Die 0 gehört zu N
Es mag einem wichtig sein, daß die Null eine natür­liche Zahl ist. Für die mathema­tischen Inhalte ist es egal. Auch wenn Außerir­dische erst bei zwei oder gar schon bei minus drei zu zählen beginnen sollten, werden sie diese "natür­lichen" Zahlen zu den ganzen Zahlen erwei­tert und die gleiche Addi­tion und Multi­plikation defi­niert haben. Deren neutrale Elemente nennen wir Null und Eins und bezeich­nen sie mit den Ziffern 0 und 1. Zwischen den nega­tiven und den posi­tiven Zahlen liegt die Null. Ob die Null neben den posi­tiven ganzen Zahlen auch zu den natür­lichen gehört, ist weit­gehend Geschmacks­frage, wenn­gleich man durchaus darüber nach­denken darf und sollte, was der Natur der natür­lichen Zahlen entspricht, welche Defini­tion die Hinzu­nahme der Null nahe­legt oder ob sie einfach nur prak­tisch ist. [1] Ich rate vor allem mathe­matisch unbeleck­ten Menschen, bei Eins zu beginnen, um Irrtümer mit über­sehenen Rand­fällen zu vermeiden. [2] Will man die Null einbe­ziehen, spricht man einfach von "nicht negativ" oder schreibt N0 statt N.

Ersetzt man die 0 durch den Islam und N durch Deutsch­land, ist der Spiel­raum für Inter­preta­tionen größer. Negiert man die Behaup­tung, erhöht sich ihre Brisanz. Trotz­dem ist es einem denken­den und der deut­schen Sprache mäch­tigen Menschen möglich, die Aussage in ihrem Kontext korrekt zu verstehen und einzu­ordnen, auch wenn seine Grund­satz­haltung ihn dazu treibt, ihr vollum­fänglich zuzu­stimmen oder sie zutiefst zu verab­scheuen. Mich hat es nicht gestört, als Christian Wulff meinte, der Islam gehöre zu Deutsch­land. Und das durch Horst Seehofer in die allge­meine Debatte gehobene Gegen­teil ist gleicher­maßen verständ­lich. [3]

Als Chrsitian Wulf nach Jahren Wolfgang Schäuble mit "Aber der Islam gehört inzwi­schen auch zu Deutsch­land" wieder­holte, stellte er einlei­tende Worte über das Juden­tum und die christ­lich-jüdi­sche Geschichte voran. Solche Vergleiche und fromme Flos­keln bringen mir wenig. Meines Erach­tens wollte er ein­fach sagen: Es gibt in Deutsch­land viele Moslems, die großen­teils ihren Glauben prakti­zieren und seit über einer Genera­tion sich mehr­heit­lich in unsere Gesell­schaft einglie­dern, die dadurch verän­dert, aber nicht in ihren Grund­festen erschüt­tert wird. Ich fand es bemer­kenswert, daß ein Bundes­präsi­dent sich zu einer solchen Wider­spruch provo­zierenden Äuße­rung hat durch­ringen können. Ich hoffte, er würde recht behalten und der Islam in Deutsch­land wieder werden wie früher, die unauf­fällige Reli­gion vieler unter uns lebender Menschen.

Es kam aber anders. Spätestens mit der Flücht­lings­welle brei­tete sich eine aggres­sive Islam­inter­preta­tion auch in Deutsch­land aus. Zunächst wenige buch­staben­gläubige und säbel­rasselnde Moslems setzten mehr und mehr ihre Glaubens­brüder unter Druck und schrecken neuer­dings auch nicht vor Indoktri­nation und Einschüch­terung anderer zurück. Äußeres Zeichen ist die sprung­haft gestie­gene Zahl der Frauen und auch Mädchen mit Kopf­tüchern, die großen­teils wieder aus dem Schrank hervor­geholt wurden. Zum einen mögen Frauen sich dazu wieder trauen. Aber zum anderen geben sie einfach dem Druck ihrer Glaubens­brüder nach. Das Image der Moslems hat sich durch den aggres­siven Islam verschlech­tert. Darauf reagiert ihre sog. commu­nity mit Abschot­tung, Schön­rederei, Forde­rungen und Vertei­digung ihrer internen Unter­drücker.

