Lug und Trug
Schon nach wenigen Minuten der noch laufenden Sendung "Uri Geller live - Ufos & Aliens: Das unglaub­liche TV-Expe­riment" habe ich soviel Schwach­sinn gehört, daß ich ein ganzes Jahr darüber bloggen und mich aufregen könnte. Schon zu Beginn wurde eine Figur verwendet, die ich nicht rheto­risch, sondern unred­lich nennen möchte:

Erst wird eine abstruse, zumindest aber spekulative Behaup­tung A aufge­stellt, dann wird über eine schwächere Aussage A' schwa­droniert und Zustim­mung erheischt, um die dann als eine zu A auszu­geben. Wenn dies einer bemerkt und den ganzen Vorgang nicht in die Tonne haut, sondern auf diesen Trick, auf den über­sehenen Strich aufmerksam macht, dann ist er ein Ungläu­biger, ein Igno­rant, ein Posi­tivist.

In der Sendung steht A für "uns haben Außer­irdische besucht" und A' für "es gibt außer­irdisches Leben". Immer und immer wieder sagen Leute, daß sie an die Existenz von Außer­irdischen glauben, und regel­mäßig macht vor allem Uri Geller daraus einen Beleg für die Existenz von Ufos und Aliens auf der Erde.

Ungläubige zu diffamieren, hat man im Fern­sehen natürlich nicht nötig, schließ­lich bestimmt man umfas­send selbst, was gesendet wird und was nicht. Lieber inte­griert man einen mode­raten Skep­tiker und befragt tele­fonsich die Bevöl­kerung: "Was meinen Sie: Gibt es außer­irdisches Leben?" Vor der Sendung waren es 16 Prozent [1]. Heute abend würden mich 60 Prozent nicht wundern.

Auch vor anderen Versatzstücken schrecken Uri Geller und die Effekt­hascher des Fern­sehens bekannt­lich nicht zurück. Mehr dazu in den Kommentaren.

[1] 16 Prozent der Deutschen glauben an Außerirdische: ... News aktuell, 29.10.2008

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Am Ende der Sendung das überwältigende Ergebnis: 93 Prozent der Anrufer meinten, es gäbe außerir­disches Leben. Uri Geller gibt an, 40 bis 60 Prozent erwartet zu haben, und sieht darin einen Erfolg der Sendung, die soviele Infor­mationen gegeben habe, daß die Menschen nun über­zeugt seien. Daneben wirkt Erich von Däniken geradezu weise: Weltweit glaube eine Mehrheit an die Existenz fremder Intel­ligenz, weil wir ja nicht so arro­gant sein wollen, uns für die einzigen zu halten. Dieses Stich­wort nimmt der naiv wirkende Mode­rator Stefan Gödde gerne auf: Deshalb haben wir ihnen heute auch eine Nach­richt gesendet.

Zu einer Antwort gezwungen hätte auch ich mich überzeu­gungs­gemäß zu den 93 Pro­zent schlagen müssen. Warum sollten in den Weiten des Raumes nicht intel­ligente Wesen entstanden sein, die uns sogar weit voraus sind und für uns schon Jahr­tausende Botschaften ausstrahlen, die bei uns noch nicht ange­kommen sind oder nicht gehört wurden? Und wenn wir sie eines Tages empfangen, dann gibt es die Absender viel­leicht gar nicht mehr. Uns werden sie noch nicht gehört haben, gleichwohl wir nicht erst seit heute und dank Pro-Sieben senden, sondern fast 100­Jahre Hörfunk betreiben.

Behauptete oder glaubte ich, es gäbe kein intelli­gentes Leben außerhalb der Erde, sähe ich mich gezwungen, Argumente für diese Einzig­artigkeit zu nennen und zu belegen, warum auf aber­millionen Planeten mit ähnlich günstigen Verhält­nissen nichts passiert ist. Das ginge doch nur durch die Annahme über­natür­licher Einflüsse, wie dem Wirken eines Gottes. An ihn kann ich aber auch glauben, ohne mir ein falsches Bild vom Rest des Univer­sums zu machen.

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Am Morgen nach Uri Geller schlägt mir Google-News einen Artikel [1] vor, in dem der bemer­kens­werte Abend zusammen­gefaßt ist. Darin ist unter 21 Uhr 30 auch mein Gedanke der ersten Stunde fest­gehalten: Wann kommt endlich Werbung?

