Nafri
Wer wie ich die Muße hat, gelegent­lich die teil­weise auf mehren Kanälen gleich­zeitig laufenden nach­mittäg­lichen Polizei-​Werbe­sendungen zu sehen, wird einige lustige Abkür­zungen kennen oder zumin­dest gehört haben. Ein ganzes Jahr ging eine an mir vorüber, doch die Bild­zeitung klärte mich zum Jahres­wechsel auf:

„Seit dem Silvester-Mob kennt man auch dieses Polizei-​interne Wort: 'Nafri'. Kurz für 'Nord­afrika­nischer Intensiv­täter'.“

Ich könnte mir gut vorstellen, daß dieses lautlich so schöne Wort Anlaß gibt, von sprach­licher Herab­würdigung über­wiegend Unbe­schol­tener zu sprechen, um sodann die General­verdachts­keule schwingen zu können. Und die Polizei wird sich entschul­digen, dieses N‑Wort im Qualitäts­medium Twitter verwendet zu haben.

[1] Karim Dabbouz: Seit gestern bin ich Nafri. Achgut, 01.01.2017

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Richtig, die üblichen Verdächtigen haben sich gebührend empört über den Begriff. Wobei man zugeben muss, dass sich die Polizei mit dem fraglichen Tweet ein Eigentor geschossen hat, denn zum Zeitpunkt der Kontrolle dürfte die Intensivtäterschaft von Hunderten von Kontrollierten noch keineswegs zweifelsfrei festgestanden haben.

Mir ist der Begriff erstmals vor rund zwei Jahren begegnet. Rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof war diese Personengruppe schon eine ganze Weile vor dem Kölner Silvestertreiben auffällig geworden. Die Lokalpresse hat sich anfangs auffällig zurückgehalten, die Nationalität der Antänzerbanden zu thematisieren, aber irgendwann fiel im Zusammenhang mit Razzien im sogenannten Maghrebviertel dann auch das N-Wort öffentlich. Von daher überrascht es mich, dass es erst jetzt so eine Welle macht.

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Wir waren seinerzeit gegen Raster­fahndung, doch fühlte ich mich nicht vorver­urteilt oder gar zum Gammler stigma­tisiert, wenn ich von der Polizei nur deshalb ange­halten wurde, weil ich mit langen Haaren Volvo fuhr.

Seinerzeit kannte jeder Linke einen, der mit Kaufhaus­dieb­stählen oder damit prahlte, daß in seinem Studenten­wohnheim ein Terrorist über­nachtet hatte. Eine gewisse Sippen­haft schien mir deshalb schon damals gerecht­fertigt.

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Dessen ungeachtet wünsche ich Ihnen ein gutes und friedliches neues Jahr. Ich hoffe, 2017 mag Sie.

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Vielen Dank. Ich weiß nicht, was 2017 mir bringt, doch zeichnet sich ein erfreu­licher Umschwung ab: Die Zeit der Sprach­gängelung ist vorüber. [1] Nicht wegen der AfD darf man sich der deutschen Sprache wieder vollum­fänglich bedienen, vielmehr wurde der rechte Rand erweckt durch eine materielle Ober­schicht, die sich im Angesicht der einfachen Menschen schamlos bedient, und poli­tisch korrekte Gutmen­schen, die dem gemeinen Mann auch noch übers Maul fahren.

Das Wort Nafri könnte in die Geschichte als Wende eingehen, denn es bezeichnet eine Gruppe, die wenig Differen­zierungs­bereitschaft erregt, und kommt zu einer Zeit, da das Qualitäts­fernsehen eine Diskussions­pause hat, weshalb der breiten Öffent­lichkeit die Leier der üblichen Rand­grupen und Schön­geister erspart bleibt. So kann in gemessenem Abstand vernünftig darüber gesprochen werden, ob wir immer Farbiger, Muslim, Inuit, Romma, Beijing, Mumbai, Barthe­lona, Deutsch­afrikaner, Geflüchteter sagen müssen. [2]

[1] 2026: Das meinte ich damals zu sehen. Doch immer mehr kleinste Minder­heiten und Psycho­pathen versuchen mit Hilfe am linken Rand in den Abrund schau­ender Politik­schran­zen uns nicht nur sprach­lich zu bevor­munden, sondern auch ihnen nicht genehme Aussagen zu behin­dern, gar zu bestrafen.

[2] Farbiger ist schon lange überholt, und Geflüch­tete sind bereits Schutz­suchende. Raider heißt jetzt Twix und der Hartz-IV-​Euphe­mismus Bürger­geld nun Grund­siche­rung.

