Regenbogen
Man kann es unseren frühen Vorfahren nicht verdenken, wenn sie am Himmel eigen­artige Gestalten und in den Wandel­sternen Götter sahen oder auch umge­kehrt. Für die vielen Geschich­ten um Götter, Halb­götter, Titanen, Helden und Frauen interes­siere ich mich nicht. Für die Reihen­folge der Planeten auch nur wegen ihres Fort­bestandes bis in die heutige Zeit. Ihre Bedeu­tung in der Astro­logie liegt auf der Hand. Zwar hat man mit den sieben Wandel­sternen und den zwölf Stern­bildern das gleiche Zuord­nungs­problem wie mit hepta­tonischen Ton­leitern auf die zwölf Halbtöne der Oktave, doch mit einem ausrei­chenden Maß an Willkür gelingt das. Ebenso die Abbil­dung auf die vier Elemente oder die sechs Ecken eines Hexa­grammes mit dem auf­rechten männ­lichen und dem abwärts zeigenden weib­lichen Dreieck.
1 - Saturn  - Saturn  - Chronos   - Pb - Blei        - ♄
2 - Jupiter - Jupiter - Zeus      - Sn - Zinn        - ♃
3 - Mars    - Mars    - Ares      - Fe - Eisen       - ♂
4 - Sonne   - Apollo  - Helios    - Au - Gold        - ☉
5 - Venus   - Venus   - Aphrodite - Cu - Kupfer      - ♀
6 - Merkur  - Merkur  - Hermes    - Hg - Quecksilber - ☿
7 - Mond    - Luna    - Selene    - Ag - Silber      - ☽
Beziehungen zu Edel­steinen, Getreiden, Charak­teren, Organen, Bäumen, Chakren, aber auch Geschlech­tern und Farben wurden erst spät, will­kürlich und unein­heitlich erfunden. Mir ist keine schlüssige Abbil­dung zwischen den sieben Gestirnen und den Spektral­farben bekannt, bemerkens­wert aber ist deren Sieben­zahl, obgleich ich mit den meisten Menschen nur sechs Farben sehe, nämlich rot, orange, gelb, grün, blau und violett. Es gehört zu den minder über­zeugenden Lei­stungen des Isaak Newton, eine siebte Farbe indigo zwischen blau und violett einge­schoben zu haben. [1] Wahr­schein­lich wollte er unbedingt die Sieben­zahl erreichen. Da für ihn die Sonne und der Mond keine den Planeten gleich­gestellten Wandel­sterne mehr waren, orien­tierte er sich wohl mehr an den sieben Inter­vallen einer Oktave. Viel­leicht erkannte er bereits, daß indigo und orange wenig eigen­ständige Bedeu­tung zukommt und legte sie auf die Halbtöne e‐f und h‐c. So wurde d–e‐f–​g–a–h‐c–d zu rot–orange–​gelb–​grün–​blau–​indigo–violett. [2]

Auch ohne Physik kannte man die Abfolge aus der Wahr­nehmung und dem Regen­bogen, obgleich man noch nichts von den drei verschie­denen Zapfen im Auge wußte, schon gar nicht von der Blau­empfind­lichkeit der roten, wodurch die Purpur­gerade nicht nur die Enden des Spek­trums mischt, sondern den Farb­kreis zu schließen scheint. Da es bei der Farb­wahr­nehmung nicht nur um Physik und Druck­technik geht, ist es durchaus ange­messen, im täg­lichen Leben die zwei Komple­mentär­paare rot–grün und blau–gelb als Grund­farben zu sehen. Kein Künstler kann mit seinem konstru­ierten Farbkreis dagegen anstinken. Das sind alles Halb­heiten zwischen privater Empfin­dung und korrekter Farb­metrik. [3]

In den Fahnen der Friedens­bewegung finden sich oft sieben Spektral­farben, zumeist im kriti­schen Bereich von grün bis violett recht ungenau, wenn nicht falsch und zumeist recht blaß. [4] Das fand ich immer schon häßlich und naiv zugleich. Dagegen ist die Fahne der Homo­sexuellen mit nur sechs Spektral­farben die reinste Augen­weide. Die Farben sind gesät­tigt und setzen sich klar vonein­ander ab. Außerdem ist die Reihen­folge der am Himmel sicht­baren Farben des Regen­bogens beachtet.

