Schere-Stein-Papier-Echse-Spock
Jeder kennt das Spiel Schere–Stein–Papier, ein Zwei-​Personen-​Null­summen­spiel, für das es eine optimale Strategie gäbe, wäre es zugleich ein Spiel mit voll­stän­diger Information. [1] Es gibt aber eine opti­male erwei­terte Strategie, nämlich alle drei Symbole mit gleicher Wahr­schein­lich­keit zu wählen. Gewinn, Verlust und Unent­schieden sind dann gleich­verteilt. In einer langen Reihe solcher Spiele ist mit einem ausge­gliche­nen Ergebnis zu rechnen. [2] Leider auch dann, wenn der Gegner von dieser opti­malen Stra­tegie abweicht. In einem RPS-Turnier [3] garan­tiert sie ein Ergebnis im Mittel­feld. Gewinnen werden Spieler, die schwä­cheren Gegnern Punkte abnehmen oder einfach nur mehr riskiert und Glück gehabt haben. [4] Wer sich sich im Gefängnis, bei Promi Big Brother [5] oder unter normalen Umständen regel­mäßig diesem Spiel hingibt, sollte nach­lesen, welche Symbole häufiger gewählt werden und welche Abhängig­keiten zu den voran­gehenden eigenen und fremden Symbolen bestehen. Mit geschul­tem Auge und reflex­artigem Verhalten mag man wie ein Roboter [6] auch das gegnerische Symbol vorzeitig erkennen und das eigene anpassen können.

Um der Trivialität dieses Spieles zu entgehen und die Remis-​Wahr­schein­lichkeit zu mindern, können fünf Symbole gewählt werden, von denen jedes gegen zwei andere gewinnt. [7] Während bei drei Symbolen A,B,C nur zwei Vari­anten (A>B>C>A oder C>B>A>C) möglich sind, die von der Struktur her beide gleich sind, gibt es für fünf Symbole 24 Vari­anten. Doch auch diese sind alle struktur­gleich. Die durch die Big-​Bang-​Theory bekann­teste Ausprä­gung Rock–Paper–Scissors–Lizard–Spock wird durch Sheldon wie folgt erklärt: „It's very simple. Look, scissors cuts paper. Paper covers rock. Rock crushes lizard. Lizard poisons Spock. Spock smashes scissors. Scissors decapi­tates lizard. Lizard eats paper. Paper dis­proves Spock. Spock vapo­rizes rock. And as it always has, rock crushes scissors.“ [8,9] Darauf basieren die meisten Darstel­lungen aus einem rechts herum durch­laufenen Fünfeck, dem ein links herum durch­laufendes Penta­gramm einbe­schrieben ist. [1] Es ist aber kein Problem, die Symbole derart zu vertau­schen, daß beide Durch­läufe in die gleiche Rich­tung weisen.

Nach 3 und 5 Symbolen liegt eine Erwei­terung auf n=2k+1 nahe, die alle gegen k andere gewinnen und gegen die rest­lichen k ver­lieren. Für n=7 gibt es drei Strukturen, die sich durch Vertau­schung der Symbole nicht ineinander über­führen lassen. Insge­samt kann man bereits aus 2640 Möglich­keiten schöpfen, wenn man sich sieben Symbole ausdenkt und mög­lichst gut begründen will, welches gegen welches gewinnt oder verliert. Die drei grund­legenden Struk­turen kann man noch mit der Hand am Arm anschau­lich ableiten, für die 2640 Möglich­keiten aber muß man schon etwas Kombina­tions­gabe aufbringen. In [10] ist die Aufgabe ele­ganter gelöst. Dort sind auch die Anzahlen für n=9,11,13 genannt, für deren Ermitt­lung ein schlichtes Programm nicht aus­reicht. Inzwi­schen sind mehr Werte bekannt. [11]

Grundsätzlich ist es leicht, für jedes ungerade n=2k+1 ein solches Spiel zu ent­wickeln. Dazu nehme man die Zahlen 0 bis n−1 als Symbole und lasse x gegen y gewinnen, wenn yx modulo n aus einer frei wählbaren Menge von k der Zahlen 1 bis n−1 ist. Das Problem besteht ledig­lich darin, den Zahlen Objekte zuzu­ordnen, daß die vorge­gebene Schlag­struktur plau­sibel ist. Die wirkt schon bei Schere–Stein–Papier–Echse–Spock etwas unnatür­lich kon­struiert. Versionen ab n=7 taugen eigen­tlich nur noch für Poster oder T‑Shirts. Wer unbe­dingt eines mit n=25 oder gar n=101 haben möchte, wird es sicher­lich ohne meine Hilfe im Internet finden.

[1] Wem es nicht bekannt ist, für den erklärt es die Wikipedia.

[2] Im allgemeinen ist die optimale Strategie in einer langen Reihe von gleichen Spielen auch zwischen stets den gleichen zwei Gegnern nicht die Wieder­holung der optimalen erweiter­ten Strategie des einzelnen Spieles. So könnte es angezeigt sein, bei sich abzeich­nendem Verlust eine riskan­tere Variante zu wählen.

[3] Informationen und Turnierregeln der World RPS Association.

[4] Bei mehr als zwei Teil­nehmern existiert im allge­meinen gar keine optimale Strategie.

[5] Dort hat man wohl mit einem Brunnen als zusätz­lichem Symbol gespielt. Das Papier deckt den Brunnen ab, Stein und Schere fallen hinein. Diese Variante ist gut, den uner­fahrenen Anfänger über den Tisch zu ziehen, der alle vier Symbole für gleich­wertig hält. Er verliert im Mittel 1/12 des Einsatzes gegen einen optimalen Spieler, der den Stein ausläßt.

[6] Ishikawa Watanabe Laboratory: Janken (rock-paper-scissors) Robot with 100% winning rate. Youtube.

[7] 4 Symbole scheiden aus, da keine gerechte Verteilung von Gewinn und Verlust möglich ist, sofern man keine Abstriche an der Grund­struktur zu machen bereit ist.

[8] The Lizard-Spock-Expansion. The Big Bang Theory, Staffel 2, Folge 8 der Fernseh­serie. Ausschnitt bei Youtube. Das machte Rock–Paper–Scissors–Lizard–Spock und damit auch den Erfinder Sam Kass in einem wenige Nerds über­stei­gendem Kreis bekannt.

[9] The Rothman Disintegration. The Big Bang Theory, Staffel 5, Folge 17 der Fernseh­serie. Viel­leicht um Urheber-​Querelen zu entgehen, sagt Sheldon: „Rock–Paper–Scissors–Lizard–Spock was created by Internet pioneer Sam Kass as an improve­ment on the classic game Rock–Paper–Scissors. All hail Sam Kass.“

[10] Herman Chamberland: Rock-Paper-Scissors meets Borromean Rings.

[11] The On-Line Encyclopedia of Integer Sequences. Folgen A096368 und A007079.

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