Berlin, Jerusalem
Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Sie wurde aber erforder­lich, da die ins gelobte Land flüch­tenden DDR-Bürger als einhei­mische Deutsche gesehen wurden. Sie mußten kein Asyl bean­tragen, wurden nicht abge­schoben. Ich war immer dafür, die DDR völker­rechtlich anzu­erkennen und ihr das Subven­tions­grab West-Berlin zu schenken. So wären zwei deutsche Staaten ent­standen, einer mit der alten Haupt­stadt Berlin, einer mit der neuen Bonn. Doch hat man es auf Konfron­tation angelegt, den Osten ins wirt­schaft­liche Abseits gedrängt und mit der Wieder­vereini­gung Glück gehabt. Kaum einer hatte Skrupel, den Schwä­cheren einfach das wenige zu nehmen, was sie noch hatten. Es ist der Fried­fertig­keit der Sowjet­union zu verdanken, daß alles glimpf­lich über die Bühne ging. Zum Dank setzt man mit Hilfe der abtrün­nigen Vasallen den Druck auf das verblie­bene Rußland fort.

Fragt man einen normalen Menschen nach der israeli­schen Haupt­stadt, wird er Jeru­salem nennen. Wer die Bibel nur ansatz­weise gelesen hat, wird diese Stadt nicht für baby­lonisch, römisch oder britisch halten, sie nicht den Kreuz­rittern zurechnen und auch nicht einer der ständig sich ablö­senden Muslimen­gruppen. Ein denkender Mensch wird auch nicht glauben, daß Juden und Palästi­nenser in einer geteil­ten Stadt dauer­haft in Frieden neben­einander leben werden. Das kann nur mitein­ander gelingen, andern­falls die sich kanin­chenhaft vermeh­renden Palästi­nenser vom Waden­beißen wieder zum offenen Kampf über­gehen. Die Ein­schnürung des israe­lischen Staats­gebietes durch das West­jordanland und eine Demar­kations­linie durch Jeru­salem sind dann eine Schwäche.

Es ist hart, eine friedliche Zukunft nur auf Kosten der Palästi­nenser für möglich zu halten. Ange­sichts ihres Verhal­tens sehe ich aber keine andere Lösung. Wenn muslime Gruppen die Ober­hand gewin­nen, ist es mit dem fried­lichen Zusammen­leben von Christen, Juden und Moslems vorbei. Es war nicht ein singu­läres Ereignis, ein seltener schwarzer Schwan, der im Libanon einen Bürger­krieg lostrat. [1] Unbe­stimmt war allen­falls der Zeitpunkt, nachdem die Christen durch Auswan­derung und geringe Ferti­lität ihre Mehrheit abgaben. Israel und die Welt sind gut beraten, der Vernunft, der Zivili­sation, den Fried­fertigen eine bestän­dige Über­macht zu sichern. Irgend­wann werden es auch die anderen würdigen und nicht mehr wehmütig an eine Zeit denken, da sie die führenden Terro­risten und RAF-Aus­bilder waren.

[1] Nassim Nicholas Taleb: Der Schwarze Schwan - Die Macht höchst unwahr­schein­licher Ereig­nisse. Bücher­gilde Guten­berg, Frankfurt. Taleb ist Sohn eines einfluß­reichen libane­sischen Politi­kers, der die Zukunft des Landes nicht besser habe ein­schätzen können als ein Taxi­fahrer. Das mag zutreffen für die Vorher­sage singu­lärer Ereig­nisse, an denen ein Bürger­krieg losbricht. Die Span­nungen und Menta­litäten der scheinbar friedlich zusammen­lebenden Gruppen sind aber erkennbar angelegt. Sie sind nicht die schwarzen Schwäne, keine zufäl­ligen extremen Zie­hungen aus einer zu breiten Vertei­lung, die einen fälsch­lich ange­nommenen Erwartungs­wert verhageln.

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Planetengeschlecht
Obwohl es nur eine Wahrheit gibt, verspürt der Mensch das unstill­bare Verlangen, alles in zwei Gruppen zu teilen, in Wahrheit und Lüge, in gut und böse, in männlich und weiblich. Wenn diese Willkür als Yin und Yang aus Asien daher­kommt oder in den eigenen Kram paßt, heißt sie nicht dua­listisch, sondern beschö­nigend polar und ist in einem schlichten Weltbild will­kommen. In der Opfer­rolle zwischen den Geschlech­tern aber wird in letzter Zeit der normale Mensch als bipolar diffamiert. Durch die im Kern pleo­nasti­sche Wort­bildung soll wohl eine Reduk­tion der vermeint­lichen Vielfalt auf zwei Pole ange­deutet werden. [1] Und es wird den selbst­erwählten Gegnern vorgeworfen, ihr Denken auf diese zwei Pole zu beschränken, ein streng dualisti­sches Weltbild zu haben, das andere Möglich­keiten leugnet.