[1] Beate Strobel: Nachricht ins Uriversum. Focus-Online, 16.11.2008.

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Beate Strobel erwähnt in ihrem Artikel ein weiteres Detail, das mir eben­falls auffiel: Das Tele­skop ist verrostet. Und als ich dann noch "die besten Wissen­schaftler aus ganz Europa" in ihrem Kontroll­raum genannten Klassen­zimmer sah, glaubte ich mich in einem Science-Fiction-Fim der Fünf­ziger Jahre, in dem alle Russen blöd waren.

Modern, wenn auch etwas albern kam mir das Notebook vor, in das einer der "besten Wissen­schaftler aus ganz Europa" die CD mit den Botschaften der Zuschauer einlegte, um sodann die Über­tragung mit einem Knopf eines Kästchens zu starten, das aussieht wie ein elek­trischer Türöffner.

Wahrscheinlich tue ich den "besten Wissen­schaftler aus ganz Europa" damit Unrecht, denn möglicher­weise wird mit dem Knopf nur eine Sirene ausgelöst, die im Anschluß zu hören ist. Möglicher­weise gibt es sie wirklich und soll versprengte Techniker auffordern, aus dem hochener­getischen Sende­strahl zu treten. Sogar der gleich­zeitig über den Parabol­spiegel huschende Licht­kegel könnte echt gewesen sein.

Nachträglich frage ich mich, warum nicht ein größeres Radio­teleskop der freien west­lichen Welt genommen wurde. Wahr­schein­lich war das Areciba-Obser­vatorium, in dem bereits James Bond turnen durfte, zu teuer oder nicht bereit, nach heute genau 34 Jahren erneut einen Spaß in den Weltraum zu senden. Andere Betreiber von Radio­teleskopen auch nicht, wenn sie überhaupt senden können.

Zum reinen Empfang muß man immer größere Anlagen bauen, um immer selek­tiver immer schwächere Signale wahr­nehmen zu können. Um aus welchem Grunde auch immer ein starkes Signal zu senden, nützt die schiere Größe kaum. Es kommt vor allem auf die Sende­leistung an. Doch wozu könnte man Gigawatt in den Weltraum blasen wollen?

Und damit zu einer interes­santen Frage: Was macht man in der Ukraine mit einer Sende­anlage von 70­Metern Durchmesser? Doch wohl keine profes­sionelle Kommuni­kation mit Außer­irdischen. Und für die Kommuni­kation mit SatelVliten reichen 10 Meter gut aus. Wollten sie damit notfalls die Elektronik feind­licher Raketen oder Satel­liten ausschalten und suchen nun eine Beschäf­tigung beim Fernsehen? Oder sind sie wirklich Profis, die mit planeta­rischem Radar Entfernungen und Bewegungen genau messen?

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Ich gehöre nicht zu den Leuten, die gleich alles für getürkt halten, weil es in einem abstrusen Zusammen­hang erscheint. Oftmals ist es viel billiger, die Realität geschönt und über­trieben abzu­bilden. Und wenn sie in der Ukraine auch nicht so aussehen, arbeiten sie dennoch wirklich an einem großen Radio­teleskop, auch Fachleute aus dem Ausland. Keineswegs abgehalf­terte Militärs, auch wenn das Radio­teleskop laut Pro-Sieben in militä­rischem Sperr­gebiet [1] liegt.

Zwar gibt es größere Anlagen mit höherer Leistung, doch das RT-70 bei Evpa­tonia [2] ist das größte Radio­teleskop Europas, das mit hoher Leistung senden kann. Im Gegensatz zu dem James-Bond-Tele­skop bei Areciba ist es in alle Rich­tungen frei schwenkbar. Möglicher­weise hat uns der Infotain­ment-Clown Daniel Aminati im Fernsehen nicht das wirk­liche Kontroll­zentrum [4] gezeigt, oder es geht dort etwas betu­licher zu als in der freien hekti­schen Welt. Aber hinter dem Mond lebt man dort sicher nicht. Sowjets waren die ersten im Weltraum, wenn auch mit Gardinen vor dem Fenster.

Um Schwachsinn in den Weltraum zu schießen, hätte sicher­lich auch eine kleinere Schüssel gereicht. Doch wo hat man schon solche Anlagen? Dort wo man auch mit Antworten rechnet. Zum Beispiel mit dem Echo des eigenen Signales. [3] Und um das zu hören, benötigt man tatsäch­lich eine große Schüssel. Der Sinn liegt eigent­lich auf der Hand, nämlich mit Radar Position und Bewegung von nahen Himmels­körpern zu bestimmen. Das bereitet uns auch auf Außer­irdische vor, nicht lebende, sondern tote, die sich tatsäch­lich einmal auf Kolli­sions­kurs befinden könnten.

