40
In einer der nicht immer erquick­lichen Diskus­sionen im Blog Religions­freiheit kam auch die Zahl 40 zur Sprache, die unbestritten sehr oft in der Bibel vorkommt, trotz­dem aber nicht nur mich enttäuscht. Und so war sie bis heute nach 30 und 32 die dritt­kleinste natür­liche Zahl, der ich bisher noch keinen eigenen Beitrag gewidmet habe.

Zunächst ist festzu­stellen, daß 40 keines­wegs öfter in der Bibel vorkommt als 30 oder 50. Sie ist aber von höherer Bedeutung, weil sie im neuen Testa­ment domi­niert und häufiger in bedeu­tenden Zusammen­hängen wie Tagen, Jahren und Gerech­ten vorkommt. Vierzig beson­dere Jahre sind mehr als eine Gene­ration und ein unüber­seh­barer Ein­schnitt im Leben eines Volkes. Vierzig Tage sind deutlich mehr als ein Monat und eine lange Zeit im Verlaufe eines Jahres.

So liegt man sicherlich nicht ganz falsch, 40 mit viel oder lang gleich­zusetzen, zumindest für eine gerundete Zahl zu halten. Manchmal ist sie auch nur eine unter vielen wie in der einer Reihe der 50, 45, 40, 30, 20 und dann nur noch 10 Gerech­ten, um deret­willen Sodom verschont worden wäre. Auf keinen Fall wird eine beson­dere mystische Bedeu­tung vo­liegen, wie man sie sich bei 42=6⋅7 vor­stellen könnte. An jeder Seite zehn Säulen zu haben, das ist nicht viel.

Trotzdem sollte man nach einem ordent­lichen Grund für die&nbso;40 in der Bibel suchen. Und dazu ist es sicher­lich nicht falsch, ihr erstes Vorkom­men zu betrachten. Das ist bei der Sint­flut im 7. Kapi­tel des 1. Buches Mose. Die hielt zwar ein Jahr, doch regnete es nur 40 Tage und Nächte. Hier treffen zwei nicht so glas­klare, dennoch aber mögliche Bedeu­tungen für die Zahl 40 aufein­ander: Der Zeitraum von etwa 6 Wochen und das Wasser.

Wenn man keine guten Uhren und Winkel­messer hat, dann ist es nicht leicht zu erkennen, wann die Sonne wieder an der gleichen Stelle steht, also ein Jahr um ist. Es liegt deshalb nahe, das Jahre­sende auf den Tag zu legen, an dem der Unter­gang eines bestimmten Sternes im Westen am Abend­himmel letzt­malig zu sehen ist. Oder umgekehrt den Jahres­beginn auf den Tag, an dem der Aufgang dieses Sternes im Osten am Morgen­himmel erst­malig beobachtet werden kann. Die Spanne von etwa 40 Tagen zwischen diesem Abend­letzt und dem Morgen­erst trennt das alte vom neuen Jahr.

Eine Beziehung zur bibli­schen Zahl erscheint mir sehr plausibel, macht aber auch deutlich, daß es sich eben nur um eine unge­fähre Angabe, eine gerundete Zahl ohne versteckte Detail­bedeutung handelt. Die Baby­lonier begannen ihr Jahr nach dem Morgen­erst der Plejaden Mitte März mit dem Monat Nisanu. Deren Luni­solar­kalender haben die Juden über­nommen. Auf diese Weise floß wohl die Zahl 40 in das alte Testa­ment ein, als die Zahl der Tage, an denen die Plejaden nicht am Himmel zu sehen sind.

Nach den Berech­nungen von Burkard Stein­rücken wurde für Babylon und Israel auf dem 32. Breiten­grad die Zeit von genau 40 Tagen um 1000 vor Christus erreicht. Mit jedem Breiten­grad ist es ein halber Tag mehr, mit jedem Jahr­tausend wurde es ein Tag weniger. Als die Genesis um 500 vor Christus geschrieben wurde, waren es also ziemlich genau 40 Tage, und wahr­schein­lich hatte sich dieser Zeitraum bereits als feste Größe einge­bürgert. Wer dagegen getreu den Buch­staben der Bibel die Sintflut auf 2348 vor Christus datiert, kommt für den Berg Ararat auf dem 40. Breiten­grad auf stolze 47 Tage.

