Symmetrieargument
Nicht alles, was uns symmetrisch oder polar erscheint, ist es auch. Dazu gehöhren wahr und falsch, positiv und negativ und vor allem männlich und weiblich. So kann man nicht systematisch beide Seiten vertauschen, um aus der Wahrheit über die eine Seite die komplementäre für die andere zu gewinnen. Mit einer gewissen Vorsicht aber geht es schon. Mein heutiges Studium der Bild-Zeitung mit den 50 schönsten Deutschen hat mich wieder darauf gebracht:

In den letzten Jahren scheint sich das Verhalten der Geschlechter mehr und mehr anzugleichen, und die Vermutung liegt nahe, daß die dahinter liegenden Motive schon immer ähnlich waren, nur verschieden dargestellt wurden. Wenn dem so ist, darf ich annehmen, daß die Männer aus der Liste der schönsten Deutschen auf Frauen eine ebensolche Wirkung haben wie umgekehrt die schönsten deutschen Frauen auf die Männer. Und dieser Symmetrieargumentation weiterhin folgend muß ich annehmen, daß die deutschen Frauen über die Bevorzugungen der deutschen Männer ebenso denken wie die Männer über die der Frauen.

Wenn ich zusätzlich annehme, daß Männer ihre schöntsten Geschlechtsgenossen, die als Prominente sicherlich ihre Qualitäten haben, vom Aussehen und Verhalten großenteils für debil und schmierig halten, dann möchte ich nicht wissen, was Frauen über die schönsten ihres Geschlechtes denken. Und darin liegt eine gewisse Spannung, wenn auch eine geschlechtersymmetrische. Der Haß der Männer auf Latrinos und der der Frauen auf Luder wird naturbedingt zunehmen. Und man sollte sich nicht wundern, wenn es in fünf oder zehn Jahren zu echten Übergriffen kommt.

... comment

 
Sehr interessante Einlassung
Wobei ich Ihre Schlussfolgerung nicht ganz teile, wonach der der Hass auf die Schönsten des jeweiligen Geschlechts naturgemäß zunehmen müsse.

Wäre nicht stattdessen auch ein Gewöhnungs- und Abstumpfungseffekt denkbar?

... link  

 
Warten wir es ab. Natürlich wird es nicht so dramatisch kommen. Die große Mehrheit wird lediglich billigend zusehen, wie eine kleine Gruppe unzivilisierter Prolls sich des Problemes annimmt. Vielleicht gelingt es aber auch, das Bild des veröffentlichten wieder dem des wahren Menschen anzupassen.

Gewöhnung und Abstumpfung sind natürlich auch denkbar. Doch mag man noch so tolerant, ignorant oder cool sein wollen, das Gehirn wehrt sich letztlich mit Aggression gegen den Dauerstreß, falsche Wahrnehmung korrekt einordnen zu müssen. Der Begüterte wird sich in Reservate zurückziehen.

... link  


... comment
 
Die Liste ist wirklich lehrreich. Selbstverständlich wurden auf die vorderen Plätze Prominente gewählt, die sexuell besonders anziehend wirken, auch wenn sie teilweise vor allem vom eigenen Geschlecht als schmierig oder Luder eingestuft werden könnten. Bezeichnend sind aber die ersten beiden Plätze. Hier haben bekannte Kriterien der langfristigen Partnerwahl mitgewirkt. Bei der Frau das Kindchenschema und beim Mann, na ja. Zu beiden Prominenten war mir der Name bisher nicht geläufig. Aber den von Platz 48 kannte ich, ein bezeichnendes Beispiel von deutschen Schönheitsvorstellungen.

... link  


... comment
 
Gestern habe ich beim Fernseh-Zappeln gesehen, wie Jugendliche natürlich in Gruppen einzelne Altersgenossen belästigen, schlagen, demütigen und davon mit ihren Scheiß-Foto-Handys Aufnahmen für das Internet anfertigen. Das gleiche gibt es vor allem in Japan mit sexueller Belästigung, von hinten werden Ä'e fotografiert und ausgestellt, für Aufnahmen von unten muß man sich etwas mehr anstrengen. Wozu schreibe ich das? Weil vielleicht auch andere Menschen wie ich, die freiheitlich denken, aber selbst nicht entfesselt leben, sich zunehmend die Frage stellen, ob man dem allen offen und tolerant begegnen kann oder gar darf.

So könnte man der Meinung sein, geschäftlich organisierte Massenorgien oder Schlägereien seien alleinige Privatsache der Beteiligten. Das waren sie früher, da sie geheim oder als seltenes Spektakel stattfanden. Heute werden sie der großen Masse Unbeteiligter beständig vorgeführt, die finden großenteils Gefallen daran, und einige meinen, sich sexuelle Belästigung und aggressive Übergriffe ungestraft gestatten zu dürfen, weil es von den Opfern äußerst uncool wäre, dagegen mit Rechtsanwälten vorzugehen.