Natürlich ist dualistisches Denken zumeist nicht ange­messen. Es übt aber eine unge­heure Faszi­nation aus. Etwas vollständig in sogar nur zwei dis­junkte Klassen teilen zu können, ist für viele Erkennt­nis. [2] Andere ziehen ihr ganzes Selbst­bild aus dem Nachweis, daß diese Zwei­teilung falsch, unvoll­ständig, über­lappend, umsymme­trisch, unge­recht, gemein oder weiß ist. [3] Dabei ist es ganz normal, Ordnung, Über­blick und begriff­liche Klarheit in einen großen, kaum über­schaubaren, vielleicht sogar unend­lichen Bereich zu bringen, indem zunächst große Bereiche ausge­sondert werden. Die mögen sich als über­lappend und unvoll­ständig erweisen, erleich­tern aber unge­heuer die Betrach­tung des möglicher­weise sehr interes­santen Restes. [4]

Bei der Aufteilung der Planeten in männliche und weibliche gibt es ein Problem: Nur zwei der zugeord­neten Götter, nämlich Luna und Venus sind weiblich. Außer­dem sind ihre Nummern 7 und 5 ungerade, also nach der allge­meinen Auf­fassung männlich. Eine Zwei­teilung scheidet wegen der Sieben­zahl so und so aus. Doch das hielt Astro­logen, Anthro­posophen und andere Spinner nicht von einer Auf­teilung ab, gerne in Form von Hexa­grammen. Die bestehen aus einem männ­lichen Dreieck, dessen Spitze symbol­trächtig in den Himmel ragt, und einem nach unten weisenden weib­lichen mit eben­solcher ein­deutiger Sym­bolik, die vor dem Zeit­alter der Intim­rasur keinem erklärt werden mußte.
        1-So                     Ma-rot
         /\                        /\
6-Ve____/__\____4-Sa    So-ora____/__\____Mo-vio
    \  /    \  /              \  /    \  /
     \/      \/                \/      \/
     /\      /\                /\      /\
    /__\____/__\              /__\____/__\
9-Ma    \  /    3-Ju    Me-gelb   \  /    Ju-blau
         \/                        \/
        2-Mo                     Sa-grün
Im linken Hexagramm wurde der Saturn weib­lich gemacht. [5] Merkur fehlt und wird gerne mit der Nummer 5 in der Mitte ange­ordnet. Und es wurde neu numeriert, weil 1,3,9 männlich und 2,4,6 weiblich sind. Der Merkur mit der Nummer 5 soll trotz des Herm­aphroditen sicher­lich männ­lich sein. Die 7 und die 8 fehlen, und Mars hat die 9 des auf­rechten Mannes im Kon­trast zur kopf­stehen­den 6 der Venus. Die Anthro­posophen unter­nehmen wie im rechten Diagramm keine beson­deren Anstren­gungen und sehen abwei­chende Zuord­nungen nicht als Wider­spruch, sondern als Vielfalt. [6] Für sie sind zumin­dest hier die Spektral­farben wichtiger als Zahlen und Geschlecht. Deshalb fehlt auch die Venus, der aber indigo zuge­ordnet wird. Was ein Armuts­zeugnis!

Von diesem Zeug allgemein durch­gesetzt hat sich ledig­lich die Zuord­nung von Venus und Mars auf die Geschlech­ter weiblich und männlich, die deshalb auch mit den Sym­bolen für diese beiden Planeten bezeich­net werden. Mit der vermeint­lichen Auflösung der Geschlech­ter entstand natür­lich das Bedürf­nis, den neuen Klein- und Phan­tasie­gruppen Symbole zuzu­ordnen. Für sie und die Zwei-, Drei- und Mehrfach­bezie­hungen unter­einander gibt es eine schier endlose, die Alche­misten fast in den Schatten stel­lende Fülle von Sym­bolen, die es großen­teils sogar in den Unicode geschafft haben. [7]

