nicht in die Quaran­täne gezwungen? Sie konnten nach eigenem Belieben andere anstecken oder auch nicht. Erst so erreichte das Virus die Frauen, Kinder und Blutkon­serven. Und wie ist es den homo­sexuellen Männern gelungen, sich vom Täter zum Opfer zu stili­sieren? Wird es bald auch Corona-​Ansteck­schleifen geben?

[3] 22.05.2020: Das war eine Fehlein­schätzung, eine Überbe­wertung der Reaktions­fähigkeit von Regie­rungen in aller Welt. Nation um Nation hat es verpennt, sich die Probleme anderer angesehen und Maßnahmen erst ergriffen, als die Epidemie schon in Fahrt gekommen war. So wird Corona lange in Erin­nerung bleiben, bei vielen auch mit schmerz­lichen Erinne­rungen. Doch mit Krieg ist es nicht zu verglei­chen. Auch Grippe­wellen sind mitunter tödlicher, doch nur stati­stisch. Sie sind schnell vergessen, weil sie ohne Einschrän­kungen des täglichen Leben kommen und vergehen.

[4] Ich habe schon vor der Hamsterwelle zehn Dosen Herings­filet zu 79 Cent gekauft, weil sie abgesehen von denen in Tomaten­sauce sonst 89 Cent oder noch mehr kosten. Außerdem müssen noch drei Dosen Sauer­kraut weg, die ich günstig für 99 Cent erwerben konnte. Und wenn meine 1800 Blatt Toiletten­papier verschmiert sind, muß eben wie früher das Zeitungs­papier die Kanali­sation verstopfen.

[5] Für kleine Leute sind Aktien nichts. Zum einen ist es vermessen zu glauben, man sei besser als der von Fachleuten durch­setzte Durch­schnitt. Zum anderen fehlt das Geld, auf dem Tief­stand zu kaufen, wenn man nicht der große Zampano ist, der oben verkauft hat und nicht mit einem dicken Paket in den Keller gerauscht ist.

420 | Vogelgrippe | AKK | Disziplinlosigkeit | Virologenschnack | Prognose | Lebenswert | Ethikraten | Herdenimmunität | Tote | Nationalstaaten | Unredlichkeit | Reproduktion | Unterleben | Förderalismus | Rattenschwanz | Siebentage-R

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Ich bin schnell noch einmal hamstern und habe zwei Stangen Lauch statt einer gekauft, weil sie recht dick waren und jede nur 49 Cent kostete. Dazu noch vier Packungen Eier aus Boden­haltung, weil die Freil­and­hühner nicht frei­willig raus gehen und Bio-Eier nur klein, teuer und ohne Geschmack sind. Sie waren zwar mit nunmehr 13 Cent nicht billiger als sonst, doch von der Größe L, denn unver­schämter­weise werden sie auch in der Größe M nicht billiger verkauft. Als es vor ein paar Wochen zwei Packungen für nur 2 Euro gab, hatte ich leider nur sechs erstanden. Nudeln waren noch reichlich da, nur klaffte an einer Stelle ein großes Loch. Welche von Preppern favori­sierte Sorte dort stand, habe ich mir nicht ange­sehen. Beim Toiletten­papier war es ähnlich. Viel­leicht fehlte die Sorte mit den bunten Bildern, die man sich ansehen kann, wenn alle einsam und allein zu Hause sitzen und nichts zu essen haben.

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Die Italiener haben ihr ganzes Land abgeriegelt und ihr Flüchtlingsproblem damit gelöst und verschärft zugleich. Dank Corona dürfen Touristen nicht mehr arglos einreisen, weder vom Kreuzfahrtschiff, noch aus dem Gummiboot. Auf der anderen Seite kann man jeden trotz allem Angelan­deten nicht einfach nach Norden weglaufen lassen, sondern muß ihn in Quarantäne halten.

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Eben höre ich im Fernsehen von einer Veggie-Messe in Frankfurt. Die Besucher haben keine Angst vor Corona, da sie doch gesund leben und nicht erkranken, zumindest nicht sterben, auch wenn sie sich haufen­weise künstiche Fleisch­ersatz- und Geschmacks­stoffe reinziehen.

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Einmal die Woche verlasse ich meine Einsiedelei und besuche meine alte Arbeits­stätte. Es wurden gerade Stühle aufgebaut für eine Abend­veranstal­tung mit 95 Gästen, während eine Abschied­feier mit knapp über 100 abgesagt werden muß. Auf der Toilette gab es reichlich Seife und Papier­tücher. Sie waren weder ausge­gangen, noch gestohlen. Als ich mit feuchten Händen die Tür öffnete, kamen mir Zweifel. Wären ungewa­schene trockene nicht sicherer? Denn Corona wird leichter von Hand zu Hand als von Arsch zu Arsch übertragen, außer auf Karnevals­sitzungen.

Auf dem Hinweg wollte ich zur Überbrückung der Umstei­gezeit am Automaten eine Briefmarke zu drei Cent kaufen, doch leider oder Gott sei Dank kam der Vorder­mann, dem es aus der Nase troff, nicht zu Potte. Auf der Rückfahrt in der Straßen­bahn dann der Horror. Einer stieg mit Atem­maske ein, und eine alte Asiatin direkt neben mir hustete in ein Taschen­tuch. Eine junge Frau und ich mußten daraufhin grinsen. Doch leider bin ich ein alter Mann, sonst hätte Corona mir viel­leicht in die Hände gespielt. Die aber­malige Warte­zeit nutzte ich, um bei DM Desin­fektions­mittel für mein Geschirr zu kaufen. Am Eingang Unmengen von Sagrotan, weiter hinten Berge von Haus­halts­tüchern, beim Baby­„zubehör“ riesige Windel­haufen, und an der Kasse ein Hinweis auf die haushalts­übliche Abgabe­menge von maximal drei Artikeln.