[1] Einer meiner verschol­lenen Duden-​Bände ließ sich lange über die vielen Grüntöne der India­nern aus. Sie hatten dafür viele Namen, doch keine anderen Augen und wohl auch keine anderen Regen­bogen­farben als wir.

[2] Für Newton wahrscheinlich b statt h.

[3] Will man mit den wenigen Woll­farb­stoffen einen Bade­mantel in der Farbe des synthe­tischen Bikinis färben, kommt man mit dem Tusch­kasten eines Künst­lers kaum ans Ziel. Mit Farb­metrik, Spektro­skopie und dem Lösen von drei Glei­chungen mit drei Unbe­kannten aber geht es recht flott.

[4] Ich hoffe, es ist noch poli­tisch korrekt, in rosa ein weiß ver­hülltes rot zu sehen. Und in braun ein schwarz ver­hülltes?

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Planetenwoche
Seit Menschen­gedenken werden in den verschie­den­sten Gegen­den der Welt die Tage unter­bre­chungs­los zu Sieben­tage­wochen grup­piert, doch die Frage nach dem ersten Tag der Woche ist nicht leicht zu beant­wor­ten. Die wohl von den Baby­loni­ern über­nom­mene uralte Nume­rie­rung der damals bekann­ten Wandel­sterne von 1 bis 7 nach abstei­gen­der sideri­scher Umlauf­zeit legt einen Wochen­be­ginn am Samstag nahe. So soll es auch bei den Römern in den ersten Jah­ren nach ihrer Über­nahme der Sieben­tage­woche gewe­sen sein. Schon damals hat­ten Tag und Nacht zusam­men 24 Stun­den, die fort­lau­fend einem Plane­ten [1] zuge­wie­sen wurden:
Samstag       1., 8., 15., 22. Stunde: 1 - Saturn     24. Stunde: 3 - Mars
Sonntag       1., 8., 15., 22. Stunde: 4 - Sonne      24. Stunde: 6 - Merkur
Montag        1., 8., 15., 22. Stunde: 7 - Mond       24. Stunde: 2 - Jupiter
Dienstag      1., 8., 15., 22. Stunde: 3 - Mars       24. Stunde: 5 - Venus
Mittwoch      1., 8., 15., 22. Stunde: 6 - Merkur     24. Stunde: 1 - Saturn
Donnerstag    1., 8., 15., 22. Stunde: 2 - Jupiter    24. Stunde: 4 - Sonne
Freitag       1., 8., 15., 22. Stunde: 5 - Venus      24. Stunde: 7 - Mond
Wem auch immer die erste Stunde regierte, beherr­schte auch den gesam­ten Tag. Die­ses Schema erklärt die von der Nume­rierung der Pla­ne­ten abwei­chende Rei­hen­folge der Wochen­tage. Gerne wird die­ser Zusam­men­hang in Form eines Hepta­gramms darge­stellt.

Fragt man einen unbe­darften Euro­päer nach dem Beginn der Woche, wird er Montag nennen, zumal Samstag und Sonn­tag das sog. Wochen­ende bil­den, das bereits vor der fünf­tägi­gen Arbeits­woche in die Welt kam. [2] Einige wer­den sich noch an die Dis­kus­sio­nen erin­nern, da der Beginn der bür­ger­li­chen Woche von Sonn­tag auf Mon­tag ver­legt wurde, im Sinne der Luft­hansa und gegen die christ­li­chen Kir­chen. [3] Und an­dere werden wissen, daß Gott nicht am ersten, son­dern am sie­bente Tage ruhte und dies der jüdi­sche Sab­bat ist, der seit Men­schen­geden­ken auf Samstag fällt.

Früher ruhten Christen am Sonn­tag und nur am Sonn­tag. Sie begrün­de­ten ihre Miß­ach­tung des gött­li­chen Ruhe­ta­ges damit, daß Gott am Sonntag mit seiner Schöp­fung begann und Jesus am Sonn­tag von den To­ten aufer­stan­den sei. So nann­ten sie den Sonn­tag auch Tag des Herrn. Eher der Wahr­heit ent­spricht, daß die Römer dem Son­nen­kult erla­gen, was im Sonn­tag als einem gesetz­li­chen Feier­tag mün­dete. Edle Gemü­ter meinen, die Römer hätten sich damit der jüdi­schen Woche ange­paßt. Zwei­tau­send Jahre hat sich der Wochen­be­ginn am Sonn­tag gehal­ten. Bis in unsere Zeit, die wir pro­fan mit Mon­tag begin­nen, womit nun Don­ners­tag und nicht mehr Mitt­woch in der Wochen­mitte liegt. [4]

[1] Saturn ♄, Jupiter ♃, Mars ♂, Sonne ☉, Venus ♀, Merkur ☿, Mond ☽. Wem die Zeichen nicht ange­zeigt werden, der möge sie nach­schlagen.