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Frohes Neues auch hier in die Runde!
Aber eine grundsätzliche Wende vermag ich derzeit nicht zu erkennen, nur weil da jetzt vielleicht mal ein polizeiinternes Kürzel in den allgemeineren Sprachgebrauch durchgerutscht ist. Es wird ja nicht mal mehr von Geflüchteten geschrieben, da ist fast nur noch von "Schutzsuchenden" die Rede. Ein Bösewicht, wer da nicht an Kleinkinder mit großen traurigen Kulleraugen denkt.

Zum anderen ist es auch nicht so, dass Begriffe wie Neger, Bimbo, Zigeuner und Scheinasylant explizit verboten wären. Aber wer weiß, ob wir es noch erleben. Die Vorstöße der Politik, sogenannte "hate speech" offensiver anzugehen und zum Straftatbestand zu erheben, haben ja gerade erst angefangen. Dann geht es nicht nur mehr um Worte, sondern auch um Gefühle dahinter, und das schnürt das Benimmkorstett ja wohl gleich um mehrere Löcher enger.

Man könnte also sagen, die heiße Phase des Kampfes um Deutungshoheit geht gerade erst los.

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Wende: Ich hoffe zumindest auf einen sprach­lichen Umschwung. Am Neujahrs­morgen sah ich noch viel Empö­rung kommen, zwei Tage später müssen die üblichen Bedenken­träger zurück­rudern, eine Entschul­digung für den laxen Sprach­gebrauch reicht. In Zukunft wird man sich mit weniger Scheu aus­drücken können, die deutsche Sprache wird wieder freier, blumiger, humoriger. Das bedeutet nicht, Negride wieder Bimbo oder auch nur Neger zu nennen. Die deut­schen Mutter­sprachler sind zumeist zivi­lisert und werden nur dort abwer­tende Begriffe nutzen, wo sie auch gerecht­fertigt, zumin­dest so gemeint sind. Viel­leicht kommt wieder eine Zeit, da man Negerkuß ohne Angst vor reflex­artigen Entgeg­nungen sagen kann. Oder noch besser: Die durch Nafri getrof­fene Ziel­gruppe arbeitet an sich selbst, sondert die zurecht so Bezeich­neten aus oder besetzt den Begriff positiv, zumindest neutral.

Hater: Da fängt es schon an. Gibt es für sie ein deutsches Wort? Für mich sind sie kein Problem, denn sie sind leicht erkennbar und gehen im Meer der Lobhude­leien unter. Problema­tischer sind Falsch­meldungen. Viel­leicht ist es richtig zur Beschnei­dung von Extremen eine volle Namens­nennung zu verlangen. [1] Dann könnte Frau Künast möglicher­weise sofort erken­nen, daß ihr die täuschend echte Äußerung nicht von einem dummen Nazi, sondern durch einen begna­deten Witzbold in den Mund gelegt wurde.

Schutzsuchende: Das ist ein verschlei­ernder und beschöni­gender Begriff wie Entsorgung. Zur Reihe Flüch­tiger–​Flücht­ling–​Geflüch­teter kam mir sofort Meteo­roid–​Meteor–​Meteo­rit in den Sinn, denn auch in der Wissen­schaft kann man leicht der laxen Wortwahl bezich­tigt werden. Selbst Negride soll es nicht mehr geben. Trotzdem: Meine ostpreu­ßische Mutter sieht sich noch heute als Flücht­ling. Und so mancher Ossi bleibt für mich ein Republik­flüchtiger.

[1] 2026: Auch das sehe ich heute anders, denn hinter der aktuellen Forde­rung nach Klarnamen steht nicht das redliche Bemühen, mißlie­bige Äuße­rungen zuordnen und damit relati­vieren oder gar verstehen zu können, meinet­wegen auch die Schreiber­linge zu einer Zurück­haltung zu bewegen, wie sie im persön­lichen Gespräch normaler­weise üblich ist, sondern die Unter­drückung, ja Bestra­fung politisch uner­wünschter Texte, Bilder und Filme, während der eigene Haß, die eigene Hetze und vor allem der eigene Schw&ach­sinn als sozial aner­kannt unbe­helligt bleibt. Um den Schutz Minder­jähriger geht es nicht!

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Mein Chemielehrer der Mittelstufe
ging immer völlig steil, wenn jemand "Oxyd" statt "Oxid" schrieb oder sagte, das fand ich damals völlig unverhältnismäßig. Aber es hat mich gelehrt, dass die Wissenschaft von heute womöglich nur die erkannte Irrlehre von morgen ist.

Und weil Sie "Farbiger" sagten - das war in den 70ern ein Ausdruck von vermeintlicher Feinfühligkeit, heute steigen Ihnen die Vertreter der Starkpigmentierten dafür aus Dach. Wer wirklich ablästern möchte, wird immer einen Weg finden, dagegen werden auch keine hate speech-Gesetze helfen. So wird in gewissen Blogs gern von "Fachkräften" und "Kulturbereicherern" geschrieben, und allein der tendenziell xenophobe Kontext macht diese dem politischen Gegner entwendeten Begriffe zur effektiven Waffe.

