Röslersche Mengenlehre
Herr Rösler rettet auf dem Dreikönigs­treffen die FDP. Auch mit einer Ableh­nung unnötiger Schul­reformen. Er berich­tet, zu seiner Zeit habe man Mathe­matik durch Mengen­lehre ablösen wollen und gelehrt: Befinden sich fünf Personen in einem Raum und es gehen sieben raus, dann müßten noch zwei rein­kommen, damit keiner mehr drin ist. Eher ein schlecht erzählter Mathe­matiker­witz denn eine Parade­aufgabe der Mengen­lehre.

Kurze Zeit später erwähnt der Kommen­tator Jürgen W. Falter, was auch mir zu Röslers Mengen­lehre spontan durch den Kopf ging, daß die FDP nun die Talsohle erreicht hätte und die Umfrage­werte negativ würden, wenn sie könnten. Die unge­liebte Mengen­lehre hilft der FDP. Selbst die leere Menge hat keine negative Mäch­tigkeit.

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Zumindest in Baden-Württemberg,
wo ich zur Schule ging, war es auch nicht unbedingt so, dass die Mengenlehre die Mathematik (oder genauer gesagt: das Rechnen) ablösen sollte. Wenn ich mich recht erinnere, haten wir Erstklässler, die wir 1970 eingeschult wurden, erst einhalbes Jahr lang mit Mengenlehre (dargereicht u.a. mit Hilfe von roten, blauen und gelben Kreisen, Drei-, Vier- und Rechtecken) zu tun, bevor es mit der traditionellen Rechnerei losging.

Da ging es um Elemente und Mengen (Schnittmengen, Teilmengen etc.), aber um nichts, was der Röslerschen Darstellung auch nur im Entferntesten nahekäme. Wobei ich seine Darstellung aber trotzdem witzig finde.

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Ich will nicht übertreiben, doch hundertmal hat Rösler sicher­lich das Wort Wachstum im Munde geführt. Und trotz aller meiner nicht erst mit den Wirt­schafts­krisen dieses Jahr­tausends gewach­senen Bedenken, möchte ich ihm glauben, daß er nicht nur selbst vom Wachstum über­zeugt ist, sondern auch ansatz­weise recht hat.

Dann aber die Mengenlehre. Plötzlich flackert ein Detail auf, dessen Gehalt ich beur­teilen kann und sich automa­tisch auf den Rest überträgt, so wie eine scheinbar seriöse Zeitung an Über­zeugung verliert, wenn einmal darin eine Geschichte zu lesen ist, deren Lüge ich sofort erkenne.

Und zur Mengenlehre hätte er doch Berater gehabt. Die hätten ihm aus dem Archiv eine tref­fendere Geschichte und Rede geba­stelt. Zum Beispiel:

„Als ich in die Grundschule kam, wurde gerade Rechnen durch Mengen­lehre ersetzt. Eines Tages forderte die Lehrerin uns auf, die Menge der roten oder runden Steine zu bilden. Manche nahmen die roten Steine, andere die runden, einige nur die roten Kreise, die meisten machten gar nichts oder Blödsinn. Doch plötz­lich dämmerte es mir, vorwitzig wie heute sprang ich auf und rief in den Raum: Frau Lehrerin, meinen Sie viel­leicht die roten und die runden Steine? Und schon konnten alle die Aufgabe lösen. So ist es auch in der Politik. Eine kleine Änderung von drei, vier Buchstaben und etwas Mut kann den Unter­schied ausmachen, den Wach­stums­schub auslösen. Und wenn es mit drei, vier Buch­staben möglich ist, dann auch mit zwei, drei Prozent. Meine Damen und Herren, da(für) steht die Freie Demokratische Partei, die FDP!“

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Mengenlehre.
Eine Art Mathematik, die sich nicht mit konkreten Zahlen abgibt, sondern einfach nur grobe Bereiche vergleicht. In meinen Augen. Ok, nicht ganz richtig, gebe ich zu.