Während für uns runde Zahlen nur einfacher aussehen, waren sie in der hebrä­ischen Darstel­lung auch wirk­lich kürzer. Die 40 wurde mit einem einzigen Buch­staben geschrieben. Da 40 in der Folge 1, 2, 3, …, 9, 10, 20, 30, 40 die Position 13 ein­nimmt, war es der 13. Buch­stabe, das Mem. Und dieses Mem steht für Wasser (majim), das sich eigentlich mit zwei Mem schreibt. Es wird dem Buch­staben Mem als Bedeu­tung zuge­messen. Und die Form des Mem soll aus Wellen­linien oder der Dar­stellung eines Brunnens abge­leitet sein.

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Ich erlaube mir, zwei Zeilen aus der schockierenden Welt der Zahlen [1] abzuschreiben:

32: 1000000 im Dualsystem. Schmelz­punkt von Eis in Fahren­heit.

39: Die erste anscheinend uninter­essante ganze Zahl, was sie natürlich inter­essant macht.

40: Die zweite uninter­essante Zahl, was sie nicht sehr viel interessanter macht.

Warum hat er 32 als interes­sant durch­gehen lassen? Weil es eine Zweier­potenz ist?

[1] Manuel Rohland: Die schockierende Welt der Zahlen. Gomeck.

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Wer einfach meint, 40 Tage und 40 Jahre stehen für eine lange Zeit, deutlich mehr als ein Monat bzw. eine Gene­ration, der erntet schnell den Wider­spruch der Buch­staben­gläubigen, für die es genau 40 Tage bzw. Jahre in der Wüste waren, weshalb sie auch ein- bis zweimal jährlich 40 Tage fasten. Doch sind es von Ascher­mittwoch bis Oster­sonntag 46 und vom 12. November bis zum 24. Dezember 42 Tage.

Von der Fastenzeit vor Weih­nachten will ich gar nicht mehr reden. Längst ißt man zu St. Martin nicht mehr die letzte Gans vor Weih­nachten, sondern die erste einer langen Reihe. Auch den Aufstieg des Fisches in und über die Fleisch­kategorie haben die Katho­liken nicht umgesetzt. Längst vorbei sind die Zeiten, da man sein Personal nicht sieben­mal die Woche mit Lachs aus dem Main füttern durfte.

Als Kultur­fremder, sei es gegen­über der Antike, anderen Weltreli­gionen oder dem Katho­lizismus, treiben mich oftmals Details um, die von den Ange­hörigen und leider auch vielen Spezia­listen dieser anderen Welten gar nicht wahrge­nommen wurden oder werden. Dazu gehört auch die Frage: Wo sind denn die 40 Tage?

Die 40 Tage und Nächte vor dem Oster­morgen beginnen am Dienstag­morgen nach dem Sonntag Invocavit, an dem um 4 Uhr die aleman­nische Fastnacht endet. Läßt man die Sonn­tage aus, so muß man tat­sächlich am Morgen des Ascher­mittwoch beginnen. Nimmt man sie wieder hinzu, so müßte das Fasten am Montag­morgen nach dem Palm­sonntag enden.

Offen bleiben die Fragen: Warum gibt es nur fünf Fasten­sonntage? Hört man bereits am 40. Tag, dem Palm­sonntag auf? Ich will es den Katho­liken nicht verdenken, da sie ab Karfreitag­morgen bis zum Oster­morgen noch einmal ein Zusatz­fasten einschieben. Die andere Frage lautet: Gehört die Nacht vor oder nach einem Fasten­sonntag zur fasten­freien Zeit? Logischer­weise müßte es die Nacht danach sein. Man darf sich also am Samstag­abend nicht den Magen voll­schlagen.

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