46
Falls die AfD in Sachsen-​Anhalt auf stolze 46 Pro­zent kommt, ist es gün­stig, die hier noch klaf­fende Lücke zwischen 45 und 47 geschlos­sen zu haben. Das hatte ich bereits im Jahre 2021 getan, aber es hochzu­laden ver­gessen:

Mit der 46 wird es nicht inter­essan­ter als mit den Vor­gän­gern 43 bis 45. Das gilt für die Zah­len und voraussichtlich auch für die ameri­kani­schen Präsidenten. Biden ist der 46. nach Trump, Obama und Bush. Sollte Trump 2025 erneut gewählt werden, wird er dann zugleich der 47. Präsi­dent? Im Sinne der ameri­kani­schen Zählung schon: Zwei Amts­zeiten hinter­einan­der zählen nur einmal, unter­brochen aber doppelt, denn Groo­ver Cleve­land gilt sowohl als 22. als auch 24. Prä­sident. Das finde ich in Zeiten der Sprach­gänge­lung inter­essant, denn wenn eine Per­son A mehr­fach B ist oder war, dann meint A ist/war B natür­lich nicht eine (teil- oder zeitweise) Gleich­heit, sondern beschreibt eine Eigen­schaft: A nimmt die Funktion eines B wahr oder ist den Bs zuge­ordnet. Es ist auch nicht erfor­der­lich, daß B mit A im Geschlecht über­ein­stimmt. Das mag dem Leser trivial vor­kommen, ist es auch. Man denke nur an Wendungen wie „sie ist Wasser­mann, er Jung­frau“. Wenn es aber um wokes Schub­laden­denken geht, dann reicht es uns Deut­schen nicht zu sagen, Frau Merkel sei Kanzler. Wir haben uns den fatalen Luxus erlaubt, Men­schen­grup­pen B je nach der betrach­teten Person A ver­schie­den zu benennen, leider vor­wiegend mit doof oder abwer­tend klin­genden weib­lichen Ablei­tungen.

Grundsätzlich haben Amerikaner eben­falls dieses Problem, nur tritt es dank ihrer farb­losen Artikel selten in Erschei­nung. Wir hätten es eben­falls nur selten, würden nicht nur schön­gei­stige Eigen­schaf­ten und Zahlen weib­lich sein. [1] Dann würden wir Männer mit den weib­lichen Bezeich­nungen bis ans Ende unserer Tage zufrie­den leben, ohne komische Endungen und üble Parti­zipien, die uns einbe­ziehen, mit­meinen. [2] So habe ich keine Probleme, wegen meines Vor­namens gele­gent­lich als Frau ange­schrie­ben oder von meinem türki­schen Gemüse­händler alter Mann genannt zu werden. Oder geht es in Wahr­heit nicht um das weib­liche Geschlecht, die weib­liche Dekli­nation, sondern um das ver­haßte R am Ende, gar um die Gänge­lung selbst?

Zurück zu die Zahl 46 und den Dativ. [3] Unter den nor­malen figu­rier­ten Zahlen ist sie vierte Ennea­gonal­zahl, Arbeiter würden auch Neun­eck­zahl sagen. Als zen­trierte Poly­gonal­zahl müßte 46−1 Viel­faches einer Drei­ecks­zahl sein. Und tat­säch­lich läßt sich 45 sowohl durch 3 als auch 15 teilen. Damit ist 46 dritte zen­trierte Fünf­zehn­eck­zahl und sech­ste zen­trierte Drei­ecks­zahl. Nur letz­teres sieht halb­wegs gut aus:

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n=6, dn=1+3+6+9+12+15=46=1+3Dn−1=(n−1)2+Dn=n2+Dn−2 (png)

Bleibt für 46 nur etwas wie die McNugget-​Zahl 43. Dort ging es um die Dar­stell­barkeit von Anzah­len mit Packun­gen aus 3, 6 und 20 Hähn­chen­stücken. An ihre Stelle treten nun die Teiler­protze. Das sind Zahlen, deren echte Teiler­summe die Zahl selbst über­steigt. [4] Sie sind recht häufig:
12: 1+2+3+4+6=16    24: 1+2+3+4+6+8+12=36      40: 1+2+4+5+8+10+20=50
18: 1+2+3+6+9=21    30: 1+2+3+5+6+10+15=42     42: 1+2+3+6+7+14+21=54
20: 1+2+4+5+10=22   36: 1+2+3+4+6+9+12+18=55   48: 1+2+3+4+6+8+12+16+24=76
Welche Zahlen sind nun keine Summe von Teiler­protzen? Vor allem: Welche unter ihnen ist die größte? Man sieht leicht, daß die kleinen ungeraden Zahlen alle aus­scheiden. [4] Deshalb die abge­wan­delte Frage: Welche gerade Zahl ist die größte, die nicht Summe von Teiler­protzen ist?

