Röslersche Mengenlehre
Herr Rösler rettet auf dem Dreikönigstreffen die FDP. Auch mit einer Ablehnung unnötiger Schulreformen. Er berichtet, zu seiner Zeit habe man Mathematik durch Mengenlehre ablösen wollen und gelehrt: Befinden sich fünf Personen in einem Raum und es gehen sieben raus, dann müßten noch zwei reinkommen, damit keiner mehr drin ist. Eher ein schlecht erzählter Mathematikerwitz denn eine Paradeaufgabe der Mengenlehre.

Kurze Zeit später erwähnt der Kommentator Jürgen W. Falter, was auch mir zu Röslers Mengenlehre spontan durch den Kopf ging, daß die FDP nun die Talsohle erreicht hätte und die Umfragewerte negativ würden, wenn sie könnten. Die ungeliebte Mengenlehre hilft der FDP. Selbst die leere Menge hat keine negative Mächtigkeit.

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1433
Mein türkischer Gemüsehändler hatte schon am Freitagabend Neujahr gefeiert, mein türkischer Kollege weist den islamischen Kalender von sich, ich dagegen halte mich an Rechnungen von Spezialisten, die den 1. Muharram 1433 auf den heutigen 27. November 2011 legen. Und das ist nicht irgendein Tag, sondern der erste Adventssonntag und damit auch Beginn des christlichen Kirchenjahres. Zuletzt passierte das im Jahre 1913, und für das nächstemal ist bis 2434 zu warten, sofern ich mich nicht verrechnet habe.

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89 Promille
Was in der Wahlnacht noch lustig war, wenn ein Pirat nach politischen Erfahrungen befragt zugibt, schon einmal auf der Besuchertribüne des Parlamentes gewesen zu sein, weshalb er sich für die dortige Twitter-Erlaubnis einsetzen wird, wandelt sich Tag für Tag und mit jedem Bericht in Übelkeit. Ich kann auf Rauschkundeunterricht verzichten, möchte keine Naturgesetze voten und verabrede mich bei Facebook nicht zum Kielholen.

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18 Promille
Endlich hat die FDP ihr Ziel erreicht. Und schon tut mir Herr Lindner leid, wenn er es schön reden muß. Jahrzehnte hatte die FDP gemessen an den Mitgliedern viele Posten zu vergeben. Und nun sitzt er auf einem lahmenden Gaul.

Secarts

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Formeltanz
Als ich "Tanzen auf Mathe-Formeln" als Überschrift [1] las, kamen mir spontan zwei Möglichkeiten in den Sinn: Man könnte Formeln wie Namen tanzen, aber auch einen höheren Anspruch stellen, nämlich ohne inhaltlichen Verlust die mathematische Schönheit tänzerisch darstellen.

Doch leider geht es nur um die moderne Version der Lichtorgel: Zur Musik wird getanzt, und im Hintergrund flackert ein Bild, das irgendwie dazugehört, nicht von einem Künstler erschaffen, sondern mit dem Computer fouriertransformiert [2]. Damit ist die Mathematik im Boot. Biologie kommt über die Fledermäuse ins Spiel, und Sport liegt nicht weit vom Tanz.

Sicherlich sind Unterschiede in den Spektren von Maria Callas und Janis Joplin augenfällig, man kann sie aber auch hören. Die Computerbilder sind allenfalls Unter­malung, die Tanzlehrerin nennt es vornehm Rückkopplung. Bis zur Vorkopplung ist es noch ein weiter Weg. Mit errechneten Stromstößen in die zu bewegenden Muskeln könnte das Kleinhirn sie erlernen.

Ich hätte mir die Vorführung gerne angesehen, auch springen in diesem Zusammenhang sicher Diplomarbeiten heraus, und es mag wirklich "ohne Mathematik heute in der Bewegungslehre-Forschung nichts mehr gehen" [3]. Formeln aber wurden nicht getanzt. Das weiß wohl auch der Autor Wolfgang Albers. Doch "Mathe-Formeln" in der Über­schrift konnte er sich nicht verkneifen. Auch nicht den "russischen" Mathematiker und den "Tellerrand" der Fledermaus-Forschung.

[1] Wolfgang Albers, Tanzen auf Mathe-Formeln - Biologie, Mathematik und Sport kooperierten für ein ungewöhnliches Projekt, tagblatt.de, 05.07.2011

[2] Lustigerweise steht in [1] einmal "Trandformation" geschrieben. Sicherlich ein Tippfehler, aber eine bezeichnende Mischung aus Trend und Trans.

[3] Veit Wank in [1]. Doch war weit vor der Erfindung des Computers schon klar: Der Flug des Diskus ist nicht einfach.

