Nationalstaaten
Es wurde in weiten Kreisen modern, zumindest verbal auf National­staaten einzu­schlagen, die egoi­stisch handeln, ihre Nach­barn und erst recht den Rest der Welt über den Tisch ziehen möchten und sich trotz Globa­lisie­rung gegen­über Fremden abschotten. Jetzt in der Corona-​Krise mag man jedoch erkennen, daß nur sie und ihre ebenso geschol­tenen Unter­gliede­rungen zu schnellen und verbind­lichen Maßnahmen in der Lage sind. Gewiß wäre eine einheit­liche Vorge­hens­weise aller Euro­päer oder gar der ganzen Welt von Vorteil. Doch solche Eini­gungs­prozesse kann man nicht abwarten und muß froh sein, wenn wenig­stens hinterher weit­gehend Einver­nehmen herrscht und es zu mehr als nur einer erneuten Verur­teilung Israels kommt.

Daß Nationalstaaten nicht weggeredet werden können, sollte so und so jedem ein­leuch­ten. Man mag nach Frank­reich oder Polen ohne breit ange­legte Kontrollen allein mit einem Personal­ausweis fahren können, doch hinter der Grenze spricht man nicht deutsch, die Verkehrs­schilder sind auch nach 1971 nicht alle gleich. In anderen Ländern gelten andere Regeln, andere Höchst­geschwin­digkeiten, Links­verkehr nicht nur für Eisen­bahnen, Fahren­heit und Yard, 110 Volt bei 60 Hertz, andere Stecker, abwei­chende Zoll­bestim­mungen, Verbot von Alkohol und Waffen in der Öffent­lichkeit, die Fenster gehen anders auf, man fällt mit der Tür ins Wohn­zimmer, auf Roll­treppen muß man nicht rechts stehen und links gehen.

Kennziffern werden gerne auf Landkarten im Rahmen der Staats-, Länder-, Bezirks- oder Orts­grenzen visua­lisiert [1], sei es durch Farben, Balken oder Eier, so altmo­disch und aussagelos wie die Corona-Daten der Johns-​Hopkins-​Elite. Warum werden die Erkrankten nicht mit ihren Koor­dinaten regi­striert, woraus sich eine Dichte ergibt, die in Karten durch Farben und Linien gleicher Infek­tions­rate (Isocoren) dargestellt wird? Dann könnte man wie beim Luft­druck die Hoch- und Tief-Corona-Gebiete sehen und würde sicher­lich im Gegen­satz zur Wetter­karte deutliche Fronten an den Länder­grenzen bemerken. Warum? Weil es die National­staaten noch gibt.

[1] Immer wieder ärgert micht die Karte der deutschen Bundes­länder, auch wenn sie nur als billiger Hinter­grund für stei­gende Zahlen in einem Pfeil von links unten nach rechts oben dient. Bayern, Baden-​Württem­berg und Nord­rhein-​West­falen sind dunkel-, die übrigen Länder hellrot. Was soll uns das sagen? Daß diese drei Länder die höch­sten Absolut­zahlen aufweisen? Informa­tiver und anstän­diger wäre es, statt Nord­rhein-​West­falen das Saar­land und Hamburg dunkelrot zu zeigen.

Corona | Disziplinlosigkeit | Lebenswert | Ethikraten | Virologenschnack | Prognose | Tote | Herdenimmunität | Unredlichkeit | Reproduktion | Unterleben | Förderalismus | Rattenschwanz | Siebentage-R

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Eben. Es gibt sie noch. Vor allem ist die Sprachbarriere nicht zu unterschätzen. Wir glauben immer leicht, dass wir mit ein bißchen Internet und Flugreisen rund um den Globus, schon das "global village" verwirklicht hätten. Doch wir wissen kaum, was in unseren Nachbarländern so täglich in der Presse steht. Ein Makel, der mich übrigens ziemlich stört. Ich würde meine Nase da gerne öfter mal reinhalten, doch Französisch oder Polnisch lernt man auch nicht so leicht.

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Wenn man mit dem Schiff die Ethnien besucht und sich etwas Folklore kauft, dann ist es überall ganz nett. Was die Einhei­mischen von solchen Passa­gieren wirklich halten, wurde deutlich als sie eine Krankheit mitzu­bringen drohten. Ich kann es ihnen nicht verdenken, bedauere aber auch nicht ihre Minder­einnahmen. Auch nicht die Verluste Einhei­mischer oder deutsch­sprachiger Nachbarn, die nichts anderes taten, als den zu reichen Touristen für Geld den Arsch zu putzen. Leider ist das nur ein Teil des üblen Gewerbes, das sich von den Reichen nährt und so das gestohlene Geld wenig­stens wieder in den Kreislauf bringt. Das derzeit mit Privat­flug­zeug am Boden ersparte Vermögen kann der Geldadel dem Staat leihen und satte Zinsen kassieren. Allein von Dietmar Bartsch habe ich einen vernünf­tigen Finan­zierungs­vorschlag gehört, eine Vermö­gens­abgabe. Gerne auch auf Dauer.

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Ich hätte gerne, daß Deutsch­land sich groß­zügig zeigt. Meinet­wegen hätten wir seiner­zeit auch jedem Griechen zehn Jahre lang je 1000 Euro als Repara­tion persön­lich auszahlen können. Damit sie Ruhe geben, auch den Polen. Das hätte unsere Belieb­heit mehr als jede andere Zuwen­dung gestei­gert, die immer zu gering ausfällt, weil wir knau­serig sind und immer die gleichen Staaten immer wieder fordern, gerne auch ohne eigene Anstren­gung. Alle EU-Mitglieder sind National­staaten. Und bevor wir mit allem Hab und Gut in Europa aufgehen, müssen andere nicht ihren Staat, sondern ihren Nationa­lismus aufgeben.