Bis 30 sind nur die Teiler­protze 12, 18, 20, 24 und 30 selbst als Summe dar­stell­bar. Danach geht es wie folgt weiter:
32 = 20 + 12    40 = 20 + 20    48 = 36 + 12   56 = 36 + 20   64 = 40 + 24
34 geht nicht   42 = 30 + 12    50 = 30 + 20   58 = 40 + 18   66 = 54 + 12
36 = 18 + 18    44 = 24 + 20    52 = 40 + 12   60 = 48 + 12   68 = 56 + 12
38 = 20 + 18    46 geht nicht   54 = 42 + 12   62 = 42 + 20   70 = 40 + 30
Die fetten sind Teiler­protze und bedürfen nur eines Summan­den, nämlich sich selbst.

Da 48–58 alle Summe von Teiler­protzen sind, so auch 60–70, 72–82 usw. Damit ist 46 die größte gerade Zahl, wo nicht Summe von Teiler­protzen ist. [5] Daran ändert sich auch nichts, wenn man nur (genau) zwei (verschiedene) Summan­den zuläßt.

Und ja, der Mensch besitzt 46 Chro­moso­men, das Alte Testament umfaßt nach katho­lischer Auffas­sung 46 Bücher, und Adam addiert sich auf 1+4+1+40=46. „Sechsundvierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst
ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes.“ [6]

[1] Zwar weiß ich bereits aus Vor­gender-​Zeiten, daß Zahlen grammati­kalisch weib­lich sind, weshalb es „die Quadrat­zahl“ und „die um eins grö­ßere Zahl“ heißt. Dennoch wird selten „die Nach­folge­rin“ oder gar „die grö­ßere Part­nerin des Prim­zahl­zwil­lings“ geschrie­ben. Darüber habe ich bis vor kurzem mikro­frauen­feind­lich gar nicht nach­gedacht, weil es mir gar nicht auffiel. Ich bleibe dabei: Die(♀) 46 ist der(♂) Nachfolger der(♀) 45.

[2] Aller­letzt las ich einen Artikel, in dem binnen zweier kurzer Absätze minde­stens sechs­mal von For­schen­den die Rede war. Diese Unfähig­keit, sich varia­bel auszu­drücken, wäre mir beim Wort Forscher wahr­schein­lich gar nicht aufge­fallen. Was sollte ich machen? Übel­keit unter­drücken oder kotzen?

[3] In der norddeutschen Arbeiter­klasse ohne Dativ und Geni­tiv auf­gewach­sen, werde ich kein Jota von der alten Recht­schrei­bung und einer ungegen­derten Denk- und Schreib­weise abweichen. Über einen Wandel ent­scheidet die Mehr­heit der deut­schen Sprecher, die sich leider auch etwas auf­drücken läßt.

[4] Die kleinste ungerade Teiler­protze ist 945. Hat man sie, ist es nur noch eine Fleiß­aufgabe, die größte Zahl 991=945+46 zu finden, die man nicht als Summe von Teiler­prot­zen dar­stellen kann. Deut­lich schwerer ist es, die größte nicht dar­stell­bare Zahl 20161 zu finden, wenn nur zwei Summan­den erlaubt sind.

[5] Relativsätze mit wo sind ein Baustein zu einer geschlechts- oder gar gender­neu­tra­len Sprache, zumal wo der, die, das, selbiger usw. ver­meidet.

[6] Gerhard Zint: Bedeutung der Zahlen.


45 | 47 | Geschlecht

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6 7
Vorgestern sah ich bei Youtube eine ausge­sprochen schöne und ganz normal ausse­hende junge Frau, die gefragt wurde, was sie denn so beim CSD treibe. Ich rech­nete mit geheim­nisvol­len Offen­barun­gen aus dem Tier­reich, doch meinte sie, queer zu sein, weil sie andere unab­hän­gig von ihrem Geschlecht lieben könne, aber nicht einfach bisexu­ell sei, da es auch queere Per­sonen (so sagt man ja statt Menschen) sein dürften.

Schön, dachte ich, dann bin ich also auch queer, denn ich kann mir durch­aus vor­stel­len, diese solcher­maßen queere Frau nicht von der Bett­kante zu stoßen. Sind durch diese Verer­bung letzt­lich fast alle queer? Was also ist queer? Und da kam mir die Antwort in den Sinn: Sowas wie 6 7!

