Lug und Trug
Schon nach wenigen Minuten der noch laufenden Sendung "Uri Geller live - Ufos & Aliens: Das unglaubliche TV-Experiment" habe ich soviel Schwachsinn gehört, daß ich ein ganzes Jahr darüber bloggen und mich aufregen könnte. Schon zu Beginn wurde eine Figur verwendet, die ich nicht rhetorisch, sondern unredlich nennen möchte:

Erst wird eine abstruse, zumindest aber spekulative Behauptung A aufgestellt, dann wird über eine schwächere Aussage A' schwadroniert und Zustimmung erheischt, um die dann als eine zu A auszugeben. Wenn dies einer bemerkt und den ganzen Vorgang nicht in die Tonne haut, sondern auf diesen Trick, auf den übersehenen Strich aufmerksam macht, dann ist er ein Ungläubiger, ein Ignorant, ein Positivist.

In der Sendung steht A für "uns haben Außerirdische besucht" und A’ für "es gibt außerirdisches Leben". Immer und immer wieder sagen Leute, daß sie an die Existenz von Außerirdischen glauben, und regelmäßig macht vor allem Uri Geller daraus einen Beleg für die Existenz von Ufos und Aliens.

Ungläubige zu diffamieren, hat man im Fernsehen natürlich nicht nötig, schließlich bestimmt man umfassend selbst, was gesendet wird und was nicht. Lieber integriert man einen moderaten Skeptiker und befragt telefonsich die Bevölkerung: "Was meinen Sie: Gibt es außerirdisches Leben?" Vor der Sendung waren es 16 Prozent [1]. Heute abend würden mich 60 Prozent nicht wundern.

Auch vor anderen Versatzstücken schrecken Uri Geller und die Effekthascher des Fernsehens bekanntlich nicht zurück. Mehr dazu in den Kommentaren.

[1] 16 Prozent der Deutschen glauben an Außerirdische: …, News aktuell, 29. Oktober 2008

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Am Ende der Sendung das überwältigende Ergebnis: 93 Prozent der Anrufer meinten, es gäbe außerirdisches Leben. Uri Geller gibt an, 40 bis 60 Prozent erwartet zu haben, und sieht darin einen Erfolg der Sendung, die soviele Informationen gegeben habe, daß die Menschen nun überzeugt seien. Daneben wirkt Erich von Däniken geradezu weise: Weltweit glaube eine Mehrheit an die Existenz fremder Intelligenz, weil wir ja nicht so arrogant sein wollen, uns für die einzigen zu halten. Dieses Stichwort nimmt der naiv wirkende Moderator Stefan Gödde gerne auf: Deshalb haben wir ihnen heute auch eine Nachricht gesendet.

Zu einer Antwort gezwungen hätte auch ich mich überzeugungsgemäß zu den 93 Prozent schlagen müssen. Warum sollten in den Weiten des Raumes nicht intelligente Wesen entstanden sein, die uns sogar weit voraus sind und für uns schon Jahrtausende Botschaften ausstrahlen, die bei uns noch nicht angekommen sind oder nicht gehört wurden? Und wenn wir sie eines Tages empfangen, dann gibt es die Absender vielleicht gar nicht mehr. Uns werden sie noch nicht gehört haben, gleichwohl wir nicht erst seit heute und dank Pro-Sieben senden, sondern fast 100 Jahre Hörfunk betreiben.

Behauptete oder glaubte ich, es gäbe kein intelligentes Leben außerhalb der Erde, sähe ich mich gezwungen, Argumente für diese Einzigartigkeit zu nennen und zu belegen, warum auf Abermillionen Planeten mit ähnlich günstigen Verhältnissen nichts passiert ist. Das ginge doch nur durch die Annahme übernatürlicher Einflüsse, wie dem Wirken eines Gottes. An ihn kann ich aber auch glauben, ohne mir ein falsches Bild vom Rest des Universums zu machen.

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Am Morgen nach Uri Geller schlägt mir Google-News einen Artikel [1] vor, in dem der bemerkenswerte Abend zusammengefaßt ist. Darin ist unter 21 Uhr 30 auch mein Gedanke der ersten Stunde festgehalten: Wann kommt endlich Werbung?