Die Italiener haben das Geld rausge­hauen und wollen nun billigen, am besten geschenk­ten Nach­schub aus Europa. Obwohl offi­ziell nur einer von 4000 Un­garn erkrankt ist, hätten sie gerne Corona-​Hilfe. Die nur 38 Mil­lio­nen Polen haben sich mit ihrem Beitritt 27 Sitze im Rat der EU erjammert. Deutschland hat mit 83 Mil­lio­nen Einwoh­nern gerade einmal 2 Sitze mehr und steht auf einer Stufe mit den klei­nerern Staaten Frank­reich, England und Spanien.

Es wird gerne vergessen, daß nicht nur aus irgend­welchen Theorien zur Stimm­gerech­tigkeit Deutsch­land in der EU sein Gewicht zurück­nimmt und in der General­versamm­lung der Verein­ten Nati­onen wie jeder Staat nur einen Sitz und eine Stimme hat. Gerne ergreifen dort die Shithole-​States die Gelegen­heit, regel­mäßig Israel zu verur­teilen und ihre Probleme zu denen der Welt zu stili­sieren. Da wundert es nicht, wenn der Haupt­beitrags­zahler keine Lust mehr hat, die Welt­gesund­heits­organi­sation zu finan­zieren.

Ich befürworte eigenaktive Großzügigkeit, die im Gegen­zuge freche Forde­rungen in die Schranken weist, denn zwischen den Staaten ist es nicht viel anders als im privaten Leben: Viele Menschen würden Ein­schrän­kungen hin­nehmen, wenn sie ihnen danach nicht auf Dauer abver­langt würden, andere sich nicht über ihre Frei­giebigkeit lustig machten, eiskalt den geschenk­ten Vorteil einstri­chen und nicht mehr aus der Hand gäben. Gibt man dem älteren Kind mehr, ist das jüngere unzu­frieden. Gibt man das gleiche, bekommt man vom älteren zu hören, daß es seiner­zeit im gleichen Alter viel weniger bekommen habe.

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Ob durch den Nationalsozialismus oder aus der deut­schen Natur heraus [1] halten wir das Tun und Lassen Fremder zumin­dest für fröh­licher, natür­licher, gast- und meschen­freund­licher. Ihr über­mäßiger National­stolz heißt Patrio­tismus. So ordnen wir auch die Ameri­kaner mit ihren Fahnen im Vor­garten und ihrem von Größe brab­belnden Präsi­denten ein.

Deutsche sind schon entsetzt, wenn Angela Merkel von Öffnungs­diskus­sions­orgien spricht, weil wir das Wort Orgie mit oder ohne Zusatz nicht aus dem Munde unserer Kanzlerin hören wollen. Trump hingegen darf sagen, was er will. Er findet stets die Zustim­mung von minde­stens 52 Pro­zent. Manches mußte auch einmal gesagt werden: Daß Jeru­salem die Haupt­stadt Israels ist, die Vereinten Nationen reich­lich Drecksloch-Staaten [2] umfassen und die WHO sich in der Corona-​Krise als unfähig erwiesen hat.

Manchmal ist Donald Trump auch lustig, wie sein Ratschlag, UV-Bestrah­lung und Des­infek­tions­mittel gegen Corona einzu­setzten. Diese Szene wurde oft wieder­holt, und ich konnte keine Distanz zwischen seiner Auffas­sung und seinen Worten erkennen. Danach hat er wohl ausnahms­weise auf seine Berater gehört und nach­träg­lich behauptet, es sei Sarkasmus gewesen. Das macht man nicht als Präsi­dent eines verblö­deten Volkes, das sich nach erfolg­reichem Bau eines Vulkans an einer Elite­univer­sität ein­schreiben kann.

Bei jedem anderen ohne Rang und Namen hätte ich gesagt: Sehr lustig! Endlich verspottet einer die Erkennt­nis­tiefe von Forschern, die Viren mit UV-Licht bestrahlen und sich wundern, wenn sie es nicht über­leben, oder die Zeit stoppen, die sie in einer Gift­brühe aus Desin­fektions­mitteln aus­halten. Gewiß müssen solche Unter­suchungen am besten ohne öffent­liches Aufsehen das eine um das andere mal sein, doch möchte ich nicht wissen, wieviele Doktor­arbeiten dank Corona zu solchen Themen noch geschrieben werden. Hoffent­lich nicht mehr als über Rauchen und Elektrosmog.

[1] Kann man politisch korrekt von einer deutschen Natur sprechen, zumal doch alle Menschen gleich sind? Ja! So wie Rassismus nur von weiß zu anders­farbig geht, so gibt es eine ungute Natur auch nur für Deutsche.

[2] Euphemistisch failed states, euphemistischer fragiles states.

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Vor ein paar Tagen stellte sich Sebastian Kurz den investi­gativen Fragen von Journa­listen. Er lobte Deutsch­land, das wie Öster­reich gut durch die Krise gekommen sei. Es habe keinen Sinn, die Ursache bei anderen zu suchen und zu sagen, Corona sei aus Öster­reich nach Deutsch­land gekommen oder umgekehrt nach Öster­reich aus München, wie Öster­reich die Ursache auch nicht in Italien und das in China suchen sollte.

Der österreichische Bundes­kanzler ist ein umstrit­tener Mann, weshalb die Kritik an diesen Worten auch nicht lange auf sich warten ließ: Er wolle die Schuld auf andere abwälzen und Öster­reich gut dastehen lassen, damit demnächst deutsche Touri­sten ihr Geld wieder in sein Land tragen. Ganz falsch ist das nicht, doch hätte er auch sagen können: Nachem die Zahlen in Deutsch­land und Öster­reich lange Zeit fast iden­tisch waren, ist Öster­reich am Ende der Krise angekommen, während die deut­schen Zahlen sich noch deut­lich verschlech­tern. [1]

Es besteht aus deutscher Sicht eigent­lich kein Risiko, Österreich-​Urlauber wieder zurück ins Land zu lassen, sofern sie sich dort mit der gleichen Vorsicht bewegen wie die Einhei­mischen und nicht wie beim Apres-​Ski in Ischgl saufen und huren.

