Pro-Sieben-Frauentag
Dank meines IG-Metall-Taschenkalenders bin ich auf den Frauentag vorbe­reitet, sonst hätten mich die Werbe­spots über­rascht, mit denen sich Pro Sieben einen magenta­farbenen Anstrich verleihen möchte. Einer: 1903 gewann Marie Curie als erste Frau den Physik-​Nobel­preis. Bis heute gab es nur 3 wei­tere Preis­träge­rinnen im Bereich der Physik - in 118 Jahren.

Abgesehen davon, daß man auch auf 120 Jahre hätte erhöhen können und der Nobel­preis verliehen und nicht wie eine Pro-​Sieben-​Quizshow gewon­nen [1] wird, ist es leider richtig. Man hätte aber auch sagen können, daß es in der Chemie sechs nach Madame Curie waren [2], sie die/der erste Frau/Mann war, die/der einen Nobel­preis zweimal erhielt und mit zuneh­mender Weich­heit (Medizin, Frieden und Literatur) Frauen stärker, doch immer noch zu gering vertreten sind.

Statt über die letzten 100 Jahre zu lamen­tieren, könnte man auch das moderne Bestreben der alten weißen Physiker würdigen, in den Jahren mit Olym­piade oder Fußball-​Welt­meister­schaft und männ­lichen Hoch­druck­gebieten Frauen bei der Vergabe des Nobel­preises zumin­dest nicht voll­ständig zu über­gehen.

Woanders ist es viel härter. So hätte ich es gerne gesehen, wenn die zwölf­fache Snooker-​Frauen­welt­mei­sterin Reanne Evans dauer­haft auf die sog. Main Tour der 128 besten Spiele­rinnen käme. Nicht nur für Frauen, auch für Deutsche gilt: Interes­sieren sich genü­gend, wird es auch was mit den vor­deren Plätzen. Die Chine­sinnen haben das erreicht, zumindest die Männer unter ihnen. [3]

[1] Eben sagt Stephen Hawking zu Sheldon Cooper bei Pro Sieben, daß er noch (nunmehr sicher) keinen Nobel­preis „gewonnen“ habe, dafür aber bei Star Trek auf­treten durfte.

[2] Darunter die Frauenrechtlerin Irene Joliot-Curie, eine Tochter von Marie Curie.

[3] Und schon lese ich: Reanne Evans und Ng On Yee sind zum Frauentag in die Main Tour aufgenommen worden. Nun ist es ihre Aufgabe, darin zu verbleiben und Frauen für diesen Sport zu begei­stern. Glei­ches gilt für Deut­sche aller Geschlechter.

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HRH Meghan, geb. Merkle
Pünktlich zum Frauentag erfahre ich, daß Meghan ein Poc ist und Opfer unbe­dachter Bemer­kungen des engli­schen Königs­hauses wurde, die ihr nicht gefielen, und darauf kommt es ja an, darauf ist Rück­sicht zu nehmen, alles andere ist Ras­sismus. Ich traue mich schon gar nicht zu schreiben, daß ich die korrekte Stel­lung des kleinen H im Namen googeln mußte. So erfuhr ich auch ihren Geburts­namen, nun scheint sie nach­namenlos.

Das wäre an mir vorübergezogen, hätte ich als Fußgänger auf dem Super­markt­park­platz nicht einem Trans­porter den Vortritt gelassen. Als ich den Poc am Steuer sah, dachte ich: Was ein Glück, wäre ich etwas zügiger gegangen, dann hätte er viel­leicht bremsen müssen und denken können, ich habe mich zu forsch bewegt, und darauf kommt es ja an, darauf ist Rück­sicht zu nehmen, alles andere ist Ras­sismus.

