Dritte Ableitung
Nach einem Jahr Corona wachsen die Kopf­zahlen zwar beständig, locken aber keinen mehr hinter dem Ofen vor, wenn nicht gerade eine Dezi­male mehr erfor­der­lich wird, zumindest die füh­rende Ziffer hochge­zählt werden muß. [1] Weitaus bedroh­licher wirkt die aktu­elle Entwick­lung, also die erste Ablei­tung, die uns in Form einer Sie­ben­tage­inzi­denz daher­kommt. Die war in schwin­delerre­gende Höhen gestie­gen [2], an die wir uns gewöhnt hätten, uns aber auf die Schulter klopfen konnten, da sie von 200 kommend auf weniger als ein Drittel schrumpf­te. [3] Mit dem Sinken beob­achten wir die zweite Ablei­tung, die man uns in der ersten Welle als R-Wert zumu­tete und dessen Fallen und Steigen die dritte Ablei­tung bein­hal­tend uns über­for­derte.

Zwischenzeitlich hat man Erfahrung gesammelt, dank der Herrn Lanz mit der Erkennt­nis punkten konnte, daß eine Halbie­rung von 200 auf 100 so schwierig sei wie eine von 70 auf 35. Das ist weit­gehend richtig und erschwert leider, nach­lassende Anstren­gungen im Nieder­gang zu erkennen, ob er in Stagna­tion und Wieder­anstieg über­gehen könnte. Immerhin beschäf­tigt man sich mittler­weile zuneh­mend vernünf­tiger mit den Zahlen, weshalb diese Gefahr schon vor andert­halb Wochen erkannt und nicht wie im Juni letzten Jahres über­sehen, igno­riert und bei­seite gehofft wurde.

Hätte das Robert-Koch-Institut die R-Werte nicht nach­lässig, geschönt und stark schwan­kend rausge­hauen und dann auch noch dubios korri­gierte Ver­gangen­heits­werte nachge­laden, sie also nicht beständig diskre­ditiert, könnte man ihnen unmit­telbar ent­nehmen, wo wir unab­hängig von den bereits Infi­zierten und auch unab­hängig von der derzei­tigen Last stehen: Unter 1 wird es besser, je tiefer, desto schneller. Steigen die R-Werte, kann man mit einem Lineal ermessen, wann sie die Eins­linie nach oben durch­stoßen werden und alles wieder schlechter wird.

Die Zahlen sind hoch und ebenmäßig genug, um daraus recht genau eine stabile dritte Ablei­tung zu berechnen. Das erlaubt die Fest­stel­lung, daß der R-Wert bereits deut­lich über der 1 liegt und zur Zeit um fast zwei Prozent täglich steigt. Das möchte nicht jeder hören. Es ist aber so. Man kann den Menschen gerne Mut machen, wenn man ihnen zugleich vermit­telt, daß sie zur Erfül­lung ihrer Hoff­nungen die Arsch­backen stärker und dauer­haft zusammen­kneifen müssen. Dazu reicht ein Blick auf die Zahlen:

In Deutschland 242.000 Infizierte (positiv Getestete) und 70.000 Tote (an oder mit Corona gestorben) insge­samt. Tag für Tag 7850 Infizierte mehr, mit stei­gender Tendenz (R=1,06), die täglich um 0,02 wächst. Auch 330 Tote pro Tag (Krebs 630, Drogen 4), zwar sinkend (R=0,86), doch gemessen an den Infi­zierten zwei Wochen zuvor bei 4,2 Pro­zent stag­nie­rend. Sieben­tage­inzi­denz 66, Ver­doppe­lung der Infi­zierten in den letz­ten 79 Ta­gen, bei gleich­blei­ben­dem R=1,06 eine Ver­doppe­lung der Sieben­tage­inzi­denz binnen 48 Ta­gen von 66 auf 132.

Er ist zwar verständlich, bei wieder anziehenden Zahlen, Menschen damit trösten zu wollen, daß immer weniger sterben, doch täuscht das nicht darüber hinweg, daß mit der zweiten Welle 60.000 in den Sand gesetzt wurden und eigent­lich auch die 10.000 Toten der ersten nicht hätten sein müssen, wenn man die nullte Welle im Februar ernst genom­men hätte. Nun wird von Impf­er­folg geredet und von einer Reduk­tion der Sieben­tage­inzi­denz von 200 auf 70 für Menschen über 80 im Laufe des Februar. Ver­schwie­gen wird jedoch, daß dieser Effekt von den Jün­geren wieder aufge­fressen wurde. Das auf Muta­tionen zu schieben, ist billig. [4]

Schon in der ersten Welle fiel mir auf: Zieht Unheil herauf und wird mit Ein­schrän­kungen gedroht, steigen die Anstren­gungen. Tritt Gewöh­nung ein, ist Öff­nung oder gar Besse­rung in Sicht, lassen sie nach. So war mir auch klar: Wird geimpft, denken viele, das Ende sei nahe, und erei­fern sich nur noch über die Geschwin­dig­keit. Um dauer­haft unter R=0,8 (Halbierung in zwei Wochen) zu kommen, sind Zwangs­maß­nahmen erfor­der­lich. Dazu wird es nicht kommen. Wir warten drei Monate, bis der Impf­vorteil die Igno­ranz kompen­siert, und dann bis Weih­nachten, da jedem ein „Impfangebot“ unter­breitet wurde und sich kaum Unschul­dige noch infi­zieren oder gar sterben.

[1] Bis Weihnachten sollten 10 Millionen Tote in der Welt und 100.000 in Deutsch­land zu schaffen sein.

[2] In der ersten Welle hatten wir in der Spitze 6000 Infizierte am Tag. Auf 83,5 Mil­lio­nen Ein­wohner umge­legt ergibt das eine Inzi­denz von 50 pcm pro Woche (Sieben­tage­inzi­denz 50).

[3] Von maximalen 217 in der Woche um den 4. Advent auf min­imale 60 zum Valen­tinstag. Das Robert- Koch-​Institut mußte sich wegen bekannter Rechen­tricks nie über 200 wagen.

[4] Schon lage hege ich den Verdacht: Sind die Verhältnisse in einem bunten Land katastrophal, so wird zur Rassimusvermeidung eine neue Mutation postuliert. Natürlich findet man eine. Der schiebt man dann alles zu. Das ist Virologie heute.

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