Die 4 steht!
Meine Vorhersage vor drei Monaten: 4,0%
Forderung der IG Metall:   6,5%
Angebot der Arbeitgeber:   2,5%
meine Rechnung: √(6,5·2,5)=4,03

Erreichtes Ergebnis: effektiv 3,7% pro Jahr
4,1% und 1,7% bei 19 Monaten Laufzeit, also: (1,041·1,017)^(12/19)=1,0367

Erfolgsrechnung für Arbeitgeber: 2,9% im Jahr
4,1% in 2007 und 1,7% in 2008 oder später: (4,1+1,7)/2=2,9

Erfolg der Gewerkschaft: die 4 steht!
Erhöhung in 2007             4,1%
Erhöhung in 2008             1,7%
400 Euro einmalig (1)        1,0%
5 mal 0,7 Prozent (2)        0,3%
                             ----
in 19 Monaten Laufzeit       7,1%
im Jahr 12/19 davon          4,5%

(1) bei 40.000 Euro brutto im Jahr
(2) 0,7·(5/12)=0,29

Die 4 steht! Vor dem Komma der sofortigen 4,1 Prozent und vor den jähr­lichen 4,5 Prozent laut Rechnung! Soweit meine Einfüh­rung in die krea­tive Mathe­matik.

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Die Arbeitgeber haben sich tatsäch­lich auf 3,3 Prozent jähr­lich runter­gerechnet. Wahr­schein­lich gehen sie dabei von 0 Prozent für Zulagen aus.

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Eigentlich ist es selbst­verständ­lich, wird aber in aller Deut­lich­keit nur vor dem Tarif­abschluß gesagt: Einmal ist keinmal! Jedes Promille Erhöhung des Grund­gehaltes bleibt auf ewig, jeder noch so schöne Einmal­betrag ist in der nächsten Runde weg. Das sieht zunächst jeder ein. Wenn es aber Jahr um Jahr 3,7 auf immer und 1 Prozent einmalig gibt, sitzen viele sicher­lich dem Irrtum auf, es seien insge­samt doch wenig­stens 4 Prozent lich. Dem ist leider nicht so:
ewig + einmal    10 Jahre  20 Jahre  30 Jahre  40 Jahre
3,7% und 1,0%      12,4      30,2      55,9      92,7      
3,7% und 2,0%      12,5      30,5      56,4      93,6
3,7% und 3,0%      12,6      30,8      56,9      94,5
3,8% und nix       12,3      30,3      56,3      94,1
Ein Beispiel, wie die Tabelle zu lesen ist: Bekommt man jedes Jahr 3,7% mehr Grund­gehalt und eine Einmal­zahlung von stolzen 2%, so kassiert man in den nächsten 30 Jahren das 56,4‑fache des derzei­tigen Jahres­gehaltes.

Wer nur noch 10 Jahre zu arbeiten hat, für den mögen 3,7% und 1% gerade noch gün­stiger sein als der Verzicht auf die Einmal­zahlung bei einer gering­fügig stär­keren Erhöhung von einem Promille. In 20 Jahren sieht das schon anders aus. Und wer noch 40 Jahre vor sich hat, liegt mit andert­halb Monats­gehäl­tern zurück. Das nicht viel erscheinen, doch muß eigent­lich nicht nur an das eigene Einkommen, sondern auch das der nächsten Genera­tionen gedacht werden. Aber ich will nicht drama­tisieren. Sonst hätte ich auch noch eine Spalte mit 100 Jahren angefügt.

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Das wollte ich auch anmerken. Die Einmalzahlungen sind Augenwischerei, da sie nicht langfristig wirksam sind.

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Die Arbeitgeber hätten sich am liebsten sich auf eine Einmal­zahlung beschränkt, weil sie immer wieder Angst haben vor Löhnen, von denen sie nicht wieder runter kommen. In Ordnung ist eine Einmal­zahlung für die Monate, in denen verhan­delt wurde. Und die 400 Euro sind mehr als nur eine Entschä­digung für eine um zwei Monate verscho­bene Erhöhung um 4,1%, gleich­wohl 4,3% ohne jeden Schnick­schnack natürlich besser wären. Aber Verhand­lungen enden eben immer mit Kompro­missen.

