Billion
wenn wir weiterhin einundzwanzig und nicht zwanzigeins sagen, so mag das eine Belastung sein, die wir unseren eigenen Kindern zumuten, auch ein Problem in der Übersetzung, wenn die elementaren Zahlwörter in der Quell- oder der Zielsprache nicht beherrscht werden. Viel problematischer sind aber in verschiedenen Sprachen ähnliche Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung, die zu peinlichen oder gar kostspieligen Verwechselungen führen können. Die Billion ist das Paradebeispiel, denn auch sprachlich versierten Menschen ist es nicht peinlich, eine amerikanische billion mit einer deutschen Billion zu verwechseln, wie sie auch locker zugeben, von Mathematik noch nie etwas verstanden zu haben.

Es gab einmal eine Zeit, da man selten über 1000 kam, aber immerhin schon ein Zahlwort dafür hatte, womit man ohne Mühe bis 999.999 zählen konnte. Vielleicht wäre auch noch 1.234.567 als Zwölfhundert-vierunddreißig-tausend-fünfhundert-siebenundsechzig drin gewesen. Weit vor der Erfindung der Amerikaner hat man dieses Prinzip für größere Zahlen fortgesetzt: Wie die kleine mille (1000) die benennbaren Zahlen von drei auf sechs Stellen ausdehnte, gestattete die große mille-one (1.000.000) die Benennung der Zahlen bis 10^12-1, was bis auf den heutigen Tag eigentlich ausgereicht hätte.

Für die selten vorkommenden noch größeren Zahlen wie 1.234.567.890.123.456.789 hätte man „1.234.567 mal 10 hoch 12 plus 890.123.456.789“ oder auch 1,234567890123456789 mal 10 hoch 18“ sagen können. Doch unsere Vorfahren entschlossen sich zu der naheliegenden Fortsetzung, eine (P+1)-iIlion als das Millionenfache der P-illion und die 1-illion als Million zu definieren. Leider wurden die Vorsilben der lateinischen Sprache entnommen. So entstanden die noch heute in Europa gültigen Bezeichnungen Billion, Trillion, Quadrillion usw. in Schritten zu sechs Stellen. Daß aus sprachlichen Gründen später für tausend P-illionen auch P-illiarde gesagt wurde, ändert an den Grundlagen nichts.

Es sind noch weitere Fortsetzungen des Bildungsprinzips denkbar. Eine ist, die durch die Vergrößerungsendung „-one“ eingeleitete Vertausendfachung fortzusetzen, also eine Milli-(P+1)-on als dasTausendfache einer Milli-P-on und die Milli-1-on als Million zu definieren. Wahrscheinlich gedankenlos pragmatisch oder bewußt abweichlerisch entschied man sich dafür in den USA und Frankreich und verwendete gemeinerweise für eine Milli-P-on die gleichen Namen lateinischer Herkunft wie für eine P-illion in Europa, was uns nicht mehr kalt lassen kann, seit wir mit den berühmten „billion dollars“ und in letzter Zeit auch „trillion dollars“ beeindruckt werden sollen.

Während die Franzosen durch Verordnung ins europäische Chuquet-System zurückkehrten, konnten die Engländer sich dem Sprachchauvinismus nicht erwehren und haben ihre milliard weitgehend der billion geopfert. Eine gerechte Lösung ist kurzfristig nicht in Sicht. Vielleicht müssen die Amerikaner von ihrem System lassen, wenn sie nach weiteren Jahrzehnten des Niederganges den Anschluß an eine friedliebende Welt ohne Atomwaffen nicht verpassen wollen. Kurzfristig aber sind wir wohl gut beraten, den Begriff Billion aus den europäischen Sprachgebrauch zu löschen und in billion nichts als das amerikanische Wort für Milliarde zu sehen. Am einfachsten wäre es, sich gleich an Giga-Dollar (billion dollar) und Tera-Euro (Billion Euro) zu gewöhnen.

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