[1] Beate Strobel, Nachricht ins Uriversum, Focus-Online, 16. November 2008

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Beate Strobel erwähnt in ihrem Artikel ein weiteres Detail, das mir ebenfalls auffiel: Das Teleskop ist verrostet. Und als ich dann noch "die besten Wissenschaftler aus ganz Europa" in ihrem Kontrollraum genannten Klassenzimmer sah, glaubte ich mich in einem Science-Fiction-Fim der Fünfziger Jahre, in dem alle Russen blöd waren.

Modern, wenn auch etwas albern kam mir das Notebook vor, in das einer der "besten Wissenschaftler aus ganz Europa" die CD mit den Botschaften der Zuschauer einlegte, um sodann die Übertragung mit einem Knopf eines Kästchens zu starten, das aussieht wie ein elektrischer Türöffner.

Wahrscheinlich tue ich den "besten Wissenschaftler aus ganz Europa" damit Unrecht, denn möglicherweise wird mit dem Knopf nur eine Sirene ausgelöst, die im Anschluß zu hören ist. Möglicherweise gibt es sie wirklich und soll versprengte Techniker auffordern, aus dem hochenergetischen Sendestrahl zu treten. Sogar der gleichzeitig über den Parabolspiegel huschende Lichtkegel könnte echt gewesen sein.

Nachträglich frage ich mich, warum nicht ein größeres Radioteleskop der freien westlichen Welt genommen wurde. Wahrscheinlich war das Areciba-Observatorium, in dem bereits James Bond turnen durfte, zu teuer oder nicht bereit, nach heute genau 34 Jahren erneut einen Spaß in den Weltraum zu senden. Andere Betreiber von Radioteleskopen auch nicht, wenn sie überhaupt senden können.

Zum reinen Empfang muß man immer größere Analgen bauen, um immer selektiver immer schwächere Signale wahrnehmen zu können. Um aus welchem Grunde auch immer ein starkes Signal zu senden, nützt die schiere Größe kaum. Es kommt vor allem auf die Sendeleistung an. Doch wozu könnte man Gigawatt in den Weltraum blasen wollen?

Und damit zu einer interessanten Frage: Was macht man in der Ukraine mit einer Sendeanlage von 70 Metern Durchmesser? Doch wohl keine professionelle Kommunikation mit Außerirdischen. Und für die Kommunikation mit Satelitten reichen 10 Meter gut aus. Wollten sie damit notfalls die Elektronik feindlicher Raketen oder Satelliten ausschalten und suchen nun eine Beschäftigung beim Fernsehen? Oder sind sie wirklich Profis, die mit planetarischem Radar Entfernungen und Bewegungen genau messen?

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Ich gehöre nicht zu den Leuten, die gleich alles für getürkt halten, weil es in einem abstrusen Zusammenhang erscheint. Oftmals ist es viel billiger, die Realität geschönt und übertrieben abzubilden. Und wenn sie in der Ukraine auch nicht so aussehen, arbeiten sie dennoch wirklich an einem großen Radioteleskop, auch Fachleute aus dem Ausland. Keineswegs abgehalfterte Militärs, auch wenn das Radioteleskop laut Pro-Sieben in militärischem Sperrgebiet [1] liegt.

Zwar gibt es größere Anlagen mit höherer Leistung, doch das RT-70 bei Evpatonia [2] ist das größte Radioteleskop Europas, das mit hoher Leistung senden kann. Im Gegensatz zu dem James-Bond-Teleskop bei Areciba ist es in alle Richtungen frei schwenkbar. Möglicherweise hat uns der Infotainment-Clown Daniel Aminati im Fernsehen nicht das wirkliche Kontrollzentrum [4] gezeigt, oder es geht dort etwas betulicher zu als in der freien hektischen Welt. Aber hinter dem Mond lebt man dort sicher nicht. Sowjets waren die ersten im Weltraum, wenn auch mit Gardinen vor dem Fenster.

Um Schwachsinn in den Weltraum zu schießen, hätte sicherlich auch eine kleinere Schüssel gereicht. Doch wo hat man schon solche Anlagen? Dort wo man auch mit Antworten rechnet. Zum Beispiel mit dem Echo des eigenen Signales. [3] Und um das zu hören, benötigt man tatsächlich eine große Schüssel. Der Sinn liegt eigentlich auf der Hand, nämlich mit Radar Position und Bewegung von nahen Himmelskörper zu bestimmen. Das bereitet uns auch auf Außerirdische vor, nicht lebende, sondern tote, die sich tatsächlich einmal auf Kollisionskurs befinden könnten.

