AM
Als ich gestern meiner Fernbe­dienung freien Lauf ließ, blieb ich an einem Bild hängen: Ein A und ein M auf einem riesigen Metall­adler an einer braunen Wand. Schon wieder ein Science-​Fiction, in dem eine dunkle Macht mit über­mäch­tigen Symbolen in tristen Berg­werken Menschen versklavt? Als ich dann die braunen Wohn­zimmer­sessel vergan­gener Tage erblickte, hielt ich alles für eine abge­dunkelte Variante von Günther Jauch. Vielleicht eine Veral­berung? Da trat Raab ins Bild, und mir fiel wieder ein, daß es eine Sendung „Absolute Mehrheit“ geben soll, in der für Geld disku­tiert wird.

Frech und ahnungslos tritt Raab an Peter Limbourg heran, der den Abend offen­sichtlich als Chef­demoskop [1] zu beglei­ten hat. Sein Abgang zur Deut­schen Welle wird erwähnt, und ich meine im Kopf von Peter Limbourg lesen zu können: Noch dieser Abend, dann ist das Elend vorbei. Heute habe ich mich infor­miert: Tatsäch­lich wurde Peter Limbourg von Raab aus dem sog. TV‑Kanzler­duell gedrängt. Sollte der dabei sein, haben es die Zuschauer nicht anders verdient.

Als nächstes treten die Gäste herein. Alle begrüßen sich mit Hand­schlag. Nur der letzte setzt sich einfach hin. Es ist Sido aus dem Raab-​Dunst­kreis. Mir ist klar: Ihm werden die 300.000 in den Arsch geblasen, gleich welches Thema. Das garan­tieren Publi­kum, Pro-​Sieben-​Gemeinde, Raab-​Fans, der Fernseh­zuschauer, wenn nicht sogar der gemeine Deutsche. Sie finden mehr­heit­lich Gefallen an nichts­nutzen Gewalt­tätern, die einen auf Paulus [2] machen.

Den Rest habe ich nicht gesehen, aber heute lesend zur Kenntnis genommen, daß alles so war und gekommen ist, wie ich es mir dachte. Es wurde viel gela­bert, und Sido hat die 300.000 einge­steckt. Warum beschäf­tige ich mich damit? Weil meine Vorur­teile so schön bestä­tigt werden [3] und der Weg, den die Mehrheits­gesell­schaft gehen will, so hervor­ragend darge­stellt ist. Trotzdem bin ich zuver­sicht­lich: Einige werden sich absetzen und die Evolu­tion voran­treiben.

[1] Jeder Demagoge benötig einen Demoskopen.

[2] Saulus aber war gebildet und blieb es auch.

[3] Ein Vorzug des Alters.

Fernsehen

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Kleinsparer
Als die Krise in Griechenland die Medien erreichte, kam mir spontan in den Sinn, Zypern an die Türken zu ver­kaufen. Aber leider gehörte Zypern weder den Griechen, noch den Euro­päern. Es ist ein unabhän­giger Staat, in Größe und Zahlungs­fähigkeit mit Berlin [1] ver­gleich­bar, also durchaus von uns durch­fütter­bar.

Die Reichen verhalten sich ruhig, jeden­falls im Vorder­grund. Sie sind Profis, die ihren Schaden in Grenzen halten wollen. Wenn dazu Renten ver­pfändet werden oder der Staat an die ortho­doxe Kirche verkauft wird, dann verachte ich nicht sie, sondern die dummen Massen, die sich auf die Straße stellen, auf Europa schimpfen, die Deut­schen als Nazis beschimpfen und von ihrem Stolz falseln.

Trügen sie auch nur einen Funken Selbst­bewußt­sein in sich, gäben sie von unten bis oben [2] zehn Prozent an den Staat ab und ver­langten vom ihm, sich der Real­wirt­schaft zuzu­wenden und nicht weiterhin durch Hin- und Her­schieben des Geldes schma­rotzen zu wollen. Wider­licher sind nur noch die deut­schen Klein­sparer, die gleicher­maßen jede Unge­rechtig­keit akzep­tieren, wenn nur sie selbst unge­schoren bleiben. Auch wenig Geld verdirbt den Charakter.

[1] Oder lieber Bremen, ist kleiner und noch verschuldeter.

[2] Zehn Prozent können auch sog. Klein­sparer ver­kraften, schließ­lich sind sie keine armen Leute. Dadurch wird verhin­dert, daß Geld­säcke mit dreimal 99.000 unge­schoren bleiben. Wie die ganz Reichen stärker zur Kasse zu bitten sind, kann man sich später über­legen. Bis dahin sollte die Hälfte aller Einlagen einge­froren werden.