[2] Mit „Samstags gehört Vati mir“ läute­ten die Gewerk­schaf­ten eine Vor­ver­le­gung des Wochen­en­des mit Beginn am Frei­tag- statt Samstag­nach­mit­tag ein. Wären alle Arbeit­neh­mer soli­da­risch, wür­den am Wochen­ende wei­ter­hin nur die damals auch am Sonn­tag erlaub­ten Dienst­lei­stun­gen ange­bo­ten. Doch sie sind Ego­isten, wol­len rund um die Uhr ein­kau­fen und mög­lichst große Blöcke von Arbeit und Frei­zeit. Sie lie­ben die Flexi­bili­sie­rung mehr als es man­chem Arbeit­ge­ber recht ist.

[3] Die interna­tionale Norm mißach­tend sind wie­der die übli­chen Verdäch­ti­gen beim Sonn­tag geblie­ben: USA, Israel, Ara­bien, China, Japan.

[4] Die n-te Woche eines Jahres ist die um den n-ten Don­ners­tag.

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Trigender
Vor vielen Jahren warf ein Kollege die Frage auf, warum die Natur zwei und nicht drei oder mehr Geschlechter hervor­gebracht habe. Der evolu­tionäre Vorteil der geschlecht­lichen, meinet­wegen auch sexu­ellen Vermehrung, also der Vermischung der Gene liegt auf der Hand, auch die Ausbildung von mehreren Typen, die sich gleich­geschlecht­lich oder gar allein nur noch selten vermehren. Verwun­derlich ist auch nicht, daß am bis­herigen Ende der Evolution nicht äußere Umstände, sondern die Gene das Geschlecht bestimmen, das schon auf den ersten Blick deutlich zu erkennen ist. [1] Weniger wegen außer­gewöhnlicher Vererbung oder Mutation, eher dank moderner Medika­mente und chirur­gischer Eingriffe, besonders aber durch ausgeprägte Imagi­nation gewinnen Ausnahmen von diesem Erfolgs­modell an Bedeutung. [2] Doch darum ging es uns damals nicht. Auch nicht um die blöde Frage, warum Frauen die Kinder gebären. [3]

Die technische Lösung der Natur hat einen ungerechten Unterschied zwischen Mann und Frau geschaffen, der sich in fast allen Bereichen nieder­schlägt. Die Männer sind mit ihren verschie­denen Chromo­somen X und Y die Spielwiese von oftmals mit Krankheit verbun­denen Muta­tionen. Wenn sie ein Expe­riment viele Genera­tionen überleben, gelangen die Ände­rungen auch in den guten weib­lichen „Genpool“. Diese Ungleich­heit warf die Frage auf, ob es mit drei Geschlech­tern nicht gerechter zugehen könnte. Ja, es ist ganz einfach: Die drei Geschlech­ter seien rot, grün und blau. Jeder kann die Rolle des Befruch­ters einnehmen und eine andere Farbe schwängern, die dann die dritte Farbe gebiert. Man könnte also schon vor der Zeugung die farblich passenden Strampler kaufen. Sollten derart drei­geschlecht­liche Auße­rirdische auf der Erde landen, werden sie nur ein müdes Lächeln für uns übrig haben, die wir aus zwei Geschlech­tern eine unendliche Fülle kon­struiert haben.

[1] Früher suchte man das Matriachat als goldene Gesell­schafts­form, heute behaupten einige allen Ernstes, vor nur wenigen Jah­rhunder­ten gab es nur einen Menschen­typ mit einem gra­duellen und frei wähl­baren Unter­schied, Frauen seinen nach innen, Männer nach außen gestülpt.

[2] Grund­sätzlich kann das Geschlecht auch durch die Brut­temperatur oder die Feuch­tigkeit der Zeugungs­nacht bestimmt, zumindest beein­flußt sein.

[3] Hätte man schon früher die Chromo­somen W bis Z gekannt, wären die homo­zygoten wohl das eine, die übrigen das andere Geschlecht. Nun aber bezeichnen wir im allgemeinen die träch­tigen Tiere als weiblich, beim Menschen also die homo­zygoten. Und würden Männer die Kinder gebären, hießen sie Frauen.