In der Ukraine scheint man mit Nachrichten an unsere Freunde im Weltraum eine neue Einnahmequelle entdeckt zu haben. So benötigte Pro-Sieben mit der 33 Jahre laufenden Nachricht zu Hip 4872 nicht besondere Kreativität, denn vor einem Monat sendete eine Web-2.0-Gemeinschaft [5] ebenfalls über das RT-70 ein ähnlich sinnschweres Nachrichtenpaket an Gliese 581 c, das dort schon in 21 Jahren ankommen wird. So scheidet auch aus, daß die kurzzeitigen Aufregungen unter den Bediensteten des RT-70 darauf zurückzuführen sind, daß Vorgesetze erst aus dem Fernsehen von dem Treiben erfahren hatten. Oder doch nicht?

[1] 18th International Conference Microwave & Telecommunication Technology 2008: "The trip includes visiting of radio-telescope RT-70, which is followed by the rest on Yevpatoria beach and wine-testing at Bakhchisaray Wine Works."

[2] S.V. Malevinskiy, A.A. Konovalenko, Radio telescope RT-70 in world networks of radio interferometers with very long bases: "Antenna RT-70 located in National Space Facilities Control and Testing Center, National Space Agency of Ukraine, Evpatoria, is one of the greatest antenna systems in the world and a single receiving antenna in Europe, equipped with the high-power transmitter."

[3] S.V. Malevinskiy, A.A. Konovalenko [2]: "... echo-signals from the asteroid 2004 XP14, Mars, Venus, Moon, and also from more than 100 objects of space debris on various types of orbits were received."

[4] NPO Intercos, National Space Facilities Control and Testing Center, Eupatoria: Der Kontrollraum sieht tatsächlich aus wie ein Klassenzimmer. Auch die Kästchen mit den Knöpfen sind gut zu erkennen.

[5] Grenz-Wissenschaft-Aktuell, Social Network sendet Botschaften ins All, 10. Oktober 2008

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Wenn ich nicht wüßte, daß die merkbefreite Nina Hagen wirklich an Ufos und Aliens glaubt, hätte ich angenommen, sie würde sich neben Uri Geller sitzend über die Außerirdischen und mentale Kräfte lustig machen. Wenn sie überhaupt zuhörte, ging sie nicht auf die Fragen des Moderators ein und erzählte irgendeinen Klops. So hielt sie eine Banane ans Ohr und wollte die Außerirdischen fragen, ob sie eine Bananenrepublik kennen. Nach ihren Gedanken zur Vorführung von Vincent Raven gefragt, antwortet sie: Ich denke gar nichts. Und später gibt sie an, das Neue Testament zu schreiben, jeden Tag neu.

Eingeführt wurde sie im Rahmen einer Spurensuche in Roswell durch das Männer- und Automagazin-Wunder Verena Wriedt. Eine Spur war die Spurensucherin Nina Hagen, deren eigener inhaltsbefreiter Bericht aus ebenfalls Roswell im Anschluß an diese unglaubliche Show mit Uri Geller gesendet wurde. Dazu vom Amateur-Mentalisten und -Moderator Stefan Gödde: Was Sie darüber denken, überlasse ich ihnen, doch wie können wir so anmaßend sein zu denken, wir seien allein im Universium. Da ist er wieder, der unzulässige Rückschluß auf die eigene Wahrheit durch Unterstellung einer falschen Behauptung der Kritiker.

Von Ihrer Spurensuche hatte Nina Hagen ein abgeschnittes Elektrokabel mitgebracht, mit dem sich ein Mischling [1] als Kind vor Aliens schützte. Fein aufgewickelt schenkte sie es Uri Geller. Der will es daheim in seinen Schrein legen, in den nur ganz besondere Gegenstände kommen. Und dann wurde auch noch der Ausschnitt aus Nina Hagens Bericht gezeigt, wo dieser Mischling das Kabel in die Steckdose steckt und mit beiden Händen jeweils ein blankes Ende festhält. Nicht ohne vorzuführen, wie die Funken schlagen, wenn sich beide berühren. Was man nicht alles mit einer Autobatterie machen kann!