[1] Um den 20. März waren in Deutschland und Öster­reich jeweils 3,2 Pro­zent aller Infizierten gestorben. Das waren in beiden Ländern etwa 55 auf ein Million Einwohner. Zwischen­zeitlich sind die Letali­täten nur wenig auf 3,8 bzw. 4,1 Prozent gestiegen. Doch sind in Deutschland bereits 81, in Österreich nur 67 von einer Million Einwoh­nern tot.

[2] 27.05.2020: Die Zeit verdeutlicht, daß der deutsch­sprachige Corona-​Meister nicht Deutsch­land, sondern Öster­reich heißt, weil bei vergleich­baren April-Zahlen bei unseren Nachbarn das Ende in Sicht war und man sich weniger Nach­lässig­keiten erlaubte. Die Leta­lität in Deutsch­land liegt mittler­weile bei 4,6 Pro­zent, die der Österreicher erhöhte sich ebenfalls im erwart­baren Rahmen auf 4,1. Ihre Mortalität zog nur leicht auf 72 ppm an, während Deutschland die magische Grenze von 100 überschritten hat. Die Schweizer halten sich mit kata­stro­phalen 5,4 Prozent und 223 ppm bedeckt.

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Es ist Zeit für einen nationalen Schwanzvergleich. Dazu verfüge ich neben ein paar Informa­tionen und Vorur­teilen nur über drei Größen: Die Zahl der Einwohner e, die der positiv Getesteten p und der Toten t. Daraus werden aussagekräftigere Größen gewonnen: Die Mor­ta­li­tät m=t/e, die Le­ta­li­tät l=t/p und die In­zi­denz i=p/e. Wegen m=i·l gelingt damit eine zwei­dimen­sionale Anord­nung von Staaten und anderen Gebieten, in der man gewisse Cluster und Einzel­fälle erkennen kann.

Die Streeck-​Gangelt-​Studie meint, eine wahre Le­ta­li­tät L=0,37% und eine wahre In­zi­denz I=15% zu erkennen, woraus sich eine wahre Mor­ta­li­tät von M=555ppm ergibt. Diese Werte für ganz Deutsch­land unter­stellend wurden 1,8 Mil­lio­nen Infi­zierte errechnet. Zwischen­zeitlich müssen es P=t/L=2.000.000 sein. Nicht so sehr breit­getreten wurde eine weniger drama­tisch klin­gende Kon­se­quenz: Es sollten nur E=P/I=13.000.000 aller Deut­schen über­haupt betrof­fen sein, also eine wie in Gangelt gute Chance auf Ansteckung gehabt haben.
    Einwohner               betroffen
+---e=84Mill------α=16%---->E=13Mill--+
|         |                 |         |
|         |                 |         |
|   i=0,2%|                 |I=15%    |
|         |                 |         |
|         V                 V         |
|   endeckt                 infiziert |
|   p=170.000<----β=8,5%----P=2Mill   |
|          \               /          |
|           \             /           |
|      l=4,4%\           /L=0,37%     |
|             \         /             |
|              V       V              |
|              gestorben              |
+----m=88ppm--->t=7.392<---M=555ppm---+
Das Bild zeigt für Deutschland die Zusammen­hänge der verschie­denen Größen. Neu darin sind die beiden Para­meter

α = E/e = m/M ≈ 1800·m = 1800t/e  und  β = p/P = L/l ≈ 1/270l = p/270t

Sie beschreiben die Abweichung der erfaßten Zahlen von der wahren in Gangelt erforschten Rea­lität. In α mag man den Bevöl­kerungs­anteil sehen, der bisher mit Corona in Berüh­rung kam, in β die Quote der Infi­zierten, die durch Tests aufge­flogen sind. [1,2] Beide Werte sollten 1 nicht über­steigen. Liegen sie darüber oder in der Nähe, so ist die hier beschrie­bene Modell­vorstel­lung unzu­treffend. Dann muß es andere Gründe für die Abwei­chung von der Gangelt-​Norma­lität geben. Die nach­stehende Liste mag zur Erhel­lung bei­tragen:
                     betroffen        gefunden
                     α in Prozent     β in Prozent
Taiwan                   0,05            27
China                    0,6              6,7
Südkorea                 0,9             16
Mecklenburg-Vorpommern   2,1             14
Israel                   5,2             25
Österreich              12,3              9,5
Hubei                   14,2              5,6
Deutschland             16                8,5
Bayern                  29                7,7
Luxemburg               29               14
Belgien                130                2,3
Für die Schweiz, die USA, die Niederlande, Schweden, Frankreich, England und Italien errrech­net sich noch α zwi­schen 38% und 100%, doch ist für diese Länder und erst recht für Spanien, Bel­gien und New York mit α>1 eine andere Modell­vorstel­lung erfor­derlich, die Schwächen des Gesund­heits­system berück­sichtigt.

Ich habe keine besonderen Kenntnisse über Corona in Taiwan. Die Zahlen lassen aber die Erklä­rung zu, daß die Erkrankten dort sofort einge­kesselt wur­den (α=0,05%) und man in ihrer kleinen Umge­bung konse­quent gete­stet hat (β=27%). Ähnli­ches gilt wohl auch für Süd­korea. Es scheint eine Mär zu sein, daß in diesen Ländern das Tragen von Masken die Epi­demie ein­dämmte. Auch die behaup­teten vielen Tests hat es allen­falls in den Ausbruchs­gebieten gegeben.

Die Werte von China ergeben sich zum größten Teil aus denen von Hubei, wo es prak­tisch deutsche Verhält­nisse gab, wenn die gemel­deten Zahlen zutreffen. Israel wird immer als Parade­land konse­quenten Testens genannt, was β=25% auch bestätigt, zumal α=5,2% deut­lich größer ist als in Taiwan und Südkorea. Singapur fehlt in der Aufstel­lung, weil β=4 noch­mals verdeut­licht, daß nur 20 Tote bei derart vielen Infi­zierten gelogen sein müssen.