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Die Sondersendung mit Frau Merkel ist vorbei. Und wieder die Fördera­lismus-​Litanei. Was ist so schlimm daran, wenn das Saarland und Hessen abweichend vonein­ander handeln? Luxemburg und Holland machen es doch auch. Und dann noch das Gejammer über wirtschaft­liche Folgen und die Gelegen­heit, die schwarze Null infrage zu stellen. Warum muß über Einschrän­kungen im Fern­reise­verkehr und die Streichung von Groß­veranstal­tungen noch diskutiert werden? Es ist doch klar wie Kloß­brühe, daß sich Krank­heiten nur langsam ausbreiten können, wenn dies von Nachbar zu Nachbar geschehen muß, die andere Straßen­seite oder gar der Nachbarort nur schwer erreicht wird.

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Als Kind stieg ich hinten in den Bus ein. Dort saß ein Schaffner hinter dem Tresen, hat mir einen Fahr­schein verkauft und konnte kompe­tente Auskunft über Ziele, Fahrwege und Tarife geben. Der Fahrer konnte nach dem Einstieg sofort weiter­fahren, um mich schnell ans Ziel zu bringen. Um­welt­freund­lich war der O-Bus auch noch.

Zwischenzeitlich haben wir uns an fehlerhafte Anzeigen und Ansagen gewöhnt. Auch an mür­rische Busfahrer, die über Gasgeben hinaus kaum ausge­bildet sind, aber Fahr­scheine verkaufen und freund­lich sein sollen. Vor zwanzig Jahren ist dieses Konzept zur Kosten­ersparnis wohl aufge­gangen, in Städten mit besser bezahlten Fahrern, die auch im Umgang mit Menschen geschult sind, klappt das heute noch.

Die Bauernburschen an den Lenkrädern der Vorort- und Über­land­busse dagegen sind unerträg­lich. Heute wurden ihre Gebete erhört. Die Fahr­gäste mußten hinten einsteigen, vorne hielten Rest­posten von Absperr­band sie fern. So konnte ich mir die Begrüßung ersparen, die so und so nicht immer erwidert wird. Vorbei sind die Zeiten, da man sich gegen die Vor­schrif­ten mit dem Fahrer unter­hielt. Heute verletzen sie andere, bis hin zu roten Ampeln.

Vielleicht ist das alles ein Schritt in die richtige Richtung. Daß man einen Fahr­schein benötigt, obwohl der Fahrer keinen verkauft, wird die bargeld­lose Zah­lung mit dem Mobil­telefon befördern. Das Absperr­band wird Glas­scheiben und Türen weichen, wie sie in Straßen­bahnen üblich sind. So macht es den Menschen weniger Angst, wenn vorne nur noch eine Puppe sitzt und der Computer fährt.

Freitag, der 13.

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Nun hat Corona auch meinen Wohnort erreicht. Einer soll erkrankt sein, gleichwohl stati­stisch nur höchsten mit 1/5 zu rechnen war. Und schon sind die Regale nicht gerade leer, doch recht löchrig. Beinahe hätte ich sie aufge­räumt genannt, doch Pack hinter­läßt auch gerne Unord­nung. Und das Personal trägt mit noch mehr Abfall­bergen als üblich dazu bei. Auch mit Stapeln von Haus­halts­tüchern, die das Käse­regal versperren. Den schrift­lichen Hinweis auf die Hygiene sehe ich als Verar­schung.

Natürlich ist die Aufregung in den asozialen Medien groß. Auch der Stunk zwischen vermeint­lich Zustän­digen, die von unten viel gelöchert werden und sich von oben schlecht infor­miert fühlen. Speku­lationen über Identität und Wohnung des Betroffenen schießen ins Kraut. Einiger­maßen gesichert scheint nur, daß er sich aus einem öster­reichi­schen Skigebiet, dessen Name bereits Kehl­kopf­krebs verur­sacht, mit vielen Erkrankten zurück nach Deutsch­land gemogelt hat. Es trifft also einen Deka­denten und (noch) keinen Unschul­digen.

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Virologen und Ärzte werfen Poli­tikern gerne vor, sich mit eigent­lich nur zöger­lichen Maßnahmen profi­lieren zu wollen. Im Gegenzuge möchte ich nicht wissen, mit wievielen Veröffent­lichungen und Disser­tation sie sich selbst adeln werden. Es wird viel von Modell­rechnungen gefaselt. Heraus­gekommen ist dabei kaum mehr als der übliche Verdäch­tige aus den weniger harten Wissen­schaf­ten, nämlich die Normal­verteilung. Sie entsteht, wenn die Realität normal­verteilt von einem mitt­leren Wert abweicht. Aber warum sollte eine zeitliche Entwick­lung wie eine Epidemie zunächst gemäß einer Normal­verteilung den Berg hinauf klettern und dann ganz symme­trisch wieder herab­fallen?

Es ist sicher­lich richtig, die Ausbrei­tung des Virus zu verlang­samen, um so die Gesamt­belastung des Gesund­heits­wesens auf einen längeren Zeitraum zu strecken. [1] Dazu werden eine rote spitze und eine grüne flache Normal­vertei­lung gezeigt, gefolgt von der Warnung, daß sich die Gesamt­zahl der Erkran­kungen dadurch nicht mindere und 60 Pro­zent der Bevöl­kerung betragen werde. [2] Gerne wird auch von einer exponen­tiellen Entwick­lung gefaselt, zumal sie mit dem bloßen Auge kaum vom linken Ende vieler anderer zu unter­scheiden ist. Eine Normal­verteilung ist ebenfalls unwahr­scheinlich, weil nicht verteilt wird, sondern sich etwas entwickelt. Wie so oft in der Natur kann und wird sie sich dennoch näherungsweise ergeben.