Als ich wieder zu mir kam, fand ich allein diesen Gedanken rassi­stisch, denn ich lasse auch weiße alte Auto­fah­rer*in­nen aus der Tank­stellen­ausfahrt, die ja gar nicht wissen können, daß ich keinen Migra­tions­hinter­grund habe und mir andern­falls den Vortritt lassen müßten. Und als Opfer des weißen These-​Anti­these-​Deutsch­aufsatz-​Faschis­mus dauerte es nicht lange, und ich zog in Erwägung, mein Unter­bewußt­sein hätte seine Haupt­farbe eine Sekunde früher wahr­genommen und meinen Beinen signali­siert: Vorsicht, fährt wie wie eine besengte Sau.

Nachtrag: Eben höre ich aus dem Munde einer Adelsexpertin, Rasssimus sei der schwerste Vorwurf, den man machen könne. Wie steht es um Mord und Totschlag?

Nun ist der Witzbold Philip tot. Spontan dachte ich, er habe sich elegant einer Klage wegen Rassis­mus entzogen. Googeln aber verriet, er und die Köni­gin selbst seien expli­zit frei­gespro­chen worden, nicht von den Anklä­gern selbst, sondern von einer Kom­plizin namens Oprah, die nicht zu kennen ich bis vor einem Monat das Ver­gnügen hatte.

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Zack! Peng!
Smudo schildert bei Anne Will seine Luca-App: Man geht ins Restau­rant - zack! Man geht ins Stadion - peng! Man steigt in die Straßen­bahn - piep, piep! So einfach geht es mit Corona-​Verfol­gungs-​Appli­kati­onen aus privater Hand. Doch leider ist es nun zu spät, und die Verbrei­tung wird aus­bleiben, weil der normale Mensch sie nicht benö­tigt.

Natürlich wird wieder über Daten­schutz geredet. Und dazu kann ich eigent­lich nur wieder­holen: Es ist seit vielen Jahr­zehnten nicht gelungen, ein ordent­liches System der Verschlüs­selung und Authen­tifi­zie­rung zu eta­blieren. Ich laufe mit einem Finger­abdruck im Personal­ausweis herum, den ich nie benut­zen konnte. Vor einem Jahr hätte man schnell etwas hinpfu­schen können, für Corona ist es nun zu spät.

Bei aller Kritik: Ich habe bei der Corona-App nicht mit mehr gerechnet, denn wir sind ein Volk, daß jeden Scheiß teilt, für ein halbes Prozent Rabatt jeden Einkauf regi­strieren läßt, aber im Wohn­zimmer einen Frei­raum für Krimina­lität sieht, vor der Obrig­keit alles, nicht nur die Ein­künfte verheim­lichen möchte und deshalb den Daten­schutz groß­maulig hoch­hält. Was sollen Ent­wickler da machen? Ich habe einmal ein Projekt aufge­geben, weil sich Daten­schützer wichtig machten und die Umset­zung ihrer Forde­rungen mir mit vertret­barem Aufwand nicht mehr möglich war. Und da ging es noch nicht einmal um personen­bezogene Daten Fremder, sondern nur um Schutz, Abschot­tung und Privi­legie­rung der ange­stellten Benutzer.

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Ethnomathematik
Gestern las ich in in einer Mathematik-Gruppe etwas zur Frage, ob Mathe­matik rassi­stisch sein kann. Natürlich ging es gleich um 1+1=3 und sofort waren Charak­teri­stik 2 und andere Spaß­bei­träge nicht weit. Was soll man sonst auch dazu sagen? Und prompt bietet Google-​News mir heute einen Artikel über Ethno­mathe­matik zum Kauf an. Deshalb habe ich die allwis­sende Müllhalde bemüht und gelesen, daß es schon ein halbes Jahr­hundert Ethno­mathe­matik gibt. Es hätten wie bei Erbbio­logie und Rassen­hygiene auch mehr als hundert Jahre sein können, wenn man schon früher das Bedürfnis verspürt hätte, sich wichtig zu machen, Lehr­stühle zu besetzen und eigenen Wissen­schafts­zweig zu begründen.