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Neobiota
Wenn Youtube-​Film­chen lang­weilig werden, sehe ich mir auch Kommen­tare an, die zumeist völlig für den Arsch sind. Doch heute las ich eine lustige Nostra­da­mus unter­gescho­bene Prophe­zeiung:

Sie werden über das Meer kommen wie die Heu­schrecken, aber es werden keine Tiere sein. Sie werden ganze Land­striche plün­dern, Gefan­gene machen und Tod zurück­lassen.

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Vielfalt ./. Vielfalt
Man mag es mir nachsehen, wenn bei einem Anschlag nicht spontan „meine Gedan­ken bei den Opfern“ sind, und ich als Poli­tiker befragt eine solche Phrase auch nicht raus­hauen würde, sondern viel­mehr hoffte, daß nicht eine rechte Grup­pie­rung oder ein auch nur mit Mühe rechts zu ver­orten­der Einzel­täter ver­ant­wort­lich ist, denn 1000 ‚Brenn­punkte‘ vor einer derart bedeu­tenden Wahl möchte ich nicht sehen

‚Glücklicherweise‘ handelte es sich wohl um einen Moslem [1], zwar ein deut­scher, doch kein Nicht-​Migrant (früher Bio­deut­scher). Immer­hin ein Mann! Doch im Vorder­grund sollte eigent­lich stehen, daß er wieder einmal eine dicke Akte bei Polizei und Verfasungsschutz hat und wohl nach Ver­bü­ßung einer lappe­dude­ligen Jugend­strafe gerade aus dem Gefäng­nis in eine Woh­nung ent­las­sen wurde, auf die andere Ber­liner lange warten müssen.

Alleinstellungs­merkmal dieser Tat ist die Ziel­gruppe. Nicht irgend­welche Men­schen auf Festen oder im Park, sondern viel­fäl­tige Demon­stran­ten und derer Schau­lu­stige, die letz­lich Opfer unse­res Wohl­gefal­lens an viel­fäl­tig Unzi­vili­sier­ten wurden. Kein Einzel­fall, son­dern gestri­ger Schluß­punkt einer Reihe, die sich schon am heu­tigen Tage fort­setzen wird. Auch dies­mal natür­lich Zufalls­opfer, doch aus einer Gruppe, die sich inter­sek­tional ihren Mördern an den Hals wirft.

[1] Selbst ein rechts ange­hauch­ter You­tuber meinte, man müsse von einem islami­sti­schen, nicht einem mus­limen Anschlag sprechen. Zwar sind unsere Umtriebe ver­gan­gener Jahr­hun­derte im heu­tigen Sprach­ge­brauch nicht mehr christ­lich zu nennen, doch katho­liki­stisch habe ich noch nicht gehört. Damals wie heute sehe ich Ablenkung, Duldung, Unter­stüt­zung und klamm­heim­liche Freude auch unbe­tei­lig­ter Glau­bens­brüder und -schwe­stern, wenn letz­tere auch nicht nur diese Drecks­arbeit den Män­nern über­lassen.

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Kontaktschuld
Ich habe mich beim Che zu einem Kommen­tar zu seinen Aus­füh­run­gen über das sozi­ale Ge­schlecht hin­reißen lassen. Dankens­werter­weise ist er darauf ein­gegan­gen. Natür­lich erwar­tete ich nicht, er würde nach Jahr­zeh­nten der Be­schäf­ti­gung mit derar­tigen Themen mir ein­fach zustim­men. Andere blie­ben lieber stumm, hatten kein Inter­esse oder fürch­teten die Kon­takt­schuld.

So bin ich dankbar, daß der wohl auch in dieser Ange­legen­heit ab­trün­nige, aber noch nicht über­gelau­fene Ber­sarin sich mit einem eben­falls kriti­schen, meinem zwar nicht unter-, aber neben­geord­neten Kom­men­tar zu Wort mel­dete und so anderen die Gele­gen­heit bot, sich ohne Angst zu äußern. Dankens­werter­weise ver­mied er darin das über­hebli­che Wort Iden­tität für alte Eigen­schaf­ten und neue Erfin­dun­gen.

Ich will dort keinen mit weiteren Einlas­sungen zu Iden­tität, Gleich­heit, Äqui­valenz, Gleich­wertig­keit, Willkür und Schwach­sinn ver­schrecken, bin Jens Spahn aber dank­bar, Benen­nung, Bespre­chung und letzt­lich auch Ab­schaf­fung von Aus­wüch­sen einen Schritt voran gebracht zu haben. Die Kon­takt­schuld schwin­det, die Angst vor der eige­nen Meinung eben­falls, selbst wenn es bei vie­len nur recht­zei­tige Anpas­sung an kom­mende Ver­hält­nisse ist.