In der Ukraine scheint man mit Nach­richten an unsere Freunde im Weltraum eine neue Einnahme­quelle entdeckt zu haben. So benötigte Pro-Sieben mit der 33 Jahre laufenden Nachricht zu Hip 4872 nicht besondere Kreati­vität, denn vor einem Monat sendete eine Web-2.0-Gemein­schaft [5] ebenfalls über das RT-70 ein ähnlich sinn­schweres Nach­richten­paket an Gliese 581 c, das dort schon in 21 Jahren ankommen wird. So scheidet auch aus, daß die kurz­zeitigen Aufre­gungen unter den Bedien­steten des RT-70 darauf zurück­zuführen sind, daß Vorge­setze erst aus dem Fern­sehen von dem Treiben erfahren hatten. Oder doch nicht?

[1] 18th International Conference Microwave & Telecommunication Technology 2008. "The trip includes visiting of radio-telescope RT-70, which is followed by the rest on Yevpa­toria beach and wine-testing at Bakhchi­saray Wine Works."
[2] S.V. Malevinskiy, A.A. Konovalenko: Radio telescope RT-70 in world networks of radio inter­fero­meters with very long bases. "Antenna RT-70 located in Nati­onal Space Faci­lities Control and Testing Center, National Space Agency of Ukraine, Evpa­toria, is one of the greatest antenna systems in the world and a single recei­ving antenna in Europe, equipped with the high-power trans­mitter."
[3] S.V. Malevinskiy, A.A. Konovalenko [2]: "... echo-signals from the aste­roid 2004 XP14, Mars, Venus, Moon, and also from more than 100 objects of space debris on various types of orbits were received."
[4] National Space Facilities Control and Testing Center, Eupatoria. NPO Intercos. Der Kontrollraum sieht tatsächlich aus wie ein Klassenzimmer. Auch die Kästchen mit den Knöpfen sind gut zu erkennen.
[5] Social Network sendet Botschaften ins All. Grenz-Wissenschaft-Aktuell, 10.10.2008

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Wenn ich nicht wüßte, daß die merkbe­freite Nina Hagen wirklich an Ufos und Aliens glaubt, hätte ich ange­nommen, sie würde sich neben Uri Geller sitzend über die Außerir­dischen und mentale Kräfte lustig machen. Wenn sie über­haupt zuhörte, ging sie nicht auf die Fragen des Mode­rators ein und erzählte irgen­deinen Klops. So hielt sie eine Banane ans Ohr und wollte die Außer­irdischen fragen, ob sie eine Bananen­republik kennen. Nach ihren Gedanken zur Vorfüh­rung von Vincent Raven gefragt, antwortet sie: Ich denke gar nichts. Und später gibt sie an, das Neue Testa­ment zu schreiben, jeden Tag neu.

Eingeführt wurde sie im Rahmen einer Spuren­suche in Roswell durch das Männer- und Auto­magazin-Wunder Verena Wriedt. Eine Spur war die Spuren­sucherin Nina Hagen, deren eigener inhalts­befreiter Bericht aus ebenfalls Roswell im Anschluß an diese unglaub­liche Show mit Uri Geller gesendet wurde. Dazu vom Amateur-Menta­listen und -Moderator Stefan Gödde: Was Sie darüber denken, überlasse ich ihnen, doch wie können wir so anmaßend sein zu denken, wir seien allein im Universum. Da ist er wieder, der unzu­lässige Rück­schluß auf die eigene Wahrheit durch Unter­stellung einer falschen Behaup­tung der Kritiker.

Von Ihrer Spurensuche hatte Nina Hagen ein abge­schnittes Elektro­kabel mitgebracht, mit dem sich ein Misch­ling [1] als Kind vor Aliens schützte. Fein aufge­wickelt schenkte sie es Uri Geller. Der will es daheim in seinen Schrein legen, in den nur ganz beson­dere Gegen­stände kommen. Und dann wurde auch noch der Ausschnitt aus Nina Hagens Bericht gezeigt, wo dieser Misch­ling das Kabel in die Steck­dose steckt und mit beiden Händen jeweils ein blankes Ende festhält. Nicht ohne vorzu­führen, wie die Funken schlagen, wenn sich beide berühren. Was man nicht alles mit einer Auto­batterie machen kann!

