Disziplinlosigkeit
Ich habe ja Verständnis, wenn man vom Ball nicht lassen kann und nun mit seinen Eltern auf dem Rasen spielt. Im Lebens­mittel­laden ist es aber nicht erfor­derlich. Das habe ich gestern zwei Blagen auch deut­lich gemacht. Heute sah ich sie wieder vor der Tür lungern. Dagegen keinen einzigen alten Wein­säufer mehr auf dem Wochen­markt. Dann vorbei am Sport­platz, auf dem sich im wesent­lichen Jugend­liche mit schwachen Biowurzel tummelten. Möglicher­weise verfügten sie über Ausnahme­genehmi­gungen. Keine hatten sicher­lich die sechs auf dem von Frauen und Klein­kindern leerge­fegten Spiel­platz. Im Vorbei­gehen rief einer frech „einen Meter Abstand“. Ich habe ihn das genannt, was er ist, ein Arsch­loch. Das mag die Stim­mung unnötig anheizen, war mir aber ein Bedürfnis.

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Es war als Kind meine Aufgabe, die Rabatt­marken in ein Heft zu kleben, für das es eins­fuffzig gab. Das waren die damals erlaubten 3 Prozent. Mit dem wirtschaft­lichen Aufschwung ver­schwand dieser Unsinn aus Deutsch­land. In England trieb er weitere Blüten [1], von denen wir letzt­lich nicht verschont blieben. Ich weigere mich aber noch immer, Payback- Punkte zu sammeln oder im Restau­rant zehnmal billig zu essen, um dann einmal hoch­preisig zuzu­schlagen, oder gar die fetten Rabatt­hefte im Buch­handel zu kaufen.

Es ärgert mich schon Jahre, wenn Spar­bröt­chen ständig Punkte und Start­guthaben einstrei­chen. Sie und die Gewerbe­trei­benden wollten es nicht anders: Ich habe mich zum Sparen durch­gerungen und mache zunächst von der ergie­bigsten Möglich­keit Gebrauch, nämlich Waren des täglichen Bedarfes nur zu kaufen, wenn sie einiger­maßen preiswert sind. Deshalb besitze ich neben fünf Pfund Kaffee noch drei Dosen Sauer­kraut aus dem letzten Jahr und ein Dutzend Fisch­konserven aus dem Monat Februar.

Wenn ich in den letzten Tagen einkaufen ging, waren trotz erheb­licher Löcher in den Regalen alle Waren zumeist noch da. Gestern konnte ich sogar 36 Cent sparen, weil ich wie angepriesen zwei statt einer Packung Eier genommen habe, die mir eine Woche Früh­stück sichern. Warum gibt es in Corona-​Zeiten noch diese Ermä­ßigung? Warum ziehen die Preise für Hamster­ware nicht deut­lich an? Weil der Einzel­handel nicht in der Lage ist, die Preise schnell anzu­passen?

Einmal habe ich auch eine Monster­packung Toiletten­papier erstanden, weil sie etwas billiger ange­boten wurde. Die Blätter waren bunt bedruckt, die Qualität aber mise­rabel. Glück­licher­weise habe ich sie weit­gehend bereits der Kanali­sation anvertraut. Ich muß mich wohl an die rest­lichen sieben Rollen machen, sobald die sechs besserer Qualität aufge­braucht sind. Jetzt noch nachzu­kaufen schämte ich mich, auch wenn mir nur noch eine Rolle bliebe. Wes Gemüt muß man deshalb sein, um berge­weise Klopapier zu horten und sich sogar an der Kasse aufzu­regen, wenn es keine hundert Rollen gibt? Und weshalb sind den Menschen nahe­liegen­dere Produkte nicht wichtiger?

In der weitgehend zivilisierten städtischen Miet­wohnungs­welt haben die meisten Menschen keine Tiefkühl­truhe mehr, die einer Leiche bequem Platz bietet. Wer sie dennoch betreibt, ernährt sich ständig von alter Tief­kühl­kost und hat darin kaum mehr Platz übrig als die Oma mit Tief­kühl­fach im kleinen Kühl­schrank. Das Hamstern verderb­licher Ware findet so schnell ein Ende. Deshalb erwar­tete ich, daß zunächst Konserven aus den Regalen verschwinden. Dort aber gibt es nur Löcher. Statt­dessen fehlen Mehl, obwohl keiner backen kann, und auch Nudeln, obgleich wir Deutsche doch Kartoffel­fresser heißen, auch wenn wir darin nicht die größten sind und keiner mehr wie früher in der Lage ist, zwei Zentner Kartof­feln im Keller zu bevoraten.

Warum also Klopapier? Die Angst, den Arsch nicht mehr sauber zu bekommen, kann es doch nicht sein. Es ginge doch auch mit Zeitungs­papier oder Wasser. Ist das Arsch­wasch­becken [2] der Grund, weshalb die Fran­zosen lieber Rotwein und Präser­vative kaufen. Sie über­schätzen eben andere Dinge und sollen deshalb eine zwei Zentimeter zu lange europä­ische Norm durch­gesetzt haben. Ich glaube viel eher, daß schon früh­zeitig neben Nudeln und Mehl auch Toiletten­papier mitge­nommem wurde, weil es nicht verdirbt und preiswert den Einkaufs­wagen füllt. Und wer mehrere damit über­quellen sieht, ist schnell von Panik ergriffen und schlägt eben­falls zu.