Gegen ein Oberseminar zu ethni­schen Aspekten im Rahmen der Geschichte der Mathe­matik ist nichts einzu­wenden, wenn ich auch das Wort "ethnisch" weg­lassen würde, da es darauf abhebt, Art und Umfang der Mathematik hinge von der Ethnie oder gar der Rasse ab, nicht vom Wissens­stand, den reli­giösen und poli­tischen Rahmen­bedin­gungen, den Lebens­umständen, dem Wohlstand, der Muße und anderen Feldern der Erkennt­nis. Es sind doch gerade Mathe­matiker, die sich für Zahlen, Rech­nereien, Geome­trie, Kalender und Astro­nomie unserer Vorfahren interes­sieren und ihre Leistun­gen würdigen, wozu viele Weiß­seins­forscher gar nicht in der Lage sind.

Wenn man als Blödmann der Meinung ist, es gebe unter fremden Völkern eine andere Mathe­matik zu entdecken, so ist das seinem naiven Verständ­nis von anders oder seinem unbän­digen Ver­langen nach über­legener Anders­artig­keit geschul­det. Es mag eine andere Art, eine andere Sicht­weise, eine andere Vorstel­lung, eine andere vermu­tete Verbin­dung der Zahlen mit der Welt vorlie­gen, aber keine andere Mathe­matik. Sie ist für alle Menschen und Außer­irdische gleich, auch wenn sie eine andere Tiefe, andere Schwer­punkte hat, in anderer Darstel­lung und Nota­tion erscheint. Ich bin nie auf die Idee gekommen, russi­sche Mathe­matik sei schlechter, weil ich mit deren Lite­ratur in DDR-Über­set­zung Schwierig­keiten hatte.

Ein bißchen erinnert mich die Ethno­mathe­matik an die Blüte der weichen W-Wissen­schaften, darunter auch die Wirt­schafts­mathe­matik. Gerne darf man sie so nennen, wenn darin mathe­mati­sche Methoden zum Ver­ständnis der Wirt­schaft genutzt werden. Auch wenn umge­kehrt versucht wird, mathema­tische Methoden speziell für die Wirt­schaft zu ent­wickeln, meinet­wegen auch in der Mathe­matik wirt­schaft­lich zu denken. Letz­teres ist ja auch gut gelungen, weil man durch den W-Präfix an Gelder gekommen ist, die man im Fach­bereich Wahr­schein­lich­keits­theorie gerne genommen hat. Es ist natür­lich eine Ver­suchung, wenn man für Ethno­mathe­matik, kriti­sche Zahlen­theorie, Moral-Infor­matik, Computer-Hygiene, abstrakte Haltungs­theorie und Exo-Geome­trie, Geld, Lehr­stühle, Ruhm oder gar Nobel­preise bekommen kann.

Immer mehr Saubermänner wollen nicht nur die Mathe­matik vom Rassis­mus befreien, sondern die gesamte Welt, Wissen­schaft und Technik, insbe­sondere die Raum­fahrt. So wollte die Tages­schau anläßlich der Landung der letzten Mars­sonde Viel­falt zeigen und wies darauf hin, daß es nun auch eine „islami­sche Rakete“ gäbe. Gemeint war wohl die Sonde der Arabi­schen Emirate, die von einer japani­schen Rakete in eine Mars-​Umlauf­bahn gebracht wurde. Die ist so isla­misch wie der Burj Kha­lifa. Wer sich für poli­tisch korrekt hält, die Haupt­stadt von Portu­gal Lizha­bon nennt und Studie­rende demon­strieren sieht, sollte Nach­richten vor ihrer Ver­lesung viel­fältiger prüfen.