Auch für die gesamte Welt kann man α=6,3% und β=5,3% berechnen. Die Werte sind aber wertlos, solange nur die zivi­lisier­ten Teile der Welt reali­stische Zahlen beitragen. Auch die Zahlen aus Rußland sind jenseits von Gut und Böse und liefern keine vertrau­enswür­digen Werte.

Die Spanne innerhalb Deutschlands ist erheblich. Von Meck­lenburg-​Vorpom­mern (α=2,1%), das von Corona stärker verschont wurde als die israe­lische Wüste, bis Bayern (α=29) mit der vierzehn­fachen Betrof­fenheit. In der Folge konnte an der Küste auch ziel­gerich­te­ter (β=14%) getestet werden als im Gebirge (β=7,7%).

[1] Die berühmte Dunkelziffer ist dann 1/(1-β). In Deutschland knapp 90 Pro­zent. Doch um es noch einmal klar zu sagen: Nur wenn man wie in Gangelt die Bevöl­kerung nach­träg­lich dank Anti­körper krank testet, obgleich Corona an ihnen spurlos vorüber­ging.

[2] Mit der Entfernung von guter Theorie findet man in der viel­gerühm­ten Praxis, dem Inge­nieurs­wesen und dem Alltag zuneh­mend beson­dere, veral­tete, fremd­artige, spaßige, über­flüssige, aber auch prak­tische Maßein­heiten wie Radiant, Torr, Zoll, Pfund, Sievert, Phon, Greif. So könnte ich statt „Deutsch­land ist im Gangelt-​Streeck-​Modell zu α=16% von Corona betroffen und es wurden β=8,5% aller Infi­zierten gefunden“ sagen: „Deutsch­land hat 0,16 Gangelt und 0,085 Streeck.“

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Endlich haben sie es geschafft, die Türken: Mehr Infizierte als wir, also bei Johns-​Hopkins vor uns auf 14. Platz [1,2]. Nur bei den Toten müssen sie noch aufholen. Viel­leicht hilft ein Hinweis von Erdogan an die Ärzte, nicht irgend­einen Quatsch aufzu­schreiben. Warum erwähne ich das? Weil mir in letzter Zeit einige Schwanz­ver­gleiche zum Thema Corona auffielen. [3] Gewiß haben Deutsch­land, die Türkei und der Iran fast gleich viele Einwohner und bieten sich für einen Vergleich ohne Taschen­rechner an, doch gerade den Türken scheint es immer wieder ein Bedürfnis zu sein, ihre Über­legen­heit vor sich herzu­tragen und rauszu­posaunen. Deshalb hat schon vor einem Jahr der Gemüse­händler mich als Kunden verloren, nicht weil er alle Gelb­westen Terro­risten nannte, an Lands­leute billiger verkauft, Groß­packungen Feinkost nennt und Preise schlecht, unzu­lässig oder gar nicht aus­zeichnet.

[1] Eine Woche später haben sie in der Johns-​Hopkins-​Liste mit Frank­reich auch den zweiten Haupt­reprä­sen­tanten der EU, in die sie ohne etwas zu leisten gerne möchten, zügig überholt. Doch leider ist zur gleichen Zeit der inner­muslime Haß­bruder Saudi-​Arabien vorbei­gezogen. So wird es nichts mit einem einheit­lichen Beginn des Ramadan. Mit den deut­schen Urlau­bern auch nicht, solange die Chance, in der Türkeit an Corona zu sterben, viermal so hoch ist wie in der Heimat, wenn­gleich man deut­schen Urlaubern noch begie­riger eine schönere Todes­ursache anhängen würde als Einhei­mischen.

[2] Nach sechs Wochen haben die Franzosen dank ihrer zweiten Welle Italiener und Türken wieder abgehängt. Erstere beweisen mehr Diszi­plin, letztere fälschen stoisch ohne jede Wellen­bewe­gung weiter.

[3] Nun ist es Oktober geworden. Was hat sich an den Schwanz­längen geändert? Recht wenige Staaten waren an Deutsch­land und der Türkei vorbei­gezogen, dann holten wir aber wieder auf und liegen nun auf dem 18. Platz, drei vor der Türkei. Doch bei aller Kritik an der deut­schen Diszi­plin­losig­keit: 20.000 In­fi­zierte und 500 Tote mehr als in der Türkei sind nicht viel. Wegen fast gleicher Einwohner­zahl liegen die Inzi­denzen (D:437pcm/T:414pcm), Morta­litäten (11,7/11,1pcm) und Leta­litäten (2,68/2,67%) für die Gesamt­zahlen mit leichtem Vorteil für die Türkei gleichauf. Doch steigt die Leta­lität dort täglich um 0,005 Pro­zent, während sie bei uns um 0,038 sinkt, zumal gemes­sen an den Infi­zierten vor zwei Wochen in der Türkei derzeit fast 4 Pro­zent sterben. In Deutschland ist es eines. Wie kann das sein? Daß die Türkei nur halb soviel testet, kann diesen Effekt nur teil­weise erklären. Rafft es in der Türkei die Alten und bei uns die Jungen dahin?

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Donald Trump sollte mal mit der Johns-​Hopkins-​Universität reden, die sein Land mit fast fünf Milli­onen Infi­zierten an erster Stelle führt. Dahinter in Klammern die einzige sechs­stellige Zahl von Toten. Ich will nicht mit Deutsch­land verglei­chen, auch nicht mit dem unter­irdi­schen Nachbarn im Süden, sondern mit Kanada, das noch hinter uns auf Platz 22 rangiert. Es mag dem naiven Betrachter wie ein Paradies erscheinen, doch ist Kanada nur ein großes Land, Einwohner gibt es recht wenige. So erwartet man Verhält­nisse wie in Israel oder Austra­lien. Doch weit gefehlt.

