Spritzgurke
Gestern gegen 22 Uhr habe ich mir noch ein Stück der Promi­nenten­version von „Wer wird Milli­onär“ in der Hoff­nung ange­sehen, es könne wieder so lustig werden wie in der Fünf-​Millionen-​Euro-​SKL-​Show . Tatsäch­lich saß Dieter Bohlen auf dem Stuhl und han­gelte sich gerade von 16.000 auf 125.000 Euro hoch. Für Jauch antwor­tete er aus dem Bauch heraus und mit Glück dreimal richtig, zumal kein direktes Wissen hinter seinen Ant­worten steckte. Doch darum geht es doch auch gar nicht. Gefragt ist die Fähig­keit, drei weniger sinn­volle oder irre­füh­rende Ant­worten auszu­schließen. Und das beherr­schte er recht gut. Sicher­lich weiß Dieter Bohlen auch mehr als so manche andere promi­nente Nuß. Er tarnt nur alles als Bauch­gefühl, damit die wirk­lichen Fehlein­schät­zungen nicht auf­fallen.

Ein bißchen enttäuscht bin ich über seine Aufgabe ange­sichts der 500.000-​Euro-​Frage. Einfaches Raten allein führt auf eine Gewinn­erwatung von

( 500.000 + 3⋅16.000) / 4 = 137.000 Euro

Und da er noch seinen 50‑50‑Joker ein­setzen konnte, stei­gerte sich das auf

( 500.000 + 16.000 ) / 2 = 258.000 Euro

Wenn man als einfacher Mensch dort sitzt, dem 125.000 auch reichen und der nicht mit verlo­renen 109.000 nach Hause kommen darf, dann mag es noch sinn­voll sein, eine derart hohe Gewinn­erwar­tung auszu­schlagen, weil einem jeder Euro ober­halb von 100.000 nur noch 30 Cent wert ist. Aber das Geld sollte ja nicht Dieter Bohlen bekommen, sondern der Verein „Dunkel­ziffer“, der sichere 16.000 samt 484.000 mit 50 Prozent Wahr­schein­lich­keit den garan­tierten 125.000 mögli­cher­weise vorge­zogen hätte.

Aber Prominente sind auch nur Menschen. Sehr gerne hätte Dieter Bohlen es den anderen mit ihren 125.000 gezeigt und 500.000 oder mehr gemacht, doch seine Angst, mit 16.000 als der vermes­sene und letzt­lich auch dümmere Kandidat zu enden, ließ ihn aufgeben. Mit Sozialismus und „alle gleich“ redete er sich über diese Schwäche hinweg, womit die Frage nach seiner DKP-​Vergan­genheit nicht aus­bleiben konnte. Munter bekannte es sich dazu. Inso­fern ist er doch nicht so schlimm, belusti­gend so und so.

Entscheiden mußte er sich zwischen Sprüh­kürbis und Spritz­gurke. Ich hätte es falsch gemacht, weil ich Spritz­gurke für eine anzüg­liche Erfin­dung der Redak­tion hielt. Das ändert aber nichts an den Erwartungs­werten und meinen Empfeh­lungen für den Wieder­holungs­fall.

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dass sie soviel gedanken an derlei schrott verschenken.
mich haben sie dazu gebracht 20 euro zu verschenken.
an einen förderfverein für behinderte menschen.
einfach so.

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Nicht der Millionen­gewinn von Oliver Pocher irri­tiert mich schon seit Tagen, sondern die Mai­glöck­chen­frage, anläß­lich der Rein­hold Beck­mann die Segel strich. Die meine ich als Beispiel für typische Wer-​Wird-​Millionär-​Fragen kurz vorher gehört zu haben, mög­licher­weise bei Schmidt und Pocher. Das wird kein Zufall gewesen sein und ist wohl einfach der Tatsache geschuldet, daß auch die Pro­minen­ten-Sendun­gen aufge­zeichnet werden.

Nachdem ich dies verin­nerlicht habe, stellt sich mir nun die Frage, warum der immer schlaffer werdende Harald Schmidt auch letzte Woche noch Oliver Pocher als einen Voll­trottel hin­stellte, gleich­wohl dieser bereits die Million errun­gen hatte, auf die Harald Schmidt so scharf war. Wahr­schein­lich spielen beide nur ihre Natur­rolle.

Was also irritiert mich? Ich weiß doch, daß für das Fernseh­publikum Sen­dungen aufge­zeichnet und Rollen gespielt werden. Es ist die Behand­lung dieser beiden und anderer Schein­welten in der wirk­lichen. Die Presse berich­tet über Schmidt und Pocher als stünden hinter allen Frotze­leien wirk­liche Animo­sitäten, über die Lei­stungen bei Günter Jauch lassen sie vor dem Sende­termin nichts verlauten. Alles wird darge­stellt, als sei es wirk­lich erst am Vortage geschehen.

Mich irritiert nicht, ein Buch zu lesen, das vor hundert Jahren geschrie­ben, und eine Sen­dung zu sehen, die vor einer Woche aufge­zeichnet wurde. Ich muß mich nur erst daran gewöh­nen, daß eine Unmenge aufge­zeich­neter, kon­struier­ter und unwirk­licher Vorgänge unter die realen gewoben werden, ohne auch nur gele­gent­lich darauf hinzu­weisen. Der Unter­schied zwischen Wirk­lichkeit und Fiktion ver­schwindet. Und die mir selten auffal­lenden Kon­tinuitäts­fehler irri­tieren dann plötz­lich.

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