Ich bin ein alter weißer politsch inkorrekter cis-Mann, nenne Lissabon Haupt­stadt von Por­tugal, habe noch einen Studen­ten­ausweis und hatte „Mathe­matik in den Ländern des Islam“ [1] vertei­digt, gleich­wohl mit der griechi­schen, äypti­schen, mittel­alter­lichen Mathe­matik etwas korrekter von Völkern und Zeit­altern die Rede ist. Die Griechen litten unter einer mise­rablen Zahl­schreib­weise und malten gerne Bilder. Das sollten Moslems meiden und wurden große Rechen­künstler. Alle arbei­teten unter verschie­denen Voraus­setzungen, erzielten andere und früher auch weniger tief­liegende Ergeb­nisse. Doch eine andere Mathe­matik wegen einer abweichen­den Ethnie gab und gibt es nicht.

Die gegenwärtige Betonung von Ethno­mathe­matik ist für mich ein Zeichen zeit­geist­lichen Kampfes gegen den von uns Weißen versprühten Mikro­rassis­mus, der auch die mathema­tischen Leistun­gen fremder Völker gering­schätzt. Gerne kann dieser Verdacht unter­sucht und erhär­tet werden, doch ist das für mich keine Ethno­mathe­matik, weil es sich nicht um Mathe­matik handelt. Es würde mich nicht wundern, wenn diese Diszi­plin eines Tages auch die Aner­kennung fehler­hafter Ergeb­nisse verlangt, sofern sie aus exoti­scher Feder stammen. [2]

[1] Hans Wußing: 6000 Jahre Mathematik. Band 1: Von den Anfängen bis Leibniz und Newton. Springer, Berlin Heidel­berg 2008. Seite 41ff. Von mir bereits im Jahre 2018 unter dem Titel „Mathe­matik des Islam“ erwähnt.

[2] Mohammed-Reza Mehdinia: The Correct Value for π. Von mir bereits im Jahre 2006 zum 414. Geburtstag der Kreis­zahl erwähnt.

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Dritte Ableitung
Nach einem Jahr Corona wachsen die Kopf­zahlen zwar beständig, locken aber keinen mehr hinter dem Ofen vor, wenn nicht gerade eine Dezi­male mehr erfor­der­lich wird, zumindest die füh­rende Ziffer hochge­zählt werden muß. [1] Weitaus bedroh­licher wirkt die aktu­elle Entwick­lung, also die erste Ablei­tung, die uns in Form einer Sie­ben­tage­inzi­denz daher­kommt. Die war in schwin­delerre­gende Höhen gestie­gen [2], an die wir uns gewöhnt hätten, uns aber auf die Schulter klopfen konnten, da sie von 200 kommend auf weniger als ein Drittel schrumpf­te. [3] Mit dem Sinken beob­achten wir die zweite Ablei­tung, die man uns in der ersten Welle als R-Wert zumu­tete und dessen Fallen und Steigen die dritte Ablei­tung bein­hal­tend uns über­for­derte.

Zwischenzeitlich hat man Erfahrung gesammelt, dank der Herrn Lanz mit der Erkennt­nis punkten konnte, daß eine Halbie­rung von 200 auf 100 so schwierig sei wie eine von 70 auf 35. Das ist weit­gehend richtig und erschwert leider, nach­lassende Anstren­gungen im Nieder­gang zu erkennen, ob er in Stagna­tion und Wieder­anstieg über­gehen könnte. Immerhin beschäf­tigt man sich mittler­weile zuneh­mend vernünf­tiger mit den Zahlen, weshalb diese Gefahr schon vor andert­halb Wochen erkannt und nicht wie im Juni letzten Jahres über­sehen, igno­riert und bei­seite gehofft wurde.

Hätte das Robert-Koch-Institut die R-Werte nicht nach­lässig, geschönt und stark schwan­kend rausge­hauen und dann auch noch dubios korri­gierte Ver­gangen­heits­werte nachge­laden, sie also nicht beständig diskre­ditiert, könnte man ihnen unmit­telbar ent­nehmen, wo wir unab­hängig von den bereits Infi­zierten und auch unab­hängig von der derzei­tigen Last stehen: Unter 1 wird es besser, je tiefer, desto schneller. Steigen die R-Werte, kann man mit einem Lineal ermessen, wann sie die Eins­linie nach oben durch­stoßen werden und alles wieder schlechter wird.