Ich empfehle einen Blick auf China, wo derzeit nur noch eine Handvoll Menschen täglich neu infiziert werden. Zwar mag dort zwischen den Metro­polen viel viren­feind­liches Land liegen, doch wohnen allein in Wuhan über 10 Mil­li­onen Menschen, womit weniger als 100.000 Er­krank­te es nicht einmal auf 1 Pro­zent bringen. Wie kann man da in Deutsch­land mit seinem guten Gesund­heits­wesen von 60 Pro­zent reden, wenn man Maßnahme um Maßnahme trifft, um dem Virus das Leben schwer zu machen. Schon vor einem Monat haben die Chinesen den Wende­punkt erreicht, wo die Kurve der insgesamt Erkrankten von einer Links- in eine Rechts­krümmung über­ging.

Daraus sollte man für Deutsch­land und auch andere Länder lernen. Ich bin kein Virologe mit computer­gestützten Modellen, die wegen fehlender oder ungenauer Para­meter auch keine Weis­heiten aus­spucken können, und habe mir der Einfach­heit halber zunächst die tägli­chen Zuwachs­raten λ(d) der Neu­erkran­kungen auf den d. März ange­sehen. Sie schwanken stark und regen auf, wenn sie einmal sehr hoch sind oder zur besten Sende­zeit gar falsche Prozent­zahlen genannt werden. Mit einem linearen Ausgleich auf lnλ(d) ist aber zu errechnen, was man mit bloßem Auge vermuten kann: In den letzten zwei Wochen über­schrei­tet λ(d) den Wert 1,6·0,98^d im geometrischen Mittel nicht, womit die Anzahl der tägli­chen Neu­erkran­kungen unterhalb von

n(d) ≈ 8 · 1,6d · 0,98d(d+1)/2 = α/√(2πσ2) · exp ( -(d-μ)2/2 )

bleiben sollte. In meinem Modell ergibt sich tatsächlich eine Normal­vertei­lung mit einem Höhe­punkt von 1500 Neu-​Infi­zierten (Fak­tor vor exp) am 23. März (μ=22,8), einer Streuung von etwa einer Woche (σ=7,04) und weniger als 30.000 Infi­zierte ins­ge­samt (α=26500). Sterben werden wohl keine 10 ppm. Aber es kann auch ganz anders kommen, und ich muß mich dann fragen: Was haben die Chinesen, was wir nicht haben? Reise­unlust der Einhei­mischen und Nachbarn? Hohe Quaran­täne-​Diszi­plin? Starkes Immun­system?

[1] Sofern mein Menschenverstand noch gesund ist, tritt durch rigorose Maßnahmen keine Streckung ein, keine Verschiebung des Maximums nach hinten. Vielmehr wird die Kurve einfach niedriger.
[2] In der Wikipedia ist zu lesen: „Der Vorsit­zende des Robert-​Koch-​Insti­tuts progno­stiziert, dass das Virus letzt­lich 60 bis 70 Pro­zent der Bevöl­kerung in ein bis zwei Jahren treffen werde, wie es für andere leicht über­trag­bare Erreger normal ist, solange es weder Immu­nität in der Bevöl­kerung noch eine Impfung noch ein Medi­kament gibt“ und „Maximum der Fälle zwischen Juni und August“. Was sagen sie, wenn es nicht so kommt? 55 Pro­zent haben es nicht gemerkt oder müssen noch ein Jährchen warten! Chinesen sind zu 99 Pro­zent immun!

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Und heute ein Bild auf der Basis meiner gestrigen Über­legungen. Die der Wiki­pedia entnom­menen Zahlen täglich neu infi­zierter oder besser positiv gete­steter und gemel­deter Deutschen oder wohl eben­falls besser Menschen in Deutsch­land sind durch blaue Punkte darge­stellt. Auf ihnen beruht meine blaue Prog­nose vom 14. März. Die roten Punkte zeigen in den nächsten Tagen die weitere Entwick­lung. Heute ist es erst einer. [1,2,3,4,5,6,7,8]


Täglich Neuinfizierte, Prognose auf blauen Werten, rote Realität

Ich hätte mir das Leben leichter oder auch schwerer machen, meinen zum Fern­seher umfunk­tio­nierten Computer wieder hoch­fahren und Mathe­matica eine Normalverteilung an die bereits bekannten Werte anpassen lassen könnnen. Dann wäre wahrscheinlich ein geringeres Maximum einen Tag früher herausgekommen. Meine Rundung der Parameter ist mehr zugunsten der Epidemie, auch um nicht zu optimi­stisch zu sein.

Der aufmerksame Leser mag bemerkt haben, daß ich als Mensch keinen exponen­tiellen Ausgleich mit mini­maler abso­luter Abwei­chung auf die tägli­chen Zuwachs­raten, sondern einen linearen auf deren Loga­rithmen vorge­nommen habe. Das ist in vielen Fällen durchaus sinnvoll, hier aber bleibt zu beachten, daß für Gesamt­zahlen die Tages­werte addiert werden, also das arith­metische Mittel entscheidet, nicht das von mir durch Logarith­mieren entstan­dene kleinere geome­trische. Tatsäch­lich sieht es aus diesem Grunde nicht nur so aus, als lägen auch die blauen Punkte mehr ober- als unter­halb meiner blauen Linie.

Auf den einen oder anderen Tag für das Maximum und ein paar Prozente in der Höhe kommt es auch gar nicht an, sondern auf die Fläche unter der blauen Kurve und die Größe des Gebirges [9] unter den blauen bzw. roten realen Werten. Der wesent­liche Punkt ist, daß ich bei einer Gebirgs­fläche von weniger als 30.000 In­fi­zierten nicht mit mehr als die 100.000 von Wuhan rechne, weit weniger als die in den Raum gestellten 50 Mi­lli­onen.