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Anderthalb Jahre später steht die vier schon wieder.

Meine Vorhersage: 4,1%
Forderung der IG Metall: 8,0%
Angebot der Arbeitgeber: 2,1%
Einigung der beiden bei: 4,2%
meine Rechnung: √(8·2,1)=4,10
Erreichtes Ergebnis: effektiv 2,8% pro Jahr

Mit 4,2% wurde ein Promi­lle mehr erreicht als ich voher­gesagt hatte. Es sind zweimal 2,1% bei 18 Monaten Lauf­zeit. Die Rech­nung (1,021)^(4/3)=1,028 liefert 2,8% pro Jahr. Das ist noch magerer als vor andert­halb Jahren.

Die Erfolgs­rechnungen der Arbeit­geber und der Gewerk­schaft stehen noch aus.

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Ein Jahrzent später steht die 4 wieder. Ich hatte wegen sqrt(6·2) mit 3,5 Prozent gerechnet. Es wurden mit 4,3 aber mehr. Hinzu kommen für die meisten Arbeit­nehmer 2,0 Prozent Zusatz­entgelt. Und wenn ich es recht verstanden habe, noch 400 Euro nicht einmal, sondern jedes Jahr dazu. Wenn ich die mit 1 Prozent bewerte, so sind es 7,3 Prozent, was sich nicht sehr von den Arbeit­geber­angaben von 7,7 Prozent unter­scheidet. Bei zwei Jahren Lauf­zeit ergeben sich natür­lich wieder keine 4 Prozent jährlich. Die wären sehr hoch gegriffen. Doch die etwa 3,5 Prozent sind mehr als ordent­lich, zumal gleich­zeitig noch immate­rielle Ände­rungen ausge­handelt wurden.

Für welche Seite Flexi­bili­sierung mehr Vor- als Nach­teile erbringt, hängt von den konkreten Ausge­stal­tungen ab. Im Idealfal profi­tieren sowohl Arbeit­nehmer als auch Arbeit­geber. Verbesse­rungen für die Beschäf­tigten sind vor allem dort zu erwarten, wo starke Betriebs­räte in der berühmten „vertrauens­vollen Zusammen­arbeit“ mit dem Arbeit­geber die Spiel­räume ausge­stalten, also dort wo die IG Metall stark vertreten ist. Das zieht gerne den Vorwurf nach sich, Gewerk­schaften kümmer­ten sich nur um ihre Klientel. Das dürfen sie auch, denn die anderen sparen sich das eine Prozent vom Brutto­lohn. Trotzdem erhalten auch nicht­organi­sierte Mitar­beiter die Lohner­höhung. Im allge­meinen zur Erhal­tung des Betriebs­friedens, späte­stens aber mit der All­gemein­gültig­keit eines Tarif­vertrages. Und selbst in Ausbeuter­berei­chen müssen die Arbeit­geber irgend­wann nach­ziehen.

Die IG Metall hat durch Zurück­haltung in den letzten Jahren eine gut gefüllte Streik­kasse aus den Bei­trägen ihrer Mit­glieder. Wer sich die gespart hat, mag gerne auf Gewerk­schaften schimpfen und sich wilder gebären als der Arbeit­geber­verband mit eben­falls ordent­lichen Ein­nahmen aus den Mitglieds­betrieben. Zwischen diesen beiden Tarif­partnern wird hart verhan­delt. Jeder anerk­ennt aber die Inter­essen des anderen. Keiner macht daraus eine persön­liche Sache. Fühlt ein Betrieb sich zu stark belastet, kann er aus dem Arbeit­geber­verband austreten. Der springt ihm aber nicht bei, wenn es zum Streik kommt. Sowohl Arbeit­geber als auch Arbeit­nehmer sind gut beraten, sich zu organi­sieren und Verhand­lungen den Profis zu über­lassen. Soli­darität ist gerade auf Arbeit­nehmer­seite gefordert, auch von denen, die voraus­sicht­lich nie streiken werden und sich auch keine anderen Vorteile von einer Mitglied­schaft verspre­chen.

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