So wird es dazu kommen, daß die zivilisierten Reichen sich in geschützte Reservate zurückziehen, in denen sie ihre sexuellen und aggressiven Phantasien ohne Beeinträchtigung der Mitbewohner ausleben, während der Rest außerhalb der Glaskuppeln ausharren muß, wo man beständig Übergriffe fürchten muß und sich zunehmend selbst daran beteiligt. Aus den Inseln der Zivilisation heraus wird dann auf eine fremde bis feindliche Umwelt geblickt, in der man zu jeder Erniedrigung bereit ist, um aus der dumpfen Masse zu treten.

Es mag Altersschwachsinn sein, der mich zu der Auffassung verleitet, unsere Gesellschaft animalisiere sich, in Wirklichkeit sei es eine Befreiung von unmenschlichen Zwängen. Wenn ich aber daran denke, mit welcher Begeisterung man im Schwarz-Weiß-Fernsehen vergangener Jahre von heute bereits domestizierten Eingeborenen berichtete, wo Frauen mit blanker Brust rumhüpften und Männer sich im Tanz- und Drogenrausch dicke Spieße durch den Körper trieben, dann bin ich schon der Meinung, daß dieses Verhalten mittlerweile nicht nur bunt gezeigt wird, sondern auch bei uns angekommen ist.

Um Mißverständnissen vorzubeugen, darf ich nochmals klar zu sagen: Das von mir beklagte Verhalten des modernen Menschen bezieht sich auf eine kleine Minderheit. Die Mehrheit hat sich angemessen von Zwängen befreit. Ihr ist allenfalls vorzuwerfen, mit einer gewissen Lüsternheit auf die Umtriebe der Prominenten, der Exzentrischen, der Abartigen, der Gewalttätigen zu schauen, ihnen ein breites Forum im öffentlichen Bild zu liefern und unfähig zu sein, sich gegen deren geistige und körperliche Übergriffe zu wehren.

... link  

 
Sie haben das schon
ziemlich zutreffend eingeordnet. Die Tribalisierung geistert als Trendforscher-Vokabel ja nun schon seit gut einem Jahrzehnt duch den öffentlichen Raum.

Ich bin auch relativ ratlos, wie man als Angehöriger der unspektakulären Mehrheit den Geist wieder zurück in die Flasche kriegen könnte. Medienkritik verpufft ziemlich wirklungslos, nach gesetzlicher Zensur rufen mag man ja auch nicht, es ist alles ein ziemliches Dilemma.

Nehmen wir beispielsweise Graffiti: Auf die Gefahr hin, mit Gartenzwerg-Gutfindern in den gleichen Spießertopf geworfen zu werden, sage ich, dass meiste davon ziemlich beschissen aussehendes Krikelkrakel ist, das den öffentlichen Raum eher mehr verschandelt als verschönert. Natürlich ist mir der kulturhistorische Background von Herrn Nägeli in Zürich durchaus bekannt, und ich leugne keineswegs die Möglichkeit, dass Keith Haring seine Formensprache diesem Medium entlehnt hat. Aber sorry - das meiste, was ich von Graffiti sehe, verursacht potenziell Augenkrebs, und was das ganze dafür verblasene Treibgas in der Ozonschicht anrichtet, darüner mag ich gar nicht nachdenken. Genausowenig darüber, was Hiphop-Kultur auch auf dieser Seite des Atlantiks für gesellschaftliche Deformationen verursacht hat und weiter verursacht. Und was mich am meisten ankotzt dabei: Dass ich mich in diesen Fragen zunehmend auf Linie finde mit Leuten, mit denen ich weltanschaulich sonst eher wenig Gemeinsamkeit finde: Law-and-Order-Fetischisten, Ewiggestrige und Häkeldeckchen-Liebhaber. So weit isses schon gekommen...

... link  

 
Die Mehrheit scheut die Auseinandersetzung. Sie deklariert Graffiti als Kunst, um sie nicht als reine Sachbeschädigung einstufen zu müssen, was sie in der überwältigen Zahl aller Fälle ist. Angst ist auch die Triebfeder der wie Pilze aus dem Boden schießenden Moslemversteher, deren erstes Ziel es ist, durch falsches Verständnis die Gewalt auf andere zu lenken. Wenn eines Tages falsche Toleranz unerträglich wird, explodiert der Jahre aufgestaute Ärger und Haß. Dann wird gejammert unter der Härte des Gesetzes und der Schärfe des christlichen Schwertes.

Wenn man erst einmal auf einen Umstand aufmerksam wurde und darüber geschrieben hat, sieht man ihn überall. Gestern konnte ich im Fernsehen ein paar Cage-Fighter sehen, die sich in einem Käfig fast ohne Regeln einfach nur verprügeln. Meine Idee ist schon seit Jahren, ein paar Inseln in Deutschland zur Verfügung zu stellen, auf denen keine Gesetze gelten, wo man nach Herzenslust prügeln, kiffen, morden und vergewaltigen kann. Zurück geht es aber nur unter Verzicht auf alle Ansprüche aus dem Inselurlaub. Dann könnte man sich nach der Disco doch dort zu einer kleinen Messerstecherei verabreden. Das wäre doch gut für alle.