Für Bilder im Fernsehen und Internet kleben Grafik­designer gerne zwei Normal­vertei­lungen in ein Koor­dinaten­system, ersparen sich aber den entschei­denden Punkt, nämlich die Beschrif­tung der Achsen. Damit stehen sie in guter Tradi­tion der Visuali­sierer, die dickes Geld mit unge­nauen Bildern verdienen und sich nicht nur damit rausreden, ihre schwung­vollen Linien seien symbo­lisch zu verstehen, sondern dem Kritiker ihres Geschmieres auch noch vorwerfen, den wesent­lichen Punkt nicht begriffen zu haben.

[1] 16.03.2020: Die letzten drei Tage liegen die Werte zwar über der Prognose, doch die Zuwachsrate wird dennoch kleiner.

[2] 17.03.2020: Das RKI hat von vorabge­meldeten laborbe­stätigten Infek­tions­fälle auf elek­tronisch übermit­telten Fälle umge­stellt und listet letztere auch rück­wirkend. Der für heute gemeldete Zuwachs von 1723 beruht auf dieser neuen Stati­stik, die am Vor­tage (16.03.) um 579 hinter der alten hinter­herhinkte. Deshalb habe für heute (17.03.) nur 1729-579=1144 neue Fälle gelistet. [später erneut angepaßt [6]] Sehr lustig ist auch der eine am heutigen Tage von den Toten Aufer­stan­dene (-1 Ver­storbene).

[3] 18.03.2020: So ist das in den weichen Wissen­schaften. Zahlen­aufstel­lungen werden als Stati­stik ausge­geben, auch wenn wie hier Erhebungs­methode und nun erneut Melde­zeit­punkt geändert werden. So ist der recht niedrige Wert zum heutigen Tage [später erneut angepaßt [6]] nicht eine Bestä­tigung meiner Vorher­sage, sondern einfach einem um elf Stunden gerin­geren Tag geschuldet ist, auch wenn die meisten davon in der Nacht liegen.

[4] 19.03.2020: So mußte es ja kommen, fast eine Ver-e-​fachung an einem Tag, also nicht irgen­deine exponen­tielle Entwick­lung, sondern auf Tages­basis die natür­liche Exponen­tial­funktion. Wie kommt es zu einem solchen Sprung? Zum einen durch die Ände­rung des Melde­wesens wodurch nicht nur gestern fehlende Fälle heute gezählt wurden. Zum anderen mögen die im Gegen­satz zu den Chinesen und Kore­anern diszi­plinlosen Deutschen die letzte freie Woche noch einmal zur Ansteckung genutzt und Infi­zierte unge­prüft ins Land geholt haben.

[5] 21.03.2020: Meine Prognose beruht allein auf den veröffent­lichten Zahlen bis zum 13. März, nicht auf fein­geistigen Unter­scheidungen zwischen gemel­deten und wirklich Infi­zierten, für die gleich­falls nicht klar ist, welche Symptome hätten festge­stellt werden müssen oder wieviele Millionen Viren sich im Körper zu befinden haben. Eine Prognose mit gleichen Methoden am heutigen Tag beließe das Maximum am 23. März. Die Vertei­lung wäre knapp einen Tag breiter, aber doppelt so hoch. Mit fast 60.000 Er­krankten insgesamt wäre zu rechnen. Und leider, leider auch mit einer stärkeren Schwankung um die prog­nosti­zierte Ideal­linie.

[6] 22.03.2020: Noch gestern waren die Zahlen der Wikipedia irgendwie zusammen­kopiert. Weshalb an einem Tag die Anzahl der Neuer­krankten nicht der Diffe­renz der Gesamt­zahlen entsprach. Heute ist nun ein Tag entfallen, die Null-​Uhr-​Daten werden nicht mehr den Folgetag, sondern dem Vortag zugeordnet. Inhalt­lich ist das richtig, der Verlauf wird dadurch eben­mäßiger und eine Prognose am heutigen Tag entspricht besser dem Augen­schein: Die Breite der Vertei­lung bleibt unver­ändert, das Maximum mit 2800 Neu­infi­zierten liegt mit dem 19. März früher und ist bereits über­schritten. Insge­samt sind 50.000 zu erwarten. [Nur ein hoher Wert am Folgetag, und schon gilt wieder die Erwar­tung des Vortages. Das Maximum ist also noch nicht erreicht. Die ungleich­mäßigen Melde­daten können nicht der Realität entsprechen.]

[7] 23.03.2020: Ich hatte es fast befürchtet, die Realität über­bietet meine Erwar­tungen. Woran mag das liegen? Ich glaube an den zu geringen Zahlen der ersten Tage, die meiner Prognose zugrunde lagen. Zu gering, weil zu Beginn der Erfas­sungs­grad schlechter war und die unge­prüft heim ins Reich geholten Kranken fehlten. Trotzdem bin ich nicht enttäuscht, solange die Prog­nosen der Viro­logen noch um den Fak­tor 1000 unter­boten werden. Der hohe Wert am heu­tigen Tage wird auch daran liegen, daß für gestern aus Nord­rhein-​West­falen 1000 mehr gemeldet wurden, die sie vorgestern nicht übermittelten. Eine entspre­chende Korrektur läßt den Verlauf deutlich eben­mäßiger aussehen.

[8] 26.03.2020: Das Robert-Koch-Institut hoffte am Montag, gestern einen Rückgang der „expo­nen­tiellen“ Entwick­lung vermelden zu können. Dazu konnte sich der Präsi­dent Lothar Heinz Wieler jedoch nicht durch­ringen, obgleich doch klar ist: Wenn bei stei­gender Zahl kranker Menschen die der neu infi­zierten stag­niert, dann geht es bald auch bergab. Wer auf mein Diagramm schaut, wird die derzeitige Stagnation nicht erkennen. Das liegt auch daran, daß am letzten Woche­nende Meldungen teil­weise nicht statt­fanden. Dadurch sind frühere Werte geringer und spätere höher, was den Eindruck einer Steige­rung verstärkt. Damit stelle ich meine Kommen­tierung der weiteren Entwick­lung und Aktua­lisierung des Dia­grammes hier ein, setze beides aber in einem eigen­stän­digen Beitrag fort.