[1] Kein amerikanischer Mestize oder Mulatte, sondern von einem Alien gezeugt und von einer menschlichen Mutter geboren. Warum nicht umgekehrt? Zwar will auch ein Mann Sex mit einer Alienin gehabt haben, doch rausgekommen ist dabei nichts. Eine außerirdische Mutter würde mich mehr beeindrucken als ein Vater vom Mars, der nur mal schnell Zigaretten holen flog.

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Die besten Zeiten des Uri Geller sind lange vorbei. Ich kann mich noch erinnern, wie er im Fernsehen vor wirklich großem Publikum Löffel bog. Auch an eine kleine Zeitungsnotiz, laut der er zugegeben haben soll, alles sei nur ein Trick gewesen. Zwischenzeitlich macht er mit mehr Langeweile vor weniger Zuschauern und dafür verlängerten Auftritten mehr Geld. Wer will ihm das vorwerfen in einer Zeit, da Milliardenbetrüger sich bereits verkrümelt haben und Millionen Spekulationsgewinner stille schweigen. Doch Geld allein ist nicht die Triebfeder, sondern hier wie dort Geltungssucht und die Überzeugung, das Leben sein einem etwas von großer Bedeutung schuldig. Im Falle von Uri Geller ist es abseits vom Mammon der Glaube an durch ihn wirksame übernatürliche Vorgänge, denen er nur ein wenig nachhilft, weil sie das Licht der Öffentlichkeit und erst recht das der Überprüfung scheuen.

Er ist nicht abhängig vom Geschwafel eines Daniel Aminati, der Botschaften mit der unvorstellbaren Geschwindigkeit von 300.000 Kilometer pro Sekunde ins Weltall schießen sieht, daß sie nach kurzer Zeit schon am Mars vorbei waren, dennoch aber erst nach über 30 Jahren ihr Ziel in unvorstellbaren 310 Billionen Kilometern erreichen werden, daß eine Antwort der Außerirdischen nicht vor 2070 zu erwarten ist. Er glaubt auch nicht, daß nach einer halben Stunde sich der erste Untertassenpilot meldet, der sich zur Beobachtung der Menschheit im Asteroidengürtel versteckt hält. Noch nicht einmal an Aliens auf der Erde. Nein, er macht alles mit zeit- und raumlosen mentalen Kräften und dem Glauben an seinen Reiseführer, laut dem die Erde ein einziger Computer ist.

Der ganze Technik-Schnickschack dient Uri Geller nur zur Füllung der Sendezeit und als Faktenspender für unglaubliche Zusammenhänge. So hält er es für sehr bemerkenswert, daß der von Verena Wriedt aufgetane letzte Augenzeuge von Roswell kurz nach dem Bruch seines lebenslangen Schweigens verstarb. Als das Bild einer Staubwolke mit einem punktförmigen Exoplaneten darin in die Kamera gehalten wird, ist er abermals erstaunt, wie kurz vor seiner Sendung diese Entdeckung gemacht wurde. Wahrscheinlich weiß er wirklich nicht, daß eine zeitliche Nähe nur zur Veröffentlichung besteht. Und weil es eben nicht auf Technik ankommt, wird auch nicht lieblos ins All gefunkt sondern vorher ein erweiterter Neun-Live-Countdown gestartet: 10-9-8-7-6-5-4-3-2-1-1-2-3. Deutsch runter- und hebräisch rauf.

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Na,
da haben Sie aus diesem Stuss aber ganz schön viel Blogstoff gesaugt - so gesehen hats sichs ja wohl gelohnt irgendwie.

Das eigentliche Wunder liegt für mich übrigens darin, dass Uri Geller seit seinen frühen löffelverbiegenden TV-Auftritten kaum gealtert zu sein scheint.

Aber wie auch immer: Man hätte mir schon die Werbeeinnahmen dieser Sendung überweisen müssen, damit ich mir sowas freiwillig ansehe. Ich habe mir vor Jahren schon im Internet so viel krudes Zeug angeguckt, auch zum Thema UFOs/Außerirdische/Marsgesichter und all das. Ich denke nicht, dass ich dazu von Mitmenschen noch irgendwas grundlegend neues (sprich: interessantes) erzählt bekomme. Wenn die Außerirdischen mich von ihrer Existenz überzeugen wollen, müssen sie sich schon selber bemühen.