Einigermaßen vernünftig erscheint mir das Bemühen, aus den bekannten Planeten­symbolen eines auszu­wählen, unter dem alle zusammen­finden können, die sich zumin­dest nicht dauer­haft ein­deutig dem Mars oder der Venus zuordnen wollen. Zunächst kommt die Erde zwischen Venus und Mars in Betracht. Für sie gibt es zwei Zeichen. Da das astro­logische Zeichen wie das der Venus auf dem Kopf aussieht, kommt mehr das astro­nomische infrage, ein Kreis mit einem Kreuz in Form eines Plus­zeichens darin. [8] Doch auch Merkur ist ein guter Kandi­dat. Sein Zeichen ergänzt das der Venus um eine Schüssel auf dem Kopf, die Flügel dar­stellen soll. Das Metall des Merkur ist das Queck­silber, das so fluide ist wie manche gerne ihr Geschlecht sehen.

Zwar können vier Typen durch Ankreuzen oder Frei­lassung von zwei Feldern für männlich und weiblich unterschieden werden, wodurch die vier Codes der inter­natio­nalen Norm abdeckbar sind, doch ist es wohl nicht zumutbar, erlaubt oder inhalt­lich ange­messen, beides anzu­kreuzen. [9] Deshalb hat ein deut­sches Gericht eine weitere Option gefor­dert. Wieder einmal wurde bis zu einer solchen Ent­scheidung gewartet, statt im Vorfeld über­legen zu handeln, nämlich das Geschlecht aus dem Geburten­register zu streichen. Für Sta­tisti­ken muß man es so und so erfragen, und in der geschlechts­sensitiven Forschung gibt man sich schon lange nicht mit zweien zufrieden. So wird alles weitere Blüten treiben, und es werden sich mehr oder minder die gleichen Sek­tierer gegen jetzt für pro­gressiv gehal­tene Bezeich­nungen wie MC für "male changed to female" wenden, wegen des Daten­schutzes.

[1] Natürlich gibt es auch Quadru­pole und die Suche nach den magneti­schen Mono­polen. Ohne Zusatz aber meint polar immer zwei Pole.
[2] Der Höhepunkt besteht darin, wenn die beiden Klassen auch noch bijektiv unter Erhatung grund­legender Bezie­hungen aufein­ander abge­bildet werden können.
[3] Die Aufteilung der ganzen Zahlen in positive und negative ist auch nicht gerecht. Die Multi­plika­tion führt aus den postiven nicht heraus, aus den nega­tiven aber schon.
[4] Es ist nicht nur legitim, sondern nahe­liegend, unter allen Gruppen nur die endlichen zu betrachten und unter diesen nur die einfachen, in denen man mehrere sog. Familien mit beson­deren Eigen­schaften findet. Es ist kein Problem, wenn diese Familien sich über­lappen. Und sehr, sehr inter­essant sind die 26 spora­dischen Gruppen, die keiner dieser Familen angehören.
[5] Michael Pilecki: Der Kosmos in den Zahlen. One World Verlag, Berlin.
[6] Sieben Planeten. Anthrowiki von Wolfgang Peter.
[7] Das muß nicht beun­ruhigen, denn im Unicode gibt es auch Gesichter und Menschen aller Art in mehre­ren Haut­farben (neutral ist gelb wie die Simpsons), Grinse­monde, Hamburger und Scheiß­haufen.
[8] Die Symbole ♁ und ⊕ bezeichnen die Erde. In der Astro­nomie wird gerne letz­teres verwendet. Daneben praktisch nur noch die Zeichen für die Sonne und den Mond.
[9] ISO 5218 kennt männlich (1), weiblich (2), unbekannt (0) und unzu­treffend (9). Die alten IBM-Menü-Akro­baten würden sagen: Nine wie nein, ich weiß nix oder will mich nicht fest­legen. Wieder sind die Ameri­kaner anders, möglicher­weise voraus: M,F,U,H,A,MP,FP,MC,FC.