Positiv Gestestete gibt es in den USA 40 mal soviele wie in Kanada. Bei den Toten sieht es mit dem Faktor 17 schon besser aus. Auf die 329,1 bzw. 37,89 Mil­lionen Einwohner umgelegt bleiben eine nur fünffach über­höhte Inzidenz und die doppelte Morta­lität. Damit ist eines klar: Die Leta­lität ist derzeit in den USA mit nur 3,3 Pro­zent weniger als halb so groß wie die kana­dische und liegt auch deut­lich unter der deut­schen. So verwun­dert nicht, daß Donald Trump mit dieser Folge einer hohen Test­rate angeben wollte, der er vor Tagen noch die Kehr­seite der Medaille zuschob, nämlich die hohe Inzidenz.

Besser für Kanada sieht es wieder aus, wenn man nur die letzten Tage betrachtet, deren Zahlen zeigen, daß Kanada die Epidemie weit­gehend über­wunden hat, sie in den USA aber munter voran­schreitet. Auch in diesen beiden Ländern wird sie zunehmend von jüngeren Menschen mit sehr geringer Sterbe­rate getragen. Doch ist die Chance eines Ameri­kaners, derzeit an Corona zu sterben, 18 mal so hoch wie die eines Kana­diers. Trotzdem haben auch sie versagt, denn eine Leta­lität von 8,2 Pro­zent Mitte Juni ist für ein zivili­siertes Land einfach zu hoch. Das wurde noch nicht einmal im Staat New York erreicht. Wohl aber in Mexiko, Schweden, England, Irland, den Nieder­landen, Belgien, Frank­reich, Spanien und Italien.

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Ich beachte keine Staaten, die unwillens oder nicht in der Lage sind, ehrliche Zahlen zu melden. Auch nicht die wenigen, die nach Zeiten des Zuwar­tens nun Deutsch­land aus dem High-​Score-​Bereich der Johns-​Hopkins-​Liste auf Platz 21 verdrängt haben. Vielmehr interes­sieren mich Nach­barn, die Grenz­schlie­ßung hin oder her teil­weise deut­lich vonein­ander abwei­chen.

Unser Fußball- und Wohn­wagen­nachbar Holland war fast drei Wochen voraus und erreichte am 16. Mai mit 13 Pro­zent eine außer­ordent­lich hohe Sterb­lich­keits­rate. Fremd­ländi­sche Bezie­hungen oder belgi­sche Nach­barn vermögen nur die im Vergleich zu uns 50 Pro­zent höhere Infek­tions­rate zu ent­schul­digen. Die fast drei­fache Sterb­lich­keit kann nur Nach­lässig­keit, Unver­mögen, Igno­ranz oder einem mise­rablen Gesund­heits­system geschuldet sein. Zwischen­zeit­lich haben sich die Verhält­nisse ange­glichen und damit eine vorsich­tige Reise unge­fähr­lich gemacht, doch die zweite Welle ist noch nicht so mächtig und das Gesund­testen noch nicht ausrei­chend, um die Gesamt­sterb­lich­keit in den Normal­bereich zu bringen. Es sind immer noch stolze 9,5 Pro­zent. Es wird wohl für lange Zeit, wenn nicht immer dabei bleiben: Ein Holländer starb dreimal so leicht an Corona wie ein Deutscher.

Warum Belgien den Vogel abge­schossen hat, ist mir nicht klar und interes­siert auch kaum einen. Der Winzig­keit kann dieses Des­inter­esse nicht geschuldet sein, denn Schweden, Israel und Singapur sind dauernd in den Schlag­zeilen. Wie Holland ist Belgien uns etwa drei Wochen voraus, hat aber mit einer maxi­malen Sterb­lich­keit von 16,4 Pro­zent am 14. Mai den Vogel abge­schossen. Das ist mehr noch als in Holland nur mit Totalversagen zu erklären. Wie überall ist die Letalität im Anschluß durch den von jüngeren Menschen getra­genen Ratten­schwanz und die auch in Belgien sichtbare zweite Welle gesunken, doch bisher nur auf 12,8 Pro­zent. Wenn sich die aktu­ellen Verhält­nisse in Europa auch anglei­chen werden, so wird die zweite Welle wohl nicht daran rütteln können, daß die Chance eines Belgiers in 2020 an Corona zu sterben achtmal so hoch ist wie die eines Deutschen.

In Luxemburg übersteigt die Inzidenz die der Nachbarn Belgien, Holland und Deutsch­land um die Fak­to­ren 2, 3 und 4,5. Trotzdem liegt die Sterb­lich­keit mit derzeit nur 1,65 Pro­zent weit unter der deut­schen. Das geht nur, wenn man Tote verschweigt, besten­falls in auslän­dischen Kranken­häusern sterben läßt und als Euro­päer zählt. Deshalb hatte ich kein Verständnis für Herrn Junker, als er sich über die Schlie­ßung unserer Grenze zu Luxemburg beklagte, weil in seinem Land doch deut­lich weniger stürben als in Deutsch­land. Doch selbst wenn man die Zahlen für bare Münze nimmt, ist die Chance, in Luxem­burg an Corona gestorben zu sein, etwa so hoch wie in Bayern. Nachdem andert­halb Monate lang kein einziger Luxem­burger mehr den Löffel dank Corona abgeben wollte, sterben sie wieder. Die zweite Welle ist dort nicht mit einer hohen Testrate wegzu­disku­tieren. Die Chance als infi­ziert aufzu­fliegen ist in Luxem­burg derzeit wieder zehnmal höher als in Deutsch­land. [1]

[1] Nur einen Tag später wird die Resisewarnung für Luxem­burg aufgehoben. Warum? Weil dort die zweite Welle höher schwappt als bei uns, man dort derzeit sechsmal leichter infi­ziert wird und achtmal so häufig stirbt?