[9] Gebirge springen durch Balken­diagramme besser ins Auge, versauen aber den Gesamt­eindruck fast jeder Grafik. Ebenso die Verbin­dung sprung­hafter Einzel­werte durch Linien. Sie sugge­rieren einen Verlauf, den es gar nicht gibt.

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Auch Anne Will läßt über Corona diskutieren. Neben unumgäng­lichen Experten und Betrof­fenen der Wirtschaft sitzt auch der Viro­loge Alexan­der S. Kekulé, der schon bei Markus Lanz heraus­hängen ließ, daß Politiker nur mit seinen Kollegen sprechen, obgleich er schon vor langer Zeit forderte, was erst jetzt umgesetzt wird. Auch vor Beleh­rungen einer Kollegin schreckte er nicht zurück. Zudem hat er persönlich durch­gerechnet, daß ein einziges bereits aus dem Skiurlaub zurück­gekehrtes Kind binnen kurzer Zeit 3000 Men­schen anstecken kann. Und eine Pandemie entwickele sich explo­sions­artig wie eine Bombe, obwohl doch jeder weiß, daß eine Bombe nicht langsam explo­diert. Ich glaube, nach der Krise muß ich Virologe zu den Schimpf­wörtern zählen.

Atombombe

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Soeben gab es bei Rewe nur noch bunte Eier zu Ostern. Was ein Glück, daß ich gestern bei Netto 20 Stück zu 2,22 Euro erstanden habe. Eigent­lich bin ich nur so früh los, weil ich gestern vergaß, Brot zu hamstern und heute morgen meine Eier ohne essen mußte. Ich wollte mir auch etwas Knäcke­brot für Notzeiten zulegen. Als ich jedoch vor dem weit­gehend geplün­derten Regal stand, habe ich mich geschämt zuzu­greifen und bin zu der Erkenntnis gelangt, daß es so und so nicht schmeckt und ich lieber Pumper­nickel kaufen sollte, was ich aber eben­falls nicht getan habe. Außerdem kann ich bei meinem Gewicht einen Monat hungern, ohne vom Fleisch zu fallen. Und im Notfalle werde ich als weißer alter Mann auch noch einen selbst­losen Jugend­lichen finden, dem ich meine Lebens­mittel­karten zum Einkauf mitgeben kann.

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Friedrich Merz stellt seine Arbeitskraft der CDU zur Verfügung, nur nützt das nichts, wenn sich dafür gerade keiner inter­essiert und er nun auch selbst in Quaran­täne muß. Laschet als Minister­präsident des vorwie­gend betrof­fenen Bundes­landes muß sich keine beson­deren Vorwürfe machen lassen, kann sich profi­lieren und nun von Macron abge­schaute Töne anschlagen: Es ist keine Zeit für Diffe­renzie­rungen, Punkt.

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Herr Lanz rechnet vor: 3, 9, 81, 243 und dann sind wir ganz schnell bei 1000, dazu muß man kein großer Mathe­matiker sein. Nein, muß man nicht, es reicht ein schlichtes Gemüt. Ich will nicht damit anfangen, daß nach 24 Schrit­ten 9 Mil­liarden erreicht werden, sondern auf der Basis chine­sischer Erfah­rungen nur dezent darauf hinweisen, daß der anfäng­liche Faktor von 3 mit der Zeit sinkt. Zum Beispiel mit jedem Schritt um 1/3. Dann ergibt sich 3, 9, 24, 56, und dann sind wir ganz schnell bei 0.

3·81=243 | 3^12

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Gestern sprach ich trotz allem mit meinem Missionar der Zeugen Jehovas. Er berich­tete von einem Film­chen, in dem sich zwei hand­greif­lich um Toiletten­papier streiten. Und dann mußte er an der Kasse eine von drei Ölfla­schen dalassen. Leider konnte ich mangels Masse an der Selbst­zahler­kasse nicht über­prüfen, ob sie diese Restrik­tion eben­falls beachtet hätte. Aber die Kassie­rerin gab auch einen Tipp: Einfach nochmal kommen.

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Im linearen Fernsehen läuft zur Zeit nichts Besseres als Rosins Restau­rants. Zumeist endet sein Einsatz erfolg­reich, weil der Sender viel Geld in Beratung, Mobiliar und neues Geschirr steckt. Vergleich­bare Restau­ratons­betriebe sollten aber besser Insolvenz anmelden, damit alle Betei­ligten ein Auskommen haben, sei es durch normale Arbeit oder Sozial­hilfe. Corona wird in diesesm Sinne reinigend wirken. Es hat keinen Sinn, ohne Rück­lagen solche Betriebe zu erhalten. Ihre Überzahl führt nur zur Preis­drückerei. Die Menschen müssen sich wieder daran gewöhnen, daß eine ordent­liche Leistung auch Geld kostet.

Gesamtwirtschaftlich sehe ich durch Corona mehr Gesundung als Probleme. Trotz steigender Produk­tivität arbeiten wir immer noch acht Stunden. In der Folge hat sich eine Blase von Dienst­leistern gebildet, die den Überschuß durch Arsch­putzen und Herstel­lung von Luxus­artikeln abschöpfen. Wenn in einem solchen Bereich ein Euro an Einnahmen wegbricht und der Gewinn um zumeist wohl nicht mehr als 50 Cent sinkt, dann ist das unter dem Strich positiv, schließlich hat der Kunde ja den ganzen Euro gespart. Er sollte ihn nicht zur Seite legen und auf eine Kreuz­fahrt sparen, sondern einfach weniger arbeiten.

