jeder - alle
Da sitzen sie wieder bei Sabine Christiansen, beklagen sich über Löhne, von denen man nicht leben kann, und die in Deutschland besonders ausgeprägte Auswahl nach Herkunft und Geschlecht, gehören aber selbst vorwiegend zu denen, die es zu einem bescheidenen bis üppigen Auskommen gebracht haben. Die schlechten Rand­bedingungen überhöhen geradezu ihr Credo: Jeder kann es zu etwas bringen!

Überrepräsentiert ist wieder einmal der Sport, hier als ein Mittel, sich an die Spitze zu kämpfen, erfolgreich und bekannt zu werden, zumindest aber eiserne Disziplin zu üben. Und doch ist gerade der Sport ein Beleg für das Gegenteil, denn die Zahl der erringbaren Titel an der Spitze steigt nur unwesentlich, wenn alle die Sportler­laufbahn einschlagen. Jeder kann Olympia­sieger werden, aber eben nicht alle.

Immer wieder wird ausgenutzt, daß zwischen "jeder" und "alle" nicht unter­schieden wird. Es werden einige vorgeführt, die irgend etwas können oder haben. Dann wird behauptet, jeder könne dies ebenfalls, wenn er nur wolle. Und das Volk glaubt tatsächlich, alle könnten es so zu etwas bringen. Wohlstand, ja Reichtum für alle!

Für diesen falschen Schluß von "jeder" auf "alle" wird gerne die Mathematik herangezogen: Gilt etwas für jedes x, so gilt es auch für alle x und umgekehrt. Das stimmt: Ist jeder reich, sind alle reich. Aus den täglichen Leben aber wissen wir: Alle Menschen sind gleich. Aber "jeder Mensch ist gleich" wird sofort als fehlerhaft formuliert erkannt. Ist das wieder ein Beispiel für die Beschränkt­heit der Mathematik?

Das mögen einige oder die meisten gerne weiterhin glauben. Sie meinen ja auch, jeder könne etwas werden, wenn nicht sogar alle.

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