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Auch Frankreich war früher dran als Deutschland. Infizierte gab es wie in Holland nur 40 Pro­zent mehr. Doch die Politik oder das Gesund­heits­system haben deut­licher versagt, daß es in der Spitze Ende Mai zu einer Sterb­lichkeit von 15,6 Pro­zent kam. Trotzdem haben die Fran­zosen die Epi­demie Ende Juli einiger­maßen in den Griff bekommen. Auch wenn Frank­reich als großes Land in den Nach­richten gerne hell- bis dunkelrot gezeigt, während über Luxem­burg, Belgien und Holland als unbedeu­tend gerne hinweg­mode­riert wird, ist die berühmte zweite Welle dennoch weniger ausge­prägt als vor allem in Luxem­burg. Zur Zeit sind Infek­tions- und Sterbe­risriko nur zwei- bis dreimal so hoch wie in Deutsch­land.

In Spanien war und ist die Chance auf eine Infek­tion mehr als doppelt so hoch wie in Frank­reich, doch liegt die Morta­lität nur wenig höher. Das bedeutet eine deutlich gerin­gere Leta­lität. Mögli­cher­weise wegen eines besseren Gesund­heits­systems oder eines effek­tiveren Schutzes alter Menschen. So vermute ich ein gegen­über Frank­reich umfassen­deres Führungs­versagen als Grund für die sehr hohe Betrof­fenheit. Und es verwun­dert damit nicht, daß die derzei­tige zweite Welle in Spanien weit höher schwappt, so hoch wie in Belgien und Luxem­burg.

Wie Spanien grenzt Portugal nicht an Deutsch­land und hat sich nicht mit kata­stro­phalen Nach­richten in den Vorder­grund gedrängt, ist aber wegen der mit Spanien vergleich­baren Lage inter­essant. Die Inzidenz liegt nur 40 Pro­zent niedriger, doch die Morta­lität beträgt weniger als ein Drittel. Die Leta­lität liegt mit 4,3 Pro­zent in der Spitze sogar unter der deutschen, von der spani­schen ganz zu schweigen. Und das wird nicht auf Verschweigen zurück­zuführen sein, wie man es in der unzi­vili­sierten Welt oftmals antrifft. Dafür sprechen auch die gleich­mäßigen Zahlen, die nicht wie britische, luxem­burgische oder spanische diszi­plinlose Zuckungen aufweisen. Auch eine zweite Welle ist nicht zu sehen, eher ein dickerer Ratten­schwanz.

Das Risiko, an Corona zu sterben, war in Italien mit Spanien vergleichbar, die Morta­lität auf dem Höhe­punkt mit Frank­reich und Belgien. Der wurde jedoch erst Mitte Juni zwei Wochen nach Deutsch­land und einen ganzen Monat nach Spanien, Frank­reich, Belgien und Holland erreicht, obwohl wir aus den Nach­richten doch wissen, daß Italien zu den Pionieren in Europa gehört. Das Land war nicht nur stark betroffen, es zog sich auch lange hin. Weder haben wir bereits im Februar oder wenig­stens Anfangs März etwas von Italien gelernt, noch Italien von uns und anderen in der Folge­zeit. Die im Vergleich zu Deutsch­land kaum höheren Ansteckungs­raten führten aber wegen eines mise­rablen Gesund­heits­systems zu einer fünf­fachen Morta­lität. Dafür scheint jetzt weit­gehend Schluß zu sein, zumindest läßt sich die zweite Welle in Italien viel Zeit.

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Auch in der Schweiz begann die Epidemie früh, erreichte ihre höchste Sterb­lichkeit dennoch aber wie Italien erst nach Deutsch­land und spielte als anders­artiges kleines Gebirgs­land außerhalb der EU kaum eine Rolle in der Bericht­erstattung. Eine im Vergleich zu Deutsch­land nur 30 Pro­zent höhere Leta­lität führt aber zusammen mit einer 70 Pro­zent größeren Inzidenz auf eine etwas mehr als doppelt so hohe Morta­lität. Eine zweite Welle konnte bisher weitgehend vermieden werden. Zwar wurden in letzter Zeit zahl­reiche Positive herausge­kitzelt, doch sterben wollte davon kaum einer.

Trotz der Berichterstattung über Österreich und der ange­nehmen Theorie, wir seien aus Ischgl heraus infiziert worden, waren im Vergleich zu Deutsch­land mit fast gleicher Inzidenz die Leta­lität und damit auch die Morta­lität etwa ein Viertel geringer. Doch die sog. zweite Welle scheint doppelt so stark, wodurch die Morta­lität aufholt. Insgesamt muß aber neidlos anerkannt werden, daß Öster­reich besser als Deutsch­land durch die Krise gekommen ist, obwohl es an Italien grenzt. Viren scheinen lieber zu fliegen als durchs Gebirge zu wandern.

Deutlich besser ist Tschechien durch die Epidemie gekommen. Bei leicht geringerer Inzi­denz liegt die Morta­lität um den Faktor drei unter der deutschen. Auch die Leta­lität ist nur halb so hoch. Wie ist das möglich? Man stirbt doch nicht schwerer, weil das Land von den Fern­reisenden umflogen wird. Doch beob­achten wir solche Unter­schiede auch inner­halb Deutsch­lands. Und Tsche­chien scheint sich eher an den sog. neuen Ländern als an Bayern zu orien­tieren. Nur sollte man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, denn dank einer ausge­prägteren zweiten Welle könnte Tschechien bald zumindest unsere Ansteckungs­rate erreichen.

Die Ansteckungsrate ist in Polen noch etwas geringer als in Tsche­chien und bleibt damit deut­lich hinter der deut­schen zurück. Die Spitzen­sterblich­keit wurde bereits drei Wochen vor unserer erreicht und diese über­stieg leicht. Zwischen­zeitlich hat sich das geändert, da ein ausgeprägter Rattenschwanz samt zweiter Welle die Leta­lität schneller sinken ließ als bei uns. Gleichzeitig ist die Chance, in Polen an Corona zu sterben von einem Drittel auf die Hälfte deutscher Werte gestiegen. Sie werden sich weiter angleichen, denn derzeit ist es in Polen deutlich wahrschein­licher zu erkranken oder zu sterben. Eine aktuelle Grenz­leta­lität von andert­halb Prozent deutet darauf hin, daß in Polen die zweite Welle von brei­teren Gesell­schafts­schichten getragen wird als in Deutsch­land, deren Hedo­nisten es kaum auf die Steeck­schen 0,37 Pro­zent bringen.