[1] Kein amerikanischer Mestize oder Mulatte, sondern von einem Alien gezeugt und von einer mensch­lichen Mutter geboren. Warum nicht umgekehrt? Zwar will auch ein Mann Sex mit einer Alienin gehabt haben, doch raus­gekommen ist dabei nichts. Eine außer­irdische Mutter würde mich mehr beein­drucken als ein Vater vom Mars, der nur mal schnell Ziga­retten holen flog.

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Die besten Zeiten des Uri Geller sind lange vorbei. Ich kann mich noch erinnern, wie er im Fernsehen vor wirklich großem Publikum Löffel bog. Auch an eine kleine Zeitungs­notiz, laut der er zuge­geben haben soll, alles sei nur ein Trick gewesen. Zwischen­zeitlich macht er mit mehr Langeweile vor weniger Zuschauern und dafür verlän­gerten Auftritten mehr Geld. Wer will ihm das vorwerfen in einer Zeit, da Milliarden­betrüger sich bereits verkrümelt haben und Milli­onen Speku­lations­gewinner stille schweigen. Doch Geld allein ist nicht die Trieb­feder, sondern hier wie dort Geltungs­sucht und die Über­zeugung, das Leben sein einem etwas von großer Bedeu­tung schuldig. Im Falle von Uri Geller ist es abseits vom Mammon der Glaube an durch ihn wirksame über­natür­liche Vorgänge, denen er nur ein wenig nach­hilft, weil sie das Licht der Öffent­lichkeit und erst recht das der Über­prüfung scheuen.

Er ist nicht abhängig vom Geschwafel eines Daniel Aminati, der Botschaften mit der unvor­stellbaren Geschwindigkeit von 300.000 Kilometer pro Sekunde ins Weltall schießen sieht, daß sie nach kurzer Zeit schon am Mars vorbei waren, dennoch aber erst nach über 30 Jahren ihr Ziel in unvorstellbaren 310 Billi­onen Kilo­metern erreichen werden, daß eine Antwort der Außer­irdischen nicht vor 2070 zu erwarten ist. Er glaubt auch nicht, daß nach einer halben Stunde sich der erste Unter­tassen­pilot meldet, der sich zur Beobach­tung der Mensch­heit im Asteroiden­gürtel versteckt hält. Noch nicht einmal an Aliens auf der Erde. Nein, er macht alles mit zeit- und raumlosen mentalen Kräften und dem Glauben an seinen Reise­führer, laut dem die Erde ein einziger Computer ist.

Der ganze Technik-Schnickschack dient Uri Geller nur zur Füllung der Sende­zeit und als Fakten­spender für unglaub­liche Zusammen­hänge. So hält er es für sehr bemer­kenswert, daß der von Verena Wriedt aufgetane letzte Augen­zeuge von Roswell kurz nach dem Bruch seines lebens­langen Schweigens verstarb. Als das Bild einer Staub­wolke mit einem punkt­förmigen Exopla­neten darin in die Kamera gehalten wird, ist er abermals erstaunt, wie kurz vor seiner Sendung diese Entdeckung gemacht wurde. Wahr­schein­lich weiß er wirk­lich nicht, daß eine zeit­liche Nähe nur zur Veröffent­lichung besteht. Und weil es eben nicht auf Technik ankommt, wird auch nicht lieblos ins All gefunkt sondern vorher ein erwei­terter Neun-Live-Countdown gestartet: 10-9-8-7-6-5-4-3-2-1-1-2-3. Deutsch runter- und hebräisch rauf.

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Na,
da haben Sie aus diesem Stuss aber ganz schön viel Blogstoff gesaugt - so gesehen hats sichs ja wohl gelohnt irgendwie.

Das eigentliche Wunder liegt für mich übrigens darin, dass Uri Geller seit seinen frühen löffelverbiegenden TV-Auftritten kaum gealtert zu sein scheint.

Aber wie auch immer: Man hätte mir schon die Werbeeinnahmen dieser Sendung überweisen müssen, damit ich mir sowas freiwillig ansehe. Ich habe mir vor Jahren schon im Internet so viel krudes Zeug angeguckt, auch zum Thema UFOs/Außerirdische/Marsgesichter und all das. Ich denke nicht, dass ich dazu von Mitmenschen noch irgendwas grundlegend neues (sprich: interessantes) erzählt bekomme. Wenn die Außerirdischen mich von ihrer Existenz überzeugen wollen, müssen sie sich schon selber bemühen.