Den Negerkuss können wir meinetwegen in der Mottenkiste lassen, und wenn mir danach ist, verwende ich den Begriff trotzdem, auch wenn jemand mit den Augen rollt. Das kann ich ab.

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Zu meiner Schulzeit gab es zwar bereits Oxide, aber immer noch die Oxy­dation. Als ich in diesem Jahr­hundert mit Holle­mann-​Wiberg von kornb­lumen­blauer Farbe sprach, hielt man es wohl für einen Witz. Wer 16 Jahre nach dem Jahr­tausend­wechsel die Schule mit dem Abitur verläßt, ist auf dem wissen­schaft­lichen Stand von 1850, darf aber viele Bemü­hungen des 20. Jahr­hun­derts als veraltet und vor­urteils­beladen abtun. Zwar kann er anschlie­ßend jede mensch­liche Furzart von Event­manage­ment bis Rasen­gestaltung studieren, traut sich aber keine Bezeich­nung für Negride, Neger oder Farbige zu und flüchtet sich in die Behaup­tung, die Unter­teilung der Menschen in Unter­arten werde ihrer Vielfalt nicht gerecht. Aber bei wehrl­osen Hunden gelingt es, obwohl sie noch viel­fältiger kreuz und quer vögeln.

Ich fühle mich um die vielen Tage betrogen, die ich damit zubrachte, Welt­karten mit zahl­reichen anthropo­logi­schen Merk­malen der Urein­wohner (als die Ameri­kaner weder weiß noch schwarz waren) abzu­zeichnen. Schon damals war klar, daß die Haut­farbe ein schlechtes Rasse­merkmal ist, Haar­textur und Blut­gruppen aber recht scharfe Grenzen bilden, wie die zwischen Rotkohl, Rotkraut und Blau­kraut. Die noch ältere Farb­gebung rot, gelb, schwarz und weiß war geradezu genial und wertfrei im Vergleich zur heu­tigen Sprach­losig­keit. Man interes­sierte sich eben noch für die Vielfalt. Grüne gab es damals noch nicht.

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Grüne gab es damals noch nicht.

Allenfalls in Form grüner Männchen vom Mars. Da hätte sich auch noch niemand von uns träumen lassen, dass "kritische Weißseinsforschung" mal ein ernstzunehmendes Forschungsgebiet wird.

Und ehrlicherweise muss man auch sagen: Das Interesse an der Vielfalt war oft genug der Vorwand, die vermeintliche Überlegenheit der Weißen zu zementieren. Was z.B. Albert Schweitzer so alles über die afrikanischen Ureinwohner schrieb und wie man sich als Weißer denen gegenüber zu verhalten habe, das hätte auch von gemäßigteren Ku-Kux-Klan-Sympathisanten kommen können.

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Grüne Männchen vom Mars würden sofort die mensch­lichen Unter­arten erkennen, zumal selbst kleine Kinder in alten Schwarz­weiß­filmen den weißen Farmer, den schwarzen Sklaven und den gefie­derten Indianer ausein­ander­halten können. Aber ich will nicht jammern, denn es wird besser. Wer nach Simone Peter noch die General­verdachts­keule schwingt, gibt sich der Lächer­lich­keit preis. Und wer sich präg­nanten Begriffen verweigert, den wird das neue Jahr­tausend enttäuschen. Vernunft setzt sich auf Dauer durch.

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Statt belästigter Frauen gab es diesmal Böllertote, gleich­wohl ich aus dem Fenster blickend jedes Jahr weniger Feuer­werk zu sehen glaube. Weshalb war es an der Sex­front leiser? Mir fallen spontan vier Gründe ein:

1. Die Plätze sind erobert, das Ziel erreicht.
2. Frauen fehlen oder sitzen in Zelten am Rand.
3. In der Hand waren die selbstgebastelten Böller.
4. Whatsapp ist ausgefallen.

Bisher ist noch kein Zettel aufgetaucht, den ein Marok­kaner abseits des Gesche­hens in Bonn gefunden haben will, in Wirk­lich­keit aber aus dem Vokabel­heft seines Bruders stammt, der damit die heimat­lichen Strände erfolg­reich auf und ab läuft. Wie dort üblich rechts ara­bisch und links deutsch: „Ich habe eine über­raschungen – gelegen­heit – Große Brüste – Fucken – Ich will fucken – ich will dich küssen – ich TüTe sie ?icken – Ich will töte dich küssen – Was ist sie? – ich­scherze­mit­Ihnen – diese – ich erinne mich – Ichs che ze“

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