Die Zahlen sind hoch und ebenmäßig genug, um daraus recht genau eine stabile dritte Ablei­tung zu berechnen. Das erlaubt die Fest­stel­lung, daß der R-Wert bereits deut­lich über der 1 liegt und zur Zeit um fast zwei Prozent täglich steigt. Das möchte nicht jeder hören. Es ist aber so. Man kann den Menschen gerne Mut machen, wenn man ihnen zugleich vermit­telt, daß sie zur Erfül­lung ihrer Hoff­nungen die Arsch­backen stärker und dauer­haft zusammen­kneifen müssen. Dazu reicht ein Blick auf die Zahlen:

In Deutschland 242.000 Infizierte (positiv Getestete) und 70.000 Tote (an oder mit Corona gestorben) insge­samt. Tag für Tag 7850 Infizierte mehr, mit stei­gender Tendenz (R=1,06), die täglich um 0,02 wächst. Auch 330 Tote pro Tag (Krebs 630, Drogen 4), zwar sinkend (R=0,86), doch gemessen an den Infi­zierten zwei Wochen zuvor bei 4,2 Pro­zent stag­nie­rend. Sieben­tage­inzi­denz 66, Ver­doppe­lung der Infi­zierten in den letz­ten 79 Ta­gen, bei gleich­blei­ben­dem R=1,06 eine Ver­doppe­lung der Sieben­tage­inzi­denz binnen 48 Ta­gen von 66 auf 132.

Er ist zwar verständlich, bei wieder anziehenden Zahlen, Menschen damit trösten zu wollen, daß immer weniger sterben, doch täuscht das nicht darüber hinweg, daß mit der zweiten Welle 60.000 in den Sand gesetzt wurden und eigent­lich auch die 10.000 Toten der ersten nicht hätten sein müssen, wenn man die nullte Welle im Februar ernst genom­men hätte. Nun wird von Impf­er­folg geredet und von einer Reduk­tion der Sieben­tage­inzi­denz von 200 auf 70 für Menschen über 80 im Laufe des Februar. Ver­schwie­gen wird jedoch, daß dieser Effekt von den Jün­geren wieder aufge­fressen wurde. Das auf Muta­tionen zu schieben, ist billig. [4]

Schon in der ersten Welle fiel mir auf: Zieht Unheil herauf und wird mit Ein­schrän­kungen gedroht, steigen die Anstren­gungen. Tritt Gewöh­nung ein, ist Öff­nung oder gar Besse­rung in Sicht, lassen sie nach. So war mir auch klar: Wird geimpft, denken viele, das Ende sei nahe, und erei­fern sich nur noch über die Geschwin­dig­keit. Um dauer­haft unter R=0,8 (Halbierung in zwei Wochen) zu kommen, sind Zwangs­maß­nahmen erfor­der­lich. Dazu wird es nicht kommen. Wir warten drei Monate, bis der Impf­vorteil die Igno­ranz kompen­siert, und dann bis Weih­nachten, da jedem ein „Impfangebot“ unter­breitet wurde und sich kaum Unschul­dige noch infi­zieren oder gar sterben.

[1] Bis Weihnachten sollten 10 Millionen Tote in der Welt und 100.000 in Deutsch­land zu schaffen sein.

[2] In der ersten Welle hatten wir in der Spitze 6000 Infizierte am Tag. Auf 83,5 Mil­lio­nen Ein­wohner umge­legt ergibt das eine Inzi­denz von 50 pcm pro Woche (Sieben­tage­inzi­denz 50).

[3] Von maximalen 217 in der Woche um den 4. Advent auf min­imale 60 zum Valen­tinstag. Das Robert- Koch-​Institut mußte sich wegen bekannter Rechen­tricks nie über 200 wagen.