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Ich schrieb ja bereits, daß ich mich ein ganzes Jahr über diesen Scheiß aufregen könnte. Ich habe ihn mir trotzdem in voller Länge angesehen, denn es ist schon sehr inter­essant zu sehen, wie unkri­tisch, unwis­send und naiv die ganze Blase ein­schließ­lich Publikum um Uri Geller herum doch ist. Die gäbe es auch ohne ihn.

Ich verstehe auch nicht die betei­ligten Wissen­schaftler und die Alibi-Skep­tikerin Johanna Klum. Ich gehe doch auch nicht in eine Talk­show, wie sie in "voll total" täglich auszugs­weise wieder­holt werden, um als normaler und vernünf­tiger Mensch meinem idio­tischen Bekannten die Meinung zu sagen oder gar über­zeugen zu wollen.

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Seinen Namen gedruckt zu sehen - manche begehen dafür ein Verbrechen - schrieb einst Gustave Flaubert. So weit muss man ja heute nicht mehr gehen für seine warholschen 15 Minuten Ruhm.

Ich erschauere aber in Ehrfurcht vor Ihrem Duldungsvermögen, das es Ihnen ermöglichte, das bis zum bitteren Ende durchzuhalten. Das hat nicht mal der neunlive-gestählte Medienblogger Stefan Niggemeier geschafft.

Im Übrigen verstehe ich auch nicht so recht, warum Erich von Däniken sich in einer solchen Runde mit vorführen lässt. Denn von den UFO-Spinnern scheint er mir noch einer von den intelligenteren zu sein.

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Mehr noch, ich habe danach auch noch Nina Hagens Spuren­suche in Roswell gesehen. Es war mehr ein Bericht darüber, wie sie den Bewohnern dieser Gegend sich selbst und ihre Begeg­nung mit den Außer­irdischen näher brachte.

Über Däniken werde ich wohl noch etwas schreiben, denn abseits seiner unver­änderten Auffas­sung machte er doch einen vernünf­tigen Eindruck, beschränkte sich auf normale Worte und verzich­tete auf Brim­borium.

Er sprach auch vom berühmten Maya-Kalender und sieht das Jahr 2012 klar kommen, weshalb er schon einmal darauf hinwies, daß die Abbil­dung auf unseren Kalender immer noch umstritten ist und möglicher­weise einfach nur eine neue Epoche beginne.

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Auch EvD
hat sich im Lauf der Jahre zu manch reißerischer These und weit hergeholten Schlussfolgerungen verleiten lassen. Trotzdem täte man ihm meines Erachtens unrecht, sein ganzes bisheriges Wirken als das eines Spinners in die Tonne zu treten. Er hat ein paar wirklich sehr interessante Fragen aufgeworfen und zwingt seine Antworten niemandem als Religionsersatz auf. Die Hypothese, hinter so mancher Gottheit der Vergangenheit hätten in Wirklichkeit außerirdische Besucher gesteckt, finde ich im Prinzip gar nicht mal so uncharmant. Das würde zumindest manches erklären, was ohne Zuhilfenahme dieser Annahme noch schwerer zu erklären wäre. Wenn ich etwa die Wahl habe, die seltsame Vision des Ezechiel als Erscheinung Jahwes zu deuten oder als Raumschiff, dann frage ich mich schon, welche Version jetzt unwahrscheinlicher ist.

Aber selbst wenn ich die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass es Leben außerhalb der Erde gibt und dass vielleicht auch schon mal Besucher von außerhalb da waren, dann folgt daraus für meine persönliche Lebenspraxis erst mal: nichts.

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Ja, Erich von Däniken hat sich sein Leben lang mit Außer­irdischen beschäf­tigt und das Inter­esse an Archäo­logie beför­dert, obgleich er nicht nur im geistigen Sinne ein aner­kannter Lügner und Betrüger ist. Viel­leicht ist es auch sein Erschei­nungsbild, was ihn mir im Vergleich zu modernen Gurus seriös wirken läßt.

Nach vierzig Jahren Erin­nerung an die Zukunft hat sich für mich nichts geändert. Da können Steine, Land­schafts­bilder und mathe­matisch konstru­ierte Pyra­miden noch und noch gefunden oder behauptet werden. Es bleibt mir immer die einfache Frage: Warum haben die tech­nisch so über­legenen Raum­fahrer nur Schwach­sinn hinter­lassen?

