Rerouting
Inzwischen nimmt ja die Zahl derer zu, die wissen, was ein Hub ist. Und das nicht nur, weil sie einen auf dem Schrei­tisch haben, um die zahl­reichen Geräte bis hin zum Tassen­wärmer zu steuern. Heut­zutage sind es sogar Switche. Und viele haben auch ein Router genanntes Gerät im Flur stehen, das Gott sei Dank im Gegen­satz zu großen Netz­werken nur wenige Routen bewäl­tigen muß. Fällt dieser Router aus, nimmt ihm keiner die Arbeit ab.

Das ist in großen Netz­werken natür­lich anders. Und dank unserer Bahn und ihres Total­aus­falles wissen wir nun, wie wichtig ein funk­tio­nie­rendes Rerou­ting ist, vor allem dann, wenn eine Kom­po­nente aus­fällt oder gar abge­baut wird, was auch bei schlich­tem Strom­ausfall ein funk­tionie­rendes Netz­werk nur kurz zucken lassen sollte. Dieses Rerou­ting findet dauernd statt, nicht nur, um fah­rende Züge zu ver­folgen, auch um Lang­sam­keiten und Über­la­stung auszu­glei­chen oder ein­fach nur Geld zu sparen. Und mich wundert nicht, daß gerade deshalb bei der Bahn der Tausch nur eines Rou­ters in einer Kata­strophe endete.

Ich nehme einmal an, daß die Abschal­tung eines Routers allein dank eines funk­tio­nie­ren­den Rerou­tings keine Pro­bleme berei­tete, sollte das doch jedes Jahr einmal geste­stet werden, indem man ihn einfach ohne Vorwar­nung aus­schal­tet. Vielmehr wird der neue Router dank einer Super-​Duper-​Soft­ware oder man­geln­der Kon­figu­ration einfach Chaos im Gesamt­system ange­rich­tet haben. Die Fehler­behe­bung ist also ganz einfach: Neuen Router aus­schal­ten, evtl. alten wieder in Betrieb nehmen.

Aber wie kommt man auf auf solche Fehler­ursa­chen? Sehr, sehr oft durch die ehr­liche Beant­wor­tung der Frage: Was wurde in letzter Zeit oder gar soeben geän­dert? So diese Frage über­haupt gestellt wird, halten sich alle bedeckt und das Maul. Also beschäf­tigt man teuere Spe­ziali­sten und Fremd­firmen, um die Ursache zu finden, die sich fast immer als völlig banal, oftmals bekannt heraus­stellt. Ähn­lich den poli­zeibe­kannten Tätern, die sich hinter dem unsicht­baren Ele­fanten ver­stecken.

Warum schreibe ich das? Weil es mir ähnlich wider­fahren ist. Plötz­lich wurden unsere sechs Datex‑P-​Router teil­weise sehr lahm­arschig. Teure Spe­ziali­sten suchten nach dem Fehler, ich schrieb Soft­ware, um die Netz­ausla­stung zu über­wachen. Und was war nach vielen, vielen Tagen das Ergeb­nis? Alle Router wurden mit eine Super-​Duper-​Soft­ware aus­gestat­tet, um sie gleich­mäßig auszu­lasten. Die hatte völlig versagt. Ständig schob der eine die Arbeit auf einen anderen ab.

Und was mußte ich mir nicht sagen lassen, aber selbst vor­werfen? Nicht dafür Sorge getra­gen zu haben, daß ich über alle Arbei­ten infor­miert werde, auch wenn sie von Schreib­tisch­tätern über mir in die Wege gelei­tet wurden. Ich ver­traute darauf, daß sünd­haft teure Mitar­beiter von Fremd­firmen wissen, was sie tun, und ihre Fehler nicht tage­lang von denen einer anderen Firma suchen lassen. Das ist nicht die ver­sehent­liche Abschal­tung mehrerer redun­danter Verbin­dungen gleich­zeitig oder unbeab­sich­tigtes Herunter­fahren eines Rechners, der in zehn Minuten wieder läuft, sondern groß­räumig ange­legte Unfähig­keit.

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