fünf
Will man der Zahl 5 eine Bedeutung zumessen, so bietet sich die Überhöhung der 4 an, also ein Quadrat mit Mittelpunkt oder eine quadra­tische Pyramide. Die griechischen Gelehrten verschwiegen dem gemeinen Volk von den fünf platonischen Körpern den Dodekaeder und von den zugeordneten fünf Elementen den Äther. Noch heute wird im Film nach dem fünften Element gesucht. Der Äther scheint in der dunklen Energie gefunden. Sie wird auch Quint­essenz genannt, die unseren Vätern als Wesen der Welt und Grundlage aller Erschei­nungen und damit auch der vier Elemente galt. Neben dieser Erhöung 5=4+1 denken sich manche 5=3+2 als die Vereinigung von Mann (3) und Frau (2). Doch warum ist der Mann nicht 1? Weil das Gott ist? Und warum sind die geraden Zahlen weiblich? Weil Gott (1 und 3) männlich ist? Weil als erster Mensch Adam und als zweiter Eva geschaffen wurde? Das sind alles Hirn­gespinste. Die eigent­liche Bedeutung der Zahl 5 liegt im goldenen Schnitt. Er kommt im Fünfeck und im fünf­zackigen Stern vor. Beide sind mit Zirkel und Lineal konstruierbar.

Weil der Mensch fünf Finger an jeder Hand und fünf Zehen an jedem Fuß haben sollte, gilt die 5 als die Zahl des Menschen, der einmal fünf gerade sein lassen kann. Die Griechen begeisterten sich für das Fünfeck und den goldenen Schnitt. Doch irritierte er sie zugleich, denn bald bemerkten sie seine Irratio­nalität. Damit brach ihre Welt der ganz­zahligen Verhält­nisse zusammen. Wahr­scheinlich noch vor der Entdeckung der ebenfalls irratio­nalen Diagonale im Quadrat. So ist die 5 bis auf den heutigen Tag bedrohlich und faszi­nierend zugleich. Das ameri­kanische Pentagon, der fünf­zackige Stern der Araber oder das Pentagramm. Doch vernünftige Menschen halten Fünf­zählig­keiten und fünfache Symmetrien nicht mehr für geheimnis­volle Abweichungen von der 4 bzw. der 6, und der fünfte Oberton ist schon lange als harmonisch anerkannt.

Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie recht simple Zusammen­hänge als über­raschend und bedeutungs­schwanger gesehen werden können, obgleich sie eigent­lich beliebig und trivial sind. So gilt die mensch­liche Zahl 5 als eine mit starkem Fort­pflanzungs­drang, zumal sie sich gerne selbst reprodu­ziere, nämlich bei jeder Multipli­kation mit einer ungeraden Zahl. Gemeint ist natürlich nicht die Zahl 5, sondern die Endziffer 5. Und daß dem so ist, liegt nicht im geringsten an der 5, sondern an der von uns bevorzugten Dezimal­darstellung. Weil 10=2·5 ist, pflanzt sich die 5 stark fort, die 2 mäßig und der Rest nur schlecht. Rechneten wir in der Schule zur Basis 14, dann wäre die 7 die fort­pflanzende Zahl geworden.

4 | 6 | Sterne | Fünfeckzahlen | Goldener Schnitt | Fortpflanzung | Terz

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