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Ich schrieb ja bereits, daß ich mich ein ganzes Jahr über diesen Scheiß aufregen könnte. Ich habe ihn mir trotzdem in voller Länge angesehen, denn es ist schon sehr interessant zu sehen, wie unkritisch, unwissend und naiv die ganze Blase einschließlich Publikum um Uri Geller herum doch ist. Die gäbe es auch ohne ihn.

Ich verstehe auch nicht die beteiligten Wissenschaftler und die Alibi-Skeptikerin Johanna Klum. Ich gehe doch auch nicht in eine Talkshow, wie sie in "voll total" täglich auszugsweise wiederholt werden, um als normaler und vernünftiger Mensch meinem idiotischen Bekannten die Meinung zu sagen oder gar überzeugen zu wollen.

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Seinen Namen gedruckt zu sehen - manche begehen dafür ein Verbrechen - schrieb einst Gustave Flaubert. So weit muss man ja heute nicht mehr gehen für seine warholschen 15 Minuten Ruhm.

Ich erschauere aber in Ehrfurcht vor Ihrem Duldungsvermögen, das es Ihnen ermöglichte, das bis zum bitteren Ende durchzuhalten. Das hat nicht mal der neunlive-gestählte Medienblogger Stefan Niggemeier geschafft.

Im Übrigen verstehe ich auch nicht so recht, warum Erich von Däniken sich in einer solchen Runde mit vorführen lässt. Denn von den UFO-Spinnern scheint er mir noch einer von den intelligenteren zu sein.

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Mehr noch, ich habe danach auch noch Nina Hagens Spurensuche in Roswell gesehen. Es war mehr ein Bericht darüber, wie sie den Bewohner dieser Gegend sich selbst und ihre Begegnung mit den Außerirdischen näher brachte.

Über Däniken werde ich wohl noch etwas schreiben, denn abseits seiner unveränderten Auffassung machte er doch einen vernünftigen Eindruck, beschränkte sich auf normale Worte und verzichtet auf Brimborium.

Er sprach auch vom berühmten Maya-Kalender und sieht das Jahr 2012 klar kommen, weshalb er schon einmal darauf hinwies, daß die Abbildung auf unseren Kalender immer noch umstritten ist und möglicherweise einfach nur eine neue Epoche beginne.

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Auch EvD
hat sich im Lauf der Jahre zu manch reißerischer These und weit hergeholten Schlussfolgerungen verleiten lassen. Trotzdem täte man ihm meines Erachtens unrecht, sein ganzes bisheriges Wirken als das eines Spinners in die Tonne zu treten. Er hat ein paar wirklich sehr interessante Fragen aufgeworfen und zwingt seine Antworten niemandem als Religionsersatz auf. Die Hypothese, hinter so mancher Gottheit der Vergangenheit hätten in Wirklichkeit außerirdische Besucher gesteckt, finde ich im Prinzip gar nicht mal so uncharmant. Das würde zumindest manches erklären, was ohne Zuhilfenahme dieser Annahme noch schwerer zu erklären wäre. Wenn ich etwa die Wahl habe, die seltsame Vision des Ezechiel als Erscheinung Jahwes zu deuten oder als Raumschiff, dann frage ich mich schon, welche Version jetzt unwahrscheinlicher ist.

Aber selbst wenn ich die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass es Leben außerhalb der Erde gibt und dass vielleicht auch schon mal Besucher von außerhalb da waren, dann folgt daraus für meine persönliche Lebenspraxis erst mal: nichts.

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Ja, Erich von Däniken hat sich sein Leben lang mit Außerirdischen beschäftigt und das Interesse an Archäologioe befördert, obgleich er nicht nur im geistigen Sinne ein anerkannter Lügner und Betrüger ist. Vielleicht ist es auch sein Erscheinungsbild, was ihn mir im Vergleich zu modernen Gurus seriös wirklen läßt.

Nach vierzig Jahren Erinnerung an die Zukunft hat sich für mich nichts geändert. Da können Steine, Landschaftsbilder und mathematisch konstruierte Pyramiden noch und noch gefunden oder behauptet werden. Es bleibt mir immer die einfache Frage: Warum haben die technisch so überlegenen Raumfahrer nur Schwachsinn hinterlassen?