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Ich weiß nicht,
ob man das so pauschal sagen kann. Aber der Gedanke, dass sie keine Perlen vor die Säue werfen wollten, erscheint mir nicht so abwegig. Würden wir den Menschenaffen im Urwald am Ende einer Expedition unsere Ausrüstung inklusive geladener Gewehre dalassen?

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Natürlich könnten sie sich zurück­gehalten haben, wie es ja auch die höchste Maxime von Captain Kirk war, sich nicht in die Entwick­lung fremder Kul­turen einzu­mischen. Doch warum haben sie dann über­haupt etwas hinter­lassen, sich überhaupt gezeigt? Wenn sie Kontakt nicht vermeiden wollten oder konnten und auch die Erin­nerung der Menschen an sie nicht auszu­löschen vermochten, warum drückten diese sich in so primi­tiver und ver­steckter Weise aus?

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Auch mit dieser Frage
würden Sie einen wahrhaft UFO-Gläubigen wahrscheinlich nicht ins Schleudern bringen. Wenn die Besucher uns etwa während der Steinzeit besucht haben, dann lag es an uns und an unserer Entwicklungsstufe, dass wir nicht mehr von dem verstehen und korrekt memorieren konnten, was sie uns erzählt haben mögen. Vielleicht haben sie es auch geschnallt, dass unsere Vorfahren sie für Götter hielten, und es erschien ihnen nach einigem Nachdenken opportun, keine Anstrengungen zu unternehmen, um diesen Irrtum aufzuklären. Es müssen ja nicht nur die netten Jungs à la Fred vom Jupiter hier gewesen sein, vielleicht gab es ja tatsächlich sogar einen namens Moloch, der sich einen Jux daraus machte, Kinderopfer zu fordern, weiß mans?

Letztlich bleibt es halt alles reichlich spekulativ. Und selbst wenn ich nicht zu den Anhängern von Däniken oder gar von David Icke gehöre, muss ich auch sagen, dass ihre Widersacher auch nicht immer mit den allervernünftigsten Alternativ-Argumenten aufgewartet haben, wenn es darum ging, die Hypothese außerirdischer Anwesenheiten in der Vergangenheit zu widerlegen. Von daher habe ich kein Problem damit, die Frage, ob es mal Besuche gab oder gar immer noch gibt als weiterhin offen zu betrachten.

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Am letzten Samstag wurde nicht die erste Botschaft in den Weltraum gesendet. Im Jahre 1974 war man noch etwas seriöser und nicht an kurz­fristigen Erfolgen inter­essiert. Deshalb ging es mit beschei­denen 23 mal 73 Bit, aber zehnfacher Sende­leistung zum Stern­haufen Messier 13, wo in 22.800 Jahren sicherlich [1] irgendein Außer­irdischer diese Nachricht empfangen wird. Ob Mitte des 48. Jahr­tausend noch jemand aus dem mensch­lichen Geschlecht die Antwort hört, kann durchaus bezwei­felt werden. Falls doch, wird es nicht die erste sein.

Es war auch nicht die erste Botschaft mit schwach­sinnigem Inhalt. Während man bisher wenigstens abstrakte Bot­schaften voran­stellte, um den Außer­irdischen das Ver­ständnis der nach­folgenden Mensche­leien zu erleich­tern, pulvern das Fern­sehen und der moderne Mensch nur noch individuali­stisches Zeug raus. Pro-Sieben ist darin nicht Pionier und sendete mit hoher Leistung noch recht seriös im Vergleich zu Arte, die vor zwei Jahren einen ganzen Fernseh­abend [2] einfach nur Richtung Weltraum abstrahlten.

Es war auch nicht die erste Nachricht an ET, die vom Radio­teleskop bei Evpa­toria gesendet wurde. Auch die vom letzten Monat an Gliese 581 c nicht. Spätestens im Jahre 1999 hat man dort diese Einnahme­quelle entdeckt. Warum auch nicht? Wer kein Geld im Über­fluß hat, der muß sein Radio­teleskop eben vermieten.

Vor allem aber war es nicht die erste Botschaft Richtung Hip 4872. Die Nachricht "Cosmic Call 2" ist bereits fünf Jahre unterwegs. Wir können also mit einer Antwort schon im Jahre 2067 rechnen.

