drei
Mit 3 wird alles kompliziert. Einer steht fast immmer in der Mitte oder am Rand. Doch erst ab drei entsteht eine richtige Reihenfolge, deren Fortsetzung schon auf die Unend­lichkeit deutet. Unsere eine Welt hat drei Dimensionen und unser einer christlicher Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die Zahl 3 läßt sich natürlich leicht als Erhöhung, Ergänzung oder Fortführung der 2 sehen. Zwar lassen sich schon zwei Dinge durch die Reihenfolge ihrer Nennung (Mann und Frau) durch Numerierung (zum einen und zum anderen) oder durch ihre Bedeutung (Vergangenheit und Zukunft) anordnen, doch weist erst ein nachfolgendes drittes in die fortzusetzende Richtung (Mann, Frau und Kind). Etwas drittes entsteht auch, wenn man einem Paar einen eigenständigen Oberbegriff zuordnet (Mann, Frau, Familie) oder das Paar voneinader abgrenzt (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft). Und wenn ein Paar nicht selbst schon heilig ist, dann kann man immer einen Gott hinzunehmen, so wie die fromme christliche Kleinfamilie oftmals aus Mann, Frau und Jesus besteht, was soweit gehen kann, daß man ihm zum Essen einen Teller hinstellt.

Das Bedürfnis der Verdreifachung muß irgendwie in der menschlichen Natur liegen. Während bei zweien noch die Eigenständigkeit, die Polarität oder gar der Widerspruch im Vordergrund steht, sind drei Objekte schon Sinnbild für Gleichartiges, eben für mehr als zwei und für einen Verbund, den man nicht mehr zerschlagen kann, indem man Zwietracht säht, also die Verbindung allein zwischen zweien zu trennen versucht. Eine Trinität gilt um ein Vielfaches stärker als die Summe der Kräfte ihrer drei Komponenten. Wie hätten sich die Esoteriker und Gläubigen früherer Jahrhunderte gefreut, wenn sie schon von den Quarks gewußt hätten, ohne deren hartnäckige Dreierverbünde die uns bekannte Welt nicht existierte.

Zu den mehr abstrusen Bedeutungsfindungen der Zahl 3 gehört die Tatsache, daß die Winkelsumme im Dreieck immer 180 Grad sei und die 18 eben eine Versechsfachung der 3 wäre. Das ist natürlich in mehrfacher Hinsicht albern. Zum einen wird so getan, als sei das Weglassen einer 0, also der Faktor 10 ein selbstverständlicher Vorgang. Zum anderen ist die Versechsfachung trotz 6=3+3=1+2+3=1·2·3 recht willkürlich. Zum dritten (denn aller guten Dinge sind drei) ist die Teilung des Kreises in 360 Altgrad nicht naturgegeben, sondern den Bedürfnissen angepaßt, die der Mensch an die Winkel im Dreieck stellt. Der Mensch hat den Faktor 3 hineingesteckt, und so kommt er hinten auch wieder heraus. Mit 400 Neugrad gäbe es da einige Schwierigkeiten.

Jede Zehnerpotenz läßt bei Division durch 3 den Rest 1. Es ist 10=3·3+1, 100=3·33+1, 1000=3·333+1 usw. Das führt auf die Teilbarkeitsregel, daß eine Zahl genau dann durch 3 teilbar ist, wenn ihre Quersumme (die Summer aller Ziffern) durch 3 geteilt wird. Damit sind alle dreistelligen Schnapszahlen 111, 222, 333, ... durch 3 teilbar, denn 1+1+1, 2+2+2, 3+3+3, ... sind selbstverständlich Vielfache von 3. Sie sind auch alle Vielfache von 37, denn 111=3·37. Ich hatte dereinst die Schlüsselnummer 111. Der Pförtner sagte: Dreimal die eins. Und ich antworte: Nein, dreimal siebenunddreißig.

Gelegentlich wird der Dreiklang in der Musik für die Bedeutung der Zahl drei angeführt. Doch auch hier ist es nur ein Zufallstreffer aus der modernen Zeit. Den heute geläufigen Dur-Dreiklang (zum Beipiel c-e-g) im Schwingungsverhältnis 4:5:6 hat es früher zumindest in der griechischen Theorie nicht gegeben. Dort war es 64:81:96 frei vom als unharmonisch geltenden Faktor 5. Und man hat sich früher die Dur-Tonleiter auch nicht als Abfolge dreier Dur-Dreiklänge (zum Beispiel über f, c und g im Falle von C-Dur), sondern als zwei Tetrachorde (g-a-h-c und c-d-e-f) vorgestellt. Unsere Sieben­tonleiter ist also ein Beispiel der Wanderung vom Reiche der 4 in das Reich der 3.

Den umgekehrten Weg sind die Mondphasen gegangen. Hier ist der Neumond hinzu­gekommen. Zunächst waren des aufgehender, voller und abnehmender Mond in Analogie zu Morgen, Mittag und Abend, aber auch zu Frühling, Sommer und Herbst. Neumond, Nacht und Winter waren nicht Teil eines Zyklusses, sondern trennten die endlose Abfolge von Werden und Vergehen. Dem Vollmond wird gerne der germanische Mondgott Mani zugeordnet, der die Geschwister Hjuki (Jack) und Bil (Jill) raubte, die an der Stange Simul den Eimer Sägr tragen, den sie im Brunnen Byrgir gefüllt haben. Hjuki geht voraus, seine Schwester Bil läuft hinterher. Amerikaner sehen Jack in der rechten, Jill in der linken Mondhälfte: Jack and Jill went up the hill / To fetch a pail of water; / Jack fell down and broke his crown, / And Jill came tumbling after.

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