3 | Zahlgeschlecht

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Männertag
Da bin ich nun ein monopolarer cis-Mann und habe noch nie etwas von einem Männer­tag gehört, der heute gefeiert wird. Gewiß sind mir Diskrimi­nierungen aufgrund meines Geschlech­tes bekannt, doch habe ich bis heute keinen Gefallen an der Opfer­rolle gefunden und inter­nati­onale Solida­rität einge­fordert. Und ich war wegen meiner nächt­lichen Toiletten­gänge auch noch nicht beim Arzt, gleich­wohl Prostata-​Vorsorge ein Haupt­anliegen der Männer­gruppen zu sein scheint. In Lustig­keit stehen sie den Frauen um nichts nach.

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muß i denn
Wenn i komm zum Blei­stift so: i bims ok, vong naus her:D

[1] Meike Winnemuth: Was sollen diese Sprachspiele? SZ-Magazin 17/2011. „Witzel­sucht ist eine tatsäch­lich existie­rende Krank­heit […] Simula­tion von Witzig­keit […] Sparwitze“.

[2] Kentucky schreit ficken. Youtube. Aus der Unter­haltungs­sendung „RTL Samstag Nacht“.

[3] Muß i denn, muß i denn zum Städtele 'naus. Völkstüm­liche Weise aus Schwaben.

[4] Jürgen von Manger als Adolf Tegtmeier: „et fängt am Regen“

[5] Mein Ikea-Dusch­vorhang Rolf nennt LOL zur Lang­form :-D.

[6] Demnächst halten wir Dekam und Deka­mat für poli­tisch korrekt.

[7] 200 Jahre Sprach­verhun­zung: Alles klar, oll kor­rect, ok, oki­doki.

[8] Glücklicher­weise nie gehört: Spricht man eibims oder ibims?

[9] Geht auch Bumsen­brenner oder „i bims, d1 muddar“ ohne Komma?

Bibel 2.0 | 1tr8 Frankfurt | Einzeiler

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höher scheißen
Ich erinnere mich gerne an den Donner­balken meiner Paten­tante. Sie wohnte im ersten Stock. Das kleine Geschäft plät­scherte in der Tiefe, das große benö­tigte nach dem Seilriß ein paar Sekunden und bedankte sich mit dem ver­trauten Geräusch eines in den Brunnen gewor­fenen Steines. Papier in der Jauche war natür­lich nicht gern gesehen, denn der Rha­barber sollte nicht einge­packt, sondern nur gedüngt werden. Benutzte man es den­noch, hielt es sich in Grenzen, denn das zerklei­nerte Zeitungs­papier war nicht gerade eine Rosetten­freude.

Doch die Evolution schreitet bestän­dig voran. Wir lassen die Scheiße nicht mehr auf allen Vieren hinter uns fallen, hocken nicht mehr im Wald neben einem Baum, scheißen nicht durch ein Gitter­rost und auch nicht wie ein Affe auf dem Schleif­stein durch ein kleines Loch in einen Sammel­behälter, sondern sitzen gemütlich mit dem Handy und der neuesten Taz-​Ausgabe auf dem Hoch­sitz. Danach wischen wir uns mit Papier in der geschick­teren rechten Hand den Arsch ab und spülen es mit dem Abge­seil­ten in die Kanali­sation. Wem das zu unhygie­nisch ist, der wäscht sich hinterher die Hände mit Wasser, das man sogar trinken kann. Gegessen wird mit Messer und Gabel.

Mit unserem Wasser kann man auch vor dem Geschäft die Brille reinigen, vor allem wenn zuvor einer darauf hockte, weil er noch nicht einmal wußte, daß man sie hoch­klappen kann, oder als typi­scher Steh­pinkler zu faul war und die eigene Strahl­genauig­keit über­schätzte. Abseits kosten­loser öffent­licher Toiletten ist in Deutsch­land eine Reini­gung nur aus psycho­logi­schen Gründen erforder­lich, denn Bakterien mögen keine Klo­brillen, eher schon die Wasser­hähne oder Türgriffe. [1] Und sollte einmal das Papier zu dünn sein, so ist es doch nur die eigene Scheiße am Finger, die keine neuen Krank­heiten einträgt. Wer um seine Gesund­heit besorgt ist, sollte sich lieber einen Flach­spüler zulegen, um das Ergebnis begut­achten zu können.