Geschlecht

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Regenbogen
Man kann es unseren frühen Vorfahren nicht verdenken, wenn sie am Himmel eigen­artige Gestalten und in den Wandel­sternen Götter sahen oder auch umgekehrt. Für die vielen Geschich­ten um Götter, Halb­götter, Titanen, Helden und Frauen interes­siere ich mich nicht. Für die Reihen­folge der Planeten auch nur wegen ihres Fort­bestandes bis in die heutige Zeit. Ihre Bedeu­tung in der Astro­logie liegt auf der Hand. Zwar hat man mit den sieben Wandel­sternen und den zwölf Stern­bildern das gleiche Zuord­nungs­problem wie mit hepta­tonischen Ton­leitern auf die zwölf Halbtöne der Oktave, doch mit einem ausrei­chenden Maß an Willkür gelingt das. Ebenso die Abbildung auf die vier Elemente oder die sechs Ecken eines Hexa­grammes mit dem auf­rechten männ­lichen und dem abwärts zeigenden weib­lichen Dreieck. Einzig interessant ist die alche­mistische Zuordnung zu den Metallen.
1 - Saturn  - Saturn  - Chronos   - Pb - Blei        - ♄
2 - Jupiter - Jupiter - Zeus      - Sn - Zinn        - ♃
3 - Mars    - Mars    - Ares      - Fe - Eisen       - ♂
4 - Sonne   - Apollo  - Helios    - Au - Gold        - ☉
5 - Venus   - Venus   - Aphrodite - Cu - Kupfer      - ♀
6 - Merkur  - Merkur  - Hermes    - Hg - Quecksilber - ☿
7 - Mond    - Luna    - Selene    - Ag - Silber      - ☽
Beziehungen zu Edelsteinen, Getreiden, Charak­teren, Organen, Bäumen, Chakren, aber auch Geschlech­tern und Farben wurden erst spät, will­kürlich und unein­heitlich aufgesetzt. Mir ist keine schlüssige Abbildung zwischen den sieben Gestirnen und den Spektral­farben bekannt, bemerkens­wert aber ist deren Sieben­zahl, obgleich ich mit den meisten Menschen nur sechs Farben sehe, nämlich rot, orange, gelb, grün, blau und violett. Es gehört zu den minder über­zeugenden Leistungen des Isaak Newton, eine siebte Farbe indigo zwischen blau und violett einge­schoben zu haben. [1] Wahr­scheinlich wollte er unbedingt die Sieben­zahl erreichen. Da für ihn die Sonne und der Mond keine den Planeten gleich­gestellten Wandel­sterne mehr waren, orien­tierte er sich wohl mehr an den sieben Inter­vallen einer Oktave. Viel­leicht erkannte er bereits, daß indigo und orange wenig eigen­ständige Bedeu­tung zukommt und legte sie auf die Halbtöne e-f und b-c. So wurde d-e-f-g-a-b-c-d zu rot-orange-gelb-grün-blau-indigo-violett. [2]

Auch ohne Physik kannte man die Abfolge aus der Wahr­nehmung und dem Regen­bogen, obgleich man noch nichts von den drei verschie­denen Zapfen im Auge wußte, schon gar nicht von der Blau­empfind­lichkeit der roten, wodurch die Purpur­gerade nicht nur die Enden des Spek­trums mischt, sondern den Farb­kreis zu schließen scheint. Da es bei der Farb­wahr­nehmung nicht nur um Physik und Druck­technik geht, ist es durchaus ange­messen, im täg­lichen Leben die zwei Komple­mentär­paare rot-grün und blau-gelb als Grund­farben zu sehen. Kein Künstler kann mit seinem konstru­ierten Farbkreis dagegen anstinken. Das sind alles Halb­heiten zwischen gesunder Empfin­dung und korrekter Farb­metrik. [3]

In den Fahnen der Friedens­bewegung finden sich die sieben Spektral­farben, zumeist im kriti­schen Bereich von grün bis violett recht ungenau, wenn nicht falsch und zumeist recht blaß. [4] Das fand ich immer schon häßlich und naiv zugleich. Dagegen ist die Fahne der Homo­sexuellen mit nur sechs Spektral­farben die reinste Augen­weide. Die Farben sind gesät­tigt und setzen sich klar vonein­ander ab. Außerdem ist die Reihen­folge der am Himmel sicht­baren Farben des Regen­bogens beachtet.

[1] Einer meiner verschol­lenen Duden-Bände ließ sich lange über die vielen Grüntöne der Indianern aus. Sie hatten dafür viele Namen, doch keine anderen Augen und wohl auch keine anderen Regen­bogen­farben als wir.
[2] Für Deutsche ist b ein h.
[3] Will man mit den wenigen Woll­farb­stoffen einen Bade­mantel in der Farbe des synthe­tischen Bikinis färben, kommt man mit dem Tusch­kasten eines Künst­lers kaum ans Ziel. Mit Farb­metrik, Spektro­skopie und dem Lösen von drei Glei­chungen mit drei Unbe­kannten aber geht es recht flott.
[4] Ich hoffe, es ist noch poli­tisch korrekt, in rosa ein weiß verhülltes rot zu sehen. Und in braun ein schwarz verhülltes?