[1] Wie es um andere Länder stand, weiß ich nicht, da ich schon damals fremde Völker mit meiner Anwesen­heit weit­gehend verschonte.
[2] Auch wenn der Euphemismus Bidet franzö­sischen Ursprungs ist, so sollen es doch nicht die Franzosen, sondern die Spanier und Italiener sein, die sich ständig die Eichel polieren.

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Die Sache mit dem Klopapier hat jetzt schon mindestens 17 verschiedene moderne Märchen (urban legends) inspiriert. Eine "menschenfreundliche" Verschwörungstheorie habe ich gestern hier in einem der Blogs gelesen. Dass in Zeiten der Not weniger gefressen und damit auch weniger geschissen wird, macht die ganze Sache so paradox, bzw. vielleicht so verständlich. Vielleicht sind das Trotzkäufe gewesen, für alle, die sich keinen demonstrativ defätistischen Weltuntergangs-Schampus leisten konnten. Ich selbst bereue meine Hamsterkäufe nicht, da ich zwei dicke Steine in den Brettern meiner Freunde damit platzieren konnte und gelernt habe, dass heutzutage alles, wirklich alles, als Anlass, eine mehr oder weniger gepflegte Konversation zu beginnen, genommen werden kann.

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Eine „menschenfreundliche“ Verschwörungs­theorie, zumindest eine urbane Legende könnte sein, daß die Menschen in der Not soviel weinen müssen, daß die Taschen­tücher aufge­braucht sind und Toiletten­papier herhalten muß.

Glücklich, wer in dieser harten Zeit Freunde hat, die sich über eine Stange Klopapier freuen. Und eben höre ich von einem Bäcker, der beim Kauf von Brot und Bröt­chen eine Rolle beilegt.

Reich ist nun die Gemeinde, über deren riesigen Vorrat an last­wagen­weise billig einge­kauftem Toiletten­papier man sich in einer sog. Satire­sendung lustig machte.

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Die meisten Jugendlichen sind ganz normal, gehen recht­zeitig ins Bett und tagsüber in die Schule oder zur Arbeit. Einige helfen nun auch alten Menschen durch die Corona-​Krise. Man kann ihnen allen­falls vorwerfen, die Hedo­nisten in ihren Reihen nicht in die Schranken zu weisen, teil­weise zu beneiden oder gar zu bewundern. Diese rotten sich nun auch tagsüber auf Kinder­spiel­plätzen zusammen und sollen laut Markus Söder sogar Alte anhusten und „Corona“ rufen, wofür sie eigent­lich wegen versuchter Körper­verlet­zung, im Ernst­falle auch Totschlages ins Loch gehören.

Ich verstehe auch nicht, warum es mehrere Tage dauert, bis aus einer Empfeh­lung, das Haus nur vereinzelt zu verlassen, eine straf­bewährte Anord­nung wird. Nun sollen weitere Tage mit einem „diplo­mati­schen Weg“ vertan werden, statt sofort mit aller Härte durchzu­greifen. Dafür hätten die Ordnung­hüter die Unter­stützung einer überwäl­tigenden Mehr­heit.

Drastische und schnelle Maßnahmen müssen nicht sein. Für eine Eindäm­mung der Epidemie reichen auch spätere, sofern sie über­haupt ergriffen werden. Nur wenn man so gut wie gar nichts macht, werden die 60 Pro­zent der Viro­logen-​Panik­mache erreicht. Jede Verzö­gerung ändert am Verlauf nichts als die Breite und die Höhe, also nur die Gesamt­zahl der Erkrankten und Toten, und zwar nach oben.

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Nicht nur jugendliche Hedonisten sind diszi­plinlos, auch Journa­listen. Um in die Besten­liste von Google News zu kommen, wird in der Über­schrift schon einmal behauptet: „RKI warnt jetzt vor bis zu zehn Milli­onen Infi­zierten.“ Im Text sieht es dann anders aus: „Wenn wir es nicht schaffen, die Kontakte der Menschen über die nächsten Wochen zu redu­zieren, können wir schon bald Milli­onen Infi­zierte in Deutsch­land haben.“

Im gleichen Machwerk ist zu lesen: „Geht es nach den Experten aus den USA, könnten auf jeden nachweis­lich positiv getesten [sic] Menschen fünf bis zehn unent­deckt infi­zierte Personen kommen.“ Was ändert das? Liegen dadurch mehr im Kran­kenhaus, sterben dadurch mehr? Einzig für die angel­sächsische Herden­immunität ist das wichtig, die dann schon bei 10 Pro­zent erkannten Infi­zierten und 1 Pro­mille Toten einsetzt, weil in Wirk­lichkeit schon 70 Pro­zent immun sind.

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