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Ich weiß nicht,
ob man das so pauschal sagen kann. Aber der Gedanke, dass sie keine Perlen vor die Säue werfen wollten, erscheint mir nicht so abwegig. Würden wir den Menschenaffen im Urwald am Ende einer Expedition unsere Ausrüstung inklusive geladener Gewehre dalassen?

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Natürlich könnten sie sich zurückgehalten haben, wie es ja auch die höchste Maxime von Captain Kirk war, sich nicht in die Entwicklung fremder Kulturen einzumischen. Doch warum haben sie dann überhaupt etwas hinterlassen, sich überhaupt gezeigt? Wenn sie Kontakt nicht vermeiden wollten oder konnten und auch die Erinnerung der Menschen an sie nicht auszulöschen vermochten, warum drückten diese sich in so primitiver und versteckter Weise aus?

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Auch mit dieser Frage
würden Sie einen wahrhaft UFO-Gläubigen wahrscheinlich nicht ins Schleudern bringen. Wenn die Besucher uns etwa während der Steinzeit besucht haben, dann lag es an uns und an unserer Entwicklungsstufe, dass wir nicht mehr von dem verstehen und korrekt memorieren konnten, was sie uns erzählt haben mögen. Vielleicht haben sie es auch geschnallt, dass unsere Vorfahren sie für Götter hielten, und es erschien ihnen nach einigem Nachdenken opportun, keine Anstrengungen zu unternehmen, um diesen Irrtum aufzuklären. Es müssen ja nicht nur die netten Jungs à la Fred vom Jupiter hier gewesen sein, vielleicht gab es ja tatsächlich sogar einen namens Moloch, der sich einen Jux daraus machte, Kinderopfer zu fordern, weiß mans?

Letztlich bleibt es halt alles reichlich spekulativ. Und selbst wenn ich nicht zu den Anhängern von Däniken oder gar von David Icke gehöre, muss ich auch sagen, dass ihre Widersacher auch nicht immer mit den allervernünftigsten Alternativ-Argumenten aufgewartet haben, wenn es darum ging, die Hypothese außerirdischer Anwesenheiten in der Vergangenheit zu widerlegen. Von daher habe ich kein Problem damit, die Frage, ob es mal Besuche gab oder gar immer noch gibt als weiterhin offen zu betrachten.

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Am letzten Samstag wurde nicht die erste Botschaft in den Weltraum gesendet. Im Jahre 1974 war man noch etwas seriöser und nicht an kurzfristigen Erfolgen interessiert. Deshalb ging es mit bescheidenen 23 mal 73 Bit, aber zehnfacher Sendeleistung zum Sternhaufen Messier 13, wo in 22.800 Jahren sicherlich [1] irgendein Außerirdischer diese Nachricht empfangen wird. Ob Mitte des 48. Jahrtausend noch jemand aus dem menschlichen Geschlecht die Antwort hört, kann durchaus bezweifelt werden. Falls doch, wird es nicht die erste sein.

Es war auch nicht die erste Botschaft mit schwachsinnigem Inhalt. Während man bisher wenigstens abstrakte Botschaften voranstellte, um den Außerirdischen das Verständnis der nachfolgenden Menscheleien zu erleichtern, pulvern das Fernsehen und der moderne Mensch nur noch individualistisches Zeug raus. Pro-Sieben ist darin nicht Pionier und sendete mit hoher Leistung noch recht seriös im Vergleich zu Arte, die vor zwei Jahren einen ganzen Fernsehabend [2] einfach nur Richtung Weltraum abstrahlten.

Es war auch nicht die erste Nachricht an ET, die vom Radioteleskop bei Evpatoria gesendet wurde. Auch die vom letzten Monat an Gliese 581 c nicht. Spätestens im Jahre 1999 hat man dort diese Einnahmequelle entdeckt. Warum auch nicht? Wer kein Geld im Überfluß hat, der muß sein Radioteleskop eben vermieten.

Vor allem aber war es nicht die erste Botschaft Richtung Hip 4872. Die Nachricht "Cosmic Call 2" ist bereits fünf Jahre unterwegs. Wir können also mit einer Antwort schon im Jahre 2067 rechnen.

