Die 4 steht!
wuerg, 04.05.2007 20:43
Meine Vorhersage vor drei Monaten: 4,0%
Erreichtes Ergebnis: effektiv 3,7% pro Jahr
Erfolgsrechnung für Arbeitgeber: 2,9% im Jahr
Erfolg der Gewerkschaft: die 4 steht!
Die 4 steht! Vor dem Komma der sofortigen 4,1 Prozent und vor den jährlichen 4,5 Prozent laut Rechnung! Soweit meine Einführung in die kreative Mathematik.
Forderung der IG Metall: 6,5% Angebot der Arbeitgeber: 2,5% meine Rechnung: √(6,5·2,5)=4,03
Erreichtes Ergebnis: effektiv 3,7% pro Jahr
4,1% und 1,7% bei 19 Monaten Laufzeit, also: (1,041·1,017)^(12/19)=1,0367
Erfolgsrechnung für Arbeitgeber: 2,9% im Jahr
4,1% in 2007 und 1,7% in 2008 oder später: (4,1+1,7)/2=2,9
Erfolg der Gewerkschaft: die 4 steht!
Erhöhung in 2007 4,1%
Erhöhung in 2008 1,7%
400 Euro einmalig (1) 1,0%
5 mal 0,7 Prozent (2) 0,3%
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in 19 Monaten Laufzeit 7,1%
im Jahr 12/19 davon 4,5%
(1) bei 40.000 Euro brutto im Jahr
(2) 0,7·(5/12)=0,29
Die 4 steht! Vor dem Komma der sofortigen 4,1 Prozent und vor den jährlichen 4,5 Prozent laut Rechnung! Soweit meine Einführung in die kreative Mathematik.
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wuerg,
08.05.2007 22:24
Die Arbeitgeber haben sich tatsächlich auf 3,3 Prozent jährlich runtergerechnet. Wahrscheinlich gehen sie dabei von 0 Prozent für Zulagen aus.
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wuerg,
15.05.2007 01:10
Eigentlich ist es selbstverständlich, wird aber in aller Deutlichkeit nur vor dem Tarifabschluß gesagt: Einmal ist keinmal! Jedes Promille Erhöhung des Grundgehaltes bleibt auf ewig, jeder noch so schöne Einmalbetrag ist in der nächsten Runde weg. Das sieht zunächst jeder ein. Wenn es aber Jahr um Jahr 3,7 auf immer und 1 Prozent einmalig gibt, sitzen viele sicherlich dem Irrtum auf, es seien insgesamt doch wenigstens 4 Prozent lich. Dem ist leider nicht so:
Wer nur noch 10 Jahre zu arbeiten hat, für den mögen 3,7% und 1% gerade noch günstiger sein als der Verzicht auf die Einmalzahlung bei einer geringfügig stärkeren Erhöhung von einem Promille. In 20 Jahren sieht das schon anders aus. Und wer noch 40 Jahre vor sich hat, liegt mit anderthalb Monatsgehältern zurück. Das nicht viel erscheinen, doch muß eigentlich nicht nur an das eigene Einkommen, sondern auch das der nächsten Generationen gedacht werden. Aber ich will nicht dramatisieren. Sonst hätte ich auch noch eine Spalte mit 100 Jahren angefügt.
ewig + einmal 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre 40 Jahre 3,7% und 1,0% 12,4 30,2 55,9 92,7 3,7% und 2,0% 12,5 30,5 56,4 93,6 3,7% und 3,0% 12,6 30,8 56,9 94,5 3,8% und nix 12,3 30,3 56,3 94,1Ein Beispiel, wie die Tabelle zu lesen ist: Bekommt man jedes Jahr 3,7% mehr Grundgehalt und eine Einmalzahlung von stolzen 2%, so kassiert man in den nächsten 30 Jahren das 56,4‑fache des derzeitigen Jahresgehaltes.