... link  

 
Wenn man wüßte, wo falsche Toleranz aufhört. Also ich hab mich an den Kopftüchern meiner türkischen Mitbürgerinnen bisher nicht gestört. Ich habe auch (lange vor dem 11. September) den Koran (beziehungsweise eine Übersetzung, die Bezeichnung Koran ist arabischsprachigen Originaltexten vorbehalten) gelesen, weil es mich einfach interessiert hat, ebenso wie ich auch Übersetzungen aus Thora, Talmud und Sepher Jetzira gelesen habe. Macht mich das zu einem Moslem- und Juden-Versteher?

Zu der interessanten Insel-Idee: Mit welchem Anreiz würden Sie denn potenzielle Vergewaltigungsopfer dortin locken? Ich bin ich auch skeptisch, ob sich die Phänomene dauerhaft auf diese Inseln begrenzen ließen. Die dort erworbene Verrohung würde man nicht automatisch ablegen, wenn man zurückkäme. Denken Sie an die Schwierigkeiten, die Kriegsheimkehrer bisweilen damit haben, sich wieder in die Regeln der Zivilgesellschaft reinzufinden...

... link  

 
Es ist ja klar, was ein Versteher ist. Und die Vergewaltigungsopfer kommen zum Beispiel wegen der Drogen auf die Insel. Deshalb hätte ich eigentlich mit der Frage gerechnet, wie denn diese Drogen auf die Insel gelangen, wo doch auf dem Festland ihr Besitz hart bestraft wird und man so keine mitnehmen kann. Die Antwort ist einfach: Sie werden auf der Fähre in staatliche Geschäften verkauft. Das ist wirtschaftlicher als die Vernichtung der beschlagnahmten Ware. Gewiß wird es so nicht kommen, sondern umgekehrt. Wer Geld hat, wird sich in bewachten Wohngebieten oder Hochhäusern niederlassen. Und wenn er trotzdem kriminell ist, so wenigstens zivilisiert.

... link  

 
Nachdem meine Tochter sich vorgestern drei Stunden Prominenten-Verarschung durch Günter Jauch angesehen hatte, folgte im Anschluß schon wieder ein Bericht über Cage-Fighting. Diesmal mit dem Schwerpunkt auf die Lust der weiblichen Zuschauer auf gewalttätige Männer und spritzendes Blut. Offensichtlich ist ein Teil der weiblichen Bevölkerung zumindest zu mehr Wahrhaftigkeit übergegangen und gibt zu von derart tierischen Verhaltensweisen beeindruckt zu sein. Offensichtlich schätzen sie einen starken Hahn an ihrer Seite höher als die Gefahr selbst zu deren Opfer zu werden. Sowohl diese Frauen als auch ihre geliebten Schläger begehen wie die Autofahrer einen allgemeinen menschlichen Fehler: Die beherrschbar geglaubte Gefahr zu unterschätzen.

Ich kann diese Entwicklung nicht gutheißen, doch auch noch nicht einmal marginal verhindern. So bleibt mir nur, der Entwicklung positive Aspekte abzugewinnen. Und das ist die Vorurteilsbestätigung. Die Kameraschwenks ins Publikum zeigen mir nicht nur einen bekannten Frauentyp und einen hohen Ausländeranteil unter den Schlägern, sondern auch übermäßig viele Frauen mit Tätowierungen und Männer mit Kunstglatzen. Eine Erstklassifikation nehme ich deshalb in der Gruppe Nazis vor. Sollte ich einen davon persönlich kennenlernen, so kann ich meine Meinung immer noch ändern. Bis dahin tröste mich mit meiner Menschenbeobachtung im Schwimmbad: Außer ein paar lauten Alder-Jungs war die überwältigende Mehrheit untätowiert, ohne Durchstiche und natürlich behaart.

... link  

 
Mit dem Zwiespalt von Nichtgutheißenkönnen und Nichtverhindernkönnen dieser Phänomene weiß ich auch nicht anders umzugehen. Ich stimme Ihnen auch in dem Punkt zu, dass Vorurteile und Schubladen eine nützliche Sache sein können, sofern man weiterhin bereit bleibt, Einzelfälle ergebnisoffen zu betrachten.

Desweiteren haben Sie auch richtig erkannt, dass es zu differenzieren gilt zwischen dem, was die Medien uns an Schrillheiten servieren und dem, was die alltägliche eigene Beobachtung zutage fördert. Und da sind auch in meinem persönlichen Kleinstadt-Blickfeld prostata-gepiercte Prügelprolls mit Fleischkappe eher die Ausnahme;-)

... link  


... comment