Wenn Horst Seehofer in dieser geän­derten Situa­tion sagt, der Islam gehöre nicht zu Deutsch­land, dann äußert er zurecht, daß wir auf Dauer nicht mit einer Parallel­gesell­schaft leben wollen, in der eine Islam­interpre­tation den Ton angibt, die jede Anpas­sung ab­lehnt [4], unsere Grund­werte gering­schätzt und nicht ruhen möchte, bis der letzte Deut­sche konver­tiert oder gestor­ben ist. Natür­lich gefällt eine solche Wahr­heit vielen nicht. Insbe­sondere nicht der viel­zitier­ten Mehrheit der fried­liebenden Moslems, die kaum mehr auf die Beine bringen als Sippen­haft zu beklagen. So ist die Welt und die mensch­liche Psyche nun einmal, keiner wird völlig frei von seiner Gruppen­zuge­hörig­keit beur­teilt. Manche verstehen das. [5] Auch ich würde im Ausland nicht nur Freund­lichkeit erwarten. Um aber als Nazi beschimpft zu werden, muß ich Deutsch­land nicht mehr ver­lassen.

Natürlich ist Horst Seehofer nicht nur von edlen Motiven und einem Drang zur Wahr­heit getrieben. Er möchte Angela Merkel gerne eins auswi­schen und hat nun eine ausge­zeich­nete Posi­tion, um seine lange unter­drückten Auffas­sungen zu äußern und viel­leicht auch durch­zusetzen. Außerdem wird man der AfD keine Wähler­stimmen abringen, indem man weiter gegen die Mehr­heits­meinung die üppige Zuwan­derung schön redet. Ein Glück für die Sozial­demo­kraten, die von der Union nach links gedrückt in der Flücht­lings­frage völlig paraly­siert wurden. Sie können nun ihre Ansich­ten korri­gieren, ohne die CDU rechts über­holen zu müssen, auch wenn viele sich dazu noch nicht durch­ringen können und in Fernseh­diskus­sionen immer noch rum­eiern.

[1] Der "old Fortran shit", Felder ausschließ­lich mit dem Index 1 zu beginnen, hat so manchen Program­mierer auf die Palme gebracht.
[2] Bezieht man die 0 ein, muß oftmals eine Verein­barung getroffen werden, was man unter den der 0 zugeor­dneten Rand­objekten versteht. Das beginnt in der Schule mit der Divi­sion durch 0, setzt sich fort über die Summe aus 0 Summanden, dem Produkt aus 0 Faktoren, der leeren Zeichen­kette, dem leeren Raum, dem baum­losen Wald und vielem anderen mehr.
[3] Anna Reuß: Zwölf Jahre Streit über einen ein­zigen Satz. Süd­deut­sche Zeitung, 16.03.2018.
[4] Islam ist unvereinbar mit Verfas­sung! Und jetzt??? - Reali­tät Islam. Youtube, Realität Islam, 28.11.2017.
[5] Feroz Khan: Als Migranten­kind in Sachsen | Moritz Neu­meier | Racial Pro­filing. Youtube, "achse:ostwest", 08.10.2017.

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Spätestens mit der Flücht­lings­welle brei­tete sich eine aggres­sive Islam­inter­preta­tion auch in Deutsch­land aus. (...) Äußeres Zeichen ist die sprung­haft gestie­gene Zahl der Frauen und auch Mädchen mit Kopf­tüchern, die großen­teils wieder aus dem Schrank hervor­geholt wurden. Zum einen mögen Frauen sich dazu wieder trauen.

Nee, das hat schon einige Jahre vorher angefangen. Plötzlich wurde es unter jungen Frauen aus der dritten Einwanderergeneration ein Identitätsding, Hijab zu tragen. Früher trugen am ehesten noch die älteren türkischen Frauen aus der Gastarbeitergeneration ein Kopftuch, das sie auch wie ein Kopftuch umbanden und vorne zuknoteten. Kopftücher sah man damals auch die älteren deutschen Frauen tragen, insbesondere deutsche Landwirtinnen trugen es auch bei der Arbeit (die knoteten es dann aber hinten). Meines Wissens stammten auch viele aus der ersten türkischen Einwanderergeneration vom Land. Was die jungen Frauen heute tragen, sieht viel teurer aus und wird auch aufwendiger drapiert. Ich tippe darauf, dass dieses Identitätsding auch viel mit dem Aufstieg der AKP zu tun hat. In der vormals kemalistischen Türkei wurde daraufhin auch der Hijab gesellschaftsfähig.

Nicht zu vergessen, die Gülen-Bewegung, die hierzulande zum Beispiel Türkisch-Wettbewerbe veranstaltete. Ich weiß, dass das 2007 im Rhein-Main-Gebiet der Fall war, davon wurde aber damals in der Öffentlichkeit keine Notiz genommen. Fetullah Gülen und Erdogan waren damals noch dicke Tinte. Gülens Zeitung "Zaman" erschien auch als eine eigenständige deutsche Ausgabe in Deutschland.