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Herr Lanz hat eine Virologin Melanie Brinkmann aufgetan. Beiläufig warnt sie vor 300.000  Infi­zier­ten. Na sowas: Faktor hundert unter den von ihren Kollegen verbrei­teten Horror­zahlen und nur zehn­fach über meiner Vorher­sage, die ich ange­sichts der schmalen Daten­basis zum Vorher­sage­zeitpunkt weiterhin als einiger­maßen zutref­fend sehe, solange im sieben Kommen­tare zuvor gezeigten Bild die blaue Kurve noch gut als solche zu erkennen ist und nicht am Boden herum­kratzt. Das wäre irgen­dwann der Fall, wenn die von Viro­logen beschwo­renen 50 Pro­zent der Bevöl­kerung zuträfen.

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Damit habe ich nicht gerechnet: Eben höre ich, daß meine Rente sicher ist und demnächst um 3,54 Pro­zent ange­hoben wird, sofern ich die Epi­demie überlebe.

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Bei allen Vorurteilen gegenüber Bayern, der CSU und auch Markus Söder muß ich doch sagen, daß es seinen Ausgangs­sperren zu verdanken ist, daß nunmehr Gesamt­deutsch­land mit Kontakt­verboten nach­zieht. Einen großen Unter­schied sehe ich nicht, mit Blick auf die Kanzler­schaft ist er aber wichtig und führte wohl auch zum Streit.

Eben redet nicht Angela Merkel, nicht Jens Spahn, sondern Armin Laschet. Auch über Heins­berg, obwohl sein Nord­rhein-​West­falen mit 0,020 Prozent Erkrankten (einer von 5000) mittlerweile unter dem Bundes­durch­schnitt liegt und es kaum noch Neuer­kran­kungen gibt. [1] Spitzen­reiter ist Hamburg, wo dank Ferien die Krankheit einge­tragen und im Anschluß nicht ernst genommen wurde. Gefolgt von Baden-​Württem­berg, wo man sich geschick­terweise mit Reden zurückhält.

Er schimpft auch über vorwiegend junge Menschen, die sich nicht an Empfeh­lungen halten, sich sogar Verboten wider­setzen. Auch wenn über vorwie­gend männliche Schüler und Studenten berichtet wird, die alten Menschen Lebens­mittel vor die Tür tragen, wird doch ein vergif­tetes Klima bleiben. Wohl kaum einer wird enterbt, doch das Lamen­tieren über Renten­beiträge wird verhallen. Auch um das Klima werden sich Jüngere bitteschön selbst kümmern sollen. Wer nun mit 80 an Corona stirbt, hat lange Zeit bescheiden gelebt und nicht die Umwelt versaut.

Gleich soll sich auch Angela Merkel äußern. So höre ich es in den Nach­richten, wo auch gemeldet wird, daß die Fall­zahlen weiterhin steigen. Das ist zwar richtig und wird richtig bleiben, solange es minde­stens einer am Tag ist, trotzdem ein drama­tisie­render Gemein­platz, denn die Neuinfek­tions­rate stagniert, und es ist kein Grund zu sehen, weshalb sie wieder stark anziehen sollte. Gleich­falls wird behauptet, Nord­rhein-​West­falen stehe weiterhin an erster Stelle. Auf die Daten des Robert-​Koch-​Insti​tutes kann man sich dabei nicht bezogen haben. [2,3] Und die Größe dieses Bundes​landes wird völlig außer Acht gelassen.

[1] Im Fernsehen wird Nordrhein-Westfalen mit 7300 immer noch als Spitzen­reiter gesehen. Wie diese Hopkins-​Zahlen zustande kommen, bleibt wohl schleier­haft. Viel­leicht kennen sie die Lan­des­grenzen nicht. Oder sollte sich das Robert-​Koch-​Institut dauer­haft geirrt haben? Dort sind es nur halb soviele mit einem schmalen Zuwachs von nur 3 am letzten Tag.
[2] Unsere Qualitätsjournalisten nehmen die höheren Zahlen der Johns-​Hopkins-​Univer­sität gerne an. Und eben höre ich von Maybritt Illner oder Anne Will, die Zahlen des Robert-​Koch-​Insti­tutes hinkten um Tage hinterher. Es ist wie immer mit uns Deut­schen: Wir sind schlecht, Ausländer freund­lich, schneller, besser und unbüro­kratisch. Ist die Hybris der Wendung „nahezu live und in Echtzeit“ so schwer zu erkennen? Sind die ameri­kani­schen Agenten im deutschen Gesund­heits­wesen besser als wir? Und selbst wenn der Vorwurf der verspä­teten oder verschlap­perten Meldung zutrifft, so ändert das am Verlauf grund­sätzlich nichts. Es kommt überhaupt nicht darauf an, ob 20- oder 30-tau­send erkrankt sind. Letzt­lich zählen die einiger­maßen sicher erfaßten Toten. Nächste Woche werden wir ihre Entwick­lung sehen, Hopkins hin oder her.
[3] Zwischenzeitlich hat sich heraus­gestellt, daß zumindest einige Behörden wirklich bürokra­tischer vorgehen als die Amerikaner. Sie haben die Meldung „zum nächsten Arbeits­tag“ teilweise ernst genommen. So fehlten gestern vor allem aus Nord­rhein-​Westfalen viele Daten vom Samstag, die heute teil­weise nachge­liefert wurden, obwohl gestern doch Sonntag war. Solche Unregel­mäßig­keiten verbreiten Panik und lassen auch meine grafische Darstel­lung unordent­lich aussehen. Die roten Punkte treffen also gewiß nicht die Realität, was glück­licher­weise aber den mitt­leren Verlauf nur wenig beeinflußt. Die Werte zu glätten kommt mir nicht in den Sinn. Wenn jedoch als Reaktion auf die Konfu­sionen am vergan­genen Wochen­ende demnächst nur noch Zahlen für mehrere Tage veröffent­licht werden, muß ich mich ent­scheiden: Trage ich für n-Tages­werte einmal oder n-fach jeweils ein n-tel auf oder inter­poliere ich arithme­tisch bzw. geome­trisch?