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Auferstanden aus Ruinen
Auf einer AfD-Veran­stal­tung machte der Kaba­ret­tist Uwe Steimle ein paar Witze, die er besser gelas­sen hätte und in mir den Gedan­ken auf­blit­zen ließen, er sei die Sarah Bosetti der Rech­ten. Auch das mit Sieg­mund und Chru­palla wohl nicht abge­spro­chene Absin­gen der ost­deut­schen Nati­onal­hymne hätte ich gelas­sen, denn man weiß nicht, was stär­ker wirkt, das Ent­setzen der Gesamt­bevöl­kerung oder die Ostal­gie der dem­nächst zur Wahl Auf­geru­fenen.

Aber schön, daß in der nach­fol­genden Dis­kus­sion nun zur Sprache kommt, daß der Text in der DDR wie die ersten Stro­phen des Deutsch­land­liedes zwar nicht ver­boten war, doch nicht mehr zu offi­ziel­len Anläs­sen gesun­gen werden durfte, ähn­lich der Deutsch­land­fahne heute.

Heidewitzka, Herr Kapitän

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Geschäftsordnung
Wer jemals in einer Partei auch nur etwas aktiv war, kennt sie, die Beid­armi­gen mit ihren Anträ­gen zur Ge­schäfts­ord­nung. Als Dele­gierte auf Partei­tagen lungern diese immer glei­chen gerne in der Nähe des Mikro­phons herum. Wer sich die Über­tra­gung des AfD-​Partei­tages ange­sehen hat, weiß, daß nach späte­stens zwei Rede­beiträ­gen ein Antrag auf Ende der De­batte, zumin­dest Schlie­ßung der Redner­liste gestellt wird. Oft ist das ziel­füh­rend und zeit­sparend, wenn so und so klar ist, wie die nach­fol­gende Abstim­mung aus­fallen wird.

Eine Steigerung besteht darin, sich bessere Durch­set­zungs­chan­cen zu sichern, indem man zuvor die Geschäfts­ord­nung oder andere Vor­schrif­ten ändert. Das ist ein immer belieb­ter wer­den­dens Mittel, die AfD aus­zugren­zen. Eine leichte Übung besteht darin, mit ein­facher Mehr­heit Ein­spruchs­möglich­keiten oder Minder­heiten­rechte zu be­schnei­den. Beglei­tend kann man sie von finan­ziel­len Zuwen­dun­gen fern­halten, ihnen Posten verweh­ren, gar nach­träg­lich aber­kennen.

Noch glücklicher kann man sich schätzen, mit Zwei­drittel­mehr­heit nicht nur die Geschäfts­ord­nung ändern und ein­fache Gesetze be­schlie­ßen, son­dern selbst die Ver­fas­sung anpas­sen zu kön­nen. Fall auf Linie ge­brachte Ver­fas­sungs­ge­richte wider Erwar­ten ein­schrei­ten, ist zumin­dest teil­weise der beab­sich­tigte Scha­den bereits ent­standen. Parade­bei­spiel war die Auf­lö­sung der Schul­den­bremse mit einer bereits abge­wähl­ten Mehr­heit.

So liegt die Schnaps­idee nahe, für die Wahl eines neuen Mini­ster­präsi­denten in Sach­sen-​Anhalt eine Zwei­drittel­mehr­heit vorzu­sehen, solange man sie noch selbst hat. Würde das nicht vom Ver­fas­sungs­gericht kas­siert, könnte Sven Schulze nicht auf ewig, aber vier Jahre oder bis zu seinem Tode weiter­regie­ren. Danach wäre Sach­sen-​Anhalt füh­rungs­los, solange die AfD gemein­sam mit anderen, denen dieser Zustand eben­falls auf den Keks gehen wird, nicht die Zwei­drittel­mehr­heit erreicht.

Um das gleiche ohne Ver­fas­sungs­ände­rung zu bewir­ken, ist zumin­dest eine abso­lute Mehr­heit der AfD zu ver­hinden. Ich hoffe, es gelingt nicht. Falls doch, blei­ben BSW und Über­läufer aus der CDU. Alter­nativ die SPD unter die Fünf­pro­zent-​Hürde zu drücken, wird wohl nicht gelin­gen, da viele Wähler aus Mit­leid oder ‚stra­te­gisch‘ den­kend das ver­hin­dern werden.

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