[4] Schon lage hege ich den Verdacht: Sind die Verhältnisse in einem bunten Land katastrophal, so wird zur Rassimusvermeidung eine neue Mutation postuliert. Natürlich findet man eine. Der schiebt man dann alles zu. Das ist Virologie heute.

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Coronale Ethik
Gestern war Herr Lanz mir fast sympathisch, weil er angesichts der Betrof­fen­heits­riege unter den Gästen, nicht mehr seine übliche Frage stellte, was das denn mit uns mache, sondern dafür plädierte, den Menschen die Wahrheit zu sagen.

Dauergast Karl Lauterbach stieß mit seinen bekannten deut­lichen Worten auf hefti­gen Wider­spruch: Während die Vorsit­zende Alena Buyx des Ethik­rates noch über Impf­gerech­tig­keit und nicht­töd­liche Folgen fabu­lierte, forderte die Provinz­ärztin Lisa Federle ganz klar auf, die Wahrheit zu verschweigen und den "Leuten" Hoff­nung zu machen, während Heribert Prantl sein neues Buch vorstel­lend Angst um Grund­rechte und Parla­menta­rismus vor­täuschte. Drei aus der akade­mischen Corona der Quer­denker. Einen Vertreter der AfD einzu­laden, wäre vernünf­tiger gewesen.

Weshalb regt mich dieses übliche Gelaber noch auf? Warum schreibe ich das hier? Weil ich das Ende sehr lehr­reich fand: Wieder einmal durfte jeder zum Schluß noch etwas sagen: Zunächst die beiden Damen, egal ob diese formale Höflich­keit von Vorteil ist, denn dadurch hätte Karl Lauter­bach das letzte Wort. Doch dazu kam es nicht. Die Betrof­fen­heits­tussi mit dem eigen­artigen Akzent riß es an sich und warf ihm vor, den Menschen Angst zu machen. Eines von diesen Meta-​Haltungs-​Tot­schlag-​Argu­menten, dem Herr Lanz dankens­werter­weise anfügte: Ein guter Onko­loge sagt auch die Wahr­heit.

In den goldenen Zeiten vor Corona kannte man Ethik nur als Alter­native zum Reli­gions­unter­richt, aber keine Ethik­rätinnen, die in den USA mit einem reichen Mann an der Seite das Zeug zu einer Charity-​Lady hätten. Irgendwie erinnert mich das an alte Gewerk­schafts-​Zeiten: Als die Männer keine Lust mehr auf Ver­trauens­leut* hatten, rückten Frauen nach. Später ersetz­ten sie in den Betriebs­räten die lust­losen Männer. Jetzt haben sie die Ethik­nische entdeckt. Google hat von ihnen die Nase voll. Und ich möchte auch keine KI-Systeme auf ideo­logi­scher Basis, sondern solche, die in hundert Jahren das Bemühen und die Redlich­keit ihrer Schöpfer aner­kennen.

Und sie werden hoffentlich sagen: Karl Lauterbach, Du hattest weit­gehend recht. Nicht alles stimmte, aber das konntest Du nicht ahnen. Nicht alles traf ein, es hätte aber gut so kommen können, vor allem, wenn man den Auffas­sungen Deiner Kritiker freien Lauf gelassen hätte. Gesin­nungs­ethiker, die zu Deiner Zeit die coro­nalen Reste ihrer vergan­genen moral­theolo­gischen Eng­stirnig­keit bei­sammen halten wollten, indem sie wirt­schaft­liche Inter­essen, postu­lierte Grund­rechte, persön­liche Befind­lich­keiten, psychi­sche Anfäl­lig­keit und viro­lenten Anti­rassis­mus ein­arbei­teten, haben sich in den leeren Raum verflüch­tigt, mußten Vernunft, Realität und Verant­wortung Platz machen.