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Die Schweden haben von Anfang an Corona nicht gerade freien Lauf gelassen, doch im wesent­lichen nur auf Vernunft und Angst der Bevöl­kerung gesetzt. Damit fuhren sie nicht schlechter als Holland, Belgien, Frankreich, Italien und England, wo man wegen Unfähig­keit, Überfor­derung und Gleich­gültig­keit die in der Spitze 12,5 Pro­zent Sterb­lich­keit der Schweden noch überbot. Die sinkt derzeit relativ schnell und über­steigt die deut­sche nur noch um den Faktor zwei, doch die Inzi­denz liegt immer noch drei­fach und die Morta­lität fünf­fach über unserer. Der dank weniger Einschrän­kungen erreichte wirt­schaft­liche Vorteil wird schnell verfliegen, die schwache Vorstel­lung aber auf ewig in den Geschichts­büchern stehen.

Mit Schweden und Norwegen verhält es sich ähnlich wie mit Spanien und Portugal. Die Chance, in Norwegen an Corona zu sterben, ist nur halb so groß wie in Deutsch­land. Auch Inzi­denz und Leta­lität sind deut­lich geringer. Die Morta­lität in Schweden ist zwölfmal so hoch. Nach einem frühen und kurzen Anstieg war Mitte Mai alles vorüber. Es kleckerten nur noch wenige Tote nach, obschon natür­lich auch in Norwegen zuneh­mend Infi­zierte entdeckt werden. Leider muß ich etwas an den Sterbe­zahlen zweifeln, denn für eine Morta­lität von 43 ppm hätte ich in der Spitze Mitte Mai eine Leta­lität deutlich über drei Prozent erwartet. Es waren aber nur 2,8.

Grob gesagt verlief in Dänemark alles wie in Deutsch­land, nur wurde die Spitze der Leta­lität einen Monat früher erreicht, weil man etwas später infi­ziert wurde, aber schneller starb. Trotzdem haben die Dänen ihre Grenze geschlossen, nicht wegen der nur halb so stark betrof­fenen Nachbarn in Schleswig-​Holstein. Eher wegen der Hamburger und Bayern, die trotz aller regio­nalen Unter­schiede innner­halb Deutsch­lands voll­ständige Freizü­gigkeit genossen.

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Wegen Boris Johnson bringen wir England weniger Verständnis entgegen als Schweden. Es gibt aber auch objek­tive Gründe: Die Chance eines Englän­ders, an Corona zu versterben, ist zwar kaum größer als für einen Schweden. Ist er jedoch erkrankt, dann verstirbt er doppelt so leicht. Zur Igno­ranz kommt also noch ein schlechtes Gesund­heits­wesen hinzu. Obwohl die höchste Leta­lität mit 15,8 Pro­zent über einen Monat vor Deutsch­land erreicht wurde, klang Corona nicht früher ab. Im Gegenteil: Es gibt kaum einen Einschnitt zwischen der ersten und der zweiten Welle. Viel­leicht habe ich ihn auch nur nicht gesehen, weil die von mir regi­strierten sprung­haften Zahlen teil­weise sogar deutlich nach unten korri­giert wurden. Dennoch: Zu hoch bleibt zu hoch.

Mit dem Nachbarn Irland der Engländer ist es ähnlich wie mit Portugal und Spanien oder Norwegen und Schweden, nur nicht ganz so extrem. Zunächst lief alles im Vergleich zu Deutsch­land ein paar Tage verzögert und doppelt so schlimm. Doch dann schloß sich im Juni eine Phase extrem hoher Sterb­lich­keit an. Die in der Spitze fast doppelt so hohe Leta­lität war natür­lich leichter zu verbes­sern als in Deutsch­land und liegt derzeit nur noch um 65 Prozent höher bei immer noch doppelt sovielen Infi­zierten und über dreimal sovielen Toten.

Die andere Insel Island stellt die britische in den den Schatten. Mitte April war dort alles mit einer Inzidenz von 30 ppm vorüber. Das schaffen auch gering besie­delte deutsche Landstriche. Verwun­der­lich aber sind die nur zehn Toten, die auf eine Leta­lität von einem halben Prozent führen. Das ist einfach zuwenig. So wider­stands­fähig sind auch Wikinger nicht, und ich frage mich, was sie den Ster­benden in den Toten­schein geschrieben haben. Wer gerne in Israel, Singapur, Australien, Taiwan, Südkorea und Island die umsichti­geren Politiker und Menschen vermutet, könnte einwenden, daß fünfmal soviele Menschen in Mecklenburg-​Vorpommern es nur auf doppelt soviele Tote brachten. Gewiß, doch liegt die Infektions­rate auf Island zehnfach höher. Das können nur naive Gemüter mit einer hohen Testrate wegdis­kutieren.

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Ein so dünn besiedeltes Land wie Kanada sollte eigent­lich besser durch die Krise kommen als Deutsch­land. Dem ist aber nicht so. Das Virus benö­tigte zwar eine Woche länger, es erkrankten auch kaum mehr als bei uns, doch gab es doppelt soviele Tote. Die Leta­lität entspricht etwa der von Irland. In der Spitze waren es 8,2 Pro­zent, die bisher nur wenig auf 7,1 sanken. Im Schatten des großen Nach­barn fiel das nicht beson­ders auf, obgleich man in den Verei­nigten Staaten nie über 6,1 Pro­zent kam. Zu tief sitzt das Vorurteil vom schlechten ameri­kanischen Gesund­heits­system. Das kana­dische scheint nicht besser.

