Reformationstag
Die fünfte Hundertjahrfeier des Thesenanschlages durch Martin Luther ist ausnahmweise arbeitsfrei, und schon ist wieder zu lesen, was unsere Wirtschaft dadurch verliert. In der Vergangenheit hat es mich etwas geärgert, daß der Buß- und Bettag für alle Christen gestrichen wurde, während die Katholiken und voran die Bayern ihre Feiertage behielten, daß man sich Jahr für Jahr erneut fragen muß, was an Fronleichnam eigentlich gefeiert wird.

Zwischenzeitlich bin ich wie die christlichen Kirchen in Deutschland ebenfalls gegen die Wiedereinführung von christlichen Feiertagen, die von der Bevölkerung so und so nur als arbeitsfrei gesehen werden. Und der Reformationstag wäre nur eine Heiligsprechung von Halloween, dem heidnischen Vorabend von Allerheiligen, was als Feiertag so überflüssig ist wie Fronleichnam und Heilige Drei Könige.

Außerdem ist die Rücknahme christlicher Feiertage das beste Mittel gegen die Einführung heidnischer Gedenktage. Gerne kann jeder mehrfach im Jahr einen Baum umarmen oder nach einem privaten Mondkalender den Geburtstag des Propheten feiern. Solche Begehrlichkeiten lassen sich leicht abwehren, wenn man die eigenen Privilegien zurücknimmt: Weniger christlichen Feiertage, kein Religionsunterricht in Schulen, keine Theologie an staatlichen Hochschulen.

Wenn ich es recht bedenke, können auch die Weihnachtsfeiertage, Pfingst- und Ostermontag, Himmelfahrt, Karfreitag sowie der Tag der Deutschen Einheit entfallen, wenn die Arbeitgeber dies finanziell ausgleichen wie sie auch die Sachsen für ihren Buß- und Bettag zur Kasse gebeten haben. Bleiben können neben dem Kampftag der Arbeiterklasse der Beginn des neuen Jahres und die Feiertage am Sonntag, auch wenn eines Tages kaum einer mehr weiß, woran sie uns erinnern sollen.

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Karfreitag ist ein sehr wichtiger Feiertag für die evangelischen Christen - den lassen Sie uns bitte mal schön. Ein Nachbar meiner Mutter ist Zeuge Jehovas, der wächst am Karfreitag gern im Hof sein Auto oder wechselt demonstrativ die Winterreifen (siehe verlinkter Artikel).

Und der Pfingstmontag ist ein alter Feiertag, den behalten wir auch! Die Frankfurter feiern schon seit Jahrhunderten am "dritten Pfingsttag", sprich am Dienstag, ihren Wäldchestag.

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Der Karfreitag ist der höchste aller christlichen Feiertage. Daß dies selbst von Gottes­dienst­besuchern nicht immer so gesehen wird, wurde mir klar als fromme Jugend­liche zu Weih­nachten ein Kreuz in die Kirche trugen. Aber warum sollte selbst der Karfreitag für alle arbeits­frei bleiben, wenn dereinst die aktiv gläubigen Christen selten geworden sind und weit fahren müssen, um gemein­schaftlich der Kreuzi­gung Jesu zu gedenken, die Masse der Menschen sich aber ein Pokal­endspiel oder Einkauf bis Mitter­nacht wünscht?

Auch wenn mich weder Autos, noch Tanz­vergnügen und Sport­veranstal­tungen inter­essieren, dürfen andere gerne Reifen wechseln, abtanzen oder außerhalb meiner Hörweite rumgrölen. Das ist der sicherste Schutz vor Feier­tagen anderer Minder­heiten. Ich möchte nicht im Monat Ramadan das Eis aus der Hand geschlagen bekommen oder am Namenstag des heiligen Vegan nur Tofu essen.

Der Wäldchestag ist Vorreiter. Früher war der Nachmittag des Pfingst­dienstages arbeits­frei, und wir sind meilenweit gelaufen, um Willy Brandt im Wäldche reden zu hören. Zuneh­mend reichten faden­scheinige Gründe, um am Schreibtisch zu bleiben, dann gab es nur noch eine allge­meine Zeit­gut­schrift, und die ging auf in einer Regelung zu Betriebs­ferien zwischen den Jahren. Und das ist keinesweg gegen den Willen der Beschäf­tigten geschehen.

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Eigentlich sind religiös begründete Feiertage in unserer säkularen Gesellschaft ein Anachronismus, da gebe ich Herrn Wuerg recht. Nachher kommen auch noch die Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters und fordern einen Nudeltag.

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