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Widerstandslinie
In den sinnleeren Börsennachrichten ist gelegent­lich von Wider­stands­linien die Rede, besonders gerne bei Kursen mit mehreren Nullen am Ende. Das kann nur inso­fern einen Funken von Wahrheit enthalten, als viele Anleger diese Linien fürchten, zumindest annehmen, ihre Mitbewerber an der Börse würden sie beachten. Keine Linien, doch Wider­stand gibt wirklich. Oben riskiert man, mit der Gier zu spät zu kommen und über­teuerte Papiere zu kaufen, die bald in den Keller fallen. Unten hat es mit den Massen­verkäufen aus Angst oder trif­tigem Grund späte­stens dann ein Ende, wenn der wahre Wert des Unter­nehmens erreicht ist oder ein Großteil der Aktien sich in Händen derer befindet, die nicht handeln, sondern halten und auf bessere Zeiten warten.

Mit Corona ist es ählich. Kurz vor 500 setzt Panik ein, und knapp über 50 pcm pro Woche [1] nicht nur Nach­lässig­keit, es macht sich auch der Boden­satz derer bemerk­bar, die sich nie an Regeln hielten und zu Zeiten hoher Inziden­zien [2] in der Masse unter­gingen. Es mag sein, daß neben allge­meiner Müdig­keit auch der Kar­neval den R-Wert wieder über die Eins getrieben hat. Wegen der Über­lage­rung mit anhal­tender Reni­tenz im Süden der Zone und wie jetzt in Bremen auftre­tenden begrenz­ten Ausbrü­chen, kann ich das den Zahlen nicht entnehmen. Wahr­schein­lich auch kein Mathe­matiker, der beruf­lich damit befaßt ist, auf viele Daten zugrei­fen kann und es bei Herrn Lanz [3] auch nur auf eine Palette extre­mer Szena­rien bringt, für die Detail­wissen über­flüssig ist.

Immerhin konnte Herrn Lanz seine offen­sicht­lich frische Erkenntnis bestä­tigt werden, daß es von 50 auf 25 genauso lange dauert wie von 200 auf 100, auch wenn das Bild vom brem­senden Auto völlig falsch war. Das bilden sich nämlich nur Raser ein. Und ganz richtig ist die Vorstel­lung kon­stanter oder gleich­schwerer rela­tiver Abnahme der Infi­zierten auch nicht. Oben kann man im Bild des Auto­fahrers bleiben, der mit zuneh­mender Geschwindigkeit kaum noch gegen den Fahrtwind ankommt. Unten ist es jedoch anders. Es geht auch loga­rith­misch immer schwä­cher bergab. Wie ein Eimer Wasser nicht leer wird, wenn das Loch an der Seite und nicht im Boden ist, um ein weiteres blödes Bild zu bemühen und die Frage zu stellen: Müssen wir den Boden mühsam aus­schöpfen oder lassen wir ihn langsam ver­dunsten?

[1] Eine Siebentageinzidenz von 50 bedeutet 6000 Infi­zierte jeden Tag. Eine Zahl, die vor einem Jahr noch Angst und Schrecken ver­breitet hätte und nur wenige Tage auf dem Höhe­punkt der ersten Welle erreicht wurde.

[2] Diesen sich bildungssprachlich gebenden Plural höre ich immer wieder.

[3] Ekelhaft, wie auch Herr Lanz sich begierig einreiht in die Riege der vermeint­lichen Bildungs­bürger, die mit ihrer mathe­mati­schen Unbe­lekt­heit koket­tieren.

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Das Ende ist nahe
So langweilig das ständige Corona-Gerede auch ist, habe ich mir dennoch die heutige Diskus­sion zu Bürger­fragen im line­aren Live-​Stream bis zum Ende ange­sehen, weil ich zwei bekannte, aber wichtige und erwäh­nens­werte Punkte gehört habe:

Zum einen betonte Klaus Cichutek von der Ständigen Impfkommission mehrfach, daß die Priori­sierung der Impfung nach Erkran­kungs-, nicht Infek­tions­risiko geschehen solle, wonach die 75- bis 80-Jäh­rigen eher dran seien als irgend­welche Berufs­gruppen, sofern sie nicht ständig direkt mit der Haupt­risiko­gruppe in Kontakt kämen. Er räumte jedoch der Politik das Recht ein, aus gutem Grund davon abzu­weichen, etwa Erzieher früher zu impfen. Für mich bedeutet das einfach: Leben und Gesund­heit von älteren Menschen muß „ein stückweit“ hinter dem Bildungs­auftrag zurück­stehen.