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Planetenwoche
Seit Menschen­gedenken werden in den verschie­densten Gegenden der Welt die Tage unter­brechungs­los zu Sieben­tage­wochen gruppiert, doch die Frage nach dem ersten Tag der Woche ist nicht leicht zu beant­worten. Die wohl von den Bayloniern übernommene uralte Numerierung der damals bekannten Wandel­sterne von 1 bis 7 nach abstei­gender sideri­scher Umlauf­zeit legt einen Wochen­beginn am Samstag nahe. So soll es auch bei den Römern in den ersten Jahren nach ihrer Über­nahme der Sieben­tage­woche gewesen sein. Schon damals hatten Tag und Nacht zusammen 24 Stunden, die fort­laufend einem Planeten [1] zuge­wiesen wurden:
Samstag    - 1.,8.,15.,22.Std: 1-Saturn  - letzte Std: 3-Mars
Sonntag    - 1.,8.,15.,22.Std: 4-Sonne   - letzte Std: 6-Merkur
Montag     - 1.,8.,15.,22.Std: 7-Mond    - letzte Std: 2-Jupiter
Dienstag   - 1.,8.,15.,22.Std: 3-Mars    - letzte Std: 5-Venus
Mittwoch   - 1.,8.,15.,22.Std: 6-Merkur  - letzte Std: 1-Saturn
Donnerstag - 1.,8.,15.,22.Std: 2-Jupiter - letzte Std: 4-Sonne
Freitag    - 1.,8.,15.,22.Std: 5-Venus   - letzte Std: 7-Mond
Wo auch immer die erste Stunde lag, der Herrscher der ersten Stunde beherr­schte auch den gesamten Tag. Dieses Schema erklärt gut die von der Nume­rierung der Planeten abweichende Reihen­folge der Wochentage, sofern man ihnen nach ihrem Namen die Gestirne zuordnet. Gerne wird dieser Zusammen­hang in Form eines Hepta­gramms darge­stellt.

Fragt man einen unbe­darften Europäer nach dem Beginn der Woche, wird er Montag nennen, zumal Samstag und Sonntag das sog. Wochen­ende bilden, das bereits vor der fünf­tägigen Arbeits­woche in die Welt kam. [2] Einige werden sich noch an die Diskus­sionen erinnern, da der Beginn der bürger­lichen Woche von Sonntag auf Montag verlegt wurde, im Sinne der Lufthansa und gegen die christ­lichen Kirchen. [3] Und andere werden wissen, daß Gott nicht am ersten, sondern am siebente Tage ruhte und dies der jüdische Sabbat ist, der seit Menschen­gedenken auf Samstag fällt. Es ist keine vom Judentum abweichende christliche Variante anzu­nehmen, die Schöpfung habe am Montag begonnen und Gott am Sonntag geruht.

Früher ruhten Christen am Sonntag und nur am Sonntag. Sie begrün­deten ihre Mißachtung des gött­lichen Ruhe­tages damit, daß Jesus am Sonntag von den Toten aufer­standen sei, und nannten den Sonntag auch Tag des Herrn. Eher der Wahrheit entspricht, daß die Römer dem Sonnen­kult erlegen waren, was im Sonntag als einem gesetz­lichen Feiertag mündete. Edle Gemüter meinen, die Römer hätten sich damit der jüdi­schen Woche angepaßt. Zwei­tausend Jahre und über die gregori­anische Kalender­reform hinweg hat sich die Ver­schiebung des Wochen­beginns von Samstag auf Sonntag gehalten. Bis in unsere Zeit, die wir profan mit Montag beginnen, womit nun Donners­tag und nicht mehr Mittwoch in der Wochen­mitte liegt. [4]