[1] Das muß ich zurücknehmen. Eine intel­ligente Spezies in einem Raum­würfel von 10.000 Lichtjahren oder auf 10 hoch 10 Sterne hielt ich gefühls­mäßig für möglich. Da muß auch auf mich das Alien-Gerede abgefärbt haben.
[2] Cosmic Connection

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Manche befürchten, Nachrichten in den Weltraum würden nur feind­selige Außer­irdische auf uns auf­merksam machen, wie auch aus Teilchen­beschleu­nigern schwarze Löcher entwei­chen könnten, die unsere Erde auf­fressen. Weniger habe ich davon gehört, daß die Kontakte eines Vicent Raven zur Anders­welt böse Geister wecken könnten oder Uri Geller versehent­lich mit mentaler Kraft eine Brücke zum Ein­sturz bringt. Auf der anderen Seite stehen die METI-Befür­worter mit ihrer Meinung, wir würden nie etwas von Außerir­dischen hören, wenn sie alle wie wir aus lauter Angst nichts senden.

Möglich ist natürlich alles. Alle intelli­genten Wesen unserer Stufe werden sich anfäng­lich ähnliche Fragen stellen. Und immer werden einige von ihnen bereits vor einer Antwort Fakten geschaffen haben, was ja auch nicht so schlimm ist, denn über kurz oder lang werden die seit 100 Jahren abge­strahlten Radio­wellen und auch das Jahr­tausende alte Licht uns verraten. Vorsätz­liche Abstrah­lungen in den Weltraum mit hoher Energie sollen den Zeitraum nur verkürzen, am besten auf die eigene Lebens­spanne. Das wird nichts werden.

Ich will hier nicht alberne Drake-Glei­chungen anführen, nach denen die Wahrschein­lichkeit, von den zahl­losen uns über­legenen Kulturen schon jetzt Nach­richten zu empfangen, verschwin­dend klein ist. Vor allem dann, wenn man ihnen keine große Überlebens­chancen beimißt. Denn das ist zu menschlich gedacht. Wenn es eine Kultur mit soviel Glück wie wir es hatten erst einmal weit in den Welt­raum geschafft hat, dann wird irgendwo immer einer über­leben. Manche von ihnen werden ganze Planeten zu Radio­teleskopen ausge­baut haben und uns nicht über­hören. Und sie werden Nach­richten senden, auf die wir auch ohne SETI aufmerksam werden können.

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Wenn es in unserer Milchstraße außer uns noch eine weitere Zivili­sation gibt, wird sie uns nicht über eine Million Jahre voraus sein, weil sie in dieser Zeit die gesamte Galaxis besiedelt hätte, zumindest aber über eine ausrei­chend lange Zeit ausrei­chend starke Signale gesendet hätte, die auch uns aufge­fallen sein müßten. Da das alles nicht der Fall ist, sollten alle Außer­irdischen höchstens eine Million Jahre Funk­technik oder gar Weltraum­besiede­lung betreiben.

Wenn es nicht ein ausgesprochener Zufall sein sollte, daß neben uns zur Zeit noch eine weitere Zivi­lisation mit Funk­technik existiert, dann muß es solche vor Jahr­milliarden auch schon gegeben haben. Sollte aber keine unter ihnen eine Million Jahre alt geworden sein, muß unsere Milchstraße mehrere tausend von ihnen bereits überlebt haben. Ihre Ruinen werden wir wohl nie finden, wenn wir es ihnen gleich nicht weit bringen.

Bei allen Mißgeschicken, die uns noch dezi­mieren oder ausrotten könnten, sollte die Chance, es weit in den Weltraum zu schaffen doch über 1­Prozent liegen. Wenn nicht in diesem Jahrhundert, dann in tausend Jahren. Es ist bei minde­stens 1000 Zivili­sationen vor uns also mit zehn zu rechnen, die es bereits geschafft haben, und zwar vor vielen Millionen Jahren. Dann aber wäre die ganze Milch­straße mit ihnen besiedelt.

Die Konsequenz lautet deshalb: Wenn wir nicht die einzigen in der Milch­straße sind oder waren, dann sind die anderen nicht sehr zahl­reich und wahr­schein­lich alle bereits ausge­storben. Nach Funk­signalen zu suchen, ist deshalb wohl ein müßiges Unter­fangen. Wir könnten allen­falls im Umkreis von tausend Lichtjahren eine Ruine oder Raumboje entdecken. Wahr­schein­lich aber auch die nicht. Und wenn wir in einer Million Jahren die gesamte Milch­straße durch­forstet haben, werden wir wissen: Wir waren und sind allein!

