Stromnetze
In der Tagesschau sah ich eine Karte der Länder, in denen es wegen eines Filmes über einen 1422 Mondjahre toten Mann zu Protesten mit Mord und Totschlag kam. Mein Kleinhirn signali­sierte mir sofort eine geome­trische Ähnlich­keit mit den Strom­netzen der Welt, die ich mir kurz zuvor angesehen hatte:

Auf der einen Seite die neue Welt der Ameri­kaner mit ihrem maroden Strom­netz von 110 Volt und 60 Hertz. Auf der vernünf­tigen die übrigen vier Konti­nente mit kompa­tiblen 220 bis 240 Volt bei 50 Hertz, aller­dings durch­zogen von einem Band der Idiotie, das sich von Südamerika über Marokko und Idone­sien bis nach Japan erstreckt.

Weltkarte der Stromnetze. Wikipedia.

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Schleckerfrauen
Es sei dahingestellt, ob eine Transfer­gesell­schaft Wunder­werke voll­bringt, doch muß ich einer Betriebs­rätin von Schlecker schon recht geben: Für die Rettung von Grie­chen­land und Wulff ist genügend Geld da, nicht aber für die Schlecker­frauen. Und woran ist es geschei­tert? Zum ersten an einer 10‑Milli­onen-​Bürg­schaft der Bayern, die sich vom Rest der Republik haben zu Angebern hoch­päppeln lassen. Zum anderen an einem unbe­kannten Minister einer Splitter­partei, die Geld lieber den Reichen in den Arsch steckt. Und zum dritten an einem Seehofer, der nicht wider­sprechen kann oder will. Bald muß Opel wieder gerettet werden, obgleich deren Autos schon Jahr­zehnte keiner fahren will. Und Spanien wartet auch schon. Will man sich dann gleicher­maßen knau­serig zeigen? Banken müssen wegen ihrer Krisen bereits höhere Sicher­heiten bilden. Und ich bin der Meinung, auch normale Betriebe sollten die Lohn­kosten eines Jahres zurück­legen oder ver­sichern müssen, die im Falle eines Konkurses aus­schließ­lich an die Mitarbeiter fließen, nicht an die Gläu­biger.

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Christian Wulff
Zumindest bis ins letzte Jahr kam mir im Zusammen­hang mit Chri­stian Wulff immer seine Äußerung in den Sinn, daß man auch ohne sog. Brüche, ohne Revo­lutions­taten, also gleich als Paulus in der Politik eine Chance haben dürfe, selbst ohne silbernen Löffel im Maul. Als solchen habe ich ihm den Aufstieg gegönnt, gleich­wohl ich mich nicht seinem Lager zurechne und ihn auch nicht für die bessere Wahl zum Bundes­präsi­denten hielt.

Leider zeigte sich in den letzten Monaten, daß seine Karriere nicht auf Fleiß, Begabung und Glück allein beruhte, sondern Christian Wulff sich auf zwei von mir verab­scheuten Feldern betätigte. Zum einem dem der Vorteils­nahme und Schnäpp­chenjä­gerei. Zum anderen der Anbie­derung bei den Reichen und Schönen. Seither ist er für mich ein armes Würstchen.

Auf die Frage, worin denn in der fegefeuer­freien evange­lischen Ewig­keit die Strafe für die Bösen bestehe, hörte ich nur einmal eine vernünf­tige Antwort: In der Unfähig­keit dieser Menschen, nach dem Tode ihre Gesin­nung abzu­legen, und in der Frustra­tion, mit ihr nichts mehr errei­chen zu können. Das gilt auch für Heiden, für mich und für Katho­liken wie Chri­stian Wulff.

Sein Erfolgsmodell der Anbie­derung hat sich zu sehr in seinem Unter­bewußt­sein und Wesen einge­graben, um Fehler einge­stehen und sich verkrü­meln zu können. Am bishe­rigen Ende steht der Zapfen­streich. Nun tut er mir leid, nicht als der kalt genannte Poli­tiker, nicht als der Moral­apostel, und schon gar nicht das Amt, dem in den letzten Monaten eine abartige Über­höhung ange­dichtet wurde.

Für viele bleibt sein Ehrensold. Über ihn und seine Rechts­schwächen ausnut­zende Inan­spruch­nahme mag man sich ereifern. Selten aber höre ich im gleichen Atem­zug von Promi­nenten, Managern und Fußball­spielern, die ein weit höher ihre Leistung über­stei­gendes Ein­kommen beziehen. Von den Erben mit dem silbernen Löffel im Maul ganz zu schweigen.

Die Kosten sind ganz woanders entstanden: Hat jeder Deutsche sich im Mittel nur eine Stunde mit dem Skandal um Chri­stian Wulff beschäf­tigt, macht das 10.000 Mann­jahre. Wenn davon 1.000 zu Lasten der Erwerbs­tätig­keit gehen, ergeben sich bei einem Niedrig­lohn von 5 Euro pro Stunde bereits Einbußen von 40 Mil­lionen, also 200 Jahre Ehren­sold. Und den Griechen wurden gerade 10.000 Euro pro Nase erlassen.

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Röslersche Mengenlehre
Herr Rösler rettet auf dem Dreikönigs­treffen die FDP. Auch mit einer Ableh­nung unnötiger Schul­reformen. Er berich­tet, zu seiner Zeit habe man Mathe­matik durch Mengen­lehre ablösen wollen und gelehrt: Befinden sich fünf Personen in einem Raum und es gehen sieben raus, dann müßten noch zwei rein­kommen, damit keiner mehr drin ist. Eher ein schlecht erzählter Mathe­matiker­witz denn eine Parade­aufgabe der Mengen­lehre.

Kurze Zeit später erwähnt der Kommen­tator Jürgen W. Falter, was auch mir zu Röslers Mengen­lehre spontan durch den Kopf ging, daß die FDP nun die Talsohle erreicht hätte und die Umfrage­werte negativ würden, wenn sie könnten. Die unge­liebte Mengen­lehre hilft der FDP. Selbst die leere Menge hat keine negative Mäch­tigkeit.

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1433
Mein türkischer Gemüsehändler hatte schon am Freitag­abend Neujahr gefeiert, mein türki­scher Kollege weist den islami­schen Kalender von sich, ich dagegen halte mich an Rech­nungen von Spezia­listen, die den 1. Muhar­ram 1433 auf den heutigen 27. Novem­ber 2011 legen. Und das ist nicht irgendein Tag, sondern der erste Advents­sonntag und damit auch Beginn des christ­lichen Kirchen­jahres. Zuletzt passierte das im Jahre 1913, und für das näch­stemal ist bis 2434 zu warten, sofern ich mich nicht ver­rechnet habe.

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89 Promille
Was in der Wahlnacht noch lustig war, wenn ein Pirat nach poli­tischen Erfah­rungen befragt zugibt, schon einmal auf der Besucher­tribüne des Parla­mentes gewesen zu sein, weshalb er sich für die dortige Twitter-​Erlaub­nis ein­setzen wird, wandelt sich Tag für Tag und mit jedem Bericht in Übel­keit. Ich kann auf Rausch­kunde­unter­richt ver­zichten, möchte keine Natur­gesetze voten und verabrede mich bei Facebook nicht zum Kiel­holen.

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18 Promille
Endlich hat die FDP ihr Ziel erreicht. Und schon tut mir Herr Lindner leid, wenn er es schön reden muß. Jahr­zehnte hatte die FDP gemessen an den Mitglie­dern viele Posten zu ver­geben. Und nun sitzt er auf einem lah­menden Gaul.

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