[1] 1-♄-Saturn, 2-♃-Jupiter, 3-♂-Mars, 4-☉-Sonne, 5-♀-Venus, 6-☿-Merkur; 7-☽-Mond. [Wem die Zeichen nicht angezeigt werden, der möge sie in einer Tabelle nachschlagen.]
[2] Mit dem bekannten Slogan "Samstags gehört Vati mir" läuteten die Gewerk­schaften eine Vorver­legung des Wochen­endes mit Beginn am Freitag- statt Samstag­nachmittag ein. Wären alle Arbeit­nehmer soli­darisch, würden am Wochen­ende weiter­hin nur die damals auch am Sonntag ausgeübten Dienst­leistungen ange­boten. Doch sie sind Egoisten, wollen rund um die Uhr einkaufen und möglichst lange Blöcke von Arbeit und Freizeit. Sie lieben die Flexi­bili­sierung mehr als es manchem Arbeit­geber recht ist.
[3] Die christ­liche Woche beginnt nach wie vor am Sonntag, das Kirchenjahr ebenfalls, und zwar am 1. Advent, der so liegt, daß der Heilige Abend in die 4. Woche fällt, spätestens also am 3. Dezember mit Heilig­abend am 4. Adventssonntag. Das geschieht im Mittel alle sieben Jahre. Dieses Jahr jammern viele über Geschäfts­schließungen, besser Nicht­öffnungen. In anderen Jahren klagen sie über Weihnachts­feiertage am Wochenende.
[4] Die interna­tionale Norm mißachtend sind wieder die üblichen Verdäch­tigen beim Sonntag geblieben: USA, Israel, Arabien, China, Japan.

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Trigender
Vor vielen Jahren warf ein Kollege die Frage auf, warum die Natur zwei und nicht drei oder mehr Geschlechter hervor­gebracht habe. Der evolu­tionäre Vorteil der geschlecht­lichen, meinet­wegen auch sexu­ellen Vermehrung, also der Vermischung der Gene liegt auf der Hand, auch die Ausbildung von mehreren Typen, die sich gleich­artig oder gar allein nur noch selten vermehren. Verwun­derlich ist auch nicht, daß am bis­herigen Ende der Evolution Veran­lagung das Geschlecht bestimmt und die Paarungs­typen sich schon auf den ersten Blick deutlich unter­scheiden. [1] Weniger wegen außer­gewöhnlicher Vererbung oder Mutation, eher dank moderner Medika­mente und chirur­gischer Eingriffe, besonders aber durch ausgeprägte Imagi­nation gewinnen Ausnahmen von diesem Erfolgs­modell an Bedeutung. [2] Doch darum ging es uns damals nicht. Auch nicht um die blöde Frage, warum Frauen die Kinder gebären. [3]

Die technische Lösung der Natur hat einen ungerechten Unterschied zwischen Mann und Frau geschaffen, der sich in fast allen Bereichen nieder­schlägt. Die Männer sind mit ihren verschie­denen Chromo­somen X und Y die Spielwiese von oftmals mit Krankheit verbun­denen Muta­tionen. Wenn sie ein Expe­riment über Genera­tionen überleben, gelangen die Ände­rungen auch in den guten weib­lichen "Genpool". Diese Ungerech­tigkeit warf die Frage auf, ob es mit drei Geschlech­tern nicht gerechter zugehen könnte. [4] Ja, es ist ganz einfach: Die drei Geschlech­ter seien rot, grün und blau. Jeder kann die Rolle des Befruch­ters einnehmen und eine andere Farbe schwängern, die dann die dritte Farbe gebiert. Man könnte also schon vor der Zeugung die farblich passenden Strampler kaufen.

Sollten derart drei­geschlecht­liche Auße­rirdische auf der Erde landen, werden sie nur ein müdes Lächeln für uns übrig haben, die wir aus zwei Geschlech­tern ein drittes und daraus eine unendliche Fülle kon­struiert haben. Für der­gleichen Hirn­akrobatik ist noch nicht einmal eines erforder­lich: Geschlecht 0 hat kein Geschlecht. Geschlecht 1 hat nachts Geschlecht 0, am Tage keines. Geschlecht 2a vereinigt in sich Geschlecht 0 und 1. Geschlecht 2b ist am Arbeitsplatz geschlechtslos, zu Hause aber eine 1 im Bett. Geschlecht 3a- hat eine 1 in der Geburts­urkunde, wurde von den Eltern als 2a erzogen, fühlt sich aber nach einer Kastra­tion als 0 wohl.

[1] Früher suchte man das Matriachat als goldene Gesell­schafts­form, heute behaupten einige allen Ernstes, vor nur wenigen Jah­rhunder­ten gab es nur einen Menschen­typ mit einem gra­duellen und frei wählbaren Unter­schied, Frauen seinen nach innen, Männer nach außen gestülpt.
[2] Grund­sätzlich könnte das Geschlecht auch durch die Brut­temperatur oder die Feuch­tigkeit der Zeugungs­nacht bestimmt, zumindest beein­flußt sein.
[3] Hätte man schon früher die Chromo­somen W bis Z gekannt, wären die homo­zygoten wohl das eine, die übrigen das andere Geschlecht. Nun aber bezeichnen wir die träch­tigen Tiere als weiblich, beim Menschen also die homo­zygoten. Und würden Männer die Kinder gebären, hießen sie Frauen.
[4] Ohne die technischen Schwierig­keiten eines flotten Dreiers. In der Natur sind Reak­tionen dreier Partner zumeist zwei Zusammen­treffen zweier mit einem kurz­lebigen Zwischen­produkt.