Vom Training der Bein­muskeln und der darm­freund­lichen Position abge­sehen kann ich dem Hockklo nichts abge­winnen. Das mag meinen Erinne­rungen an fran­zösi­sche Camping­plätze geschul­det sein. Nicht umsonst ist in Frank­reich auch die Arsch­bade­wanne ver­breitet. Das ist alles ganz gut und schön, wenn man es zu ihr unfall­frei schafft, denn aus weniger geschäfts­freund­lichen Gründen hat uns die Evolu­tion Hosen beschert, die voll­ständig auszu­ziehen nicht über­mäßig prak­tisch ist. So bin ich dankbar für die Bebril­lung, die meine Hose vor Quer­schlä­gern schützt und einem alten Mann die Angst nimmt, sich von hinten an die Hose zu pinkeln. Und sollten auch die Beine schwach werden, bezahlt die Kranken­kasse einen Hoch­sitz.

So geschützt gemüt­lich auf der sauberen Brille sitzend habe ich auf öffent­lichen Toilet­ten eigent­lich nur eine Angst, nämlich daß die herunter­gelas­sene Hose den Boden berührt, auf dem die Steh­pinkler ihre Visiten­karte hinter­lassen haben. Auf franzö­sischen Camping­plätzen hatte ich den Eindruck, dies sei flächen­deckend der Fall. Und ange­nehm ist mir aus ähn­lichem Grunde auch ein noch vorhan­dener Haken, an dem ich meine Jacke und viel­leicht sogar eine Tasche auf­hängen kann.

Wenn das Hockklo zu einer muslimen Kultur­einrich­tung stili­siert wird, dann nur im Kon­trast zu uns oder in senti­men­taler Erin­nerung an die Heimat. [2] Es mag zwar einige Zeit dauern, bis ein Chinese nicht mehr auf die Brille steigt, doch Syrer lernen schneller. In deut­schen Asyl­unter­künften haben sie manchmal die freie Wahl. Und die fällt ein­deutig aus. [3] Meinet­wegen kann jede öffent­liche Ein­rich­tung ein Plumps­klo anbieten, auch wenn in unseren Breiten Anschaf­fung und Betrieb teurer sind und damit zwei üblicher­weise genannte Vorteile ent­fallen. Solange das Gebäude dazu nicht voll­ständig ortho­gonal zur Rich­tung gen Mekka gedreht werden muß. [4]

[1] Hengameh Yaghoobifarah: Deutsche, schafft Euch ab! Taz, 22.10.2017. Riesen­link in roter Schrift: „Lieber Brems­spuren in der Unter­hose und ein erhöhtes Risiko für Geschlechts­krank­heiten vertei­digen als ein islami­sches Klo im Kölner Bürger­haus zulassen.“

[2] Hengameh Yaghoobifarah: Kampf der Kackkul­turen. Taz, 10.08.2017. „Denn von Muslim­_innen lernen heißt auch, richtig aufs Klo gehen zu lernen. Es würde die deut­sche Kack­kultur revolu­tio­nieren.“

[3] Johann Osel: Tritt ins Klo. SZ, 07.05.2010. „So bestä­tigte es ein Sprecher des zustän­digen Landrats­amtes: In dem relativ neuen Teil­gebäude der Asyl­unter­kunft habe man eine Umfrage unter den Bewoh­nern gestar­tet: Sitz- oder Stehklo? 90 Pro­zent wollten nach west­lichem Stan­dard ihre Not­durft ver­richten, ein Zehntel hin­gegen entschied sich für die Steh­toi­lette. Als Kompro­miss wurde in dem Haus eine solche orien­tali­sche Toilette einge­baut. Eben jene, die der Syrerin zum Ver­hängnis wurde.“

[4] Robert Baumanns: "Kultur­sensible Toilette" Alte Feuer­wache in Köln: Brauchen Muslime ein eigenes WC? Express, 09.08.2017. „'Eine solche Toilette ent­spricht eher dem, was in isla­misch gepräg­ten Ländern üblich ist', sagt Konrad Müller vom Vorstand des Bürger­zen­trums. 'Und wir möchten den Menschen aus diesen Ländern damit das Gefühl geben, dass sie hier zu Hause sind.' […] Klar sei ebenso, dass diese Toi­lette nicht in Ost-​West-, sondern in Nord-​Süd-​Rich­tung gebaut werden müsse. 'Nach Mekka kacken geht gar nicht', erklärt Konrad Müller etwas flapsig.“

Es reicht

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Kartoffeln
Manche Sprachen kennen kein Geschlecht. Wo sie gesprochen werden, herrscht Gleich­berech­tigung. [1] In Deutsch­land aber werden Frauen diskri­miniert. Die hier im Dreck aufge­wachsenen Kartof­feln [2] tragen vorwie­gend weib­liche Namen, jedenvfalls die gemeinen Sorten. Unter den Jahres­kartof­feln ist die Rate der männ­lichen oder gar säch­lichen deutlich höher.

