Nur 13 Prozent sagen evet
Der Urheber der Renate Künast unterstellten Aussage "Der trauma­tisierte junge Flüchtling hat zwar getötet, man muss ihm aber jetzt trotzdem helfen“ [1] scheint immer noch nicht gefaßt zu sein. Ich hätte gerne gewußt, ob er dies allein aus niederen politischen Beweg­gründen tat oder nicht doch ein begnadeter Satiriker ist, der täuschend echt den Ton typischer Einlassungen aus der grünen Betroffen­heitsecke traf. Und heute wird Claudia Roth mit "Wir müssen uns extrem bemühen um diese Menschen, die glauben, dass Erdogans Putsch von oben gut sei für die Türkei" [2] von gleichem Kaliber wahr­scheinlich korrekt zitiert, denn die Quelle ist seriöser als Facebook. Weniger seriös ist ihre Beschönigung, die 63 Prozent der Stimmzettel für Kanonen statt Butter seien von nur 13 Prozent der Türkei­stämmigen abgegeben worden. Offen­sichtlich wurden bei den 100 Prozent Kinder und Viertel­türken ohne Wahlberech­tigung mitgezählt.

Nein, man muß sich nicht um sie bemühen, sodern sich für die übrigen 37 oder 87 Prozent einsetzen. Und es sollte Schluß sein mit den ewigen Beteuerungen, nicht alle Türken seien für Erdogan und nicht alle Moslems für den Islamischen Staat, weil es ja nur 51 bzw. 20 Prozent seien. Im normalen deutschen Sprach­gebrauch ist die gestrige Entscheidung "den" Türken zuzuschreiben, seien es wirklich 51 oder in Wahrheit nur 49 Prozent gewesen, denn "wir" Deutschen ertragen auch klaglos den berech­tigten Vorwurf, vor einem Umlauf des Uranus für Faschisten gestimmt und ein eben­solches Ermächti­gungs­gesetz ermöglicht zu haben. Möge alles an den Türken in weniger als 12 statt 1000 Jahren vorübergehen, und mögen die Moslems nicht volle 500 Jahre Refor­mation benötigen.

[1] Künast stellt Strafanzeige wegen Falschnachricht auf Facebook. FAZ, 10.12.2016.

[2] Claudia Kade: Müssen uns extrem um Erdogan-Anhänger bemühen. Welt-N24, 17.04.2017.

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