Wer nur noch 10 Jahre zu arbeiten hat, für den mögen 3,7% und 1% gerade noch günstiger sein als der Verzicht auf die Einmalzahlung bei einer geringfügig stärkeren Erhöhung von einem Promille. In 20 Jahren sieht das schon anders aus. Und wer noch 40 Jahre vor sich hat, liegt mit anderthalb Monatsgehältern zurück. Das nicht viel erscheinen, doch muß eigentlich nicht nur an das eigene Einkommen, sondern auch das der nächsten Generationen gedacht werden. Aber ich will nicht dramatisieren. Sonst hätte ich auch noch eine Spalte mit 100 Jahren angefügt.
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byggvirofbarley,
17.05.2007 00:05
Das wollte ich auch anmerken. Die Einmalzahlungen sind Augenwischerei, da sie nicht langfristig wirksam sind.
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wuerg,
17.05.2007 00:23
Die Arbeitgeber hätten sich am liebsten sich auf eine Einmalzahlung beschränkt, weil sie immer wieder Angst haben vor Löhnen, von denen sie nicht wieder runter kommen. In Ordnung ist eine Einmalzahlung für die Monate, in denen verhandelt wurde. Und die 400 Euro sind mehr als nur eine Entschädigung für eine um zwei Monate verschobene Erhöhung um 4,1%, gleichwohl 4,3% ohne jeden Schnickschnack natürlich besser wären. Aber Verhandlungen enden eben immer mit Kompromissen.
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wuerg,
12.11.2008 21:56
Anderthalb Jahre später steht die vier schon wieder.
Meine Vorhersage: 4,1%
Mit 4,2% wurde ein Promille mehr erreicht als ich vohergesagt hatte. Es sind zweimal 2,1% bei 18 Monaten Laufzeit. Die Rechnung (1,021)^(4/3)=1,028 liefert 2,8% pro Jahr. Das ist noch magerer als vor anderthalb Jahren.
Die Erfolgsrechnungen der Arbeitgeber und der Gewerkschaft stehen noch aus.
Meine Vorhersage: 4,1%
Forderung der IG Metall: 8,0% Angebot der Arbeitgeber: 2,1% Einigung der beiden bei: 4,2% meine Rechnung: √(8·2,1)=4,10Erreichtes Ergebnis: effektiv 2,8% pro Jahr
Mit 4,2% wurde ein Promille mehr erreicht als ich vohergesagt hatte. Es sind zweimal 2,1% bei 18 Monaten Laufzeit. Die Rechnung (1,021)^(4/3)=1,028 liefert 2,8% pro Jahr. Das ist noch magerer als vor anderthalb Jahren.
Die Erfolgsrechnungen der Arbeitgeber und der Gewerkschaft stehen noch aus.
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wuerg,
06.02.2018 20:38
Ein Jahrzent später steht die 4 wieder. Ich hatte wegen sqrt(6·2) mit 3,5 Prozent gerechnet. Es wurden mit 4,3 aber mehr. Hinzu kommen für die meisten Arbeitnehmer 2,0 Prozent Zusatzentgelt. Und wenn ich es recht verstanden habe, noch 400 Euro nicht einmal, sondern jedes Jahr dazu. Wenn ich die mit 1 Prozent bewerte, so sind es 7,3 Prozent, was sich nicht sehr von den Arbeitgeberangaben von 7,7 Prozent unterscheidet. Bei zwei Jahren Laufzeit ergeben sich natürlich wieder keine 4 Prozent jährlich. Die wären sehr hoch gegriffen. Doch die etwa 3,5 Prozent sind mehr als ordentlich, zumal gleichzeitig noch immaterielle Änderungen ausgehandelt wurden.
