Corona
Die Hälfte aller Vorschläge von Google News hat Corona in der Überschrift, Nach­richten­sen­dungen stehen dem kaum nach. Ich will nicht sagen, die Angst sei völlig unange­messen, weil die Infektion vergeht wie viele zuvor und wir nach ein paar tausend Toten wieder zur Tages­ord­nung übergehen, vermag aber nicht daran zu glauben. [1] Andere drama­tisieren und reden von einer exponen­tiellen Entwicklung. Tatsächlich ist die derzeit außerhalb Chinas durchaus zu sehen: In den nun anderthalb Monaten mit Daten hat sich die Gesamt­zahl der Infek­tionen tatsächlich Woche für Woche verdrei­facht. Jede Woche kommen doppelt soviele Neuinfi­zierte hinzu als es Erkrankte zu Beginn der Woche insgesamt gibt und gegeben hat. Geht es so weiter, wird Anfang Mai eine Milliarde Menschen betroffen sein.

Doch so schlimm wird es nicht kommen. In China ist diese exponentielle Entwicklung gestoppt, die Zahl der Neuinfek­tionen soll sogar abnehmen. So rigoros die drastischen Maßnahmen eines undemo­kratischen Regimes auch sein mögen, sie haben wohl gewirkt. Der größte Teil Chinas blieb bisher verschont. In die Welt getragen wurde Corona wie Aids durch die Jetsetter. [2] Corona wird es wohl nicht einmal zu einem Fliegenschiß in der Geschichte bringen. Wahrscheinlich wird die Krankheit weniger als 100.000 Tote fordern. Das überbietet so mancher Krieg und so manche Grippewelle. Und wenn ich einmal unterstelle, daß man nicht mehrfach erkrankt und das Virus nicht vor Herstellung eines Impfstoffes mutiert, dann würde die Menschheit schlimm­sten­falls um keine 5 Prozent schrumpfen.

Wesentlicher als die spekulativen Zahlen über Krankheit und Tod, sind die schon jetzt sichtbaren, von Hysterie getriebenen Folgen für das tägliche Leben, auch außerhalb der Quaran­täne­gebiete. Sie sind nicht alle negativ zu bewerten, vor allem nicht für mich und meine Misanthropie. Wer Nudeln und Konserven hamstert [3], hat hoffent­lich einen hohen Preis gezahlt, daß nach der Epidemie die Nachfrage einbricht und ich sie billig kaufen kann. Für Aktien fehlt mir leider das Geld. [4] Und schlag­artig wird nicht nur sichtbar, über welche Zwangs­mittel der vielge­scholtene National­staat im Notfalle verfügt. Auch die Sinnlo­sigkeit von Flugreisen und Kreuz­fahrten setzt sich dank Corona hoffentlich stärker in den Hirnen fest als die sog. Klima­debatte es je vermochte.

Außerdem wird mit Corona sichtbar, was ein ordent­liches Gesund­heits­system und zivili­sierte Umgangs­formen wert sind. Auf einmal geht es um Volks­gesundheit, nicht mehr um exotische Krank­heiten. Wer nach franzö­sischer Sitte jeden küßt, ist nicht mehr nett, sondern dumm. Wer auf den Boden rotzt, ist wieder eine Drecksau. Und Deutsch­land ist hoffentlich nicht schon soweit globa­lisiert, daß inter­nationale Sterbe­raten erreicht werden. Gestern mußte man schon einen Deutschen in Ägypten bemühen, heute gibt es auch zwei Tote in der Heimat.

[1] Mit Annegret Kramp-Karrenbauer hat meine prophe­tische Kunst einen Tiefpunkt erreicht. Ich dachte, sie würde mit ihrem Hang, ähnlich Donald Trump ihre Meinung zu sagen, sich von den Wort­hülsen anderer abheben und sich nicht nur in Thüringen durch­setzen. Wenige Tage später hat sie ermürbt aufgegeben.
[2] Warum wurden die Aids-Kranken nicht in die Quaran­täne gezwungen? Sie konnten nach eigenem Belieben andere anstecken oder auch nicht. Erst so erreichte das Virus die Frauen, Kinder und Blutkon­serven. Und wie ist es den homo­sexuellen Männern gelungen, sich vom Täter zum Opfer zu stili­sieren? Wird es bald auch Corona-​Ansteck­schleifen geben?
[3] Ich habe schon vor der Hamsterwelle zehn Dosen Herings­filet zu 79 Cent gekauft, weil sie abgesehen von denen in Tomatensauce sonst 89 Cent oder noch mehr kosten. Außerdem müssen noch drei Dosen Sauerkraut weg, die ich günstig für 99 Cent erwerben konnte. Und wenn meine 1800 Blatt Toiletten­papier verschmiert sind, muß eben wie früher das Zeitungs­papier die Kanali­sation verstopfen.
[4] Für kleine Leute sind Aktien nichts. Zum einen ist es vermessen zu glauben, man sei besser als der von Fachleuten durch­setzte Durch­schnitt. Zum anderen fehlt das Geld, auf dem Tief­stand zu kaufen, wenn man nicht der große Zampano ist, der oben verkauft hat und nicht mit einem dicken Paket in den Keller gerauscht ist.

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