[1] Das muß ich zurücknehmen. Eine intellegente Spezies in einem Raumwürfel von 10.000 Lichtjahren oder auf 10 hoch 10 Sterne hielt ich gefühlsmäßig für möglich. Da muß auch auf mich das Alien-Gerede abgefärbt haben.

[2] Cosmic Connection

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Manche befürchten, Nachrichten in den Weltraum würden nur feindselige Außerirdische auf uns aufmerksam machen, wie auch aus Teilchenbeschleunigern schwarze Löcher entweichen könnten, die unsere Erde auffressen. Weniger habe ich davon gehört, daß die Kontakte eines Vicent Raven zur Anderswelt böse Geister wecken könnten oder Uri Geller versehentlich mit mentaler Kraft eine Brücke zum Einsturz bringt. Auf der anderen Seite stehen die METI-Befürworter mit ihrer Meinung, wir würden nie etwas von Außerirdischen hören, wenn sie alle wie wir aus lauter Angst nichts senden.

Möglich ist natürlich alles. Alle intelligenten Wesen unserer Stufe werden sich anfänglich ähnliche Fragen stellen. Und immer werden einige von ihnen bereits vor einer Antwort Fakten geschaffen haben, was ja auch nicht so schlimm ist, denn über kurz oder lang werden die seit 100 Jahren abgestrahlten Radiowellen und auch das Jahrtausende alte Licht uns verraten. Vorsätzliche Abstrahlungen in den Weltraum mit hoher Energie sollen den Zeitraum nur verkürzen, am besten auf die eigene Lebensspanne. Das wird nichts werden.

Ich will hier nicht alberne Drake-Gleichungen anführen, nach denen die Wahrscheinlichkeit, von den zahllosen uns überlegenen Kulturen schon jetzt Nachrichten zu empfangen, verschwindend klein ist. Vor allem dann, wenn man ihnen keine große Überlebenschancen beimißt. Denn das ist zu menschlich gedacht. Wenn es eine Kultur mit soviel Glück wie wir es hatten erst einmal weit in den Weltraum geschafft hat, dann wird irgendwo immer einer überleben. Manche von ihnen werden ganze Planeten zu Radioteleskopen ausgebaut haben und uns nicht überhören. Und sie werden Nachrichten senden, auf die wir auch ohne SETI aufmerksam werden können.

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Wenn es in unserer Milchstraße außer uns noch eine weitere Zivilisation gibt, wird sie uns nicht über eine Millionen Jahre voraus sein, weil sie in dieser Zeit die gesamte Galaxis besiedelt hätte, zumindest aber über eine ausreichend lange Zeit ausreichend starke Signale gesendet hätte, die auch uns aufgefallen sein müßten. Da das alles nicht der Fall ist, sollten alle Außerirdischen höchstens eine Millionen Jahre Funktechnik oder gar Weltraumbesiedelung betreiben.

Wenn es nicht ein ausgesprochener Zufall sein sollte, daß neben uns zur Zeit noch eine weitere Zivilisation mit Funktechnik existiert, dann muß es solche vor Jahrmilliarden auch schon gegeben haben. Sollte aber keine unter ihnen eine Millionen Jahre alt geworden sein, muß unsere Milchstraße mehrere tausend von ihnen bereits überlebt haben. Ihre Ruinen werden wir wohl nie finden, wenn wir es ihnen gleich nicht weit bringen.

Bei allen Mißgeschicken, die uns noch dezimieren oder ausrotten könnten, sollte die Chance, es weit in den Weltraum zu schaffen doch über 1 Prozent liegen. Wenn nicht in diesem Jahrhundert, dann in tausend Jahren. Es ist bei mindestens 1000 Zivilisationen vor uns also mit zehn zu rechnen, die es bereits geschafft haben, und zwar vor vielen Millionen Jahren. Dann aber wäre der ganze Weltraum mit ihnen besiedelt.

Die Konsequenz lautet deshalb: Wenn wir nicht die einzigen in der Milchstraße sind oder waren, dann sind die anderen nicht sehr zahlreich und wahrscheinlich alle bereits ausgestorben. Nach Funksignalen zu suchen, ist deshalb wohl ein müßiges Unterfangen. Wir könnten allenfalls im Umkreis von tausend Lichtjahren eine Ruine oder Raumboje entdecken. Wahrscheinlich aber auch die nicht. Und wenn wir in einer Million von Jahren die gesamte Milchstraße durchforstet haben, werden wir wissen: Wir waren und sind allein!