Zum anderen meinte Jens Spahn, es sei ganz wichtig, mit den Menschen zu sprechen und die Fakten ständig zu wieder­holen. Auch dem stimme ich zu, gleich­wohl es nur wenig zu verkünden gibt, was wirk­lich inter­essant ist und nicht auf der Hand liegt. Doch Wieder­holung erhöht die Glaub­würdig­keit und verbes­sert die Stim­mung. Deshalb müssen immer wieder blöde Impf­fragen beant­wortet werden, gleich­wohl wir seit Jahr­zehnten uns gegen alles mög­liche impfen ließen, ohne zu wissen oder zu fragen, was ein Vektor ist.

Insgesamt fühle ich meine Auffassung bestä­tigt, daß Erfolg und Scheitern stark von Propa­ganda, Angst, Durch­halte­vermögen, aber auch Ermü­dung, Vergnü­gungs­sucht und Reni­tenz abhängen, kaum von laschen Vor­schrif­ten und zumin­dest jetzt noch nicht von Impf­raten. Wenn nunmehr drei Prozent der älteren Menschen geimpft wurden, dann sollte das Infek­tions-R leicht, das Sterbe-R deutlich sinken. Beides ist nicht der Fall. Der Impf­erfolg wird in Nach­lässig­keit umge­münzt.

Auch ein Langzeitlerneffekt ist zu sehen: Im April ging es den meisten noch am Arsch vorbei, ob man den R-Faktor weiter drücken solle, um auf dem Pfad einer Normal­vertei­lung Corona so schnell gehen zu lassen wie „sie“ gekommen ist, oder ob man knapp unter der Eins düm­pelnd nur exponen­tiell fällt. Und im Juli glaubten viele noch, es ginge nach dem Tönnies-​Berg wieder wie zuvor schlei­chend bergab, weil das „Containment“ es schon richten werde. Doch inzwi­schen scheinen die Medien früh­zei­tiger zu sehen, daß sich das geringe Gefälle nicht nur abschwächt, sondern es bald wieder bergauf gehen kann.

Ich hoffe, die Politiker haben dazugelernt und geben den erneuten Öffnungs­diskus­sions­orgien nicht nach. Für das wirk­samste Mittel ist es wohl zu spät: Die Einschrän­kung des Auto­verkehrs auf ein absolut notwen­diges Maß. Ohne Ausnahme­geneh­migung nur eine Person im Wagen, Höchst­geschwin­dig­keit von 100, Umdefi­nition der Zahl auf Schil­dern zur Geschwindig­keits­beschrän­kung von Kilo­meter auf Kilo­yard. Dann wäre Schluß mit Familien­kutsche­reien und dem dämli­chen Gelalle der Vertreter einer freien Fahrt für freie Bürger, Bus­fahren müsse wie Restau­rant­besuche verboten werden.

Bei aller Misanthropie bin ich zuver­sichtlich. Die Menschen sind wie sie sind, die Evolu­tion wird an ihnen nicht scheitern. Wenn die Blumen gewachsen sind, für die Mütter­chen heute Erdsäcke schul­terten, also noch dieses Jahr, werden wir mit dem Virus leben, ohne es „gelernt“ zu haben: Jeder kann sich impfen lassen, alles ist für alle offen, Kranke und Tote muß keiner mehr fürchten oder bedauern, anders als bei Masern trifft es kaum unschul­dige Kinder verant­wor­tungs­loser Erwach­sener.

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