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Median
Zur Zeit wundern sich einige nicht nur über die privaten Reichtümer in armen Ländern, sondern auch über die enorme Abwei­chung des durch­schnitt­lichen Ver­mögens eines deut­schen Haus­haltes von 195.200 Euro im Ver­gleich zum soge­nannten Medianwert von nur 51.400 Euro [1]. Und obwohl eben­falls zur Zeit allent­halben erklärt wird, was diese Werte bedeuten, will ich es wieder­holen: Verteilt man das gesamte Privat­vermögen der Deutschen gleich­mäßig auf alle, so besäße jeder Haushalt 195.200 Euro, aber die Hälfte dieser Haus­halte hat in Wirk­lich­keit weniger als 51.400 Euro. Was bedeutet das? Was wir eigent­lich alle wissen: Die Vermögen sind ungleich verteilt! Aber wäre die Gesell­schaft gerecht, wenn Median und Mittel­wert beiein­ander lägen oder gar iden­tisch wären? Nicht unbedingt:

Haben 37 Menschen jeweils 18 Euro in der Tasche, so sind Mittelwert und Median mit 18 Euro gleich groß, weil die 666 Euro so schön gleich­mäßig verteilt sind. Geben wir aber dem ärmsten nichts, dem nächsten einen Euro bis hin zum letzten, der 36 Euro erhält, so sind Mittelwert und Median ebenfalls gleich, beide wiede­rum 18 Euro. Geht es noch unge­rechter, ohne Median und Mittelwert ausein­ander zu bringen? Natür­lich: Die ersten 18 bekommen nichts, näch­sten 18 jeweils 18 Euro und der 37. den ganzen Rest von 342 Euro. Und ganz brutal: 19 Leute haben nichts und 18 jeweils 37 Euro. Dann wäre der Median sogar 0 bei einem Mittelwert von weiterhin 18 Euro. [2]

Möchte man allein aus Mittelwert M und Median m einen Grad an Gerechtigkeit berechnen, so darf man nur Vertei­lungen verglei­chen, die im wesent­lichen einen ähnli­chen Verlauf aufwei­sen. [3] Wenn ich einmal unter­stellen darf, daß dies in den meisten Ländern der Fall ist, es sich ins­beson­dere nicht wie im voran­gehen­den Absatz amge­deutete Extrem­fälle handelt, dann kann auch bei Unkennt­nis des Verlau­fes der Wert g=m/M als ein halb­wegs geeig­netes Maß der Gerech­tig­keit gelten. Ein Wert nahe der 1 steht für hohe Gerech­tig­keit, einer bei 0 für das Gegen­teil. [4] Deutsch­land kommt auf g=0,26. Salopp gespro­chen: In Deutsch­land ist allen­falls ein Vier­tel (26%) des Vermögens ‚gerecht‘ verteilt.

[1] So reich und arm sind die Deutschen, SZ, 21.03.2013.

[2] Noch brutaler geht es, wenn die Ärmsten auch noch Schulden hätten.

[3] 2026: Im Jahre 2013 hatte ich der Einfach­heit halber einen quadra­tischen Verlauf ange­setzt. Doch erwies sich der Anteil der Verschul­deten als viel zu hoch und das Vermögen der Reich­sten als viel zu klein. Deshalb habe ich die nach­folgen­den darauf basie­renden viel­leicht lehr­reichen, aber reali­täts­fernen Rechne­reien entfernt.

[4] Werte unter 0 oder über 1 sollten nicht vor­kommen und wiesen auf eine abar­tige Vertei­lung ähnlich denen im voran­gehen­den Absatz geschil­derten hin.

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Meteoritenhagel
Nun ist es also passiert. Am Tage, da der mäßig große Asteroid 2012 DA14 uns um vier Erdra­dien ver­fehlte, schlug ein kleiner Brocken wieder einmal in Sibi­rien ein. Ein großer Tag für Ver­schwö­rungs­theore­tiker, der neuen Schwung in die Katalogi­sierung immer kleinerer Objekte bringen wird, gleich­wohl sie über einen kleinen und zumeist unbe­wohnten Bereich hinaus keinen Schaden anrichten. Sie sind wie Blitze, weit zu sehen und erst später zu hören. Mit mehreren tausend Kilome­tern pro Stunde zu schnell, um sich von russi­schen Kampf­piloten abschießen zu lassen, doch deutlich langsamer als das Licht:

„Erst Sekunden nach dem grellen Lichtball gab es eine gewaltige Deto­nation. Diese Zeit­verzö­gerung erklärt der Direktor des Natur­histo­rischen Museums in Wien, Chri­stian Köberl, so: "Der Meteorit kommt mit Licht­geschwin­digkeit, während die Luft­druck­welle mit viel gerin­gerer Geschwin­digkeit deutlich später kommt."“ [1]

Liebe BZ, auch wenn ein Natur­histo­riker nicht unbedingt tiefe astro­nomische und physika­lische Kennt­nisse benö­tigt, wird er es nicht wörtlich so gesagt oder gar gemeint haben. Das könnte jeder Redak­teur bemerken und sich auch diese Analyse verkneifen:

„Deutschland ist wegen der vergleichs­weise geringen Gesamt- und damit auch Treff­fläche weniger gefährdet. Über den Welt­meeren und unbe­wohnten Gebieten stürzen viel öfter Meteo­riten ab, was deshalb auch meist unbe­merkt bleibt.“ [1]

Wenn man nicht pro Kopf, sondern pro Quadrat­meter rechnet, sei es Land oder Wasser, dann gibt es so manche Gefahr nicht, auch kein Bevöl­kerungs­problem. Der Vatikan ist noch schwerer zu treffen, und unser Papst bald gar nicht mehr.

[1] Meteoritenhagel: Warum gab es keine Warnung?, BZ Online, 15.02.2013. Käme der Meteorit wie behauptet mit Lichtgeschwindigkeit, würden wir ihn erst sehen, wenn er schon da ist.

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Schmalspurakademiker
Als ich seinerzeit die nunmehr gerne wieder­holte Szene sah, in der Merkel und Schavan über einem Telefon und vermut­lich Gutten­berg grinsten, dachte und hoffte ich fast, es könne auch sie erwischen, nicht Merkel. Nun ist es soweit, alle betonen die Unter­schiede zu Gutten­berg, ich aber sehe Über­einstim­mung. Gutten­berg hat mit einem schlechten, Schavan sogar ohne Abschluß promo­viert. Wie das möglich ist, kann ich mir lebhaft vor­stellen. Solcher Betrug auf der einen samt Beihilfe auf der anderen Seite wird mil­lionen­fach vorge­kommen sein. Das Ent­deckungs­risiko ist auch heute noch gering, wenn man sich nicht im Lichte der Öffent­lich­keit sonnt.

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Stromnetze
In der Tagesschau sah ich eine Karte der Länder, in denen es wegen eines Filmes über einen 1422 Mondjahre toten Mann zu Protesten mit Mord und Totschlag kam. Mein Kleinhirn signali­sierte mir sofort eine geome­trische Ähnlich­keit mit den Strom­netzen der Welt, die ich mir kurz zuvor angesehen hatte:

Auf der einen Seite die neue Welt der Ameri­kaner mit ihrem maroden Strom­netz von 110 Volt und 60 Hertz. Auf der vernünf­tigen die übrigen vier Konti­nente mit kompa­tiblen 220 bis 240 Volt bei 50 Hertz, aller­dings durch­zogen von einem Band der Idiotie, das sich von Südamerika über Marokko und Idone­sien bis nach Japan erstreckt.

Weltkarte der Stromnetze. Wikipedia.

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Schleckerfrauen
Es sei dahingestellt, ob eine Transfer­gesell­schaft Wunder­werke voll­bringt, doch muß ich einer Betriebs­rätin von Schlecker schon recht geben: Für die Rettung von Grie­chen­land und Wulff ist genügend Geld da, nicht aber für die Schlecker­frauen. Und woran ist es geschei­tert? Zum ersten an einer 10‑Milli­onen-​Bürg­schaft der Bayern, die sich vom Rest der Republik haben zu Angebern hoch­päppeln lassen. Zum anderen an einem unbe­kannten Minister einer Splitter­partei, die Geld lieber den Reichen in den Arsch steckt. Und zum dritten an einem Seehofer, der nicht wider­sprechen kann oder will. Bald muß Opel wieder gerettet werden, obgleich deren Autos schon Jahr­zehnte keiner fahren will. Und Spanien wartet auch schon. Will man sich dann gleicher­maßen knau­serig zeigen? Banken müssen wegen ihrer Krisen bereits höhere Sicher­heiten bilden. Und ich bin der Meinung, auch normale Betriebe sollten die Lohn­kosten eines Jahres zurück­legen oder ver­sichern müssen, die im Falle eines Konkurses aus­schließ­lich an die Mitarbeiter fließen, nicht an die Gläu­biger.

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