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Männertag
Da bin ich nun ein monopolarer cis-Mann und habe noch nie etwas von einem Männer­tag gehört, der heute gefeiert wird. Gewiß sind mir Diskrimi­nierungen aufgrund meines Geschlechtes bekannt, doch habe ich bis heute keinen Gefallen an der Opfer­rolle gefunden und inter­nationale Solida­rität einge­fordert. Und ich war wegen meiner nächt­lichen Toiletten­gänge auch noch nicht beim Arzt, gleichwohl Prostata-Vorsorge ein Haupt­anliegen der Männer­gruppen zu sein scheint. In Lustig­keit stehen sie den Frauen um nichts nach.

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Muß i denn
wenn i komm zum Bleistift so: i bims ok, vong naus her:D

[1] Meike Winnemuth: Was sollen diese Sprachspiele? SZ-Magazin 17/2011. "Witzelsucht ist eine tatsächlich existierende Krankheit [...] Simulation von Witzigkeit [...] Sparwitze".
[2] Kentucky schreit ficken. Youtube. Aus der Unterhaltungssendung RTL Samstag Nacht.
[3] Muß i denn, muß i denn zum Städtele 'naus. Völkstümliche Weise aus Schwaben.
[4] Jürgen von Manger als Adolf Tegtmeier: "et fängt am Regen"
[5] Mein Ikea-Duschvorhang Rolf nennt LOL zur Langform :-D.
[6] Demnächst halten wir Dekam und Dekamat für politisch korrekt.
[7] 200 Jahre Sprachverhunzung: Alles klar, oll korrect, ok, okidoki.
[8] Glücklicherweise nie gehört: Spricht man eibims oder ibims?
[9] Geht auch Bumsenbrenner oder "i bims, d1 muddar" ohne Komma?

Bibel 2.0 | 1tr8 Frankfurt | Einzeiler

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Höher scheißen
Ich erinnere mich gerne an den Donner­balken meiner Patentante. Sie wohnte im ersten Stock. Das kleine Geschäft plätscherte in der Tiefe, das große benötigte nach dem Seilriß ein paar Sekunden und bedankte sich mit dem vertrauten Geräusch eines in den Brunnen geworfenen Steines. Papier in der Jauche war natürlich nicht gern gesehen, denn der Rhabarber sollte nicht eingepackt, sondern nur gedüngt werden. Benutzte man es dennoch, hielt es sich in Grenzen, denn das zerklei­nerte Zeitungs­papier war nicht gerade eine Rosetten­freude.

Doch die Evolution schreitet beständig voran. Wir lassen die Scheiße nicht mehr auf allen Vieren hinter uns fallen, hocken nicht mehr im Wald neben einem Baum, scheißen nicht auf ein Gitter­rost und auch nicht wie ein Affe auf dem Schleif­stein durch ein kleines Loch in einen Sammel­behälter, sondern sitzen gemütlich mit dem Handy und der neuesten Taz-Ausgabe auf dem Hochsitz. Danach wischen wir uns mit Papier in der geschick­teren rechten Hand den Arsch ab und spülen es mit dem Abge­seilten in die Kanali­sation. Wem das zu unhygie­nisch ist, der wäscht sich hinterher die Hände mit Wasser, das man sogar trinken kann. Gegessen wird mit Messer und Gabel.

Mit unserem Wasser kann man auch vor dem Geschäft die Brille reinigen, vor allem wenn zuvor einer darauf hockte, weil er noch nicht einmal wußte, daß man sie hoch­klappen kann, oder als typischer Steh­pinkler zu faul war und die eigene Strahl­genauigkeit über­schätzte. Abseits kosten­loser öffent­licher Toiletten ist in Deutsch­land eine Reinigung nur aus psycho­logischen Gründen erforderlich, denn Bakterien mögen keine Klobrillen, eher schon die Wasser­hähne oder Türgriffe. [1] Und sollte einmal das Papier zu dünn sein, so ist es doch nur die eigene Scheiße am Finger, die keine neuen Krank­heiten einträgt. Wer um seine Gesundheit besorgt ist, sollte sich lieber einen Flach­spüler zulegen, um das Ergebnis begut­achten zu können.