Das ist meine Argumen­tation nach dem Fermi-Para­doxon [1], gegen das natür­lich viele Einwände denkbar sind, die neben uns noch andere erlauben oder gar wahr­schein­lich machen. Die unheim­lichste Variante ist die von Spinnern bevor­zugte: Die Außer­irdischen sind bereits da und beob­achten uns. Dann werden sie uns bei aller Fried­fertigkeit allen­falls unser Sonnen­system über­lassen und natür­lich auch ein paar von uns mitnehmen, um unsere Rasse vor der nächsten Super­nova zu retten.

[1] Fermi-Paradoxon. Wikipedia.

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In einer solchen Show durfte auch Vincent Raven nicht fehlen. Er berich­tete von den vielen Fragen, die er nicht alle beant­worten könne. Deshalb habe er für diese Menschen ein Amulett gemacht. Warum auch nicht in einer Welt, da Luder aller Art Parfüm, Schmuck und Kleidung selbst entwerfen. Natürlich kann man es für 419 Franken [1] kaufen, doch erwähnte er das mit keiner Silbe. Offen­sichtlich sind ein Millionen­publikum und die 40 Leute in seinem Keller gleich wichtig. So nehme ich ihm auch ab, an die Anders­welt und seinen Kontakt dahin wirklich zu glauben.

Sicherlich war er froh, diesmal bei Uri Geller auf Tricks verzichten zu können. Er sprach nur mit seinem Raben, der ihm prompt ein Geheimnis der Anders­welt mitteilte: Es gibt dort Seelen, die noch nie Menschen waren! Für Uri Geller eine unglaub­liche Infor­mation. Für mich nicht: Wenn es eine solche Anders­welt gibt, in der Verstor­bene weiter­leben, warum soll es in ihr nicht auch Seelen geben, denen unser Jammertal noch bevor­steht oder die nie hinab­steigen müssen?

Danach durfte sich Vincent Raven zu den anderen auf die Couch setzen und schwieg artig, bis er nach einer Erklä­rung gefragt wurde, warum einer Frau nach Aussen­dung eines Energie­strahles von Uri Geller der Ring ihres Freundes ganz heiß wurde. Er war ganz verun­sichert, wahr­schein­lich über­rascht, zu einem solchen Schwach­sinn etwas sagen zu sollen. So schnell wie Uri Geller fielen ihm dazu keine warmen Worte ein. Er ist noch nicht "angekommen" in der Welt des Fern­sehens.

[1] Vincent Raven: Amulett der Pforten.

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Der Grundgedanke des Vincent Raven, es könne eine andere Welt geben, in der sich die Verstor­benen aufhalten, oder besser anders­herum eine wahre Welt, aus der manche Seelen als Menschen in unserer herum­laufen, ist gar nicht so abwegig. Er ist in Esoterik, Religion und Science Fiction nur eigen­willig umgesetzt.

Warum sollte es dann keine Seelen geben, die noch nie Mensch waren? Warum nicht solche, die wieder­holt hier im Jammertal weilen? Einige mögen auch Außer­irdische, Hunde oder Steine sein? Vor allem könnte umgekehrt nur eine kleine Minder­heit unter uns Menschen über­haupt eine Seele haben. Dafür spricht die große Zahl derer, die ein Selbst- oder Ichbewußt­sein nur aus Erzäh­lungen und als Verhaltens­muster zu kennen scheinen.

Wenn es solche Seelen in einer Anders­welt gibt und sie ein Mitbestim­mungsrecht bei der Auswahl ihrer Inkarna­tionen haben, dann werden sie nicht gerade tote Materie oder dumme Tiere wählen, sondern die komple­xesten Struk­turen dieser Welt. Und gibt es nur 144.000 Seelen, dann scheinen die meisten Mensch geworden zu sein, weil es keine andere Intel­ligenz gibt.

Insofern würde mich nicht wundern, wenn Vincent Raven nicht an Außer­irdische glaubt. Selbst bei Uri Geller nicht, denn beide heben doch mehr auf geistige Kräfte ab, die Raum und Zeit mühelos über­winden und Verbin­dungen immer nur zu anderen Menschen oder Seelen herstellen, allen­falls zu Außer­irdischen, die uns stark ähneln, wenn auch etwas geschrumpelt.

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