Noch im April verglich Donald Trump seine USA gerne mit Deutsch­land, beach­tete dabei aber nicht, daß es nur viermal soviele Ameri­kaner wie Deut­sche gibt, weshalb in seinem Land die Chance auf Ansteckung oder Tod zwei- bis dreimal so hoch war. Nach meiner Vorstel­lung ist damit ein Prozent mehr Sterb­lichkeit gerecht­fertigt. So war es auch. Drei Wochen vor uns, Mitte Mai wurde das Maximum bei 6 Pro­zent erreicht. Doch ab Juni zog die Inzidenz erneut stark an. Donald Trump relati­vierte das durch hohe Testraten, verschwieg sie aber, als er eine Kurve der auf die Hälfte und unter die deut­sche gefal­lenen Leta­lität vorzeigte. Doch sinkt sie in den USA nur sehr langsam, während es in anderen zivi­li­sierten Ländern, wo eine dahin­plät­schernde zweite Welle vorwie­gend junge Hedo­nisten erwischt, die einfach nicht sterben wollen, deutlich schneller bergab geht. In den USA muß sie sich hinter der ersten nicht verstecken.

Noch hat Mexiko die Mortalität der USA nicht über­boten, es wird aber nicht mehr lange dauern. Auch ist davon auszu­gehen, daß bis Mai die Toten weit­gehend verschlap­pert wurden, denn erst Anfang Juni über­stieg die mexi­kanische Morta­lität die deutsche. Oder mußte sich das Virus erst an die Mexi­kaner gewöhnen, um sodann zu einer großen ersten Welle auszu­holen, die immer noch im vollen Gange ist? Die Leta­lität sinkt zur Zeit nur leicht und liegt immer noch über 10 Pro­zent. Belgien, Italien und England zeigen zwar noch höhere Werte, haben aber das meiste bereits hinter sich. Der Gutmensch könnte meinen, es fehle den Mexi­kanern nur an Test­möglich­keiten, um wie in den USA die Inzi­denz hochzu­treiben und die Leta­lität zu drücken, doch von den Toten erweckt wird dadurch keiner.

Ganz Amerika steigert sich südwärts, von schlecht bis kata­strophal in Brasilien und Peru, das vor ein paar Tagen Belgien vom ersten Platz bezüg­lich der Morta­lität verdrängt hat. Die brasi­lianische steigt ähnlich der mexika­nischen, doch die Leta­lität erreichte nur die Hälfte, sinkt schon lange Zeit und liegt derzeit unter­halb der deutschen. Das ist nicht durch brutales Testen zu erklären. Vielmehr ist zu vermuten, daß nicht nur in der Anfangs­zeit Tote verschwiegen wurden. Somit ist der zweite Platz hinter den USA in der Johns-​Hopkins-​Liste voll gerecht­fertigt. Reali­stisch wäre er hinter Indien. Das kann aber noch kommen, denn auch dort hält die erste Welle noch an.

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Lange Zeit war Australien nur gering, wahrscheinlich nur lokal betroffen. Dadurch konnte wohl früh­zeitig jeder Husten auf Corona getestet werden, wodurch es bei einer Leta­lität von andert­halb Prozent blieb. Doch hat man sich auf diesen Lorbeeren ausgeruht. Seit Juli steigen alle Parameter, es ist zu einer wirk­lichen zweiten Welle gekommen, um ein Viel­faches mächtiger als die erste. Und sie ergreift nicht nur junge Menschen, denn die derzei­tige Leta­lität ist mit nahezu 20 Prozent so hoch wie selten jemals anderswo auf der Welt. Noch liegt sie insge­samt leicht unter der in Deutsch­land, wo dreimal soviele infi­ziert wurden und starben. Es bleibt aber blamabel, denn nach so langer Zeit hätte man etwas schlauer sein können und das Glück nicht erneut heraus­fordern dürfen.

Zu Beginn war gerne von Singapur als Vorbild die Rede, wo man flächen­deckend getestet habe und dreimal soviele Erkrankte wie in Deutsch­land gefunden hat, von denen aber nur 27 nicht über­lebten. Geht unsere Xeno­philie schon soweit, daß wir jeden Scheiß glauben, wenn er nur aus dem Ausland kommt? Wie robust müssen Asiaten sein, daß von 1000 Er­krank­ten gerade mal einer starb und die letzten 8.000 alle­samt über­lebten? Wenn man in Singapur nicht gelogen und betrogen oder die Todkranken abgeschoben hat, dann wird dort in den Toten­scheinen zumeist nur stehen: An einer tödli­chen Krank­heit gestorben.

Ehrlicher erscheinen die Zahlen aus Taiwan, auch wenn sie verschwin­dend gering sind. Von den ersten 400 Kran­ken sind glaub­hafte 7 gestorben. Danach war das Virus so gut wie ausge­rottet. Es steckten sich nur noch 100 an, die allesamt über­lebten. Dabei wäre es in Deutsch­land ebenfalls geblieben, wenn man nicht nur Webasto konsequent containet, sondern auch alle Einrei­senden in Zwangs­quaran­täne gesteckt, dem sog. Lock­down keine Diskus­sions­woche voran­gestellt und nach den chine­sischen Warn­signalen alle Veran­stal­tungen samt Karneval unter­sagt hätte. Dann wäre zu Ostern alles wie früher gewesen. Von unsin­nigen Fern­reisen abge­sehen. Das ersparte Urlaubs­budget hätten die Eltern den Schulen ihrer Kinder für neue Fenster spenden können.

Positiv getestet und gestorben wurde in Südkorea zwanzigmal so sehr wie in Taiwan, liegt damit aber immer noch sieben bzw. sechzehn­fach unter den deut­schen Werten. Das sind plau­sible Werte, wenn nur kleine Gebiete betroffen waren und eine Ausbrei­tung verhin­dert werden konnte. Das wäre auch in Deutsch­land möglich gewesen und wurde naiver­weise dem asiati­schen Tragen von Masken zuge­rechnet. Sieht man jedoch von den extremen Niveau-​Unter­schieden ab, so verlief alles ähnlich wie in Deutsch­land. Eine etwas frühere kurze erste Welle und eine etwas spätere, bisher kleine zweite Welle.

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