Das ist meine Argumentation nach dem Fermi-Paradoxon [1], gegen das natürlich viele Einwände denkbar sind, die neben uns noch andere erlauben oder gar wahrscheinlich machen. Die unheimlichste Variante ist die von Spinnern bevorzugte: Die Außerirdischen sind bereits da und beobachten uns. Dann werden sie uns bei aller Friedfertigkeit allenfalls unser Sonnensystem überlassen und natürlich auch ein paar von uns mitnehmen, um unsere Rasse vor der nächsten Supernova zu retten.

[1] Wikipedia, Fermi-Paradoxon

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In einer solchen Show durfte auch Vincent Raven nicht fehlen. Er berichtete von den vielen Fragen, die er nicht alle beantworten könne. Deshalb habe er für diese Menschen ein Amulett gemacht. Warum auch nicht in einer Welt, da Luder aller Art Parfüm, Schmuck und Kleidung selbst entwerfen. Natürlich kann man es für 419 Franken [1] kaufen, doch erwähnte er das mit keiner Silbe. Offensichtlich sind ein Millionenpublikum und die 40 Leute in seinem Keller gleich wichtig. So nehme ich ihm auch ab, an die Anderswelt und seinen Kontakt dahin wirklich zu glauben.

Sicherlich war er froh, diesmal bei Uri Geller auf Tricks verzichten zu können. Er sprach nur mit seinem Raben, der ihm prompt ein Geheimnis der Anderswelt mitteilte: Es gibt dort Seelen, die noch nie Menschen waren! Für Uri Geller eine unglaubliche Information. Für mich nicht: Wenn es eine solche Anderswelt gibt, in der Verstorbene weiterleben, warum soll es in ihr nicht auch Seelen geben, denen unser Jammertal noch bevorsteht oder die nie hinabsteigen müssen?

Danach durfte sich Vincent Raven zu den anderen auf die Couch setzen und schwieg artig, bis er nach einer Erklärung gefragt wurde, warum einer Frau nach Aussendung eines Energiestrahles von Uri Geller der Ring ihres Freundes ganz heiß wurde. Er war ganz verunsichert, wahrscheinlich überrascht, zu einem solchen Schwachsinn etwas sagen zu sollen. So schnell wie Uri Geller fielen ihm dazu keine warmen Worte ein. Er ist noch nicht "angekommen" in der Welt des Fernsehens.

[1] Vincent Raven, Amulett der Pforten

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Der Grundgedanke des Vincent Raven, es könne eine andere Welt geben, in der sich die Verstorbenen aufhalten, oder besser andersherum eine wahre Welt, aus der manche Seelen als Menschen in unserer herumlaufen, ist gar nicht so abwegig. Er ist in Esoterik, Religion und Science Fiction nur eigenwillig umgesetzt.

Warum sollte es dann keine Seelen geben, die noch nie Mensch waren? Warum nicht solche, die wiederholt hier im Jammertal weilen? Einige mögen auch Außerirdische, Hunde oder Steine sein? Vor allem könnte umgekehrt nur eine kleine Minderheit unter uns Menschen überhaupt eine Seele haben. Dafür spricht die große Zahl derer, die ein Selbst-oder Ichbewußtsein nur aus Erzählungen und als Verhaltensmuster zu kennen scheinen.

Wenn es solche Seelen in einer Anderwelt gibt und sie ein Mitbestim­mungsrecht bei der Auswahl ihrer Inkarnationen haben, dann werden sie nicht gerade tote Materie oder dumme Tiere wählen, sondern die komplexesten Strukturen dieser Welt. Und gibt es nur 144.000 Seelen, dann scheinen die meisten Mensch geworden zu sein, weil es keine andere Intelligenz gibt.

Insofern würde mich nicht wundern, wenn Vincent Raven nicht an Außerirdische glaubt. Selbst bei Uri Geller nicht, denn beide heben doch mehr auf geistige Kräfte ab, die Raum und Zeit mühelos überwinden und Verbindungen immer nur zu anderen Menschen oder Seelen herstellen, allenfalls zu Außerirdischen, die uns stark ähneln, wenn auch etwas geschrumpelt.

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