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Manege statt Mathematik
Manege statt Mathe hieß es vier Tage lang in der Janosch-Grundschule in Oberlar [1]. So beginnt ein kurzer Artikel, der in seinem weiteren Verlauf die Mathematik nicht mehr erwähnt. So erfahren wir nicht, ob wirklich Mathematik-Unterricht ausgefallen ist. Wahrscheinlich schon, aber wohl auch Deutsch und Englisch und auch der so wichtige Sportunterricht. Manage statt Musik wäre lautlich auch gegangen, schied aber aus. Zum einen ist Musik in unserer dauertanzenden Gesellschaft sozial anerkannt. Zum anderen wird zumindest in einem richtigen Zirkus auch musiziert. Und im nächsten Jahr wird erklärt, warum der Zirkus nicht Quadratus heißt und wie man eine runde Manege hinbekommt.



[1] Manege statt Mathematik, Extra-Blatt, 28.06.2011

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Tau-Tag
Der sog. Pi-Tag am 14. März breitet sich in den USA wie Halloween aus, nur mit Kuchen statt Kürbis. Das sehen die Pi-Gegner nicht gerne und halten am 28. Juni mit doppelt soviel Pies dagegen. Für sie ist τ=2π=6,28... die bessere Kreiszahl. Auf den ersten Blick mag das sinnvoll scheinen, zumal 2π allenthalben in Formeln vorkommt und sich auf τ verkürzte. Dann wäre nicht 2πr, sondern einfach τr der Kreisumfang. Und der rechte Winkel als Viertelkreis hätte ein Bogenmaß von τ/4 statt π/2. Mit π rechnen wir nur, weil unsere Vorfahren den Umfang im Verhältnis zum Durchmesser setzten und allen­falls ahnen konnten, daß der Radius die elegantere Größe darstellt. Wenn Außerirdische uns mit τ statt π konfrontierten, wäre das nicht verwunderlich.

Gewiß könnten andere aus ebensolchen geschichtlichen Gründen zu τ statt π gekommen sein. Hätten die Griechen sich mehr für den Radius interessiert oder hätte man Jahr­tausende später nicht 3,14..., sondern 6,28... einen griffigen Namen gegeben, dann würde auch ich mit der gleichen Selbstverständlichkeit fragen: Warum sollen wir π als Ersatz für τ/2 einführen? Gut, das mit dem Winkel (360°=τ) ist ein Argument gegen π. Nur sollten aus dem gleichen Grunde auch die immer noch gebräuchlichen Analoguhren gegen solche ausgetauscht werden, deren Stundenzeiger nur eine Umdrehung am Tag vollführt. Und die Uhrzeit führt auf die Frage: Warum setzen sich gerade die Amerikaner [1] mit ihren komischen Zeitangaben, Maßen und Gewichten für eine winzige Verein­fachung des Kreisumfanges ein?

Ich bleibe bei π, wie ich zu τ stünde, hätte die Geschichte dies zur Kreiszahl gekürt. Nicht wegen der Kreisfläche, die mit π mal Radius zum Quadrat besser aussieht als mit τ/2, denn dazu führen die Tau-Freunde ins Feld: Die Kreisfläche ergibt sich durch Inte­gration über einen anschwellenden Umfang, und so entsteht aus dem Umfang τ mal Radius eben die Fläche τ/2 mal Radius zum Quadrat. Das mag schlichte Gemüter beeindrucken. Doch kann man umgekehrt den Umfang 2π mal Radius auch als Ableitung der Fläche π mal Radius zum Quadrat sehen. Gut, nicht nur die Griechen kümmerten sich zunächst um Streckenverhältnisse und erst später um Flächen. Heute aber sind wir schlauer: Wer Volumen und Oberfläche höherdimensionaler Kugeln berechnen will, wird zunächst durch fortgesetzte Integration das Volumen

Vn(r) = πn/2rn/(n/2)!

bestimmen, woraus sich durch schlichte Ableitung nach r die Oberfläche

On(r) = 2πn/2rn-1/Γ(n/2)

ergibt. Ersetzt man in diesen Formeln π durch τ/2 werden sie nicht einfacher. So erscheint mir π doch als die glücklichere Wahl für die Kreiszahl, nicht 2π wegen des Vollkreises, nicht π/2 für den rechten Winkel und auch nicht π/4 als dem gern vor­kommenden Verhältnis der Flächen von Kreis und Umquadrat.



[1] Pünktlich zum Tau-Tag 2011 berichtet Spiegel-Online über den Physiker Michael Hartl, der sich unter tauday.com über die neue Kreiszahl ausläßt, die wohl im Jahre 2001 durch den Mathematiker Bob Palais mit einem Artikel π is wrong in der Zeitschrift The Mathematical Intelligencer halbwegs ernsthaft eingeführt wurde.

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