Oktoberrevolution
Man mag von der Oktober­revolution halten, was man will, doch nach 100 Jahren wäre sie schon einen Google-Doodle wert gewesen. Aber am heutigen 7. November wird man in unserem Teil der Google-Welt mit einem thai­ländisches Gericht namens Phat Thai konfron­tiert, zu dem ich nicht heraus­finden konnte, warum es nicht auch an einem anderen Tag hätte verwurstelt werden können. War es vielleicht ein 7. November, an dem es zur Verwer­tung von Reis­resten zum thai­ländischen National­gericht erklärt wurde. Dann könnte man auch den 1. November feiern, denn ab diesem Tag des Jahres 2006 dürfen keine Kartoffel­schalen mehr an Schweine verfüttert werden.

Normalerweise beachte ich die Google-Doodle nicht, obgleich darunter inter­essanter Schwach­sinn wie der 56. Geburts­tag des DDR-Ampel­männchens zu finden ist. Doch heute wollte ich nach der Oktober­revolution schauen. Man mag zu ihr stehen wie man will, es sind nun einmal 100 Jahre. Und für ewig bleiben wird die Rand­bemerkung, daß sie im November stattfand. Wir oder zumin­dest einige von uns feiern sie am 7. November, weil sie am 07.11.1917 die Diktatur des Prole­tariats in Rußland einleitete.

Und obwohl Lenin nur wenige Monate später den grego­riani­schen Kalender auch in Rußland einführte, leitet sich der Name Oktove­rrevolution von ihrem julia­nischen Datum 25.10.1917 ab. Salopp gesprochen ist das eine Differenz von 13 Tagen. Genau genommen ist es aber der gleiche Tag, der gergo­rianisch um 13 Tage höher bezeichnet wird. Und nun höhre ich schon die Geschichts­kundigen, die um Papst Gregor XIII wissen, der im Jahre 1582 auf Donnerstag, den 04.10. Freitag, den 15.10. folgen ließ, was nur 10 Tage mehr sind. Doch bis zur Oktober­revolution war grego­rianisch bereits der 29. Februar der Jahre 1700, 1800 und 1900 entfallen. [1]

Das führt mich auf die all­gemeine Frage, wann denn Jahres­tage zu feiern sind. Gewiß nicht nach 12 Monaten zu 29 bzw. 30 Tagen. [2] Eher dann, wenn sich ohne zwischen­liegende Kalender­reform in einem Solar­kalender das Datum wieder­holt, also Tages- und Monatszahl gleich sind. [3] Die Hundert­jahrfeier ist demnach am 07.11.2017, obgleich bereits am 06.11.2017 die Spanne von 100 tropischen Jahren zu 365,24219 Tagen abge­laufen war, denn im Bereich von 1901 bis 2099 ist das mittlere Kalender­jahr praktisch julianisch, also mit 365,25 Tagen deutlich zu lang.

Auch Luther hätte wie die Russen sich lange gegen den katho­lischen grego­rianischen Kalender gewehrt. Doch den gab es zu seiner Zeit noch nicht. Sein Thesen­anschlag war am Samstag, den 31.10.1517 julianisch. Wir haben die 500 Jahre nach der Tages­bezeichnung 31.10. gefeiert, weil wir den abend­ländischen Kalender mit seinen im Oktober 1582 formal fehlenden 10 Tagen verwenden und Historiker sich mehr für ein formales und oftmals regionales Datum inter­essieren als für genaue Zeit­spannen. Es ist schon ein Fortschritt, wenn sie den grego­rianischen Kalender nicht erst mit seiner Übernahme, sondern prolep­tisch bereits ab 1582 verwenden. Hier sind die Amerikaner einmal voraus.

Der Thesenanschlag hat die Tageszahl 2275446 als julia­nisches Datum. Addiere ich 500 tropische Jahre zu 365,24219 Tagen, komme ich auf 2458067,1. Die bessere Rundung auf 2458067 ergibt den 09.11.2017 für eine jahres­zeitlich korrekte 500-Jahr-Feier. Mit den formalen 10 Tagen Unter­schied ist es der 10.11.2017, also wie bei der Oktober­revolution ein Tag später. Das liegt daran, daß auch für die fünfmal höhere Zeit­spanne das mittlere Kalender­jahr deutlich zu groß ist. Zur der mit 365,2425 Tagen grund­sätzlichen Über­länge des grego­rianischen Jahres kommt hinzu, daß mit 1600 und 2000 zwei von fünf statt den mittleren eins von vier Jahrhundert­schaltjahren auftraten.

[1] Ein Umstand, den zumindest frühe Excel-Versionen nicht auf die Reihe gebracht haben.
[2] Moslems feierten 500 Jahre Reformation am 15. Schawwal 1423, den 20. Dezember 2002.
[3] Wann feiert man Geburtstag, wenn man am 29. Februar oder im We-Adar geboren ist?

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