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Glücklicherweise hatte ich "spätestens" geschrieben. Sie haben natür­lich recht, die Renais­sance des Kopf­tuches geht nicht auf die Flücht­linge zurück, die ledig­lich welche mitbrach­ten. In ihren Herkunfts­länder, aber auch der Türkei und Deutsch­land hat diese Rück­besin­nung auf äußere Zeichen schon früher einge­setzt.

In meinem Leben habe ich nur wenige Moslems kennen­gelernt. Kopf­tücher waren nicht dabei. Die Schwe­ster meines sehr, sehr frommen Kommili­tonen trug keines, meine türki­sche Nach­barin auch nicht, und schon gar nicht die türki­schen Frauen am Arbeits­platz. Nur die Frau eines Bekann­ten sah ich mit Kopf­tuch. Sie waren wohl auf dem Weg zur Familie, denn später trug sie auch offe­nes Haar.

Mich haben Kopf­tücher nie gestört. Prak­tisch aber sind sie allen­falls bei Wind und Kälte. Manchmal auch als Handy-Halte­rung. Wenn Frauen sie mit wach­sender Begei­sterung tragen und sich sogar im Sommer einen Wulst um den Hals winden, muß das einen Grund haben. Allein als freiwil­liges oder modi­sches Zeichen der Zuge­hörig­keit zum Islam ist das nicht zu erklären. Für mich ist es Fana­tismus, der Anders­artig­keit zur Schau stellt und andere zwingt, es ihm gleich zu tun.

Ich bin froh, nicht in eine derart von Gewalt, Über­heblich­keit und Minder­wertig­keits­gefühlen zugleich durch­setzte Gesell­schaft geboren zu sein.

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Ich möchte Sie auf einen lesenswerten Gastkommentar von Michel Friedman bei der Deutschen Welle hinweisen: Politik und Religion - ein ewiger Streit.

Und außerdem auf ein Posting von Herrn Solminore:

https://askionkataskion.wordpress.com/2018/03/20/8433/

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Ich habe Michel Friedmann vor seiner Koks-Pause gerne gesehen, wegen seiner provo­kanten Gesprächs­führung und trotz seiner Frisur, in der man laut Titanic nach Öl bohren konnte. Der von Ihren empfoh­lene Aufsatz wirkt dagegen eher wie eine Pflicht­übung: Das Judentum gehört zu Deutsch­land, ebenso der Islam als Reli­gion, während der poli­tische Islam und zur Gleich­gewichts­wahrung auch die AfD zu verur­teilen sind. Beleh­rungen sind auch seine Art: "Kein Poli­tiker hat das Recht darüber zu urteilen, ob eine Reli­gion zu seinem Land gehört oder nicht."

In meinem Beitrag zu Alhazen zitierte ich: "... Mittel­­meer­­länder fielen rasch unter die Herr­­schaft Allahs." [1] Das ist wort­wört­lich Quatsch, in den Ohren eines gutmü­tigen Lesers aber kurz und klar. Und erst gestern las ich von der "Mathe­matik in den Ländern des Islam". [2] Eben­falls ungenau, aber klar verständ­lich. Das gleiche gilt für den nicht zu Deutsch­land gehö­renden Islam. Wem das nicht gefällt, der mag aus dem fehlenden Zusatz "poli­tischer" ein Argu­ment zwirbeln. Und da man einer Religion auch poli­tische Auffas­sungen und deren Verbrei­tung nicht abspre­chen darf: Der poli­tische Islam in seiner gegen­wärtig wahr­genom­menen Ausprä­gung sollte in Deutsch­land an Einfluß ver­lieren.

Man kann auch wie in Ihrem zweiten empfoh­lenen Beitrag die Aussagen von Wulff, Seehofer und vielen anderen über die Zuge­hörig­keit von Reli­gionen zu einem Staat als völlig sinnleer ansehen. Doch das wird dem Sprach­vermögen der meisten Menschen nicht gerecht. Sie erkennen ganz klar die Stoß­rich­tung und sehen auch die Reihen­folge: Hätte Wulff nicht getönt, hätte Seehofer anders geschossen. Während Wulff noch Hoff­nung besaß, hat Seehofer sie verloren oder nie besessen. Das ist mit den Juden und Buddhi­sten anders. Es gibt keine Veran­lassung zu verkünden, ihre Reli­gion gehöre zu Deutsch­land oder nicht.

[1] Eugene Hecht: Optik. Oldenbourg, 5. Auflage, 2009. Seite 2
[2] Hans Wußing: 6000 Jahre Mathematik. Band 1: Von den Anfängen bis Leibniz und Newton. Springer, Berlin Heidel­berg 2008. Auf Seite 222 erwähnt er, daß "arabi­sche Mathe­matik" oder "Mathe­matik in den Ländern des Nahen und Mitt­leren Ostens" eben­falls ungenau sind.

Alhazen

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