Für welche Seite Flexibilisierung mehr Vor- als Nachteile erbringt, hängt von den konkreten Ausgestaltungen ab. Im Idealfal profitieren sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Verbesserungen für die Beschäftigten sind vor allem dort zu erwarten, wo starke Betriebsräte in der berühmten „vertrauensvollen Zusammenarbeit“ mit dem Arbeitgeber die Spielräume ausgestalten, also dort wo die IG Metall stark vertreten ist. Das zieht gerne den Vorwurf nach sich, Gewerkschaften kümmerten sich nur um ihre Klientel. Das dürfen sie auch, denn die anderen sparen sich das eine Prozent vom Bruttolohn. Trotzdem erhalten auch nichtorganisierte Mitarbeiter die Lohnerhöhung. Im allgemeinen zur Erhaltung des Betriebsfriedens, spätestens aber mit der Allgemeingültigkeit eines Tarifvertrages. Und selbst in Ausbeuterbereichen müssen die Arbeitgeber irgendwann nachziehen.
Die IG Metall hat durch Zurückhaltung in den letzten Jahren eine gut gefüllte Streikkasse aus den Beiträgen ihrer Mitglieder. Wer sich die gespart hat, mag gerne auf Gewerkschaften schimpfen und sich wilder gebären als der Arbeitgeberverband mit ebenfalls ordentlichen Einnahmen aus den Mitgliedsbetrieben. Zwischen diesen beiden Tarifpartnern wird hart verhandelt. Jeder anerkennt aber die Interessen des anderen. Keiner macht daraus eine persönliche Sache. Fühlt ein Betrieb sich zu stark belastet, kann er aus dem Arbeitgeberverband austreten. Der springt ihm aber nicht bei, wenn es zum Streik kommt. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sind gut beraten, sich zu organisieren und Verhandlungen den Profis zu überlassen. Solidarität ist gerade auf Arbeitnehmerseite gefordert, auch von denen, die voraussichtlich nie streiken werden und sich auch keine anderen Vorteile von einer Mitgliedschaft versprechen.
Für welche Seite Flexibilisierung mehr Vor- als Nachteile erbringt, hängt von den konkreten Ausgestaltungen ab. Im Idealfal profitieren sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Verbesserungen für die Beschäftigten sind vor allem dort zu erwarten, wo starke Betriebsräte in der berühmten „vertrauensvollen Zusammenarbeit“ mit dem Arbeitgeber die Spielräume ausgestalten, also dort wo die IG Metall stark vertreten ist. Das zieht gerne den Vorwurf nach sich, Gewerkschaften kümmerten sich nur um ihre Klientel. Das dürfen sie auch, denn die anderen sparen sich das eine Prozent vom Bruttolohn. Trotzdem erhalten auch nichtorganisierte Mitarbeiter die Lohnerhöhung. Im allgemeinen zur Erhaltung des Betriebsfriedens, spätestens aber mit der Allgemeingültigkeit eines Tarifvertrages. Und selbst in Ausbeuterbereichen müssen die Arbeitgeber irgendwann nachziehen.
Die IG Metall hat durch Zurückhaltung in den letzten Jahren eine gut gefüllte Streikkasse aus den Beiträgen ihrer Mitglieder. Wer sich die gespart hat, mag gerne auf Gewerkschaften schimpfen und sich wilder gebären als der Arbeitgeberverband mit ebenfalls ordentlichen Einnahmen aus den Mitgliedsbetrieben. Zwischen diesen beiden Tarifpartnern wird hart verhandelt. Jeder anerkennt aber die Interessen des anderen. Keiner macht daraus eine persönliche Sache. Fühlt ein Betrieb sich zu stark belastet, kann er aus dem Arbeitgeberverband austreten. Der springt ihm aber nicht bei, wenn es zum Streik kommt. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sind gut beraten, sich zu organisieren und Verhandlungen den Profis zu überlassen. Solidarität ist gerade auf Arbeitnehmerseite gefordert, auch von denen, die voraussichtlich nie streiken werden und sich auch keine anderen Vorteile von einer Mitgliedschaft versprechen.
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