Aber für mich einer der Gründe zu verstehen, weshalb die Politiker genau von jener Algebra nichts verstehen. (Vorsicht, der gesamte Link dauert gute 80 Minuten). Mit entsprechenden Langzeitfolgen.

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Mengenlehre ist ein Teilgebiet der Mathematik. Die mengen­theore­tische Beschrei­bung hat sich bewährt, ent­faltet ihre volle Kraft aber erst abseits endlicher Bereiche. Zur Bewäl­tigung weniger bunter Klötz­chen ist sie kaum hilf­reich. Mengen­lehre in der Schule sollte wohl die mengen­theore­tische Denk- und Sprech­weise etab­lieren. Das ist so nützlich wie Latein für die Logik.

Nun aber zu ihrem Film. Er endet und beginnt mit der Exponen­tial­funktion. Wer sie nicht theore­tisch versteht, hat sie viel­leicht prak­tisch am Finanz­markt gespürt. An der Tank­stelle greift sie noch zu langsam.

In seinem als ‚The most IMPORTANT Video You'll Ever See‘ aufge­zeich­neten Vortrag spricht Albert A. Bart­lett vornehm­lich zur ameri­kanischen ‚Oil Angst‘, um durch Wahl dieses Begriffes zu belegen, daß ich mir weite Teile wirklich ange­sehen habe. Er stellt natür­lich auch dar, daß in der Realität exponen­tielles Wachstum nicht einfach kurz und schmerz­voll zusammen­bricht, sondern nicht nur nach Marion King Hubbert über eine lange Zeit dahin­siecht.

Solche Prognosen sind sicherlich besser als die sog. linerae Fort­schrei­bung der Gegen­wart und der uner­schüt­ter­liche Glaube an immer neue Ressour­cen. Ich aber vertraue in die weit­reichende Hyper­stabi­lität der Natur, die einen aus dem Ruder gelau­fenen Prozeß durch einen über­gela­gerten in die Schranken weist. Bereits vor 40 Jah­ren sagte ein Kollege: „Die Natur wird ihr Gleichgewicht schon finden. Ob es Menschen darin gibt, weiß ich nicht.“

Immer wieder gerne zitiere ich das Buch „Formeln zur Macht“ von Wilhelm Fucks aus dem Jahre 1965. Nach seinen nicht-​line­aren Berech­nungen sollte die Macht der Chinesen 1969 die der WEU, 1971 die der UdSSR, 1975 die der USA und 1985 die von allen drei zusammen über­flügeln. Die für diese Jahre erwar­teten Atom­kriege blieben aus und die Chinesen ver­mehrten sich nicht wie die Kanin­chen. Es wurden nur 1,3 statt der für 2010 prog­nosti­zierten 2 Mil­liarden, die bei weitem nicht so produktiv wurden wie 1965 erwartet.

Albert A. Bartlett weist zurecht darauf hin, daß die Erschlie­ßung neuer Ölvor­kommen deren Aufzeh­rung nur um wenige Jahre nach hinten verschiebt. Für mich aber machte das schon einen Unter­schied. Da ich die Expo­nential­funktion schon vor 50 Jah­ren verstand, hoffte ich allen Ernstes, die Vorkommen würden sich bald erschöpfen und die Geschirr­tuch­träger der plötz­lich und unver­dient zu Geld gekom­menen vierten Welt wieder in die Stein­zeit versetzen.

Es kam leider anders. Die erste und vor allem die zweite Welt in Gestalt der Ameri­kaner verschleu­dern bis heute immer neues Öl, das sie in Staaten kaufen müssen, die besser geistig denn ökono­misch wachsen sollten. Und so wird sich auch regeln, was ich den Worten Albert A. Bartlett meine entnehmen zu können: Wenn Bevöl­kerungs­wachstum und Verbrauch nicht durch Bildung und Einsicht redu­ziert werden, dann werden die bekannten negativen Größen wie Krieg, Hunger und Krankheit dafür Sorge tragen.

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