Mooresches Gesetz
Als ich von den Petabytes las, die Tag für Tag über Amster­dam in die Welt gebla­sen und aus ihr gesogen werden, konnte ich mir einen Schlenker zu den Bezeich­nungen noch größe­rer Daten­mengen nicht ver­kneifen. Und wer sogar für eine Ü35-​Party zu alt ist, wird sich noch an Kilos erinnern, die schnell zu Megas und Gigas wurden. Es sieht so aus, als würde alle zwanzig Jahre eine neue Vorsilbe zum Zeichen der Ver­tausend­fachung ver­braten. Es ist noch nicht lange her, da die Frage gestellt wurde, was das Haupt­pro­blem sei, einen Ronald-​Reagan-​Simulator in zwei Kilobyte zu pro­gram­mieren. Antwort: Was mache ich mit dem einen Kilo­byte, das übrig­bleibt?

Das Tausendfache in 20 Jahren sind eine Verdoppelung in zweien. In aufbau­schen­den Berichten ist immer wieder von 18 Mona­ten zu lesen. Gerne sucht man auch Teil­berei­che, in denen es zeit­weise nur ein Jahr dauert, wie beim Daten­durch­satz des Inter­net-​Knotens AMS‑IX. In diesem Zusam­men­hang wird gerne vom Moore­schen Gesetz gespro­chen, das sich ursprüng­lich auf die Zahl der Transi­storen bezog, die auf einem Chip Platz finden.

Wer sich in der Wikipedia ein Bild mit den gängigen CPU ansieht, die mit dem Loga­rithmus der Tran­sistor­zahl n gegen das Erschei­nungs­jahr a aufge­tragen sind, sieht sie ziemlich genau auf einer Geraden liegen. In sehr guter Näherung gilt tatsäch­lich

n ≈ 1000(a−1949)/20 ≈ 2(a−1949)/2

Zwar konnte man 1949 mit einem Transistor noch keine CPU bauen, doch schon kurze Zeit später mit Tran­sistor­radios in der Öffent­lich­keit nerven. Wer etwas auf sich hielt, der hatte einen Tran­sistor mehr als der andere, viel­leicht sogar einen FET. Das war so bedeu­tend wie die Zahl der Steine in der Arm­banduhr.

Zwanzig Jahre später (a=1969, n=1.000) gab es bereits erste elektro­nische Tisch­rechner. Mein Ver­gnügen mit dem sagenhaften LOCI‑2 für über 20.000 Mark aus 1275 einzelnen Transistoren war gerade vorüber. Und nach abermals zwanzig Jahren (a=1989, n=1.000.000) brach auf den Schreib­tischen der Computer­freaks das 32‑Bit-​Zeit­alter an. Endgültig vorüber war damit meine 8080- und Z80-Zeit, in der man nur mit viel Aufwand über ein Speicher­volumen von 64 Kilo­byte kam.

Bald sind erneut zwanzig Jahre vergangen (a=2009, n=1.000.000.000), und tat­säch­lich liegt die Zahl der Tran­sisto­ren des Ita­nium‑2 nur noch um den Faktor 4 unter dieser Marke von einer Billion (Giga). Haupt­speicher wird schon lange Zeit in Giga­byte gemessen und die Fest­platten schicken sich an, die Terabit-​Marke zu erreichen.

Das Mooresche Gesetz mit Verdoppelung in zwei Jahren wurde also über mein ganzes Leben hinweg erfüllt, jeden­falls für die Zahl der Tran­sistoren, die eine einzelne CPU eines Rechners hat, der noch auf einen Schreib­tisch paßt, seien sie mit der Hand gelötet oder in inte­grierten Schal­tungen versteckt. Zwar wider­strebt es mir, exponen­tielle Entwick­lungen in die Zukunft fortzu­schreiben, im Compu­ter­bereich werden sie aber noch eine Weile anhalten. Zu oft wurde eine vermeint­liche Techno­logie­grenze über­schritten.

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