Vom Training der Beinmuskeln und der darm­freund­lichen Position abgesehen kann ich dem Hockklo nichts abgewinnen. Das mag meinen Erinne­rungen an fran­zösische Camping­plätze geschuldet sein. Nicht umsonst ist in Frankreich auch die Arsch­badewanne verbreitet. Das ist alles ganz gut und schön, wenn man es zu ihr unfall­frei schafft, denn aus weniger geschäfts­freundlichen Gründen hat uns die Evolution Hosen beschert, die voll­ständig auszu­ziehen nicht übermäßig praktisch ist. So bin ich dankbar für die Bebrillung, die meine Hose vor Quer­schlägern schützt und einem alten Mann die Angst nimmt, sich von hinten an die Hose zu pinkeln. Und sollten auch die Beine schwach werden, bezahlt die Kranken­kasse einen Hochsitz.

So geschützt gemütlich auf der sauberen Brille sitzend habe ich auf öffent­lichen Toiletten eigentlich nur eine Angst, nämlich daß die herunter­gelassene Hose den Boden berührt, auf dem die Steh­pinkler ihre Visiten­karte hinter­lassen haben. Auf franzö­sischen Camping­plätzen hatte ich den Eindruck, dies sei flächen­deckend der Fall. Und angenehm ist mir aus ähn­lichem Grunde auch ein noch vorhandener Haken, an dem ich meine Jacke und viel­leicht sogar eine Tasche aufhängen kann.

Wenn das Hockklo zu einer muslimen Kultur­einrichtung stilisiert wird, dann nur im Kontrast zu uns oder in senti­mentaler Erin­nerung an die Heimat. [2] Es mag zwar einige Zeit dauern, bis ein Chinese nicht mehr auf die Brille steigt, doch Syrer lernen schneller. In deutschen Asylunter­künften haben sie manchmal die freie Wahl. Und die fällt eindeutig aus. [3] Meinet­wegen kann jede öffent­liche Ein­richtung ein Plumpsklo anbieten, auch wenn in unseren Breiten Anschaffung und Betrieb teurer sind und damit zwei üblicher­weise genannte Vorteile ent­fallen. Solange das Gebäude dazu nicht voll­ständig ortho­gonal zur Richtung gen Mekka gedreht werden muß. [4]

[1] Hengameh Yaghoobifarah: Deutsche, schafft Euch ab! Taz, 22.10.2017. Riesenlink in roter Schrift: "Lieber Brems­spuren in der Unterhose und ein erhöhtes Risiko für Geschlechts­krank­heiten vertei­digen als ein islamisches Klo im Kölner Bürgerhaus zulassen."
[2] Hengameh Yaghoobifarah: Kampf der Kackkulturen. Taz, 10.08.2017. "Denn von Muslim­_innen lernen heißt auch, richtig aufs Klo gehen zu lernen. Es würde die deutsche Kackkultur revolu­tionieren."
[3] Johann Osel: Tritt ins Klo. Süddeutsche Zeitung, 07.05.2010. "So bestätigte es ein Sprecher des zuständigen Landrats­amtes: In dem relativ neuen Teilgebäude der Asyl­unterkunft habe man eine Umfrage unter den Bewohnern gestartet: Sitz- oder Stehklo? 90 Prozent wollten nach west­lichem Standard ihre Notdurft verrichten, ein Zehntel hingegen entschied sich für die Steh­toilette. Als Kompro­miss wurde in dem Haus eine solche orien­talische Toilette eingebaut. Eben jene, die der Syrerin zum Verhängnis wurde."
[4] Robert Baumanns: "Kultur­sensible Toilette" Alte Feuer­wache in Köln: Brauchen Muslime ein eigenes WC? Express, 09.08.2017. "'Eine solche Toilette entspricht eher dem, was in islamisch geprägten Ländern üblich ist', sagt Konrad Müller vom Vorstand des Bürger­zentrums. 'Und wir möchten den Menschen aus diesen Ländern damit das Gefühl geben, dass sie hier zu Hause sind.' [...] Klar sei ebenso, dass diese Toilette nicht in Ost-West-, sondern in Nord-Süd-Richtung gebaut werden müsse. 'Nach Mekka kacken geht gar nicht', erklärt Konrad Müller etwas flapsig."

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