Wahrschein­lich liegt es daran, daß die Kar­toffel als solche weib­lich ist. Doch warum heißt der Deutsche nicht der Kar­toffel? Das haben neue inter­reli­giöse For­schungen geklärt: Kartof­feln sind weib­lich, weil sie in Säcke kommen, damit sie vor Licht geschützt sind, aber dennoch atmen können.

[1] Friedrich, Silke: Hengameh Yaghoo­bifarah - Feminist_in, Aktivist_in, Gender-​Outlaw. Vogue, 02.07.2017. „In der persischen Sprache gibt es ein Pronomen für alle, es wird nicht zwischen er, sie oder es unter­schieden.“

[2] Hengameh Yaghoobifarah: Deutsche, schafft Euch ab! Taz, 22.10.2017. „Kartof­feln würden lieber auf einen freien Tag verzichten, als Muslim­_innen einmal was zu gönnen. Warum machen sie so?“ Ich so: Ist so der Artikel des fluiden Geschlechtes?

Es reicht

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Hengameh Yaghoobifarah
Alpha-Blogger und ihre Kommen­tatoren verstehe ich zumeist nicht. Auch nicht die „Fettkar­toffel Hengameh“, zumal Don Alphonso doch selbst eine Weste gut aus­füllt. [1] Diesmal infor­miere ich mich und finde einen wahr­schein­lich ernst gemein­ten völlig wirren Beitrag von Hen­gameh Yaghoo­bifarah gegen deut­sche Kartof­feln. [2] Nach meinen jüng­sten Erfah­rungen mit ähn­licher Humor-, Sinn- und Denk­befrei­ung, hat mich das inter­essiert. Ich stieß auf ein Video über ihre Körper­fülle und dicke Menschen allge­mein, wozu ich mich selbst nicht nur zählen darf, sondern muß. So habe ich weiter ‚gesurft“ und gesehen, daß Hen­gameh Yaghoo­bifarah keine Probleme haben muß: Sie ist weiß, weib­lich, nicht richtig dick und von Natur aus sicher­lich recht lustig. Sie könnte mit ihrem Namen und ihrer Herkunft koket­tieren und ohne Nasen­ring und sichtbare Täto­wie­rungen auch in der feinen Gesell­schaft ihren Platz finden.

Doch scheint sie durch­fressen vom Haß gegen alles und jeden und hat insbe­son­dere ihr Über­gewicht ausge­macht, an dem andere sich nicht zu stören haben. Schon das Wort Über­gewicht hält sie für Diskri­minie­rung. Besser sei es, sie fett zu nen­nen, damit die Fat-​Shaming-​Keule geschwun­gen werden kann. Doch dabei bleibt es nicht. Keiner ist links und auto­nom genug, alle sind Ras­si­sten, Deut­sche sind Kar­tof­feln mit Rallye-​Strei­fen in der Hose, die den Mos­lems weder Klo noch Feier­tag gön­nen. Und ich bin so ein schwa­cher Deut­scher, der das auch noch lustig findet.

Warum reißt mich das zu einem Beitrag hin? Weil nicht nur ich beobachte, wie die gesamte Mensch­heit von der staat­lichen Ebene bis hinunter in die Familie Kleinst­gruppen ausson­dert, die sich unter­einander nicht grün gegen die Mehrheit profi­lieren. Damit dieser Prozeß zurück ins Mittel­alter nicht erlahmt, werden immer wieder neue Begriffe, Symbole, Gemein­sam­keiten, Verhaltens­weisen und Perver­sionen gesucht und erfunden, die eine neuer­liche Abgren­zung erlauben. Die fort­wäh­rende Spaltung der K‑Gruppen im Kampf um die kor­rekte Linie war nichts dagegen.

[1] Don Alphonso: Loden in cold climate. Rebellen ohne Markt, 10.11.2017.

[2] Hengameh Yaghoobifarah: Deutsche, schafft Euch ab! Taz, 22.10.2017.

Es reicht | Mimosen

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