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Von Echtzeit zu faseln ist ohnehin dummes Gewäsch angesichts einer Inkubationszeit von 14 Tagen.

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Als Echtzeit würde ich durch­gehen lassen, wenn alle positiven Testungen umgehend gemeldet und gelistet würden. Ich weiß nicht, wie die Ameri­kaner an Daten kommen, die das RKI offen­sichtlich nicht hat. Vielleicht machen sie es wie die Schul­denuhr und zählen einfach weiter.

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Meine wenigen Sozial­kontakte sind abgesagt und ich baue meine Einsie­delei aus. Zudem war ich heute nicht an der frischen Luft. Den Rest der Woche gehe ich viel­leicht allein spazieren oder fahre mit dem Rad, einkaufen aber will und muß mich in den nächsten Tagen nicht, denn ich habe ausrei­chend geham­stert und noch nicht ange­brochen:

5 Dosen Kondensmilch [14 Hexapack neu, noch 5]
3 Dosen Sauerkraut [noch 1]
3 Dosen Eintopf
2 Dosen geschälte Tomaten [noch 1]
12 Dosen Heringsfilet [noch 5]
3 Pfund Kaffee
1 Kilogramm Pumpernickel
500 Gramm Spaghetti
400 Gramm Quinoa
6 Pakete Butter [6 neu, noch 6]
48 Eier [50 neu, noch 17]
12 Rollen Klopapier [noch 8]
5 Päckchen Papiertaschentücher
4 Stück Seife
1 Stück Rasierseife [angebrochen]
1 Flasche Wein
0 Kondome [immer noch keine]

Das meiste davon habe bereits zu Beginn der Krise, davor oder gar letztes Jahr erstanden. In eckigen Klammern die Fortent­wicklung. Viel­leicht schaffe ich es, Sauer­kraut, Heringe und Spaghetti endlich aufzu­essen.

[1] In eckigen Klammer die Restbestände am Sonntag, den 19. April, dem letzten Tag der ersten Phase der Kontak­beschrän­kungen, mit dem ich die Beglei­tung von Corona in diesem Blog weit­gehend einstelle. Ich habe diese Phase ohne Kauf von Klo­papier über­lebt. Von der besseren Qua­lität habe ich nur noch eine Rolle. Ein Nach­kauf sollte möglich sein, wenn es auch noch viele Menschen zu geben scheint, die Klo­papier hamstern. Nicht wegen eines zu erwar­tenden Eng­passes, sondern weil andere auch Berge davon im Keller haben und man nicht weiß, welche anderen Krisen noch bevor­stehen.

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Ich kann der täglichen RTL-Sendung „Marco Schreyl“ nichts abgewinnen, weder dem Mode­rator, noch den Gästen und schon gar nicht den sog. Promi­nenten. Doch im Hinter­grund höre ich gerade das Gejammer der einge­ladenen und „zugeschalteten“ betrof­fenen prekären Arbeit­nehmer und Klein­unter­nehmer. Und Herr Schreyl versteigt sich zu der Frage, ob das zuge­sagte, aber noch nicht ange­kommene Geld irgendwo versickert. Wie stellen er und seine Gäste sich eigent­lich die Welt vor? Daß nach einer Woche Verlust es bereits Geld regnet? Und noch affiger die Frage an eine mir unbe­kannte Promi­nente, ob es ihr durch den Kopf ginge, mit dem Fahrrad zu fahren oder zu laufen statt ins Taxi zu steigen? Ich steige höch­stens einmal pro Quartal ins Taxi, vor allem wenn der Bus nicht kommt. Und nun geht es um Angst und Wut. Abge­schaltet!

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Nur drei Tage Kontakteinschränkung und eine Woche Umsatz­einbuße, und schon setzt trotz Erho­lung an der Börse leichte Panik samt Zweifel an der Sinn­haftig­keit deut­scher Maßnahmen ein. Ist das türki­sche Modell nicht besser? Sollten wir die Alten und Kranken einfach abschotten und den Rest schnell durch­seuchen? Das wird lange Zeit dauern oder die Kranken­häuser mit jungen Leuten über­lasten und die Alten und Kranken nur verschonen, wenn sie wie Hühner der Klasse 3 in Klein­gruppen gehalten werden. Bleibt die ameri­kanische Variante: Waffen kaufen, vorwie­gend Kranke ohne Versi­cherung über den Jordan gehen lassen und die Über­lebenden mit America-First glück­lich machen. Ich kenne eine bessere Variante: Alte nach Wuhan umsiedeln, die Reichen unter ihnen enteignen und ihr Vermögen dem chine­sischen Staat über­schreiben.

Für wirklich wirksame Maßnahmen ist es jetzt so und so zu spät. Egal, ob die Chinesen zunächst den Corona-​Ausbruch verschweigen wollten oder nicht, wir hätten Mitte Februar das Wort Quaran­täne ernst nehmen müssen und jeden Fluggast, jeden Erkrankten und seine direkten Kontakt­personen für 40 Tage in einem iso­lierten Bereich mit Unter­druck unter­bringen müssen, wie es auch unum­gänglich und keine freie Entschei­dung ist, wenn man mit Verdacht auf eine Tropen­krankheit nach Deutsch­land zurück­kehrt. Zusammen mit Kontrollen zwischen den Konti­nenten, an der berühmten EU-Außen­grenze, an den Schlag­bäumen der National­staaten, dank geschol­tenem Fördera­lismus von Bundes­land zu Bundes­land und um alle Ort­schaf­ten mit einem oder mehr Infi­zierten herum könnten wir uns jetzt wieder frei, wenn auch vor­sich­tig bewegen und uns intensiv um die spora­dischen Rest­fälle kümmern.

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Ich weiß nicht, warum ich mir im Hinter­grund schon wieder das Gelaber bei Marco Schreyl anhöre. Da zu Corona fast alles gesagt ist, kommt nun die Zeit der Betrof­fenen, der Minder­promi­nenten, der Spargel­stecher, Webnutten, Exen­triker, Esote­riker, Spinner und Fernseh-​Ärzte. Noch nicht aus der Sachsen­klinik, aber der RTL-​Arzt, Sport­mediziner und Natur­heil­kundler Thomas Kur­scheid, der eine Aufrecht­erhal­tung der Einschrän­kungen bis zur Errei­chung der Herden­immunität in Aussicht stellt. Hat er sich nur einmal überlegt, wann das der Fall sein könnte? Nicht ausstehen kann ich auch seine Vermensch­lichung der Viren, die angeb­lich gar nicht die Absicht haben, die Menschen umzu­bringen, weil sie sich ja weiterhin vermehren wollen. So aber funkti­oniert die Evolu­tion nicht.

Vordergründig wird zwar gesagt, daß man sich mit Verschwö­rungs­theorien zurück­halten sollte, dann aber kommen reihen­weise Betroffene zu Wort, die kaum über ihre eigene Situation und die mitleidige Lage unter­priveli­gierter Menschen, Tiere und Blumen hinaus denken. Sogar die alte Schote, das Virus sei einem chine­sischen Labor ent­sprun­gen, kommt wieder zur Sprache. Gefehlt hätte noch der Hinweis, die Chinesen haben die Epi­demie nur deshalb eindämmen können, weil es im gleichen Labor natür­lich auch einen Impf­stoff gab, denn bei einem biolo­gischen Angriff auf den Rest der Welt, muß man sich ja selbst schützen können.

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Der Papst spendet gerade einen Sondersegen. Das mag gleich den Ansprachen unseres Bundes­präsi­denten nicht nur die Katholiken beschwich­tigen, ist eigent­lich aber so unwirksam wie Globuli. Vielleicht sollte Harald Lesch sich auch einmal mit dieser Art der Unwissen­schaft­lichkeit beschäf­tigen. Eben fordert der Papst uns auf, die Widrig­keiten anzunehmen. Donald Trump macht es und wird mit Jesus siegen: Ein paar Prozent der Ameri­kaner werden wegsterben, doch die Wirt­schaft nur wenig leiden. Die Überle­benden werden das Erbe ungleich­mäßig unter sich aufteilen, während der Rest der zivili­sierten Welt ohne Schweden sich von der Rück­sicht­nahme auf Kranke und Schwache berappeln muß. Eben spricht der Papst auch noch zu Maria. Und nun zu einem Kreuz, das 1522 gegen die Pest durch die Straßen von Rom getragen wurde. Vielleicht sollte er damit Richtung Norden losziehen. Meine Gebete wurden erhört: Wenn sie weiterhin dabei­bleiben wollen, schalten Sie bitte um auf ARD-Alpha.

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Auf dem Weg zum Einkauf sehe ich eine aufge­rissene Präser­vativ-​Verpackung auf dem Gehweg liegen. Machen es die Fran­zosen jetzt schon auf der Bank oder im Gebüsch? Nein, es war wohl ein Bio- oder Beute­deutscher, denn ich konnte in der Nähe keine einzige Rotwein­flasche entdecken. Wenn die Corona-​Krise vorüber ist, dann sollte auf Präservativ-​Verpackungen, Rotwein­flaschen und harte Kerne von Toiletten­papier fünf Euro Pfand genommen werden, die laut meines schon lange verstor­benen Kollegen am damals noch jugosla­wischen Strand Wunder bewirkt haben sollen. Wenn es zu Härte­fällen kommt, dann kann es auch Ausnahme­regelungen geben. Zum Beispiel die Entwer­tung statt Rück­nahme, wenn die Rollen im Kinder­garten verbastelt werden.

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Auch wer den Papst nicht in Echtzeit erleben mußte, wird die zum Symbol gere­deten unend­lichen Weiten des Vatikans gesehen haben. Darin der Papst allein, abgesehen von ein paar Geist­lichen am Rande, den nicht zu sehenden Kamera­männern und dem Personen­schützer, der ihre Über­griffe verhin­dern soll. Man könnte meinen, es handele sich dabei nur um Größenwahn, Prunk, Kitsch, Götzen, Fetische, Gold und Marmor, doch sieht es normalen Frei­zeit­parks zur Zeit auch nicht viel anders aus.

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Es passiert mir immer wieder, nicht recht­zeitig abzu­schalten, bevor die Anmode­ration von „titel thesen tempe­ramente“ in mir Franken­steins Monster wachruft. Eben habe ich noch etwas weiter ausge­halten, um mein Vorur­teil zu bestä­tigen, daß die Kultur­schaf­fenden sich regel­mäßig von aktu­ellen Themen nähren. Und so ist es natür­lich: Gejammer über geschlos­sene Theater und Einnahme­ausfälle.

Vor dem ersten Beitrag dieses Geseier: Wir hören viel von chine­sischen und ameri­kanischen Zahlen, nicht aber von euro­päischen. Hier erliegt man einem natio­nalen Reflex, flüchtet sich in Natio­nalismus, hört nur von deut­schen, italie­nischen, spani­schen Zahlen. So eine Scheiße! China und Amerika sind keine Konti­nente, ihre Zahlen sind auch nur die eines National­staates. Und wenn man sich die matschige Johns-​Hopkins-​Welt­karte ansieht, dann erkennt man eine Klein­gliede­rung der USA, die euro­päische National­zahlen in den Schatten stellt.

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